Wenn es um die Ausstattung von Rennrädern geht, stellt sich oft die Frage: Shimano oder SRAM oder am Ende doch Campagnolo? Die Entwicklung elektronischer Schaltungen und Scheibenbremsen hat diese Entscheidung nicht gerade einfacher gemacht. Im Folgenden werden die grundlegenden Unterschiede zwischen den Schalt- und Bremssystemen sowie die Eigenheiten der verschiedenen Gruppen verdeutlicht.
Was ist eine Rennrad-Gruppe?
Beim Kauf eines neuen Rads ist dieses meist mit Komponenten eines Herstellers ausgestattet. Die drei großen Hersteller von Rennradkomponenten - Shimano, SRAM und Campagnolo - bieten Komponenten unterschiedlicher Qualitätsstufen an, die sie jeweils in Gruppen zusammengefasst haben.
Eine komplette Rennrad-Gruppe besteht aus:
- Brems-Schalthebel
- Schaltwerk
- Umwerfer
- Kurbel
- Innenlager
- Kassette
- Kette
- Bremskörper
Eine Rennrad-Gruppe umfasst somit alle Teile, die zum Antrieb gehören, sowie die Bremsen. Die Bestandteile der Schaltgruppe sind ausschlaggebend dafür, wie Schalt- und Bremsvorgänge an deinem Rad funktionieren.
Wie funktioniert eine Rennrad Schaltung?
Die Bauteile, mit denen du Kontrolle über dein Rad ausübst, also schaltest und bremst, sind die Brems-Schalthebel. Diese sind am vorderen, gebogenen Teil des Rennradlenkers angebracht. Von diesen wird der Impuls zum Schalten oder Bremsen an die jeweiligen Bauteile, also Bremskörper, Schaltwerk und Umwerfer, weitergeleitet.
Mechanisch oder elektrisch schalten?
Der grundlegende Unterschied zwischen den Systemen besteht in der Übertragung des Schaltimpulses an Schaltwerk und Umwerfer. Folgende drei Möglichkeiten bestehen:
- Mechanisch: über ein System von Schaltzügen
- Elektronisch: über Kabel oder Funk
- Hydraulisch: durch Hydraulikflüssigkeit in speziellen Hydraulikleitungen
Vor- und Nachteile mechanischer Rennradschaltungen:
- + Gewicht
- - Verschleiß der Züge
- + Leichte Reparatur unterwegs (z.B. bei gerissenen Zügen)
- - Schwergängig bei ungünstiger Verlegung der Züge
- + (relativ) preiswert
Die klassische Rennradschaltung wird mechanisch angesteuert. Durch einen Schalthebel wird der Schaltzug um eine definierte Strecke verkürzt und verlängert. Dies löst eine seitliche Bewegung von Schaltwerk oder Umwerfer aus, die Kette "wandert" entsprechend auf ein anderes Ritzel oder Kettenblatt.
Vor- und Nachteile elektronischer Rennradschaltungen:
- + Stets optimale Funktion
- - Abhängigkeit von Stromquelle
- + Relativ unempfindlich gegen Schmutz
- - Reparatur unterwegs kaum möglich
- - Meist höheres Gewicht als mechanische Schaltungen
Hier wird durch die Betätigung des Schalthebels ein elektronischer Impuls abgegeben. Dieser Impuls wird per Funk oder über eine Kabelverbindung an Schaltwerk oder Umwerfer weitergeleitet. Dort sorgt dann ein kleiner Elektromotor für die entsprechende seitliche Bewegung, welche die Kette auf ein anderes Zahnrad springen lässt.
Vor- und Nachteile hydraulischer Rennradschaltungen:
- + Stets optimale Funktion
- - Reparatur unterwegs kaum möglich
- + Tausch oder Nachstellen von Zügen nicht nötig
- - Höheres Gewicht als mechanische Schaltungen
- + Weniger anfällig, schwergängiger in der Funktion als mechanische Schaltungen
Hier wird der „Befehl“ zum Schaltvorgang durch Hydraulikflüssigkeit weitergeleitet.
