Shimano Deore XT Kette CN-HG95 im Test: Dauerhaltbarkeit und Schaltqualität

Fabrikneue High-End-Schaltungen funktionieren immer tadellos. Deshalb wurde sich mit dem Dauertest der Shimano XT-Gruppe richtig lange Zeit gelassen, um herauszufinden, wie sie sich schlägt.

Typisch Shimano gibt es auch bei der neuesten XT-Gruppe das volle Programm: von der Bremse bis zum Kettenschloss, das es endlich auch in Shimanos Portfolio geschafft hat.

Sowohl Shimanos XTR- als auch XT- und SLX-12-fach-Schaltungen verrichten ihre Schaltvorgänge auf nahezu vergleichbar hohem Niveau. Der größte Unterschied zwischen den Komponenten liegt meist im Gewicht und den verbauten Materialien, wie z. B. der Trigger: In dem der XT-Gruppe steckt bereits deutlich mehr Technik als bei der SLX-Gruppe.

Denn er verfügt über Multi-Release: kann also mit nur einem Klick zwei Gänge schwerer schalten. Das klingt erst einmal nicht besonders, doch nachdem unser Testchef Felix sich an das Feature gewöhnt hatte, will er es an seinem NICOLAI G1 nicht mehr missen. Nach kurzen Zwischenanstiegen ist die XT-Schaltung so deutlich schneller wieder im richtigen Gang: Wer die Power in den Beinen hat, bekommt sie auf welligen Trails noch besser auf den Boden.

Um ausreichend Platz für das kleinste Ritzel auf dem Freilauf zu schaffen, benötigt die XT-Gruppe unbedingt einen MICRO SPLINE-Freilauf. Zu Beginn unseres Dauertests war dieser mit Ausnahme von DT Swiss und Shimano selbst bei vielen Naben-/Laufradherstellern noch schwer zu bekommen. Doch mittlerweile ist er für eine Vielzahl von Systemen erhältlich.

Die Steighilfen in der Kassette und die Kette hat Shimano perfekt aufeinander abgestimmt. So kann die XT auch unter Volllast noch extrem sauber und zuverlässig schalten wie kaum ein anderes System am Markt.

Während Kette, Kurbel, Kassette und Trigger der Shimano XT absolut überzeugen können, ist das Schaltwerk das Sorgenkind der Komplettgruppe. Positiv neben dem Look ist vor allem das robuste Design, das auch so manchen Steinkontakt über die 14 Monate lediglich mit einigen Schönheitskratzern überstanden hat. Auch härtere Impacts, bei denen sogar das Schaltauge am G1 gewechselt werden musste, hat es ohne Murren weggesteckt.

Einfache Einstellung

Das Einstellen der Schaltung ist easy. So erlaubt z. B. eine aufgedruckte Markierung am Käfig die perfekte Einstellung der Umschlingung in Sekundenschnelle. Ebenfalls einfach einzustellen ist die Stärke der Shadow+ Dämpfung, die Kettenschlagen verhindern soll. Unter einer Gummi-Abdeckung versteckt sich die Schraube, mit der die Dämpfung an die Vorlieben angepasst werden kann.

Uns sind die Probleme mit der Shadow+ Dämpfung nicht nur bei unserem Langzeittest, sondern auch bei einigen anderen Test-Bikes bekannt. Denn besonders während der ersten Grade Käfig-Rotation lässt die Dämpfung schnell nach. Hier hilft auch der regelmäßige Service, bei dem die Clutch abgeschmiert wird, nicht weiter.

Das abschmieren verhindert aber ein weiteres, häufig auftretendes Problem, denn steht das Bike längere Zeit ungenutzt (und ohne Service) kann sich die Clutch festsetzen und den Käfig blockieren.

Die Shimano XT 12-fach-Schaltung überzeugt mit hervorragender Schaltqualität unter Last und einem starken Kompromiss aus Leichtbau und bezahlbarem Preis. Hinzu kommen eine klasse Ergonomie, einfaches Setup und die fast einzigartige Multi-Release-Funktion. Einzig die wartungsintensive Shadow+ Dämpfung trübt den positiven Eindruck: Wir empfehlen das passende Ersatzteil gleich mit zu bestellen.

Shimano stattet seine Deore XT (1×11-fach) und Deore (1×10-fach) Schaltgruppen mit der brandneuen LINKGLIDE Technologie aus. E-MTB Fahrer finden das Zahnprofil an der Kassette nun verfeinert vor. Einerseits verhilft die Zahnspitzenform zu einer Verschleiß-Reduktion, wobei die Performance der Kette gleichermaßen verbessert wird.

Zeitgleich wurde seitens Shimano an Design und Position der Schalthilfen gewerkelt. Die Kette wechselt nun sanfter zwischen den einzelnen Ritzeln, wodurch auch hier wieder Kettensprünge vermieden werden und eine gewisse Leichtigkeit während des Schaltens und Pedalierens entsteht.

Als Schaltwerke für die neuen LINKGLIDE Kassetten stehen die ebenfalls neue Deore XT 1×11-fach sowie Deore 1×10-fach Schaltung zur Seite. Ein verbesserter Stabilisator kümmert sich um höhere Kettenstabilität.

Die passenden LINKGLIDE Schalthebel für das neue Antriebssystem gibt es für die Deore XT 11-fach entweder als Variante mit Klemmschelle oder als I-SPEC EV Integrationssystem. Über einen instant release (Zug wird direkt bei Betätigung des Hebels freigegeben) wird zusätzlich ein reaktionsschneller und unmittelbarer Schaltvorgang auf Trails erreicht.

