Die Deore XT-Schaltgruppe von Shimano erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit unter Mountainbikern. Für das Jahr 2016 präsentierten die Japaner eine komplett runderneuerte XT-Gruppe, die mit der Bezeichnung M8000 die Erfolgsgeschichte nahtlos fortschreiben soll. Technologisch ist die XT auf dem neuesten Stand, wobei viele Details der aktuellen Elffach-XTR-Gruppe übernommen wurden. Die neue Deore XT soll allen Anforderungen von Cross Country bis zum harten Trail- und Enduro-Einsatz gerecht werden. Im Gegensatz zur XTR ist sie vor allem wegen des geringeren Anschaffungspreises für viele Biker interessant.
Die wichtigste Neuerung: 11-fach-Kassette
Dem neuesten Stand der Technik folgend, wurde auch der Deore XT von Shimano die modernste 11-fach-Technologie spendiert, die bereits die XTR auszeichnet. Damit hebt sie die Messlatte sowohl im anspruchsvollen Race-Segment als auch im harten Enduro-Einsatz auf ein neues Level. Mit dem „Dyna-Sys11“ genannten 11-fach-Schaltsystem sollen sich stets maximal effiziente Gänge fahren lassen. Zudem sorgt die Technologie mit durchdachtem Materialeinsatz und neuen Schaltwerk-, Umwerfer- und Kettenblatt-Designs für verbesserte Antriebsstabilität bei allen Wetterbedingungen und mehr Schaltkomfort.
Kombinierbar mit Single-Kettenblatt, Zwei- und Dreifach-Kurbel
Wie bereits bei der XTR steht für die neue M8000 das gesamte Spektrum an 1x11-fach-, 2x11-fach- und 3x11-fach-Übersetzungen zur Verfügung. Dieses Konzept nennt Shimano „Rider Tuned“. Welche der vielen Optionen auch immer ausgewählt wird - bei allen sorgen Highend-Materialien wie Carbon oder metallische Verbund-Konstruktionen für Schaltpräzision, optimale Kettenführung und lange Haltbarkeit.
Übersetzungsvarianten im Detail:
- Zweifach-Kurbeln: Drei Übersetzungsvarianten mit 34/24, 36/26 und 38/28 Zähnen, ausgerichtet auf höchste Antriebseffizienz.
- Dreifach-Kurbel: Version mit 40/30/22 Zähnen für maximale Vielseitigkeit.
- Einfach-Option: 32 Zähne, auch in einer B-Version mit 3 Millimeter weiter außen liegender Kettenlinie verfügbar.
Die Zahnprofile der Einfach-Kettenblätter bei den neuen XT-Kurbelgarnituren weisen - wie die XTR - eine deutlich breitere Form der Stahlzähne sowie ein spezielles Hakendesign auf. Während erstere insbesondere beim Treten für eine sichere Führung der Kette sorgt, garantiert letzteres einen effizienten Schutz vor dem Abspringen der Kette - selbst im rauen Gelände. Insgesamt wird durch dieses neue Zahndesign die Kette um 150 Prozent stärker auf dem Kettenblatt gehalten bzw. geführt, was die Sicherheit, aber auch die Haltbarkeit deutlich verbessert.
Neue Kassette mit 11-42er-Abstufung
Dank der „Rhythm Step”-Abstufung sorgt die neue Shimano XT für unterbrechungsfreien Vortrieb. Dazu wurden die Gangstufen genau so gewählt, dass die Sprünge gering ausfallen und die Trittfrequenz möglichst konstant bleibt. Unabhängig von der Wahl eines Einfach- Zweifach- oder Dreifach-Systems trägt dies dazu bei, dass die aufgewendete Energie des Fahrers stets effizient in Vortrieb umgewandelt wird und der Flow auf dem Trail erhalten bleibt. In Zahlen: Bei den neuen 2- und 3-fach-Antrieben steht dadurch eine breite Übersetzung zur Verfügung, die dank der Kombination mit der 11-40er-Kassette dennoch für enge Abstufungen zwischen den Gängen ausgelegt ist und effiziente Gangsprünge ermöglicht. Neu bei der Deore XT ist dagegen eine speziell (und ausschließlich) für die Einfach-Systeme entwickelte 11-42er-Kassette (CS-M8000). Mit dieser Abstufung stellt sie die am breitesten übersetzte Kassette dar, die Shimano je vorgestellt hat. Im Zusammenspiel mit der 11-fach-Kette mit asymmetrischen HG-X11 Laschen (montagerichtungsgebunden) und SIL-TEC-Oberflächenbeschichtung sorgen die XT-Kassetten für reibungsloses Schaltverhalten.
