Shimano Deore Schaltung Komplett Test: Die ideale Wahl für ambitionierte Einsteiger

Mit gleich drei neuen Deore Gruppen mischt Shimano für das Modelljahr 2021 das preisgünstige Segment für Mountainbikes auf. Die Deore Gruppe von Shimano steht schon seit vielen Jahren für zuverlässige, bewährte Performance für ambitionierte Einsteiger zu einem äußerst attraktiven Preis. Klar ist, je teurer eine Schaltgruppe ist, desto besser und leichter ist sie auch. Doch muss es natürlich nicht immer eine XT oder XTR Schaltung sein. Für die/den Durchschnittmountainbiker:rin reicht auch eine Alivio oder Deoreschaltung völlig aus, um sportliche Touren zu machen oder Spaß auf den Trails zu haben. Auch diese Schaltungen haben sich lange bewährt und garantieren lang anhaltenden Fahrspaß. Oftmals kommt in den günstigeren Schaltgruppen die gleiche Technik zum Einsatz, lediglich das Material unterscheidet sich.

Und wie der Name „Gruppe“ schon vermuten lässt: Eine Schaltgruppe besteht meist aus Schaltwerk (hinten), Umwerfer (vorne), Kurbelgarnituren, Kassetten, Kettenblätter, Schalthebeln, Bremshebeln und den dazugehörigen Scheibenbremsen. Manchmal werden vom Hersteller des Fahrrads aber auch Komponenten ausgetauscht, sodass die Teile nicht alle der gleichen Gruppe angehören.

Die Evolution der Shimano Deore Schaltgruppen

Wie die Zeit vergeht! Vier Jahre ist es schon her, dass Sram mit seiner Eagle Schaltung am modernen Mountainbike die 12-fach Ära einläutete. Seit diesem Zeitpunkt liefern sich die US-Amerikaner mit der fernöstlichen Konkurrenz von Shimano ein Kopf-an-Kopf-Rennen und wir Biker bekommen im Jahresrythmus neue Schaltgruppen mit 12 Gängen präsentiert. Wie bei allen Neuheiten üblich, sind immer zunächst die Highend-Gruppen an der Reihe; in diesem Fall XX1 bzw. X01 für Sram und XTR für Shimano. Im letzten Jahr legte Sram mit der SX Eagle eine 12-fach Schaltung für den Einstiegsbereich nach, während Shimano mit XT und SLX seinen Mittelklasse-Gruppen ein 12. Für die Saison 2021 wird nun auch Shimano eine 12-fach Schaltgruppe für das etwas günstigere Preissegment anbieten: Die Shimano Deore M6100. Damit jedoch nicht genug: Mit den Serien M5100 und M4100 erhält die Deore-Familie noch weiteren Zuwachs, dann mit elf bzw. zehn Gängen.

Shimano Deore M6100: Die 12-fach Option

Ein Blick auf die Eckdaten der neuen M6100er Gruppe genügt, um zu erkennen, dass sich auch künftig daran nichts ändern wird. Wie von Shimano gewohnt, „erbt“ die Deore Gruppe zahlreiche Features die zuvor den höherwertigen Gruppen vorbehalten waren. Die neue Shimano Deore M6100 ist eine reine 1-fach Gruppe. Entsprechend lautet bezüglich der M6100 die wohl wichtigste und entscheidende Frage: Welche Kassetten wird es geben und wie groß fällt dementsprechend die Bandbreite aus?

Mit seiner 10-51 Kassette, die in verschiedenen Ausführungen auch schon bei XT(R) und SLX zum Einsatz kommt, setzte Shimano ein für viele überraschendes Ausrufezeichen. Nicht nur konnte man damit Srams 10-50 Kassette in der Bandbreite etwas überbieten, sondern die Japaner entschieden sich auch dazu, mit Microspline auf einen neuen Freilauf zu setzen. Dass nun auch die eigentliche Einsteigergruppe die enorm breit abgestufte Kassette bekommt, ist für uns durchaus überraschend. Einerseits bekommt man nämlich zwar eine riesige Bandbreite, die im Einstiegsbereich ihres Gleichen sucht, jedoch ist man auch auf ein Laufrad bzw. eine Nabe mit Microspline Freilauf angewiesen, was zumindest bisher immer die Kosten spürbar in die Höhe trieb.

