Shimano Deore Hebel Funktion am Schaltwerk: Eine detaillierte Betrachtung

Die Kettenschaltung am Mountainbike oder E-MTB sauber einzustellen, sollte zum Standard-Repertoire gehören, egal ob es sich um einen Shimano- oder SRAM-Antrieb handelt. Die Schaltung eines Fahrrads ist ein komplexes System, in dem mehrere mechanische Bauteile zusammenwirken. Diese müssen optimal aufeinander eingestellt sein, um das Konzept Kettenschaltung reibungsarm und effizient werkeln zu lassen.

Grundlagen der Kettenschaltung

Die Funktionsweise ist jedoch bei beiden Herstellern nahezu gleich. Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein, um Deine Schaltung bestmöglich einstellen zu können. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden.

Wichtig: Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion. Auch wenn andere Hersteller kompatible Teile anbieten, schwöre ich persönlich auf Originalbauteile des jeweiligen Gruppen-Herstellers, um die beste Performance zu gewährleisten. Für beste Performance ist ein markenreines, in sich kompatibles System obligatorisch.

Kompatibilität und Besonderheiten

Für die 10-fach MTB-Schaltwerke von Shimano wurde allerdings die Geometrie geändert, so das die 10-fach MTB-Schaltwerke nur mit 10-fach MTB-Shiftern funktionieren.

Ob jetzt 9 oder 10x geht weiß ich nicht. die STI's geben bei jedem "klick" eine genau definierte länge des schaltzuges frei.

Warum aber bei 10fach kassette und 10 fach STI ein 9- fach schaltwerk zum einsatz kommen soll ist mir unverständlich. Da die ritzel bei einer 10 fach kassette enger liegen als bei einer 9- fach, kann ein 9 fach schaltwerk m. E. nicht sauber arbeiten.

Moment, ein Schaltwerk ist in erster Linie ungerastert bzw ja frei beweglich in seiner Linie. Wenn man den Schaltzug abmontiert, kann man das Schaltwerk frei hin und her schieben per Hand, die Rasterung ist damit weg, kommt ja von den STI bzw Schalthebeln.

Richtig ist, dass der Schalthebel mit jedem Raster den Zug um eine vorgegebene Länge freigibt bzw kürzt. Falsch ist jedoch, dass es dem Schaltwerk egal ist! Das Paralelogramm des Schaltwerks ist auf die jeweilige Gruppe abgestimmt und bewegt die Schaltrollen entsprechend weit nach innen oder außen.

Ob und welche Schaltwerke/Kasseten/Hebel- Kombinationen kompatibel sind kann ich so aus dem Stegreif auch nicht beantworten.

Einstellung des Schaltwerks

Das Einstellen des Schaltwerks einer Kettenschaltung am Fahrrad ist nicht schwer. Wir gehen bei dieser Beschreibung davon aus, dass die Schaltung schon am Fahrrad verbaut ist und die Schaltzüge und Außenhüllen unbeschädigt sind. Sind die Außenhüllen beschädigt oder von innen verrostet, kann sich der Schaltzug nicht richtig in der Hülle bewegen und das Einstellen des Schaltwerks bringt nichts.

Die richtige Einstellung des Schaltwerks wird durch drei Schrauben gewährleistet. Am Schaltwerk selbst, können drei Dinge eingestellt werden, oberer Anschlag, unterer Anschlag und die Umschlingung. Über die Anschläge stellen Sie die Maximalauslenkung der Schaltung ein.

Die Einstellschrauben im Überblick

Bevor es an das Einstellen geht, hier noch ein kurzer Überblick der 3 Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

Detaillierte Schritte zur Einstellung

  1. Endanschlag unten (H-Schraube): Schaltest Du das Schaltwerk in den leichtesten oder schwersten Gang, besteht bei schlechter Justierung die Gefahr, dass sich die Kette unten zwischen dem kleinsten Ritzel und dem Rahmen oder oben zwischen dem größten Ritzel und den Speichen verklemmt, sollte sie über das jeweilige Ritzel springen. Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Wenn Du auf das kleinste Ritzel schaltest, muss das obere Schaltröllchen in einer Flucht unter dem kleinsten Ritzel der Kassette stehen und darf nicht weiter Richtung Rahmen verfahren. Drehst du die H-Schraube im Uhrzeigersinn, verstellst du den Anschlag nach innen, in Richtung Laufrad.
  2. Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen: Als Faustregel gilt: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus.
  3. Endanschlag oben (L-Schraube): Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert.