Leichtere und haltbarere Innenlager
Die neuen Deore XT-Kurbeln drehen sich in einem überarbeiteten HOLLOWTECH II-Innenlager, wahlweise als Press-Fit oder Schraub-Typ. Dank kleinerer und leichterer Lager und eines bereits bei der XTR bewährten Dichtungssystems sind die neuen Innenlager sowohl leichter als auch rotationseffizienter und sorgen daher neben der verbesserten Verschmutzungsresistenz auch für mehr Speed.
11-fach-Schaltwerk mit geringeren Bedienkräften und einstellbarem Reibungsdämpfer
Schaltwerk wie Umwerfer der neuen Deore XT wurden einer kompletten Überarbeitung unterzogen. Dabei bringt das neue Schaltwerk selbstverständlich Shimanos optimierte SHADOW+-Technologie mit und zeichnet sich darüber hinaus durch einen flachen Anstellwinkel und ein flaches Profil aus. An geringeren Schaltkräften haben die Japaner ebenso gearbeitet wie an einer verbesserten Kettenstabilisierung. Die neu designten Schaltröllchen wurden noch stärker für schräg laufende Ketten optimiert und tragen mit ihren größeren Zähnen zur Verbesserung der Schaltleistung bei. Der Reibungsdämpfer des SHADOW+-Mechanismus' wurde wie bei der XTR mit einer Einstell-möglichkeit versehen, mit der der Mechanismus entweder für maximale Stabilität oder für minimale Bedienkräfte optimiert werden kann. Das neue XT-Schaltwerk ist Direct Mount-kompatibel und in der GS-Ausführung (mittellanger Käfig) für 1- und 2-fach-Systeme sowie in der SGS-Ausführung mit langem Käfig für 3-fach-Antriebe verfügbar.
Kraftvoller Umwerfer mit optimierter Zuganlenkung
Zudem hat Shimano den neuen Deore XT-Umwerfern die „Side Swing“-Technologie spendiert. Die 2-fach- und 3-fach-Umwerfer sollen mit leichtgängigen, aber zugleich kraftvollen Schaltvorgängen das Schaltverhalten vorne auf ein ganz neues Niveau heben - auch bei modernen Bikes mit langen Federwegen. Neben der optimierten Zuganlenkung, die die Schalteffizienz verbessert, zeichnen sich die neuen Umwerfer durch einem optimierten Freiraum für breite Reifen aus. Das ermöglicht es Herstellern, Bikes mit kürzeren Kettenstreben zu entwickeln und damit Handling und Wendigkeit zu verbessern. Zur Montage stehen die klassischen Versionen mit hoher und niedriger Klemmschellenposition, D-Type und E-Type zur Verfügung. Darüber hinaus sind die Zweifach-Umwerfer auch in einer Top Swing- bzw. Down Swing-Ausführung erhältlich.
Neue XT-Schalthebel: bessere Ergonomie, weniger Bedienkräfte
Da bekanntermaßen die Interaktion zwischen dem Fahrer und seinem Antriebssystem in erster Linie über die Schalthebel erfolgt, wurde diesen Mensch-Maschine-Schnittstellen bei der neuen Deore XT-Gruppe höchster Stellenwert beigemessen. Die mit taktil unterschiedlichen Oberflächen versehenen Schalt- und Auslösehebel sowie die „Optislick“-Züge sorgen laut Shimano für um 20 Prozent verringerte Schaltkräfte und verbessern die Ergonomie spürbar. INSTANT-RELEASE, MULTI-RELEASE und 2-WAY-RELEASE sorgen für schnelle und flexible Bedienung, der weiter optimierte „Vivid Index“-Mechanismus für eine klare taktile Rückmeldung und Präzision. Die Hebel sind sowohl für klassische Klemmschellen-Montage als auch in zwei I-Spec-Versionen verfügbar.
Fahrbericht und Testergebnisse
In Riva del Garda hatten wir die Möglichkeit, die neue 11-fach-Schaltgruppe Shimano M8000 ausgiebig zu testen. Während sich die Highendgruppe XTR vor allem an Racer richtet, wollte Shimano das Einsatzgebiet der neuen Deore XT so vielseitig und variabel wie möglich gestalten. Aus diesem Grund wird die Gruppe sowohl als 1-fach-, 2-fach- und 3-fach-Variante angeboten. Die fein abgestufte Kassette verfügt bei der 1×11-Variante über eine Bandbreite von 11-42-Zähnen, bei der 2×11 und 3×11 über 11-40 Zähne.
Eine große Neuerung ist, neben dem Wechsel auf 11-fach, der neue Side Swing-Umwerfer. Bei ihm wird das Kabel nicht mehr über Umlenkungen an den Umwerfer geführt, sondern läuft direkt vom Rahmen aus auf ihn zu. Das soll den Kraftaufwand verringern und noch schnellere Schaltvorgänge ermöglichen. Im Vergleich zum Vorgängermodell wurde bei den Schalthebeln vor allem die Ergonomie der Hebel überarbeitet, wodurch sich laut Shimano eine Kraftersparnis von bis zu 20 % beim Schalten der hinteren Gänge erreichen ließ. Außerdem verfügen die Hebel nun über eine angenehmere Oberflächenstruktur für noch mehr Grip am Trigger und lassen sich dank der überarbeiten I-Spec II-Schelle noch besser an die Hand des Fahrers anpassen.
