Seit Jahrzehnten träumen Biker von legendären Buchstabenkombinationen wie XTR und XT, die Schaltvergnügen und Statussymbolik zugleich versprechen. Doch auch die preislich darunter liegenden Schaltgruppen haben einiges zu bieten. Mit der Einführung der Deore M6100 verbauen die Japaner sogar unterhalb des SLX-Niveaus erstmals 12 Gänge.
Die brandneue Deore M6100 kommt als 1 x 12-Antrieb daher und soll laut Shimano rund 280-290 Euro kosten (ohne Bremse). Um die Nummer vier in Shimanos Komponentenhierachie massentauglich zu machen, setzt Shimano mit der neuen Deore sogar noch weiter unterhalb der 300-Euro-Preisgrenze an. Die 11fach- und 10fach-Versionen der Deore wird es trotzdem weiterhin geben.
Alle neuen Shimano Deore 12fach-Komponenten sind ab Juni 2020 im Fachhandel erhältlich. Der japanische Fahrradteilehersteller stellt mit der DEORE M6100 das neueste Mitglied der 12-fach MTB Komponentenfamilie her und präsentiert parallel dazu eine 11-fach DEORE M5100 sowie die 10-fach-Variante M4100, die ebenfalls den klangvollen Namen SHIMANO DEORE trägt.
Technologien und Features der Deore M6100
Wie bei Shimano üblich, darf die jüngste Gruppe die Techniken der Etablierten erben. "Shadow RD+", "Two Way Release", "Hyperglide+", "Dynamic Chain Engagement+", "Rapidfire Plus" wären ab sofort als Features im Deore-Aufgebot. Besser verständlich sind da nackte Zahlen: So hat die langlebige Edelstahl-Kassette harmonisch abgestufte Ritzel mit 10-51 Zähnen, was eine satte Bandbreite von 510 Prozent ergibt.
Die M6100 Serie basiert auf der DNA der SHIMANO Top-MTB-Gruppen XTR, DEORE XT und SLX. Zum Einsatz kommt dieselbe DYNAMIC CHAIN ENGAGEMENT+ Technologie wie bei den XTR, DEORE XT und SLX Kurbeln, die mit ihren speziell geformten Zähnen gleichermaßen den Rückhalt der Kette auf dem Kettenblatt wie den reibungslosen und leisen Lauf garantiert.
- Dynamic Chain Engagement+: Speziell geformte Zähne für besseren Kettenhalt
- Shadow RD+: Dämpfungstechnologie für mehr Kettenspannung
- Two Way Release: Schalten durch Ziehen mit dem Zeigefinger oder Drücken mit dem Daumen
- Rapidfire Plus: Schaltet mit nur einem Druck am Hebel um bis zu drei Gänge zurück
- I-Spec EV: Ermöglicht die Montage von Schalt- und Bremshebel mit nur einer Schelle
Kurbelgarnitur
Die neue Deore-Kurbelgarnitur ist gespickt mit Technologien aus den teureren XT- und XTR-Gruppen. Die neue Deore M6100 ist eine reine 1-fach Gruppe. Freunde von zwei Kettenblättern werden jedoch mit den beiden anderen neuen Deore-Reihen bedient.
Genau wie die teureren SLX-, XT- und XTR-Modelle profitiert auch die M6100 von der Dynamic Chain Engagement+ Technologie. Dabei sollen die speziell geformten Zähne den Rückhalt der Kette im Kettenblatt begünstigen, sowie Reibung und Geräuschentwicklungen reduzieren. Dabei hält die Direct-Mount-Befestigung das Kettenblatt nicht nur sicher an Ort und Stelle und zahlt auf eine cleane Optik ein, sondern ermöglicht auch den reibungslosen Wechsel des Kettenblatts.
Beim Kauf stehen dem Kunden neben der Kurbelarmlänge von wahlweise 170 oder 175 Millimetern auch zwei verschiedene Kettenblattgrößen mit 30 oder 32 Zähnen zur Wahl. Zudem sind die Kettenblätter der großen Geschwister (Shimano SLX, XT und XTR) mit dem neuen Familienmitglied M6100 kompatibel. Somit liegt es am Benutzer, das Spektrum wahlweise mit einem 28er, 30er, 32er, 34er oder gar 36er-Kettenblatt zu erweitern. Zuletzt bietet Shimano die Kurbelgarnitur mit drei verschiedenen Q-Faktoren (Abstand der zwei Kurbelarme im montierten Zustand) an: 172 Millimeter, 178 Millimeter und 181 Millimeter.