Shimano, SRAM oder Campagnolo?
Komplette Rennrad-Gruppen werden von fünf Herstellern angeboten:
- Shimano
- SRAM
- Campagnolo
- FSA
- Rotor
Shimano und Campagnolo sind die Hersteller, die schon am längsten im Geschäft sind. SRAM, vormals Sachs, ist noch nicht ganz so lange dabei. Relativ neu auf dem Rennradmarkt sind Rotor und FSA. Im Jahr 2016 stellten beide eine komplette Rennrad-Gruppe vor. Während FSA eine elektronische Schaltgruppe anbietet, hat Rotor mit seiner hydraulischen Schaltgruppe einen neuen Weg eingeschlagen.
Übersicht der Gruppen
Die drei großen Hersteller Shimano, SRAM und Campagnolo bieten jeweils mehrere Schaltgruppen unterschiedlicher Qualitäts- und Preisklassen an. Diese sind hier von der hochwertigsten zur preiswertesten Gruppe aufgeführt:
| Shimano | SRAM | Campagnolo |
|---|---|---|
| Dura Ace (Di2) ; Disc ; 2x11 | Red (eTap) ; Disc ; 2x11 | Super Record (EPS) ; Disc ; 2x12 |
| Ultegra (Di2) ; Disc ; 2x11 | Force ; Disc ; 2x11 ; 1x11 | Record (EPS) ; Disc ; 2x12 |
| 105 ; Disc ; 2x11 | Rival ; Disc ; 2x11 ; 1x11 | Chorus (EPS) ; Disc ; 2x11 |
| Tiagra ; Disc ; 3x10 ; 2x10 | Apex ; Disc ; 2x11 ; 1x11 | Potenza ; Disc ; 2x11 |
| Sora ; 3x9 ; 2x9 | Centauer ; 2x11 | |
| Claris ; 3x8 ; 2x8 | ||
| Tourney ; 3x7 ; 2x7 |
Shimano Schaltungen
Shimano ist der größte Hersteller von Schaltkomponenten. Die japanische Firma bietet Schaltgruppen jeder Preisklasse an. Bei den hochwertigen Schaltgruppen, Ultegra und Dura Ace, gibt es neben der mechanischen auch eine elektronische Ausführung. Außerdem bieten sie mechanische und hydraulische Bremsen an. Die elektronischen Schaltungen sind mit „Di2“ bezeichnet.
Das Schalten funktioniert bei den mechanischen Gruppen von Shimano durch das Nach-innen-drücken des Bremshebels und einen weiteren, etwas kleineren Hebel, der hinter diesem angebracht ist. Drückst du den Bremshebel nach innen, wird der Schaltzug gespannt. Die Kette "wandert" dadurch auf das nächstgrößere Ritzel bzw. das große Kettenblatt. Der rechte Bremshebel verfügt über mehrere Rasterungen, sodass du hinten gleich mehrere Gänge auf einmal nach unten, also auf größere Ritzel, schalten kannst. Das Betätigen des kleinen Schalthebels gibt den Zug frei, entsprechend wandert die Kette auf das kleine Kettenblatt bzw. das nächstkleinere Ritzel.
Shimano bietet seine beiden hochwertigsten Schaltungen, die Ultegra und die Dura Ace, in der elektronischen DI2 Variante an. Diese Gruppen werden über einen zentralen Akku, der versteckt in der Sattelstütze untergebracht ist, mit Strom versorgt. Dies hat den Vorteil, dass du nur einen Akku laden musst. Zugleich müssen alle Bauteile der Schaltung durch Kabel verbunden werden. Um die Gänge mit der elektronischen Schaltung zu wechseln, sind hinter jedem Bremshebel zwei Tasten angebracht. So wie du zum Schalten auf ein größeres Zahnrad in der mechanischen Version den Bremshebel nutzt, geschieht dies in der elektronischen Version durch das Drücken der vorderen Taste. Mit der hinteren Taste schaltest du entsprechend auf ein kleineres Zahnrad.
