Das Warten hat ein Ende! Shimano präsentiert die neue, kabellos-elektronische Schaltgruppe Shimano Deore XT DI2 (M8200). Kurz nach der Vorstellung der Edelgruppe XTR M9200 spendiert Shimano auch der DEORE XT M8200 Di2 Komponentenserie diese Schlüsseltechnologien und macht das kabellose Schalten auch für Biker*innen mit kleinerem Budget erschwinglich. In diesem Zuge wird auch die gesamte XT-Schaltgruppe runderneuert.
Überblick: Shimano Deore XT DI2 (M8200)
- Vollständig kabellose Di2-Plattform
- Akku entnehmbar
- Schalthebeltasten frei konfigurierbar
- Schaltwerk für Kollisionen mit Steinen etc. optimiert
- Gedrückthalten erlaubt mehrere Gangwechsel
- Steuerung von Freeshift und Autoshift
- Antrieb Enduro- und XC-Spec verfügbar
- Bremshebel mit neu positioniertem Hebeldrehpunkt
- neues Nabendesign
Preislich geht’s mit der neuen XT DI2 schon bei 755 Euro mit den Upgrade-Kits los. Auch die XT bekommt eine komplett kabellose Di2-Schaltungsplattform, die der XTR-Variante stark ähnelt. So soll auch der an diversen Positionen montierbare XT-Hebel klares Betätigungs-Feedback wie bei einer mechanischen Schaltung geben. Zudem wird die Tastenbelegung frei konfigurierbar sein. Mit knapp 195 Euro ist er 40 Euro günstiger als die XTR-Version.
Der Gangwechsler
Das kabellose XT-Schaltwerk für Bio-Bikes (links) ist mit langem oder kurzem Käfig erhältlich: RD-M8250 SGS - Langer Käfig für 10-51Z Kassette, RD-M8250 GS - Mittellanger Käfig für 9-45Z Kassette. Das RD-M8260 - Schaltwerk für E-MTB (rechts) wird per Kabel direkt durch den E-Bike-Akku gespeist.
Das Schaltwerksprofil des Schaltwerks Deore XT M8250 ist durch die Integration der Stabilisator-Einheit gegen Kettenschlagen schmaler und soll dadurch weniger Ecken und Kanten, ergo weniger Kontakt mit Steinen und Hindernissen provozieren. Kommt es doch einmal zur Kollision, entkoppelt das Schaltwerk zum Schutz vor Beschädigung den Stellmotor kurzfristig, stellt ihn danach an die ursprüngliche Position zurück. Shimano nennt das Impact Recovery Funktion. Im Gegensatz zum XTR-Schaltwerk besteht der Käfig aus Alu statt Carbon. 495 Euro wird es kosten.
Schaltwerksoptionen für Bio-Bikes und E-MTBs
Bio-Biker*innen erhalten eine Version mit langem oder kurzem Käfig für eine Enduro- oder XC-spezifische Übersetzung samt passender Kassette. Das Schaltwerk fürs E-MTB wird via Kabel vom E-Bike-Akku gespeist und ist für 12- fach und 11-fach-Schaltung erhältlich. Bei allen Schaltwerken soll die Kettenstabilisierung durch eine Doppelfeder-Konstruktion noch effektiver arbeiten.
Breite Kurbel-Auswahl
Die XT-Kurbel gibt es in 5-Millimeter-Schritten von 160 bis 175 mm Länge, sie kostet 185 Euro plus 85 Euro für das Kettenblatt. Auf Seiten des Antriebs sorgt nur eine Kurbelgarnitur mit 24 Millimetern Achsdurchmesser für alle Einsatzbereiche von XC bis Enduro für Vortrieb. Dem Trend zu kurzen Kurbeln folgend stehen ganze vier Kurbelarmlängen von 160 bis 175 mm zur Auswahl, damit fällt die 180-mm-Variante weg. Die Kettenblätter zeigen 28 bis 36 Zähne. Kurbel samt Kettenblatt kosten 270 Euro. Analog zur XTR-Gruppe sind zwei Kassetten-Optionen mit 9-45 oder 10-51 Zähnen erhältlich, sie besitzen jedoch ganze zehn Stahlritzel, kosten 85 Euro.
