Test: MTB-Bremsbeläge für Shimano Deore XT

Nur fünf Quadratzentimeter groß sind die Reibflächen der Bremsbeläge, die im Ernstfall über Wohl oder Wehe entscheiden - wenig, angesichts der extremen thermischen Belastung. Wir wollten wissen, welche Pads die Hitzeschlacht auf dem Trail am besten überstehen.

Anforderungen an Bremsbeläge

Bissig, fein zu dosieren, standfest und verschleißarm - so mögen wir unsere Bremsbeläge am liebsten. Dazu müssen die kleinen Pads ein ganzes Paket an Eigenschaften mitbringen. Zum Beispiel unglaublich hitzebeständig sein, weil die Reibflächen teils Temperaturen um 500° Celsius ausgesetzt sind. Idealerweise dürfen die Beläge nur wenig Hitze an den Bremssattel übertragen, damit die Bremsleistung nicht abfällt.

Wir wollten wissen, welchem Belag der Mix aus Power, Modulierbarkeit, Standfestigkeit und Verschleißarmut am besten glückt, und haben 14 organische und sieben gesinterte Beläge zum Test eingeladen - jeweils für die aktuelle Generation der beliebten Shimano-Bremsen (Deore, SLX, XT, XTR), wobei wir die Praxis- und Labortests mit mehreren Sätzen XT-Stoppern durchgeführt haben. Unsere Ergebnisse lassen sich aber bedenkenlos auf andere Bremsen übertragen, da die Reibmischungen der Nachrüstbeläge in der Regel identisch sind.

Testbedingungen und -methoden

Extreme Belastungen, extreme Testarena

Ein Bremsbelagtest ist eine enorme Herausforderung für Material und Testfahrer. Um die Beläge bis zur Grenze der Belastbarkeit zu treiben, haben wir eine Teststrecke in der "Bike-Republic" Sölden ausgewählt. Los ging es auf der extrem steilen Schotterstraße von der Bergstation der Giggijoch-Bahn bis nach Hochsölden. 200 Meter fällt die Piste auf dem ersten Kilometer in die Tiefe. Perfekte Bedingungen für einen Standfestigkeitstest. Tatsächlich überforderten die 20 Prozent Gefälle mit Dauerbremsen mehrere Beläge, sodass deren Bremsleistung rapide abnahm.

In der Realität sind MTB-Bremsen eher einem Wechsel aus Ruhephase und Belastung ausgesetzt wie auf dem zweiten Teil der Teststrecke: dem "Traien Trail". Mal rauschten wir auf flowigen Passagen auf Kurven zu, vor denen die Beläge die Bikes abrupt runterbremsen mussten. Danach schlängelten wir uns über verblockte Passagen und Spitzkehrenkombinationen, in denen der Bremsfinger permanent, aber wohldosiert mit dem Hebel arbeitete. Steilstücke wiederum forderten die Beläge in Sachen Standfestigkeit: Am Ende musste noch genug Bumms da sein, um die folgenden engen Kurven anzubremsen.

Benotet haben wir in der Praxis die Dosierbarkeit (20 Prozent der Endnote) und die Standfestigkeit (30 Prozent). Zudem haben wir nach einer stets identischen Anzahl von Fahrten das Verschleißbild (20 Prozent) ausgewertet.

Im Labor zählt nur die reine Power

Wie bei unseren Bremsentests haben wir die Beläge ins Labor des Technikum Wien geschickt, um bei maximaler Vergleichbarkeit - also stets gleicher Ausgangsleistung der Bremse an sich - die Bremskraft in Newton zu messen: einmal bei trockener Bremse, einmal bei nassem System. Die Bremskraft macht 20 Prozent (trocken) bzw. 10 Prozent (nass) der Endnote aus, wobei wir bei der Trockenkraft unsere Praxiseindrücke mit einfließen ließen.

Übrigens: Unser Test zeigt, dass sich "Weisheiten" über die Belagmischungen nicht immer verallgemeinern lassen. So haben die gesinterten Beläge ihre organischen Pendants in Sachen Standfestigkeit nicht wie erwartet abgehängt. Ebenso wenig haben wir die per se bessere Dosierbarkeit der organischen Beläge stets gespürt.