Kassette und Kette
An der Kassette für die neue Deore-Gruppe verbaut Shimano 12 Edelstahl-Ritzel mit einer Bandbreite von 10-51 Zähnen. Wie bei den anderen Shimano 12fach-Schaltungen soll auch die neue Deore schneller, präziser und zuverlässiger Schalten als die Vorgänger-Schaltgruppe. In Kombination mit der spezielle M6100-Kette will Shimano eine signifikante Steigerung in Sachen Schalt-Performance im Vergleich zu früheren Deore-Modellen erreicht haben.
Schaltwerk und Schalthebel
Hinten sorgt an der neuen Deore ein Shadow RD+-Schaltwerk für präzise und reibungslose Gangwechsel und mehr Kettenspannung im groben Gelände. An Leit- und Spannrolle zählen wir 13 Zähne. Auch im Schalthebel stecken die Gene der teureren Shimano 12fach MTB-Schaltungen. Dank I-Spec-EV-Schelle lassen sich auch am kleinen Geschwisterchen Deore Schalt- und Bremshebel mit nur einer Schelle montieren.
Mit Rapidfire Plus schaltet der Fahrer mit nur einem Druck am Hebel um bis zu drei Gänge zurück. Zudem gibt die „Two Way Release“-Funktion den Schaltzug wahlweise durch Ziehen mit dem Zeigefinger oder Drücken mit dem Daumen frei. So wie man das von Shimano-Schaltungen eben kennt.
Bremsen
Gemeinsam mit der neuen Schaltgruppe führt Shimano von jetzt auch zwei neue Deore-Scheibenbremsen im Sortiment. Zum einen die altbekannte Deore mit Zweikolben-Bremssattel, zum anderen eine speziell für den Trail-/Enduro-Einsatz konzipierte Vierkolben-Variante. Dazu sind die Bremshebel mit SHIMANOs bewährter SERVO WAVE Technologie ausgestattet, die mit dem ersten Teil des Hebelwegs die Beläge schnell nahe an die Scheiben führt und im zweiten Teil viel Hebelweg für den eigentlichen, leistungsstarken und gut kontrollierbaren Bremsvorgang zur Verfügung stellt.
Die Deore im Praxistest
In der Praxis schlägt sich die Deore angesichts ihres attraktiven Preises mehr als wacker. Die Hebel schmiegen sich prima am Finger an, zudem lässt sich der kleinere mit dem Daumen nach vorne oder mit dem Zeigefinger nach hinten drücken - eine tolle Funktion. Hoch schaltet die Deore zwar "nur" drei Gänge auf einen Rutsch, dies funktioniert aber auch unter Last ordentlich.
Allerdings ist eine sehr penible, mitunter etwas zeitraubende Einstellung der Schaltung nötig. Beim Runterschalten spürt man hin und wieder eine kleine Verzögerung - das machen XT & Co. besser, aber eben nicht zu diesem Preis. Vergleichsweise gering sind die notwendigen Fingerkräfte. Gerade Einsteigern dürfte das gefallen. Dank des zuschaltbaren Reibungsdämpfers steht das Schaltwerk auch im harten Downhill stabil - klasse.
Vor- und Nachteile
Die Deore M6100 bietet eine Vielzahl von Vorteilen, aber auch einige Nachteile, die bei der Kaufentscheidung berücksichtigt werden sollten:
- Vorteile:
- Attraktiver Preis
- Hohe Bandbreite (510 %)
- Ergonomische Hebel
- Stabiles Schaltwerk dank Reibungsdämpfer
- Nachteile:
- Etwas zeitraubende Einstellung
- Leichte Verzögerung beim Runterschalten
- Vergleichsweise hohes Gewicht
Alternativen zur Deore M6100
Neben der Deore M6100 gibt es auch andere Schaltgruppen, die in Frage kommen könnten:
- Sram SX Eagle: Eine weitere 12-fach Schaltgruppe für den Einstiegsbereich
- Shimano SLX M7100: Die nächsthöhere Schaltgruppe von Shimano mit etwas höherwertigen Materialien undTechnologien
Fazit
Die Shimano Deore M6100 bietet viel Schaltung für wenig Geld und macht einen tollen Job. Für 270 Euro galt die SLX-Gruppe bisher als die günstigste mit 1x12 Gängen von Shimano. Das soll sich nun ändern.
Die Deore Gruppe von Shimano steht schon seit vielen Jahren für zuverlässige, bewährte Performance für ambitionierte Einsteiger zu einem äußerst attraktiven Preis. Wie von Shimano gewohnt, „erbt“ die Deore Gruppe zahlreiche Features die zuvor den höherwertigen Gruppen vorbehalten waren.
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Shimano EP8 App Einstellungen: Optimale Einstellungen für Deine E-Bike Tour
- Amerikanische MotoGP Fahrer: Stars & Erfolge
- Günstige E-Bikes im Test: Die besten Modelle & wichtige Kauf-Tipps enthüllt!
Kommentar schreiben