Leider schweigt sich Shimano derzeit bezüglich des Gewichts noch aus, man verrät jedoch, dass die Kassette komplett aus Edelstahl besteht. Sie dürfte damit beim Gewicht etwas über dem der SLX Kassette liegen, deren größtes Ritzel aus Aluminium besteht und so 530g auf die Waage bringt. Für die neue Deore CS-M6100 Kassette würden wir dann knapp 600g vermuten. Auf der Habenseite dürfte diese jedoch neben der durch die Stahl-Konstruktion bessere Haltbarkeit wohl auch einen ausgesprochen attraktiven Preis verbuchen können - schließlich ist die SLX Kassette bereits für unter 70 Euro zu haben.

Für den Ritzelwechsel verantwortlich zeigt sich das Tandem aus RD-M6100 Schaltwerk, das natürlich mit der hauseigenen Shadow+ Dämpfung ausgestattet ist und sich optisch klar vom Vorgänger abhebt und dem SL-M6100 Schalthebel.

Kurbeln und Bremsen der Deore M6100

Natürlich ist keine neue Gruppe komplett ohne die entsprechenden Kurbeln - und irgendwie sind sie auch immer ein wenig das Aushängeschild der Baureihe. Im Falle der Deore M6100 setzt Shimano auf ein mutiges, kantiges, futuritisches Design, das ganz und gar nicht nach Einsteiger-Komponente aussieht und unserer Ansicht nach auch einige der teureren Kurbeln optisch lässig aussticht. Erhältlich ist die hohlgeschmiedete Alu-Kurbel ab Werk mit 30 oder 32er Blatt, das per Direct Mount befestigt wird. Die Kurbelarme gibt es entweder in 170mm oder 175mm Länge, bei den Q-Faktoren gibt es mit 172mm, 178mm und 181mm sogar derer drei.

Es geht spannend weiter: Die neuen Deore Bremsen kommen in zwei Versionen auf den Markt. Der BR-M6100 Bremssattel ist mit seinen zwei Bremskobeln eher für den Touren- und XC-Bereich ausgelegt, sein größerer Bruder, der BR-M6120 bringt mit vier Kolben hingegen auch ein Enduro zuverlässig zum Stehen. Für beide Bremssättel ist der gleiche Geber vorgesehen - das ist durchaus erwähnenswert, denn so sind beispielsweise beliebte Kombinationen aus einem Vierkolben-Sattel vorn und zwei Kolben hinten problemlos möglich. Der Geber selbst orientiert sich technisch wie optisch stark an den Pendants aus SLX und XT Reihe.

Deore M5100 und M4100: 11-fach und 10-fach Optionen

Freunde von zwei Kettenblättern werden jedoch mit den beiden anderen neuen Deore-Reihen bedient. Als 11-fach Gruppe kann die M5100 sowohl mit einem als auch mit zwei Kettenblättern gefahren werden. Mit den beiden Produktgruppen M5100 und M4100 verfolgt Shimano nun auch innerhalb der Deore-Familie den Kurs, den die Japaner zuvor bei der GRX Gravel-Gruppe eingeschlagen hatten. Auch dort gibt es innerhalb einer „Gruppen-Familie“ mehrere Abstufungen, die sich preislich und bei den Features unterscheiden.

Je nach dem anvisierten Preispunkt sollten die beiden Deore-Neuzgänge für Nachrüster und Hersteller eine wirklich attraktive Option darstellen. Durch die Möglichkeit, auch einen Umwerfer zu verbauen lassen sich hier fein abgestufte Antriebe mit großer Bandbreite realisieren, wie sie beispielsweise an Einstiegsrädern für den XC-Bereich oder auch für sportliche Trekkingräder sinnvoll sein könnten.

Gerade bei den Kassetten und Kettenblättern bringen die beiden neuen Deore Gruppen für 2021 einige spannende Neuigkeiten mit. Für diejenigen, die auf einen Umwerfer verzichten möchten, gibt es im 11-fach System der M5100 eine neue 11-51 Kassette, die 10-fach Schaltung der M4100 bekommt eine 11-46 Variante.

Für einen zügigen Wechsel der Ritzel sind insgesamt drei Unterschiedliche Schaltwerke verantwortlich. Das RD-M5100 ist ausschließlich für den 1×11 Antrieb vorgesehen, hat die entsprechende Shadow+ Dämpfung und bietet genügend Kapazität für die mächtige 11-51 Kassette. Das Pendant für den 2-fach Antrieb trägt die Bezeichnung RD-M5120, kommt jedoch zusätzlich auch bei sämtlichen 10-fach Kombinationen mit einem oder zwei Kettenblättern zum Einsatz.