Die Shimano XT Bremse im Detail

Die Shimano XT Bremse ist ein echter Klassiker im umfangreichen Angebot des japanischen Herstellers. Shimano präsentiert sich seit vielen Jahren mit einem breiten, etwas unübersichtlichen Portfolio. Neben Bremsen spielen hier vor allem Schaltgruppen und auch Antriebe eine große Rolle. Im von uns getesteten Shimano-Line-up nimmt die XT-Reihe die mittlere Position der Performance-Bremse ein.

Mit 588 Gramm ohne Scheiben entspricht die Vierkolbenbremse Shimano XT um 1 g fast exakt dem Durchschnittsgewicht. Häufig an Serien-Bikes verbaut, präsentiert sich die XT als Allround-Lösung mit hochwertiger Haptik. Die optische Gestaltung entspricht dem klassischen Shimano-Design, mit breiter, abgestützter Geber-Einheit. Die Bremse bietet eine durchdachte, einteilige Klemmung und freie Kombinationsmöglichkeiten mit I-SPEC. So kann ein Cockpit-Chaos verhindert werden, indem Dropper- und Schaltungshebel an der Bremsschelle befestigt werden.

Die Klemmung kann leicht gelöst werden und dank einteiliger Ausführung geht nichts verloren - wir sind Fans! Einfache Anpassungen sind dank werkzeugloser Hebelweitenverstellung und der „free Stroke“-Schraube möglich, wobei Letztere eher eine Placebo-Wirkung hat. Die Shimano XT-Bremse funktioniert wie die Marken-Geschwister mit Mineralöl und ist dadurch relativ unproblematisch bei Haut- oder Lackkontakt. Solange das Öl nicht auf die Bremsbeläge gelangt, seid ihr safe.

Was das Entlüften angeht, sind die Shimano-Bremsen eine der einfachsten im gesamten Testfeld. Das von Shimano entwickelte „One-Way-Bleeding“ soll verhindern, dass sich Luftblasen im System festsetzen. So genügt es in der Regel, den Trichter mit Mineralöl auf die Gebereinheit zu schrauben und einige Male den Bremshebel zu betätigen.

Fahreigenschaften der Shimano XT im Test

Im Trail-Test zeigt die Shimano XT eine sehr gute Bremspower. Das Bremsgefühl kann man dabei als „digital“ beschreiben: Der Druckpunkt ist sehr knackig und sehr definiert in einem schmalen Bereich verglichen zu Hope, Trickstuff oder Hayes. Die Power setzt direkt zu Beginn des Druckpunkts ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar. Der Leerweg ist leichtgängig und ähnelt - wie das ganze Bremsgefühl - stark der Leichtbau-Bremse Shimano XTR.

Auf dem Trail sind die XT und XTR ziemlich gleich, erst im Labortest werden die Unterschiede deutlich: Hier erreicht die XT eine gute Verzögerung im Mittelfeld, vor der Shimano SLX und hinter Hayes Dominion T4, dicht gefolgt von der Shimano XTR. Mit Sinter Green-Belägen kann die Bremspower der Shimano XT aber noch deutlich gesteigert werden.

Durch die ICE-TECH-Bremsscheiben und -Beläge mit Kühllamellen entwickelt die Bremse viel weniger Hitze: In unseren Laborversuchen zeigt das Thermometer 25° C weniger als als bei der SLX im direkten Vergleich. Das führt zu Fading auf langen Abfahrten.

In Summe lässt die Shimano XT keine Wünsche offen, hebt sich aber auch in keine Richtung besonders ab. Die Shimano XT überzeugt mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, starker Power und gutem Feeling. Auf dem Trail zeigt sie keinen spürbaren Unterschied zum teureren XTR-Topmodell, bietet jedoch Sparpotenzial von über 200 €. Das Handling ist einfach, sowohl beim Einstellen als auch beim Entlüften.

Die XT Bremse ist wahrscheinlich die Bremse, die in den vergangenen Jahren am meisten an hochwertigen Bikes verbaut wurde. Für das neue Modelljahr wurde sie modifiziert und sie hat neben einer neuen Farbe eine neue Gebereinheit bekommen. Diese wirkt deutlich schlanker, hat eine schmalere Lenkerklemme und Shimano Shifter lassen sich über die I-Spec II Kombi-Klemme am Bremshebel montieren. Gleich geblieben sind die individuellen Einstellmöglichkeiten. Werkzeuglos kann man die Hebelweite und mit einem Schraubendreher den „Free Stroke“ bzw. Druckpunkt verändern.