Die Di2 Schaltungen von Shimano verfügen über weitere Schaltprogramme. Diese müssen jedoch extra „freigeschaltet“ werden.
Shimano Dura Ace
Die Dura Ace ist seit vielen Jahren die Top-Gruppe von Shimano. Der Name steht für ein geringes Gewicht bei maximaler Präzision und butterweichen Schaltvorgängen. Die Dura Ace ist in einer elektronischen und einer mechanischen Version auf dem Markt. Bei den Bremsen besteht die Wahl zwischen Felgen- und Scheibenbremsen. Die Gruppe gibt es mit 11 Ritzeln hinten und einer Kurbel mit zwei Kettenblättern.
Shimano Ultegra
Die Ultegra ist der kleine Bruder der Dura Ace mit einem hervorragenden Preis-Leistungsverhältnis. Sie übernimmt zentrale Vorzüge der Spitzengruppe und bietet diese zu einem deutlich geringeren Preis. Wer bereit ist, ein geringfügig höheres Gewicht in Kauf zu nehmen, ist hier richtig. Ebenso wie die Dura Ace schaltet die Ultegra 2x11 Gänge, wahlweise elektronisch oder mechanisch. Auch diese Gruppe wird sowohl mit Scheiben- als auch mit Felgenbremsen angeboten.
Shimano 105
Shimano 105 steht seit mehreren Generationen für den preiswerten Einstieg in den Rennsport. Zwar ist keine elektronische Variante auf dem Markt, doch die mechanische Schaltung bietet die gleichen äußeren Merkmale wie die höherpreisigen Gruppen: 2x11 Gänge und die Wahl zwischen hydraulischen Scheibenbremsen und mechanischen Felgenbremsen. Abstriche sind hier wiederum im Gewicht zu machen.
Shimano Tiagra
Die Tiagra Schaltung von Shimano richtet sich an Rennrad-Einsteiger, die Wert auf eine gute Funktionalität legen. Im Gegensatz zu den teureren Gruppen schaltet die Tiagra, die optisch stark an die Ultegra-Schaltung der vorletzten Generation erinnert, „nur“ 10 Ritzel hinten. Dafür besteht die Möglichkeit, die Übersetzungsbandbreite durch eine Kurbel mit 3 Kettenblättern auszuweiten. Ebenfalls werden Brems- und Schalthebel für flache Lenker angeboten, wodurch die Gruppe auch an Fitness- und Citybikes verbaut werden kann. Bei der Tiagra hast du ebenfalls die Wahl zwischen mechanischer Felgen- und hydraulischer Scheibenbremse.
Shimano Sora
Ein Ritzel weniger als die Tiagra Schaltung und etwas preiswerter in der Anschaffung. Dies beschreibt die Sora-Gruppe.
Shimano Claris im Detail
Die Shimano Claris ist die Einsteiger-Gruppe des Herstellers und eignet sich vor allem für Rennrad-Einsteiger und Freizeitfahrer. Zu der 8-fachen Kassette hinten gesellt sich entweder eine Zweier- oder Dreier-Kurbel, was je nach Ausführung 16 bzw. 24 Gänge ergibt, was für diesen Einsatzzweck mehr als ausreicht. Um den Neulingen den Einstieg zu erleichtern bietet die Claris Schalthebel mit Ganganzeige und mit RapidFire Plus optimierte Hebel für Flat Bar Rennräder.
Die Wahl der richtigen Schaltgruppe
Die Wahl der Schaltgruppen kann zu verschiedenen Zeiten erfolgen: beim Kauf eines Fahrrads oder bei der Montage eines Rahmens. Shimano ist Branchenführer und bietet eine große Auswahl an Schaltgruppen insbesondere für jedes Budget.
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