Komplett überarbeitete Bremsentechnologie
Auch die Bremse (ab 205 Euro) erhält XTR-Features: ein Weitenverstellrad erlaubt flotte Anpassung und dank des neu platzierten Hebeldrehpunkts soll sie ein natürlicheres Bremsgefühl bewirken und schneller Druck aufbauen. Letzteres ist einem Mineralöl mit geringerer Viskosität geschuldet, das für einen gleichmäßigeren Ölfluss sorgen soll. Der Bremshebel mit gut erreichbarem Verstellrad für die Hebelreichweite und neu positioniertem Drehpunkt.
Erste Testfahrt der Shimano Deore XT M8000
33 Jahre ist es her, dass Shimano mit der Deore XT die erste, speziell für den Mountainbike-Einsatz entwickelte Schaltgruppe auf den Markt brachte. Seitdem hat sich viel verändert: die Kette kletterte von 8, über 9, bis zu 10 Ritzel bei der letzten Evolutionsstufe. Die Shimano M8000 wird nun die erste XT-Gruppe sein, bei der sich insgesamt 11 Ritzel, mit maximal 42 Zähnen, auf den Freilauf drängeln. Auch optisch hat sich einiges getan. Während die XT im Laufe der Jahre mal verspielt, manchmal vielleicht sogar etwas billig wirkte, steht die aktuellste Version des Dauerbrenners richtig edel da. Mattschwarze Oberflächen und ein klares Design geben dem Fahrer schon beinahe etwas Shimano XTR-Feeling. Dass die XT in der M8000-Ausführung noch ein Stückchen näher an die große Schwester heranrückt, merkt man vor allem am Design der Kurbel.
Für die Testfahrt hat Shimano die 2-fach-Variante der XT montiert. Das heißt: hinten stehen maximal 40 Zähne zur Verfügung. Die 11-42er Kassette bleibt aktuell der Einfach-Kurbel vorbehalten. Dort hat man die Wahl zwischen 30, 32 oder 34 Zähnen. Die Zweifach-Kurbel gibt es mit 38/28, 36/26 oder 34/24 Zähnen. Entsprechend den steilen Anstiegen am Gardasee kurble ich mit der mittleren 36/26-Übersetzung die Berge hoch. Damit bleibt auch bei meiner noch mageren Frühjahrs-Form Luft an den steilen Rampen.
Bessere Verstellmöglichkeiten mit I-Spec II
Beim Ausrichten der Schalthebel fällt der Blick auf die überarbeitete I-Spec-II-Schelle. Die fällt im Vergleich zur Vorgängerin etwas filigraner aus. Der eigentliche Benefit ist aber der erweiterte Verstellbereich. Öffnet man die Schraube, mit der der Schalt- am Bremshebel fixiert ist, lässt sich der Schalthebel sowohl horizontal als auch vertikal bewegen. Zudem gibt es zwei Positionen zur Befestigung des Schalthebels. Innen oder weiter außen. Damit sollte nun wirklich jeder - egal wie groß und lang die Finger sind - die optimale Position am Lenker finden können.
Hebel-Ergonomie wie bei der XTR
Zur Eingewöhnung erst einmal die komplette Kassette durchschalten. Die Hebel liegen richtig gut am Finger und erinnern optisch stark an die Nobel-Gruppe XTR von Shimano. Ein kleiner Druck am leicht geriffelten, längeren Hebel schiebt die Kette sanft und ohne spürbaren Zeitverlust aufs nächstgrößere Ritzel. Der Gang sitzt.
Leichtere Schaltvorgänge, erhöhte Kettenspannung
20 Prozent leichter sollen die Schaltvorgänge mit der neuen Shimano XT ablaufen. Ich würde es als knackig und direkt bezeichnen. Scheinbar konnten die Shimano-Ingenieure den Leerweg beim Schalten nochmals etwas verkürzen. Bereits nach wenigen Millimetern liegt der Zug am Schalthebel an. Leichtgängig und geschmeidig wandert die Kette ohne spürbares Rasseln bis aufs elfte Ritzel. Die größere Überraschung folgt beim Runterschalten: ich drücke den hinteren 2-Way-Release-Hebel, nichts passiert. Erst als ich etwas fester drücke, gibt der Schalthebel mit einem deutlichen Knacken den Schaltzug frei - hörbar und fühlbar. Das kennt man so bisher noch nicht von den übrigen Shimano-Gruppen. Klar definiert, aber mit fast etwas hartem Druckpunkt lasse ich die Kette über die Kassette wandern. Wie bei der Vorgängerin lassen sich auch hier über die Multi-Release-Funktion zwei Gänge auf einmal wechseln, beim Drücken zumindest. Zieht man mit dem Zeigefinger von hinten, gibt der Schalthebel jeweils nur einen Gang frei. Das Schaltwerk ist wie gehabt mit dem Shadow-Plus-Standard ausgestattet. Hier wurde lediglich die Spannkraft etwas erhöht. Der Schaltkäfig hält die Kette zuverlässig auf Zug. Selbst im Gerumpel auf den Gardasee-Trails schlägt die Kette so kaum an die rechte Kettenstrebe.