Die Kompatibilität zwischen 10-fach und 11-fach Antrieben der neuen Deore-Bauteile ist durchaus interessant, denn das war in der Vergangenheit bei Shimano nicht der Fall. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch auch, dass sich das Übersetzungsverhältnis zwischen Schaltwerk und Schalthebel verändert hat - entsprechend dürfte ein Kombinieren mit bestehenden Komponenten älterer Baureihen schwierig werden.

Die MT410 (2-Kolben) bzw. MT420 Bremsen sind die günstigsten Disc-Vertreter der neuen Deore-Gruppe und erfreulicherweise wahlweise auch mit vier Kolben erhältlich. Damit sind sie beispielsweise auch eine durchaus gute Wahl für E-Bikes.

Wie immer bei Shimano Produktvorstellungen können wir zu den Preisen derzeit noch keine genauen Infos geben. Gehen wir aber von den derzeitigen Straßenpreisen der M7100 SLX Gruppe aus, die in der Variante ohne Umwerfer inklusive Bremsen bei ca. 350 Euro liegt, dürfte uns ein echter Preisbrecher ins Haus stehen.

Die Shimano Schaltgruppen im Überblick

Hier ist eine Übersicht der verschiedenen Shimano Schaltgruppen, um Ihnen bei der Auswahl zu helfen:

  • Shimano Tourney: Konzipiert für Einsteiger- und Freizeit-Fahrräder. Bietet eine einfache Schaltung mit ausreichend Gängen und ist preisgünstig.
  • Shimano Altus: Eine der Einstiegs-Schaltgruppen von Shimano, die eine solide Leistung zu einem erschwinglichen Preis bietet.
  • Shimano Acera: Ermöglicht erste Erfahrungen im Gelände.
  • Shimano Alivio: Eine hochwertige Komponentengruppe für Alltagsfahrten und leichtes Gelände, die sich durch reibungslose und präzise Schaltvorgänge auszeichnet.
  • Shimano Deore: Eine hochwertige und leistungsstarke Schaltgruppe für den Einsatz im Gelände und für Mountainbike-Touren, die sich durch Robustheit und Zuverlässigkeit auszeichnet.
  • Shimano SLX: Bietet Langlebigkeit, Zuverlässigkeit, geringes Gewicht und präzises Schaltverhalten für Mountainbiker.
  • Shimano Deore XT: Eine hochwertige Komponentengruppe für Mountainbikes, die sich durch zuverlässige Schaltleistung, präzise Gangwechsel und robuste Bauweise auszeichnet.
  • Shimano XTR: Entwickelt für Fahrer, die höchste Anforderungen an die Leistung ihres Mountainbikes stellen, und bietet eine schnelle und präzise Schaltung für anspruchsvolle Trail-Sessions.

Shimano DEORE XT Di2: Die elektronische Schaltung für E-Bikes

Die E-Bike-Entwicklung schreitet in rasantem Tempo voran. Doch die meisten Schaltungen funktionieren weiterhin nach einem fast schon antiquierten Prinzip. Shimano will die technologische Lücke zu High-Tech-E-MTBs mit der elektronischen DEORE XT Di2-Schaltung mit Automatik-Modus schließen und liefert neue Features für Einsteiger und Experten. Die Anforderung an eine E-Bike-Schaltung sind hoch: Generell treten beim E-Biken dank Motorunterstützung höhere Kräfte auf, man legt im Schnitt weitere Strecken zurück und da sich Kurbel und Kettenblatt unabhängig voneinander drehen können, weiß der E-Biker nicht immer, was die Kette gerade so treibt. Schaltfehler sind vorprogrammiert und treiben den Verschleiß der Komponenten voran.

2021 reagierte Shimano mit der LINKGLIDE-Schaltung, die auf Belastungen am E-Bike besonders widerstandsfähig reagiert. Ein Jahr später präsentieren die Japaner mit der neuen DEORE XT Di2 nun eine komplett in das Motorsystem integrierte elektronische Schaltung. Die neue Shimano DEORE XT Di2 ist eine reine E-Bike-Schaltung. Sie kommt nur an E-Bikes mit dem Shimano EP801-Motor und Shimano EP6-Motor, der aktuellsten Evolutionsstufe unter den Shimano-Motoren, zum Einsatz. Im Ersatzteileregal beim Bikehändler eures Vertrauens werdet ihr sie nicht finden, daher stehen noch keine Preise und konkreten Verfügbarkeitstermine für die Komponenten fest.