Am Schaltwerk setzt Shimano weiterhin auf die bekannte und bewährte Shadow Plus-Technologie, um Kettenschlagen mithilfe des Reibungsdämpfers zu minimieren. Bei der neuen Deore XT ist dieser nun aber zusätzlich mithilfe einer Inbus-Schraube von außen einstellbar.
Erster Eindruck und Schaltperformance
Die neue Shimano XT hämmert die Gänge förmlich rein. Nie gingen Schaltvorgänge mit einer Deore XT schneller und präziser. Ein Unterschied zum Topmodell XTR ist ohne direkten Vergleich bei diesem Modell nur noch schwer festzustellen. Besonders gut gefiel uns direkt von Anfang an der neu designte Schalthebel, der dank der neuen Struktur auf den Schaltpaddeln guten Grip und ein angenehmes Schaltgefühl bietet. Die präzise Rasterung, die kurzen Schaltwege speziell am hinteren Schaltwerk und das definierte Klicken gefallen, doch am meisten begeistert die Leichtgängigkeit des neuen Side Swing-Umwerfers.
Die neuen Schalthebel verfügen außerdem über die bekannte Rapidfire Plus-Technologie, wodurch sich sowohl beim Hoch- als auch beim Runterschalten direkt zwei Gänge nacheinander am Hebel durchdrücken lassen.
Fazit des Tests
Die neue Shimano Deore XT überzeugt nicht nur durch ihre extrem schnellen und präzisen Schaltvorgänge, sondern auch durch das edle Finish und die hochwertige Verarbeitung. Dank der enormen Übersetzungsbandbreite und der individuellen Wahlmöglichkeiten findet hier jeder die für sich perfekte Abstufung.
Shimano MTB-Schaltungen im Überblick (2020)
Shimano Schaltungen gelten bei MTB-Sportlern seit Jahren als ausgereifte und stets verlässliche Schaltgruppen mit Top-Performance.
Shimano XT M8100 (1x12 oder 2x12)
Die XT kommt in einer 1x12-Version auf den Markt und bietet eine enorme Bandbreite (10-51 Zähne). Für Fans von zwei Kettenblättern gibt es die Gruppe auch mit Umwerfer und 10-45 Kassette. Es ist ein spezieller Microspline-Freilaufkörper nötig.
Shimano SLX M7100 (1x12 oder 2x12)
Die SLX-Gruppe ist günstiger und etwas schwerer als die XT, steht ihr aber in Sachen Funktion und Performance kaum nach. Die neueste SLX wird es in 2x12 und 1x12 geben. Ein Mircospline-Freilaufkörper ist auch bei der SLX 7100 nötig.
Shimano XTR M9100 (1x12 oder 2x12)
Die XTR M9100 ist Shimanos erste 1x12-Mountainbike-Schaltung und übertrumpft durch ihre enorme Bandbreite von 10-51 Zähne knapp die Übersetzungsrange von Sram Eagle-Gruppen. Typisch XTR fällt das Gewicht der Topgruppe angenehm gering aus.
Shimano XTR M9000 Di2 (Elektronische Schaltung)
2014 präsentierte Shimano die erste elektronische Schaltung fürs Mountainbike. Die Gänge werden von einem elektronischen Stellmotor am Schaltwerk gewechselt, der seine Befehle vom Schalthebel per Kabel übermittelt bekommt.
Shimano XTR M9000 (Mechanisch)
In der mechanischen Ausführung ist die Shimano XTR noch günstiger als ihre elektronische Schwestergruppe mit Di2-Technik zu haben. Die M9000 wurde gegen Ende der Produktion von Shimano auch als 1x11-Gruppe angeboten.
Shimano XT M8000 (2x11)
Für Sparfüchse die eine solide Gruppe für wenig Taler suchen, kommt die M8000er XT in die engere Auswahl: Die Gruppe ist als 2x11-Gruppe entwickelt worden, dennoch kann man sie einfach auf eine kompakte 1x11-Gruppe umrüsten.
Shimano XT M8000 Di2 (Elektronische Schaltung)
Nachdem Shimano die elektronische Di2-Technologie auf der XTR präsentierte, rollten die Japaner ihre Elektro-Offensive auch auf die Mittelklassegruppe XT aus.
1000-Kilometer-Test: Fazit
Die Elffach-XT-Gruppe überzeugt durch ihre einwandfreie Funktion, ihre Zuverlässigkeit und Haltbarkeit. Einzig die Oberflächen könnten widerstandsfähiger sein. Vernünftiger Preis im Vergleich zur XTR.
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