Wartung und Pflege

Grobe Verschmutzungen, insbesondere an Ritzeln, Kette und Schaltröllchen, können Probleme beim Schalten verursachen. Eine gründliche Reinigung ist daher obligatorisch. Für geschmeidige Schaltvorgänge muss die Kette sauber und gut geschmiert sein. Die Gelenke des Schaltwerks müssen leichtgängig sein. Sind sie verdreckt oder ist die Schmierung durch häufiges Waschen mit dem Hochdruckreiniger nicht mehr gegeben, darfst Du ihnen nach dem Säubern gern einen Tropfen Kettenöl spendieren. Dasselbe gilt für die Lager der Schalträdchen.

Grundsätzlich sollen alle Komponenten, die mit im Spiel sind, vor dem Einstellen der Schaltung sauber und natürlich technisch einwandfrei sein. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.

Überprüfung der Bauteile

Nimm Dir zuerst die Kassette vor: Wenn Du das größte Ritzel im montierten Zustand an zwei gegenüberliegenden Stellen fasst und die Kassette dann zu kippen versuchst, darf nur wenig bis kein Spiel spürbar sein. Kontrolliere bitte das Anzugsmoment der Kassette am Freilauf (40Nm). Die Kassette sollte in puncto Verschleiß im grünen Bereich sein. Spitze Zähne, auch „Haifischzähne“ genannt, sind ein klares Indiz dafür, dass die Kassette getauscht werden muss. Kontrolliere die Kassette auch auf etwaige Beschädigungen wie beispielsweise krumme oder abgebrochene Zähne. Ist dies der Fall, muss sie ebenfalls getauscht werden.

Das Schaltwerk muss fest und mit vorgeschriebenem Drehmoment am Schaltauge verschraubt sein. Selbstverständlich darf es nicht verbogen oder verzogen sein, was beim ernsthaften Mountainbiken schon mal vorkommt. Durch das Gerüttel auf den Trails schlägt es auch irgendwann in seinen Gelenken aus. Dies spürst Du, wenn Du den Käfig unten fasst und seitlich bewegst. Nur ein spielfreies Schaltwerk kann die Gänge sicher, schnell und präzise wechseln.

Kontrolliere auch das seitliche Spiel der Schalträdchen (idealerweise bei abmontierter Kette), indem Du daran wackelst. Sind die Lager verschlissen, kippen die Rädchen hin und her. Das Schaltwerk ist dann nicht mehr in der Lage, die Kette sauber unter dem gewünschten Ritzel in Position zu bringen und sie in der Flucht zu den Ritzeln zu halten.

Schaltauge

Schlägt das Schaltwerk gegen einen festen Gegenstand, verbiegt das Schaltauge auch gerne mal, obwohl das Schaltwerk selbst vielleicht gar nicht viel abbekommen hat. Dafür ist es schließlich auch da: Als „Sollbruchstelle“ zwischen Rahmen und Schaltwerk. Wenn etwas kaputt geht, dann besser so ein günstiges Teil als das Schaltwerk oder gar der Rahmen.

Ein sichtbar verzogenes Schaltauge lässt eine saubere Einstellung der Schaltung per se nicht mehr zu. Je nachdem kannst Du es mit einem Richtwerkzeug korrigieren, allerdings ist es bei modernen Rahmen mit Steckachse meist massiver, aus CNC-gefrästem Alu, daher schwer zu richten. Wir empfehlen, bei Beschädigung direkt ein neues Schaltauge zu verbauen.

Schaltzug und Außenhülle

Damit der Schaltgriff exakte „Befehle“ an das Schaltwerk weiterleiten kann, muss der Schaltzug und die schützende Außenhülle akkurat angeschlossen sein. Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen.