Sowohl Schaltung als auch Motoren wurden jeweils aufeinander abgestimmt, weshalb die Schaltung nicht abwärtskompatibel zu einem Shimano EP8-Motor ist. Die -Shimano DEORE XT Di2 erscheint in einer 12-fach HYPERGLIDE+ und einer 11-fach-LINKGLIDE-Variante. Beide Versionen arbeiten komplett elektronisch mittels eines kleinen Servomotors im Schaltwerk. Sie sollen schnell und zuverlässig schalten, trotz hohem Motordrehmoment. Zudem sollen beide Schaltungen durch die neue FREE SHIFT-Funktion auch für mehr Balance und Kontrolle bei dynamischen Geländeveränderungen sorgen. Mit FREE SHIFT wird es möglich, die Gänge zu wechseln ohne gleichzeitig pedalieren zu müssen, der Motor übernimmt das Andrehen des Kettenblattes und der Kette.

Die 12-fach-HYPERGLIDE+Schaltung richtet sich mit ihren etwas feineren Gang-Abstufungen mehr an sportliche Fahrer. Die 11-fach-LINKGLIDE-Schaltung will mit ihren robusteren Komponenten dagegen nicht nur bei Kilometer-Killern punkten, sondern liefert noch einen zusätzlichen Schaltungs-Modus.

Funktionsweise und Praxis der DEORE XT Di2

Die Hardware und Integration der Schaltung in das Motorsystem sind top. Die Shimano DEORE XT Di2 kommuniziert mit dem Display und dem Motor. Die Tasten des ergonomischen Schalthebels lassen sich individuell belegen und auch mit der Belegung der Motor-Remote-Tasten tauschen. Betätigt man beim Pedalieren die Schaltwippe, wechselt die Schaltung zuverlässig die Gänge ohne jegliches Drama. Die MULTI SHIFT-Funktion wurde von den bereits bestehenden Shimano Di2-Schaltungen übernommen: Hält man die Schaltwippe gedrückt, wechselt sie je nach Einstellung gleich zwei, drei oder unbegrenzt viele Gänge.

Der neue Schalthebel der Shimano XT Di2 besitzt neben den zwei Schaltwippen noch einen dritten Knopf, um die Schaltmodi zu wechseln. Aktiviert man die FREE SHIFT-Funktion in der App, kann man die Gänge manuell wechseln, ohne zu pedalieren. Das ist besonders für ambitionierte Trailpiloten auf Sekundenjagd praktisch: Rollt man z. B. durch eine langgezogene Kurve, hinter der ein Sprung wartet, kann noch in der Kurve ein schwererer Gang eingelegt werden. Der Motor dreht das Kettenblatt dann von alleine an, die Schaltung wechselt automatisch die Gänge. Nach der Kurve kann dann mit wenig Pedalumdrehungen der benötigte Speed für den Sprung aufgebaut werden, was einen unangenehmen Tritt ins Leere verhindert.

Kämpft man sich durch technisch anspruchsvolle oder stark verblockte Passagen auf einen fiesen Gegenanstieg zu, hat man die Möglichkeit per Einzel- oder Dauerklick in einen leichteren Gang zu wechseln, ohne die stabile horizontale Pedalstellung aufgeben zu müssen. Man kann sich besser auf die Hindernisse des Trails konzentrieren und wird nicht vom hohen Widerstand eines schweren Gangs beim erneuten Antreten am Anstieg überrascht. Im Stand funktioniert das “freie Schalten” natürlich nicht. Der Motor dreht nämlich nur dann das Kettenblatt an, wenn sich auch das Hinterrad und damit die Kassette drehen.

AUTO SHIFT: Automatisches Schalten für Trekking- und Citybiker

Speziell für die Trekking- und Citybiker-Fraktion hat Shimano die neue DEORE XT Di2 LINKGLIDE zusätzlich mit der AUTO SHIFT-Funktion ausgestattet. Neben dem manuellen Modus lassen sich zwei Profile für vollautomatisches Schalten per App aktivieren und konfigurieren. In der E-TUBE PROJECT App gibt man das Fahrszenario (MTB oder Asphalt) und eine bevorzugte Trittfrequenz zwischen 50 und 80 Umdrehungen pro Minute an.