Die hervorragende Hebelergonomie der neuen Shimano XT Bremse ist mit der ihres Vorgängers identisch. Die Hebelweite lässt sich einfach werkzeuglos einstellen. Bei der Druckpunkteinstellung hingegen konnten wir keinen nennenswerten Unterschied feststellen. Der Druckpunkt ist definiert, aber tendenziell weich und die Leistung lässt sich gut dosieren. Bei schnell aufeinanderfolgenden Bremsungen wandert der Druckpunkt deutlich.

Mit den original verbauten Resin Belägen hat man mit der XT Bremse in den meisten Situationen genug Power, die sich mit einem Finger abrufen lässt. Bei Vollbremsungen ab 60 aufwärts trat starkes Fading auf und die Scheibe schleifte im Anschluss, was sich aber nach wenigen Minuten wieder legte. Beim Dauerbremsen zeigte sich ein ähnliches Bild, die Leistung war konstant hoch und erst im steileren Stück der Teststrecke trat deutliches Fading auf. Bei den Metall-Beläge war es ähnlich. Während sie im kalten Zustand gefühlt stärker zupackten, ließ die Leistung mit zunehmender Temperatur nach.

Die Shimano XT hat über mehrere Jahre bewiesen, dass sie zu den besten Bremsen gehört. Die Konkurrenz hat jedoch nicht geschlafen. Während es in der Vergangenheit nur wenige Alternativen gab, haben andere auf das Niveau aufgeschlossen.

Bremsbeläge: Unterschiede in der Belagmischung

Neben den unzähligen Bauformen von Bremsbelägen für die verschiedenen Bremsenmodelle (hier bitte immer nur für Modelle explizit passende Beläge verwenden) gibt es weitere Faktoren, in denen sich Bremsbeläge unterscheiden. Der größte und wichtigste Unterschied hierbei ist die Belagmischung.

  • Organische Bremsbeläge eignen sich am Besten für Bremsscheiben mit kleinen Aussparungen. Durch die weichere Belagmischung schonen sie die Bremsscheibe, verschleißen jedoch auch am schnellsten. Sie gelten als leise und haben gute Kaltreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 380° C).
  • Semi-metallische Bremsbeläge bieten das Beste aus beiden Welten. Überragende Bremskraft, geringerer Verschleiß als organische Beläge, gute Kalt- und Heißreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 500° C). Diese Bremsbeläge eignen sich auch für Bremsscheiben mit großen Aussparungen. Durch die härtere Belagmischung verschleißen die Bremsscheiben schneller als bei organischen Belägen. Je nach Bremssystem neigen diese gelegentlich zum Quietschen. Die Inhaltsstoffe sind ähnlich denen der organischen Beläge (Glas, Gummi, Carbon, Kevlar etc.) zuzüglich ca. 10-30 % metallischer Bestandteile wie z.B.
  • Gesinterte Bremsbeläge haben eine harte Belagmischung und eignen sich somit auch für Bremsscheiben mit großen Aussparungen. Sie haben sehr gute Heißreibeigenschaften und bieten beste Bremskraft. Der Belagverschleiß ist wesentlich geringerer als bei organischen Belägen, durch die härtere Belagmischung verschleißen allerdings die Bremsscheiben schneller als bei organischen Belägen.
  • Keramische Bremsbeläge haben eine sehr harte Belagmischung und somit einen sehr geringen Verschleiß. Sie sind für Bremsscheiben mit großen Aussparungen und den harten Einsatz bei Schlamm und Nässe geeignet. Sie haben überragende Heißreibeigenschaften (Arbeitstemperatur bis ca. 650° C). Bei niedrigen Temperaturen geht die Bremskraft jedoch merklich zurück.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist die Trägerplatte des Bremsbelags. Bei den meisten Bremsbelägen aus Stahl ausgeführt, gibt es auch Trägerplatten aus Aluminium oder selten auch aus Titan. Du suchst einen Kompromiss aus Bremskraft und Verschleiß oder deine Bremse rubbelt beim Bremsen mit organischen Belägen?

