Shimano Deore Schalthebel Rutscht Durch: Ursachen und Lösungen

Ein durchrutschender Shimano Deore Schalthebel kann frustrierend sein und die Fahrfreude erheblich beeinträchtigen. Es gibt verschiedene Ursachen für dieses Problem, und in den meisten Fällen lässt es sich mit etwas Geduld und den richtigen Handgriffen beheben.

Mögliche Ursachen und Lösungen

1. Verharztes Fett und Verschmutzung

Wenn die Schaltung mal wieder hakt und ihr Gänge nicht hoch oder runter schalten könnt, liegt das bei einer indexierten Schaltung nicht selten an einem verdreckten bzw. verklebten Innenleben des Schalthebels durch altes Fett. Oft sind die kleinen Sperrklinken in der Mechanik verharzt. Die Hauptursache für schlecht funktionierende Schaltungen ist zu viel Reibung. Weniger Dreck bedeutet weniger Reibung. Alle beweglichen Teile müssen sauber und geschmiert sein.

Wenn ihr Glück habt, könnt ihr das Problem beheben, ohne, dass ihr den Schalthebel zerlegen müsst. Viele Hebel haben kleine Wartungsöffnungen (kleines Loch). Nehmt euch einfach einen Entfetter oder WD-40 und sprüht dies in die Öffnung und am besten auch in jede andere Ritze, die ihr am Hebel finden könnt. Danach betätigt ihr die Schaltung ganz oft nach oben und nach unten.

Wenn das Fett im Schalthebel schon sehr alt ist, werdet ihr dieses kaum von außen lösen können. Dann könnt ihr den Schalthebel nur noch zerlegen und reinigen. Meistens reicht es dabei aber schon, wenn ihr die größeren Abdeckungen entfernt.

Reinigung des Schalthebels:

  1. Entferne die kleinen Zugwechselstopfen.
  2. Lege einen alten Lappen auf den Boden.
  3. Sprühe ordentlich WD40 in den kompletten Schalthebel.
  4. Schalte mehrmals rauf und runter.
  5. Wiederhole die WD40-Spülung und lasse es 10 Minuten einwirken.

2. Schwergängiger oder angerissener Schaltzug

Beim Spannen oder beim Entspannen des Schaltzugs? Wenn es beim Entspannen passiert, kann es verharztes Fett im Schaltzug sein, allerdings kenne ich das persönlich nur von Bremsschalthebeln für den Rennlenker.

Wenn es beim Spannen passiert, würde ich (aus aktuellem Anlass ) schauen, ob der Schaltzug nicht an dem Ende, das im Schalthebel steckt angerissen ist. Je mehr Drähte angerissen sind, desto häufiger schaltet man ins Leere. Dass es nach dem Einstellen aufgetreten ist, kann Zufall sein oder daran liegen, dass du beim Einstellen den Zug mehr gespannt hast und dadurch noch ein paar Drähte mehr gerissen sind. Irgendwann schaltet man dann nur noch ins Leere weil der Zug ab ist (bei uns vor ein paar Wochen gottseidank praktisch vor der Haustür...). Leider war es dann sehr mühsam, das abgerissene Ende aus dem Hebel zu puhlen, d.h.

Wenn Du einen neuen Schaltzug installierst, solltest Du auch immer gleich prüfen, ob er reibungsarm durch die komplette Hülle gleitet. Falls nicht, musst Du besser auch die Hülle tauschen. Mit einem speziell beschichteten Schaltzug verringerst Du die Reibung nochmals spürbar.

Prüfe die Reibung des Schaltzugs in der Außenhülle. Präzises Schalten geht nur mit wenig Reibung!

3. Defekte Schaltnocken

Das übliche Problem ist aber, dass die kleinen Schaltnocken nicht mehr einrasten. Dann lässt sich der Hebel frei durchbewegen. Man 'repariert' das mit einem Sprüher WD-40. Manchmal auch mit 20-mal sprühen und immer wieder schalten. Spätestens dann ist der Hebel wieder ok.

4. Äußere Einflüsse

Was ich auch schon hatte: trotz der bschriebenen Prozedur trat das Problem weiter auf, weil die oberhalb montierte Fahrradklingel aufs Gehäuse der Schaltanzeige drückte und dieses wohl etwas verzogen hat.

5. Inkompatible Komponenten

Alle Teile des Antriebs und der Schaltung müssen zueinander kompatibel sein. Schaltwerk und Schaltgriff müssen vom gleichen Hersteller und idealerweise aus der gleichen Serie stammen. Essenziell sind hier aber die Schaltstufen: ein 12-fach Schaltwerk kann nur von einem 12-fach-Schaltgriff gleichen Herstellers angesteuert werden; es kann ausschließlich eine 12-fach-Kassette und -Kette benutzt werden. Shimano- und SRAM-Bauteile können NICHT gemixt werden. Dies führt unweigerlich zu Problemen bis hin zur kompletten Fehlfunktion.

6. Inverse Schaltung

Die Sache mit den inversen Schaltungen von Shimano, bei denen sich die Schaltlogik umkehrt, ist so: Es gibt zwar entsprechend sog "Top-Normal"- und "Low-Normal"-Schaltwerke (also entsprechend bei entspanntem Zug auf dem kleinsten oder auf dem größten Ritzel). Bei den Schalthebeln gibt es aber nur ein Modell, die Zugspannung bzw. -freigabe erfolgt immer in dieselbe Richtung. D.h. Du müsstest jetzt ein "Top-Normal-"Schaltwerk mit entsprechendem Schalthebel verbaut haben. Vorausgesetzt, Du hast Shimano-Teile nicht mit Teilen anderer Marken gemischt und den Zug richtig verlegt.