Der Motor liefert Daten zur Geschwindigkeit, dem Pedaldruck und der Trittfrequenz. Ein Schaltalgorithmus „vermischt“ diese Werte und leitet daraus die Fahrsituation und eine entsprechende Gangempfehlung ab. Nehmen Geschwindigkeit und Trittfrequenz ab - bei gleichzeitiger Zunahme des Pedaldrucks - vermutet die Schaltung, dass es bergauf geht und wechselt automatisch in einen kleineren Gang. Geht es schnell und ohne zu pedalieren eine Straße hinab, wählt die Shimano-Schaltung einen höheren Gang. Rollt man langsam auf eine rote Ampel zu, schaltet die DEORE XT Di2 bis zu einem vordefinierten Startgang herunter.

Allerdings kann die Schaltung nicht in die Zukunft sehen. Bremst man etwa nur wenige Meter vor der Ampel komplett ab, reicht das dem Modus nicht aus, um beispielsweise aus dem elften Gang in den dritten zu wechseln. Für solche Fälle gibt es den Manual Override: Einfach den Schalthebel betätigen und der Schaltalgorithmus wird vorübergehend überstimmt.

Trailshredder werden mit der Automatik trotz Manual Override allerdings nicht glücklich. Zwar lässt sich die Schaltung in einem App-Untermenü feintunen, von schaltfaul bis hin zu übereifrig. Es ist jedoch nicht möglich, sie auf die hohe Varianz und Dynamik von Trailfahrten abzustimmen. Will man einen steilen Anstieg mit hoher Trittfrequenz bestreiten, kann es vorkommen, dass die Schaltung immer wieder in einen schwereren Gang zurückspringt. Tritt man für einen kurzen Sprint im Wiegetritt hart in die Pedale, kann das ebenfalls missinterpretiert werden.

Um dem Fahrer einen Gefallen zu tun, wechselt sie in einen leichteren Gang, wodurch man plötzlich ins Leere tritt und die Balance verliert. Um solche Situationen zu vermeiden, muss die Reaktivität der Schaltung weit runtergedrosselt werden. Im Wiegetritt macht die AUTO SHIFT-Funktion besser Pause.

Zukunftsperspektiven und Innovationen

Ist der Traum von einer automatischen Schaltung für sportliche E-Mountainbiker damit geplatzt? Nicht unbedingt! Unser Testexemplar befindet sich noch in einem relativ frühen Entwicklungsstadium. Besonders in puncto Software sollen weitere spannende Neuerungen kommen. Für die Schaltung ist ein Lernmodus angedacht, der dem Schaltalgorithmus einzelne Fahrsituationen antrainieren kann.

Nutzt man an steilen Anstiegen immer den Manual Override, um in einen leichteren Gang und eine höhere Kadenz zu wechseln, könnte die Schaltung diese Präferenz wiedererkennen und sich entsprechend anpassen. Darüber hinaus sind noch weitere Schaltcharakteristiken denkbar, die über die Software realisierbar sind.

Die Schaltung könnte beispielsweise die Akkureichweite optimieren, indem sie eine Trittfrequenz wählt, in der der Motor am effizientesten unterstützt. Die Schaltung könnte zudem für eine längere Lebensdauer der Komponenten sorgen. Nicht nur durch das Minimieren von Schaltfehlern, sondern auch indem sie in wenig kritischen Fahrsituationen einen Gang neben dem persönlichen “Lieblingsgang” wählt und so die Ritzel der Kassette gleichmäßiger abnutzt. Für fitnessorientierte Fahrer könnte sie automatisch einen Gang einlegen, der in der jeweiligen Situation zu einem höheren Trainingseffekt führt. So ersetzt die Stunde auf dem E-Bike z.B. den Spinning-Kurs im Fitnesscenter.

Die neue Shimano DEORE XT Di2 LINKGLIDE 2023 bringt für schaltfaule City-und Tourenbiker mit der AUTO SHIFT-Funktion eine spannende Neuerung. Sportliche E-Mountainbiker profitieren hingegen eher von der FREE SHIFT-Funktion, dem “pedalierlosen” Schalten.