Beim Kürzen einer neuen Außenhülle ist wichtig, dass sie sauber und im 90°-Winkel abgeschnitten wird. Nimm hierzu auf keinen Fall einen Seitenschneider oder die Kombizange, da die Hülle hierbei gequetscht wird. Ein Bowdenzugschneider schert die Außenhülle sauber und quetschfrei ab. Mit einem speziell beschichteten Schaltzug verringerst Du die Reibung nochmals spürbar.

Shadow Plus Technologie

Mit dem neuen RD-M786 SHADOW PLUS Schaltwerk präsentiert SHIMANO eine Ergänzung für den XT Dyna-Sys Antrieb. Dieser wirkt den durch die Auf- und Abwärtsbewegungen der Kette im rauen Gelände entstehenden Kräften entgegen. Heftige Bewegungen der Kette führen häufig zu starker Geräuschentwicklung, wenn die Kette von oben oder von unten an die Kettenstrebe schlägt, oder unter extremen Bedingungen gar zum Abspringen vom Kettenblatt vorn.

In der „On“-Stellung bewirkt der Schalter eine Dämpfung des Schaltwerkskäfigs und damit ein Verringerung der Kettenbewegung für ein leiseres und stabileres Fahrerlebnis.

Bei einem Rad das nie im Gelaende bewegt wird, braucht man kein Shadow+ (oder Typ2 wie es bei SRAM heisst). Es soll ja das Schwingen der Kette und dadurch verursachte Probleme (chainsuck, durchrutschende oder abfallende Ketten) verhindern. Im Regelfall tritt das nur bei MTB auf - es sei denn, Du raeuberst Bordsteine oder faehrst Treppen mt Deinem Rad.

Funktionsweise von Shimano Shadow Plus und Sram Type 2

Shimano nennt es "Shadow Plus" und führte die Technologie erstmals 2012 mit der Shimano XTR ein, Sram zog 2013 mit ihrer "Type 2" genannten Technik bei XX1, X0 und X9 nach. Beide Systeme sorgen dafür, dass der untere Schaltwerksarm während der Fahrt nicht so stark schwingt und verhindern so, dass die Kette gegen den Rahmen schlägt oder sogar ganz abspringt.

Das Funktionsprinzip beider Systeme ist im Grunde gleich: Über einen zusätzlichen Federmechanismus im unteren Gelenk des Schaltwerksarms wird die Vorspannung erhöht. Dadurch steigt der Widerstand im Gelenk, und eine höhere Kraft wirkt der Bewegung des Arms entgegen, der sich bei Erschütterungen nämlich sonst gegen die Fahrtrichtung nach vorne dreht. Eine verringerte Kettenspannung sowie das Schlagen und Abspringen der Kette werden durch die höhere Vorspannung des Schaltwerkarms verhindert. Und das wohlgemerkt, ohne die Bedienkräfte der Schaltung deutlich zu erhöhen.

Die Techologien sind für fast alle gängigen Schaltungen verfügbar. Beide Systeme verhindern das große Klappern zuverlässig. Auch die Kette bleibt deutlich länger auf den Kettenblättern, eine separate Kettenführung im klassischen Toureneinsatz bleibt also für viele entbehrlich.

Das Shadow-Plus-Funktion von Shimano kann über einen kleinen Hebel am Schaltwerk deaktiviert werden. Im Fahrbetrieb gibt es dafür aber keinen Grund, es erleichtert jedoch den Laufradausbau. Das Sram Type-2-System ist permanent aktiv.

Um das Laufrad bequem ausbauen zu können, kann der Schaltwerkarm in der vorderen Position blockiert werden. Dafür wird der Arm nach vorne bewegt und der Arretierknopf mit dem Schlosssymbol (Sram nennt es "Cage Lock") betätigt, der den Schaltkäfig blockiert. Zum entriegeln einfach den Schaltkäfig wieder nach vorne drehen bis der Knopf selbstständig herausspringt.

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