Leichtgängiger Side-Swing-Umwerfer
Eine Neuerung gibt es auch beim Umwerfer: der wird jetzt von der Seite her angelenkt. Der Zug läuft dadurch direkter und weniger umgelenkt zum Umwerfer. Tatsächlich lässt sich die Kette sehr leicht aufs größere Kettenblatt schieben. Allerdings ist der Weg, den der Daumen dabei zurücklegen muss, doch recht lang. Runter geht es flotter: kurz den Hebel antippen, schon fällt die Kette gezielt aufs kleine Blatt, ohne große Verzögerung. Auch am Umwerfer laufen die Schaltvorgänge sehr geschmeidig, schnell und ohne große Verzögerungen ab.
Shimano XT M8000 im Praxiseinsatz
Die Trigger machen einen sehr hochwertigen Eindruck und der Daumenhebel ist aus Metall gefertigt und liegt durch seine Länge und Form sehr gut am Daumen an. Der kleine Trigger-Hebel (2-Way-Release-Hebel) kann sowohl mit dem Daumen als auch mit dem Zeigefinger bedient werden, er ist also in beide Richtungen schaltbar. Mit dem Daumen lassen sich in einem Rutsch vier Gänge schalten. Du bist also mit drei Daumen-Moves von unten auf dem obersten 40er Ritzel. Nach unten geht es in sehr knackigen Einer- oder Zweier-Schritten. Die Schalthebel sind dank der I-Spec II-Schelle am Bremshebel montiert und lassen sich dort individuell an die Hand und Vorlieben des Fahrers anpassen. Das Shadow Plus Schaltwerk kommt mit einer ultrastarken Feder daher und das meine ich wirklich so. Die Feder ist so stark, dass schon nach der Montage klar wird, dass eine Kettenführung nicht nötig ist. Bei der Montage des Hinterrades macht der Hebel zur Federhärteverstellung nun tatsächlich Sinn und der Gebrauch ist hier zu empfehlen. Eine komplette Neuerung ist der High Direct Mount Side Swing Umwerfer. Dieser wird von vorne angesteuert.
Auffällig ist aber der deutliche und knackige Druckpunkt für das Runterschalten am Hinterrad. Der Druckpunkt ist so eindeutig, dass dieser mir persönlich eine wirkliche Unterstützung beim Biken gegeben hat. Den Trigger mit Daumen oder Zeigefinger betätigt, und sofort hauen Gang oder Gänge rein. Ob unter Voll-Last oder Halb-Last, völlig egal. Die Schaltung schaltet sauber, exakt und zuverlässig. Nach oben schalten die Gänge einfach und entspannt. Beim ersten Mal Durchschalten hatte ich nach dem knackigen Runterschalten mit etwas mehr Daumendruck gerechnet. Dem war aber nicht so. Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Federspannung des Schaltwerkes.
Fazit: Shimano XT M8000
Die Shimano XT M8000 ist eine sehr unauffällige Schaltgruppe. Meine erste spontane Aussage zu der Frage, wie sie funktioniert, war einfach nur: „Gut.“ Hört sich jetzt lapidar an, aber was erwarte ich von einer Schaltung? Sie soll ohne Geräusche, schnell und exakt in den Gang wechseln, den ich brauche. Die Kette soll nicht abspringen und der Verschleiß soll sich ebenfalls in Grenzen halten und das ist der Fall. Wie immer hat mich Shimano überzeugt und gezeigt, wie viel Entwicklungspotential nach wie vor in der Schaltung liegt, ohne direkt elektronisch zu werden. Aus meiner persönlichen Sicht absolut empfehlenswert.
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