Detaillierte Reinigungsschritte

Was mein Radhändler mir gezeigt hat, was er selbst macht:

  1. Unten unter dem Hebel ist ein kleines Schrauberl, das du heraus schrauben kannst.
  2. Dann kannst du die Abdeckkappe entfernen. (Am einfachsten geht das, wenn du den Schalthebel lockerst und nach oben drehst. Ausbauen unnötig.)
  3. Die Innereien des Schalthebels mit Bremsenreiniger ein sprühen.
  4. Ein paar Minuten warten.
  5. Mit Pressluft ausblasen.
  6. Danach mit WD40 wieder einölen und zusammenbauen.

Schrittweise Anleitung zur Schaltungseinstellung

Um eine optimale Schaltleistung zu erzielen, ist eine korrekte Einstellung der Schaltung unerlässlich. Hier eine kurze Übersicht der Einstellschrauben eines modernen Schaltwerks. Als Anschauungsobjekt dient hier ein SRAM Eagle 12-fach-Schaltwerk. Die Schrauben und deren Funktion sind bei SRAM und Shimano aber gleich, auch deren Anordnung ist sehr ähnlich.

Überblick der Einstellschrauben

  • B-Schraube (B-Screw): Diese Schraube ist für den Grad der Umschlingung der Kette auf der Kassette und für den Abstand des oberen Schalträdchens zum jeweiligen Ritzel zuständig.
  • L-Schraube (Low Limit Screw): Diese Schraube stellt die obere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am größten Ritzel der Kassette.
  • H-Schraube (High Limit Screw): Diese Schraube stellt die untere Begrenzung des Schaltwerk-Schwenkbereichs ein, am kleinsten Ritzel der Kassette.

1. Endanschlag unten (H-Schraube)

Schaltest Du das Schaltwerk in den leichtesten oder schwersten Gang, besteht bei schlechter Justierung die Gefahr, dass sich die Kette unten zwischen dem kleinsten Ritzel und dem Rahmen oder oben zwischen dem größten Ritzel und den Speichen verklemmt, sollte sie über das jeweilige Ritzel springen. Hierzu lässt sich der Schwenkbereich des Schaltwerks in beide Richtungen mit sogenannten Endanschlägen begrenzen. Dies sind kleine Haken am Schaltwerkskörper, die bei Bewegung des Schaltwerk-Parallelogramms als Endanschlag fungieren und jeweils gegen eine Schraube fahren, die man individuell justieren kann. So wird das Schaltwerk daran gehindert, zu weit auszulenken und die Kette über die Kassette hinaus zu werfen.

Zuerst wird der „untere“ Endanschlag eingestellt, also für die Begrenzung auf dem kleinsten Ritzel. Dies machst Du mit der H-Schraube (High Limit Screw oder H-Screw). Hierbei steht das „high“ sinnbildlich für den schwersten Gang. Wenn Du auf das kleinste Ritzel schaltest, muss das obere Schaltröllchen in einer Flucht unter dem kleinsten Ritzel der Kassette stehen und darf nicht weiter Richtung Rahmen verfahren. Am besten geht diese erste Einstellung vonstatten, wenn noch kein Bowdenzug und keine Kette montiert sind. Wichtig: der Schaltgriff muss auf den schwersten Gang geschaltet sein.

2. Schaltzug klemmen und Zugspannung einstellen

Von hier aus wird nun die Zugspannung eingestellt. Als Faustregel gilt: Befindet sich das Schaltwerk mit dem Röllchen unter dem kleinsten Ritzel, soll der Schaltzug minimal vorgespannt sein. Am Schaltgriff befindet sich am Ausgang für den Schaltzug-Außenhülle eine kleine Rändelschraube, die werkzeuglos verstellt werden kann. Sie sollte komplett im Uhrzeigersinn hereingedreht werden und dann ca. 1-2 Umdrehung gegen den Uhrzeigersinn wieder heraus. So hast Du in beide Richtungen Spielraum beim Einstellen. Ist der Schaltzug in dieser Einstellung am Schaltwerk zu stark gespannt, zu sehr entspannt oder befindet sich das Schalträdchen nicht exakt unter dem kleinsten Ritzel, muss die Klemmung des Zuges am Schaltwerk nachgestellt werden.

3. Endanschlag oben (L-Schraube)

Nun stellen wir den "oberen" Endanschlag ein, also am größten Ritzel der Kassette. Hierzu schalte in den leichtesten Gang. Der Endanschlag wird mit der L-Schraube (Low Limit Screw oder L-Screw) justiert. Sitzt die Kette auf dem größten Ritzel, versuche, das Schaltwerk durch Drücken des Schalthebels noch etwas weiter in Richtung Speichen fahren zu lassen.

Wartungstipps für eine reibungslose Schaltung

  • Regelmäßige Reinigung: Entferne regelmäßig Schmutz und Ablagerungen von Kette, Ritzeln und Schalträdchen.
  • Korrekte Schmierung: Sorge für eine ausreichende Schmierung der Kette und der beweglichen Teile des Schaltwerks.
  • Überprüfung der Bauteile: Kontrolliere regelmäßig den Zustand von Kassette, Kette, Schaltwerk und Schaltauge.
  • Erneuerung verschlissener Teile: Tausche verschlissene Teile rechtzeitig aus, um Folgeschäden zu vermeiden.

Zusammenfassung

Ein durchrutschender Shimano Deore Schalthebel kann verschiedene Ursachen haben. Durch die oben genannten Schritte und regelmäßige Wartung kann das Problem oft behoben und die Lebensdauer der Schaltung verlängert werden.

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0