Für alle, denen geringer Verschleiß am wichtigsten ist, die die Bremse gerne schleifen lassen und somit viel Hitze erzeugen oder viel in schlammig/nassem Gelände unterwegs sind, haben wir den keramischen Bremsbelag.

Das richtige Einbremsen der Bremsbeläge

Essentiell bei jedem neuen Bremsbelag ist das richtige Einbremsen. Wichtig ist zunächst, dass die Bremsbeläge sich auf die Bremsscheibe einschleifen. Dazu empfehlen sich ca. 25-35 mittelstarke Bremsungen aus moderater Geschwindigkeit. Nach Abschluss dieser Phase sollte sich die Bremswirkung nicht mehr merklich erhöhen - ansonsten lieber nochmal ein paar zusätzliche Bremsungen durchführen.

Metallische oder semi-metallische Bremsbeläge benötigen eine höhere Temperatur, um eine tragfähige Reibschicht auszubilden. Hier ist es daher zusätzlich notwendig, die Beläge einmalig richtig heiß werden zu lassen bis die Bremswirkung sich merklich verschlechtert (z.B. Ein falsches Einbremsen bzw.

Bremsbelagtests in Fachzeitschriften

Um Dir eine Entscheidungshilfe bei der Auswahl unter den unzähligen Bremsbelägen zu geben, gibt es zum Glück regelmäßige weitestgehend objektive Bremsbelagtests in diversen Bike-Zeitschriften. Nähere Infos zu den Trickstuff Belägen, die wir wegen Ihrer Leistung und Problemlosigkeit am liebsten und häufigsten verkaufen findest Du nochmal gesondert in unserem Artikel Trickstuff Bremsbeläge Power / Standard.

Was bedeutet "Fading"?

"Fading" bezeichnet ein plötzliches Abfallen der Bremskraft durch hohe Temperatur.

  1. Dies geschieht in der Regel nach dem Loslassen des Bremshebels, da zuvor der hohe Leitungsdruck auch den Siedepunkt der Bremsflüssigkeit stark erhöht.
  2. Die Bremsbeläge (vor allem bei organischen Belägen) werden so heiß, dass bestimmte nicht ausgehärtete Bestandteile verdampfen. Bis alle flüchtigen Bestandteile komplett ausgegast sind, bleibt der Druckpunkt gewohnt hart, es tritt jedoch kaum eine Bremswirkung ein.

Beläge und Scheiben müssen sich aneinander gewöhnen. Dabei soll es ruhig heiß hergehen. Was viele nicht wissen: Das Paarungsverhalten von Belägen und Scheibe hängt entscheidend von den ersten gemeinsamen Momenten ab. Bei Dauerbremsungen - etwa auf langen Abfahrten - kann die Reibungshitze schnell auf über 300 Grad hochschnellen. Darauf sollten beide Partner vorbereitet sein. Sonst kann es sein, dass die Bremse kollabiert.

Ihre Gesundheit ist uns wichtig. Deshalb testen wir Bremsen und Zubehör unter extremen Bedingungen. Um herauszufinden, welche der vielen Beläge am Markt am besten mit den Bestseller-Bremsen harmonieren, haben wir 18 Paarungen bis an die Leistungsgrenze gebracht - Beläge der Marktführer Shimano, Sram und Magura, plus Nachrüstbeläge von BBB, Kool-Stop, Reverse, Sixpack, SwissStop und Trickstuff. Ein gewaltiger Aufwand. Denn jeder Hersteller bietet mittlerweile verschiedene Arten von Belägen an. Jede hat ihre Vor- und Nachteile.

Organische Beläge gelten als leise und leistungsfähig bei Kälte, sollen aber schneller verschleißen und bei Hitze schwächeln. Beläge aus Sintermetall dagegen stehen im Ruf, extrem hitzebeständig und verschleißfest zu sein. Dafür sollen sie den Scheiben mehr zusetzen und zum Quietschen neigen. So weit die Klischees. Denn unser Test zeigt: Es kommt auch stark darauf an, wie Bremsen eingefahren werden.