Shimano Deore T8000: Für Trekkingfahrer

Die Komponenten der neuesten Generation können Sie unter der Produktbezeichnung T8000 ausmachen. Äußerlich unterscheiden sich Mountainbike- und Trekking-Gruppen so deutlich wie ihre Anwender. Für Trekkingfahrer legt Shimano wert auf das breite Spektrum einer 3×10 Schaltung mit bekannter Abstufung: 48-36-26 Zähne an der Kurbel und 11-32, 11-34 oder 11-36 Zähne an der Kassette.

Neu ist das erstmals imTrekkingsegment eingesetzte Shadow-Schaltwerk. Es zeichnet sich durch eine besonders flache Bauweise aus und ist dadurch weniger anfällig für Schäden. In den Mountainbike-Gruppen gehört es längst zum Standard. Nach eigenen Angaben ist es Shimano nun gelungen, Schaltkomfort und flaches Profil auch für Trekkingfahrer ansprechend zu kombinieren. Speziell für die Bedürfnisse von Trekkingfahren sind auch die neuen 3-Finger-Bremshebel angepasst. Per „i-spec“ lassen sie sich so montieren, dass das Cockpit aufgeräumt ist. Für Bremsen und Bremsscheiben bedient sich Shimano aus dem eigenen schon bekannten Portfolio.

Shimano Deore M6100 1x12: Günstige 1x12-Schaltung im Test

Endlich stellen die Japaner ihre SLX-Schaltung mit 1x12-Technologie vor. Wir haben Sie bereits ausgiebig auf den Trails getestet! Seit Jahrzehnten träumen Biker von diesen legendären Buchstabenkombinationen, die Schaltvergnügen und Statussymbolik zugleich versprechen. Den preislich darunter liegenden Schaltgruppen haftet hingegen das "Graue-Maus-Image" an. Zu Unrecht, wie etwa seit diesem Jahr die tolle SLX-Gruppe beweist. Noch ein paar Euro-Scheine darunter siedelt sich die brandneue Deore M6100 an, die jetzt ebenfalls als 1 x 12-Antrieb daherkommt und komplett ohne Bremse laut Shimano rund 280-290 Euro kosten soll (exakte UVPs geben die Japaner wie immer nicht an).

Wie bei Shimano üblich darf die jüngste Gruppe die Techniken der Etablierten erben. Lust auf etwas Fach-Japanisch-Englisch? "Shadow RD+", "Two Way Release", "Hyperglide+", "Dynamic Chain Engagement+", "Rapidfire Plus" wären ab sofort als Features im Deore-Aufgebot. Besser verständlich sind da nackte Zahlen: So hat die langlebige Edelstahl-Kassette harmonisch abgestufte Ritzel mit 10-51 Zähnen, was eine satte Bandbreite von 510 Prozent ergibt. Leicht ist die Deore-Gruppe allerdings nicht, vor allem besagte Kassette und die (hübschen) Alu-Kurbeln drücken mit Vehemenz auf die Waage.

In der Praxis schlägt sich die Deore mehr als wacker angesichts ihres attraktiven Preises. Die Hebel schmiegen sich prima am Finger an, zudem lässt sich der kleinere mit dem Daumen nach vorne oder mit dem Zeigefinger nach hinten drücken - eine tolle Funktion. Hoch schaltet die Deore zwar "nur" drei Gänge auf einen Rutsch, dies funktioniert aber auch unter Last ordentlich. Dafür ist jedoch eine sehr penible, mitunter etwas zeitraubende Einstellung der Schaltung nötig. Beim Runterschalten spürt man hin und wieder eine kleine Verzögerung - das machen XT & Co. besser, aber eben nicht zu diesem Preis.

Vergleichsweise gering sind die notwendigen Fingerkräfte. Ganz anders als etwa bei der neuen TRP-Schaltung. Gerade Einsteigern dürfte das gefallen. Doch auch Pros dürfen verlocken: Dank des zuschaltbaren Reibungsdämpfers steht das Schaltwerk auch im harten Downhill stabil - klasse.

Fazit

Viel Schaltung für wenig Geld! Die ganze Deore-Gruppe kostet nicht viel mehr als ein XTR-Schaltwerk, macht dafür einen tollen Job.

Eigenschaft Wert
Gewicht -
Bandbreite 510%
Montage/Einstellung Penibel, etwas zeitraubend
Ergonomie Prima
Schaltperformance Ordentlich
Verarbeitung Gut

Verwandte Beiträge:

Kommentar schreiben

Kommentare: 0