Vor allem e-Bikes mit hohem Drehmoment gehen als Gewinner des neuen Systems hervor, weshalb es in e-Mountainbikes besonders nützlich ist. Auch Schalten und Fahren unter hoher Last stellt mit der innovativen Technologie kein Risiko mehr dar. LINKGLIDE erlaubt die gewohnt nahtlose Schaltung, für die bisherige Shimano-Schaltungen ebenfalls bekannt sind.

Damit sie sich auf den ersten Blick von herkömmlichen Komponenten abheben, hat Shimano das System mit einem passenden Logo versehen.

Wer auf die Deore XT und Deore mit LINKGLIDE Technologie zurückgreift, sollte zuletzt bedenken, dass diese nicht mit anderen Shimano Komponenten kompatibel sind. Kassette, Schaltwerk, Schalthebel (und optional die Kette) müssen daher aufgerüstet werden. Der Fahrer bekommt damit jedoch alle Vorteile, welches das System in seiner Gänze bietet.

Durch Reibung wird Material abgetragen Mit ein bisschen Zuwendung, vor allem regelmäßiger Schmierung, verrichtet die Kette ihre Arbeit in der Regel unauffällig. Man bekommt dabei kaum mit, dass sich der Gliederstrang langsam, aber sicher längt. Dies geschieht, weil beim Ein- und Ausschwenken der Kette in die Zahnräder Reibung zwischen den Bolzen der Kette und den Kettenlaschen auftritt und Material abgetragen wird.

An diesen kleinen Gleitlagern nagt der Zahn der Zeit. Besonders dann, wenn das Rad im Alltagsbetrieb bei jedem Wetter oder im Gelände bewegt wird und Dreck in die Gelenke dringt. Radeln mit Motor fördert den Verschleiß ebenfalls, denn E-Bikes bringen mehr Power auf die Kette als die Waden.

Die angeschlissene Kette ändert ihre sogenannte Teilung. Die Abstände von Bolzen zu Bolzen, im Neuzustand gleichmäßig, ändern sich zu kurz- lang-kurz. Das wiederum stresst die Ritzel und Kettenblätter und sorgt auch dort für verstärkten Verschleiß. Heimtückisch: Davon spürt man zunächst nichts.

Eine gelängte Kette verändert die Zahnprofile aber so, dass eine neue Kette darauf irgendwann nicht mehr läuft. Dann wird der Service teuer, weil neben der Kette auch Kettenblatt (vorn) und Ritzel (hinten) ausgetauscht werden müssen.

Bei hochwertigen Rädern empfiehlt es sich daher, die Kette rechtzeitig zu wechseln, dann halten die Zahnräder zwei bis vier Ketten lang. Die absoluten Kilometerleistungen können dabei gewaltig schwanken. Ein sportlich betriebenes E-Bike kann eine Kette auf 1000 Kilometer hinrichten. Am gepflegten Schönwetterrad hält die gleiche Kette auch 7000 Kilometer und mehr.

Ketten im Verschleißtest

Der Verschleiß der Ketten wurde auf einer Prüfmaschine bestimmt. Dazu wurden je sieben Kettenabschnitte zu einer Prüfkette zusammengesetzt, die auf dem Prüfstand verspannt wurde. 80 Stunden lang wurde die Kette mit 300 N Spannung und 75 U/min bewegt. Weitere 30 Stunden mit einer auf 750 N erhöhten Last, wie sie fürs E-Biken repräsentativer ist. Alle 20 Stunden wurde feiner, aggressiver Quarzsand auf die Kette gerieselt, die mit einfachem Motoröl geschmiert wurde. Am Ende jedes Zyklus wurde die Längung der Gelenke mit Messschiebern unter Vorlast ermittelt. Zusätzlich haben wir den Rollenverschleiß erfasst und mit einer Kettenmesslehre überprüft, ob ein Austausch anstünde. Ein Referenzkettenabschnitt wurde in beiden Prüfketten verwendet.

Die Grafik zeigt, wie sehr sich die Kettengelenke im Zuge der Prüfung durch Verschleiß gelängt haben. Ketten unter 0,02 Millimeter Längung pro Gelenk sind nach der Prüfung mit Kettenlehre, die auch den Rollenverschleiß erfasst, noch nicht austauschpflichtig.

Ergebnisse der getesteten Ketten

Nachfolgend finden Sie die Testergebnisse zu einigen Fahrradketten im Verschleißtest:

  1. KMC E10: Schwache Haltbarkeit (befriedigend).
  2. KMC X10: Extrem haltbar (sehr gut, Testsieger).
  3. KMC X10 EL Gold: Leichter, aber geringere Haltbarkeit (gut).
  4. Miché E-Bike: Schneller Verschleiß (ausreichend).
  5. Miché 10 Speed: Vernickelt, gute Leistung (gut).
  6. Shimano CNE 6090: Extralang, hervorragende Haltbarkeit (sehr gut).
  7. Shimano Deore HG 54: Top-Haltbarkeit, günstig (sehr gut).
  8. Shimano HG 95: Beschichtete Laschen, hervorragende Haltbarkeit (sehr gut).
  9. SRAM PC 1031: Geringe Haltbarkeit (ausreichend).
  10. SRAM PC 1071: Gute Haltbarkeit (sehr gut).
  11. Wippermann 10 S1: Edelstahl, guter Rostschutz, gute Haltbarkeit (sehr gut).
  12. Wippermann 10 SE: E-Bike-Modell, gute Gelenkhaltbarkeit (sehr gut).
  13. Wippermann 10 SO: Günstig, gute Leistung (sehr gut).

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