Drei Wochen haben wir im Labor am Prüfstand verbracht, um den Testkandidaten in Sachen Bremskraft, Standfestigkeit und Verschleißverhalten auf den Zahn zu fühlen. Besonders wichtig: ein definierter Einbremsprozess, beim dem die Bremse erst eingeschliffen und schließlich behutsam auf Temperatur gebracht wird. Das ist wichtig, damit sich auf Belag und Scheibe die sogenannte Reibschicht bilden kann. Dazu tauschen Belag und Scheibe so lange gegenseitig Material aus, bis eine mikroskopisch dünne Schicht entsteht, die chemisch nahezu identisch ist - Gleich und Gleich reibt sich eben am besten.

In drei Trocken- und Nassbremsungen wurde schließlich die Bremskraft ermittelt. Dann ging es in den Wärmestandfestigkeitstest. Die Pärchen mussten 30 Bremsungen absolvieren, die einer kurzen, aber heftigen Vollbremsung bei 12 Grad Gefälle und 45 km/h entsprechen. War eine Stufe geschafft, wurde die Bremskraft erhöht - in drei Stufen bis auf 630 Newton, was 120 Kilo Systemgewicht entspricht. So wurde unter Last die Temperatur im Belag bis zur Messbarkeitsgrenze von über 600 °C getrieben - oder eben bis zum Kollaps.

Eine penible Ausrichtung der Bremse ist wichtig, um Verschleiß und Geräuschentwicklung gering zu halten.

Zwei weitere eingebremste Sätze wurden schließlich im Zeitraffer verschlissen. Die 1000 Bremszyklen dauerten in unserem Labor knapp eine Stunde. Auf dem Trail würden die meisten dafür wahrscheinlich eine ganze Saison benötigen.

Zum Test angetreten waren die Bremsenklassiker Magura MT6, Shimano XT und Sram Guide, auf denen je zwei Originalbeläge sowie insgesamt vier Nachrüstbeläge getestet wurden. Wobei die Bremsenhersteller betonen, dass nur eigene Originalteile optimal zu ihren Bremsen passen und bei Verwendung von Fremdprodukten Garantie-, Gewährleistungs- und Haftungsansprüche in der Regel verfallen.

Bremsbeläge stammen meist aus Fernost - und nicht selten aus derselben Fabrik. Doch die Rezepturen der Reibmaterialien unterscheiden sich deutlich voneinander. So können manche organische Beläge bei einer Temperatur von über 300 °C noch deutlich an Leistungsfähigkeit zulegen, weil dann erst alle flüchtigen Bestandteile aus dem Harz verdampft sind. Andere befinden sich hier schon an der oberen Temperaturgrenze. Bei Sintermetallbelägen fängt hier meist der Spaß erst richtig an, die Bremskraft erreicht ihr Maximum, und vorher nervtötende Geräusche verschwinden plötzlich.

Weil die Leistungsfähigkeit der Beläge von der verwendeten Bremse abhängt, haben wir die Bremsleis­tung für jedes Bremsmodell individuell bewertet. Auffällig, aber nicht in der Bewertung berücksichtigt: der hohe Scheibenverschleiß der organischen Beläge von Reverse und Sixpack. Jeder raspelte die Hälfte der dünnen Edelstahlschichten der XT Ice-Tech-Scheibe ab. Damit wandelten sie in unserem Test fast 25 Euro in Wärme um. Sonst spielte Verschleiß bei den Scheiben eher keine Rolle.

Nicht jede Paarung harmoniert also. Doch wenn man die richtige gefunden hat, kann es ruhig heiß hergehen. Auch nach der Eingewöhnungsphase.

Empfehlungen des BIKE-Testredakteurs

Die Qualität passt. Trickstuff liefert seinen bisher besten Belag, und Sram zeigt eindrucksvoll, dass organische Beläge ausfallsicher sein können. Mit der sensiblen Shimano-Ice-Tech-Scheibe harmonieren die erstklassigen und sehr günstigen Originale einfach am besten.

Eigenschaften verschiedener Belagtypen

  • Organische Beläge: Faserstoffe aus der organischen Chemie ersetzten einst das krebserregende Asbest, daher der Name. Die Beläge sind meist leise und scheibenfreundlich. Typisch: der beißende Geruch beim Ausgasen des Harzes. Fading-Gefahr bei extremer Hitze!
  • Sintermetall-Beläge: Der unter Druck und Temperaturen nahe der Schmelzgrenze "gebackene" Metall-Pulver-Mix ist extrem hitzebeständig und gilt als Fading-resistent, kann aber sehr laut werden. Achtung: leiten viel Hitze in den Bremssattel!
  • Beläge mit Kühlrippen: Shimano war mit den Ice-Tech-Belägen Vorreiter, mittlerweile bieten auch einige Drittanbieter Modelle mit Kühlrippen an. Sie sollen für eine bessere Wärmeabfuhr sorgen und so vor allem hitzeempfindliche Scheiben schonen.

Getestete Bremsbeläge und ihre Leistung

Im Labor mussten sich 18 Paarungen beweisen. Nicht alle überzeugten. So testet BIKE Von jedem Belagmodell wurden drei Paar auf unserem hauseigenen Bremsenprüfstand getestet - zwei im Verschleißtest und eins zur Ermittlung der Bremskraft sowie der Wärmestandfestigkeit. Jeder Belag wurde auf dieselbe Weise sorgfältig eingebremst, bis die Bremskraft ein konstantes Niveau erreichte. Getestet wurde auf drei Bremsen mit originalen 180-mm-Bremsscheiben. Bewertet wurden die Beläge jeweils nur individuell für das getestete Bremsmodell.

Testmethoden

  • VERSCHLEISSTEST: Jeder Belag absolvierte 1000 Trockenbremsungen mit circa 315 N Bremskraft (Radumfangskraft) - etwa zwei Sekunden bei 45 km/h. Vor und nach dem Test wurden die Beläge genau vermessen.
  • BREMSLEISTUNG: Über je drei Trocken- und Nassbremsungen wurde die Bremskraft bei 80 N Handkraft gemittelt. Im anschließenden Wärmestandfestigkeitstest wurde die Bremskraft schrittweise bis zur Belastbarkeitsgrenze erhöht. Die Bewertung fasst die Bremskraft und die Wärmestandfestigkeit zusammen.

Testergebnisse für Shimano Deore XT

Shimanos Bremse der oberen Mittelklasse gilt als robust und ist an vielen Bikes verbaut. Doch welche Beläge harmonieren mit ihr am besten?

Reverse Air-Con:

  • Fazit: Ein guter Systembelag mit separater, gut funktionierender Kühlplatte. Gute Bremskraft. Aber das leichte Initial-Fading kostet Punkte.
  • BIKE-Urteil: GUT

Reverse Disc Organic:

  • Fazit: Noch gute Bremskraft, jedoch starkes Fading. Belagverschleiß gerade noch befriedigend. Aber: sehr hoher Verschleiß an der XT-Scheibe!
  • BIKE-Urteil: BEFRIEDIGEND

Shimano G02A:

  • Fazit: Sehr niedriger Verschleiß und höchste Bremskraft auf der XT mit Ice-Tech-Scheibe. Leichtes Fading ab 300 °C verhindert die volle Punktzahl.
  • BIKE-Urteil: SUPER

Shimano J02A:

  • Fazit: Genauso bärenstark und langlebig wie der G02A-Belag. Aber auch der J02A zeigt ab 300 °C ähnliches Initial-Fading wie der Bruder - damit verspielt er ein paar Punkte.
  • BIKE-Urteil: SUPER

Vergleich der Bremsscheiben

Welchen Einfluss hat die Bremsscheibe? Wir haben diese Modelle verglichen.

Modell Preis Gewicht Standfestigkeit Bremskraft Stärke Verschleißgrenze
Magura Storm HC 180 mm 30 Euro 140 Gramm extrem sehr hoch 1,95 mm 1,8 mm
Magura Storm SL 180 mm 35 Euro 116 Gramm hoch sehr hoch 1,95 mm 1,8 mm
Shimano XT (SM-RT76M) 180 mm ca. 27 Euro 150 Gramm mittel mittel 1,72 mm 1,5 mm
Shimano XT (SM-RT86) 180 mm ca. 35 Euro 131 Gramm mittel sehr hoch 1,72 mm 1,5 mm
Sram Centerline 180 mm 52 Euro 149 Gramm hoch sehr hoch 1,86 mm 1,55 mm
Sram Centerline X 180 mm 82 Euro 127 Gramm hoch sehr hoch 1,86 mm 1,55 mm

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