Shimano Deore XT Schaltgruppe im Test: Leistung, Vielseitigkeit und Zuverlässigkeit

Mit der neuen XT möchte Shimano ein möglichst breites Spektrum abdecken und das Einsatzgebiet sehr variabel gestalten. Die Aussage auf der Shimano Homepage lautet: „We’ve designed the gear ratios to ride efficiently for everyone's needs”. Die Gruppe wird als 1x11, 2x11 und 3x11 angeboten, wobei die 1x11 Gruppe in Kombination mit einer 11-42 Kassette gefahren wird. 2-fach und 3-fach werden mit einer Bandbreite von 11-40 Zähnen ausgeliefert.

Identisch zur großen Schwester, der XTR, lassen sich auch an der XT Kurbel die Spider tauschen. So kann die Einfach-Kurbel jederzeit auf 2-fach umgerüstet werden und umgekehrt. Optisch kommt die Gruppe offiziell in Schwarz daher, ist aber eher schwarz-anthrazit.

Erster Eindruck und Ergonomie

Die Trigger machen einen sehr hochwertigen Eindruck und der Daumenhebel ist aus Metall gefertigt. Durch seine Länge und Form liegt er sehr gut am Daumen an. Der kleine Trigger-Hebel (2-Way-Release-Hebel) kann sowohl mit dem Daumen als auch mit dem Zeigefinger bedient werden, er ist also in beide Richtungen schaltbar. Mit dem Daumen lassen sich in einem Rutsch vier Gänge schalten. Du bist also mit drei Daumen-Moves von unten auf dem obersten 40er Ritzel. Nach unten geht es in sehr knackigen Einer- oder Zweier-Schritten.

Die Schalthebel sind dank der I-Spec II-Schelle am Bremshebel montiert und lassen sich dort individuell an die Hand und Vorlieben des Fahrers anpassen.

Schaltwerk und Umwerfer

Das Shadow Plus Schaltwerk kommt mit einer ultrastarken Feder daher. Die Feder ist so stark, dass schon nach der Montage klar wird, dass eine Kettenführung nicht nötig ist. Bei der Montage des Hinterrades macht der Hebel zur Federhärteverstellung nun tatsächlich Sinn und der Gebrauch ist hier zu empfehlen. Eine komplette Neuerung ist der High Direct Mount Side Swing Umwerfer, der von vorne angesteuert wird. Auf der einen Seite erleichtert diese Technik das Schalten, auf der anderen Seite ermöglicht sie zukünftig den Rahmenbauern mit dem Hinterrad noch näher an das Sattelrohr zu bauen, da eine Schaltzugführung „hinten herum“, also hinter dem Sitzrohr wegfällt.

Fahrtest und Schaltperformance

Die Schaltung funktioniert einwandfrei und ohne Mucken. Auffällig ist aber der deutliche und knackige Druckpunkt für das Runterschalten am Hinterrad. Der Druckpunkt ist so eindeutig, dass dieser eine wirkliche Unterstützung beim Biken gegeben hat. Den Trigger mit Daumen oder Zeigefinger betätigt, und sofort hauen Gang oder Gänge rein. Ob unter Voll-Last oder Halb-Last, völlig egal. Die Schaltung schaltet sauber, exakt und zuverlässig. Nach oben schalten die Gänge einfach und entspannt. Beim ersten Mal Durchschalten hatte ich nach dem knackigen Runterschalten mit etwas mehr Daumendruck gerechnet. Dem war aber nicht so.

Ein weiterer Pluspunkt ist die hohe Federspannung des Schaltwerkes. Mir ist in der ganzen Zeit vielleicht dreimal die Kette vom vorderen Ritzel gesprungen bzw. gefallen, aber auch nur, weil ich in einem weniger optimalen Moment nach hinten in den Freilauf getreten habe.

Langzeittest und Haltbarkeit

Fabrikneue High-End-Schaltungen funktionieren immer tadellos. Deshalb haben wir uns mit dem Dauertest der Shimano XT-Gruppe auch richtig lange Zeit gelassen, um herauszufinden, wie sie sich schlägt. Typisch Shimano gibt es auch bei der neuesten XT-Gruppe das volle Programm: von der Bremse - die wir ebenfalls für euch getestet haben - bis zum Kettenschloss, das es endlich auch in Shimanos Portfolio geschafft hat. Beim Erstkontakt fällt sofort der coole Look von Schaltwerk und hohlgeschmiedeter Kurbel ins Auge. Letztere hat sich bei so manchem harten Bodenkontakt zwar einige Kratzer eingefangen, funktioniert aber nach wie vor auch ganz ohne Schutzvorrichtungen einwandfrei.

Sowohl Shimanos XTR- als auch XT- und SLX-12-fach-Schaltungen verrichten ihre Schaltvorgänge auf nahezu vergleichbar hohem Niveau. Der größte Unterschied zwischen den Komponenten liegt meist im Gewicht und den verbauten Materialien, wie z. B. der Trigger: In dem der XT-Gruppe steckt bereits deutlich mehr Technik als bei der SLX-Gruppe. Denn er verfügt über Multi-Release: kann also mit nur einem Klick zwei Gänge schwerer schalten. Das klingt erst einmal nicht besonders, doch nachdem unser Testchef Felix sich an das Feature gewöhnt hatte, will er es an seinem NICOLAI G1 nicht mehr missen. Nach kurzen Zwischenanstiegen ist die XT-Schaltung so deutlich schneller wieder im richtigen Gang: Wer die Power in den Beinen hat, bekommt sie auf welligen Trails noch besser auf den Boden.

Der XT-Trigger verfügt über die Multi-Release-Funktion und kann so mit einer Hebelbetätigung zwei Gänge schwerer schalten. Die 12-fach XT-Kassette setzt mit ihren 10-51 Zähnen auf 510 % Bandbreite und ist mit 471 g relativ leicht. Möglich machen das die zwei größten Ritzel, die aus Alu gefertigt und obendrein auf einem leichten Alu-Spider befestigt sind. Trotz des weicheren Materials hält sich der Verschleiß der größten Ritzel nach über einem Jahr Dauereinsatz bei allen Wetterbedingungen absolut in Grenzen. Um ausreichend Platz für das kleinste Ritzel auf dem Freilauf zu schaffen, benötigt die XT-Gruppe unbedingt einen MICRO SPLINE-Freilauf. Zu Beginn unseres Dauertests war dieser mit Ausnahme von DT Swiss und Shimano selbst bei vielen Naben-/Laufradherstellern noch schwer zu bekommen. Doch mittlerweile ist er für eine Vielzahl von Systemen erhältlich.

Technische Details und Innovationen

Die Steighilfen in der Kassette und die Kette hat Shimano perfekt aufeinander abgestimmt. So kann die XT auch unter Volllast noch extrem sauber und zuverlässig schalten wie kaum ein anderes System am Markt. Der Shadow+ Mechanismus lässt sich in seiner Härte schnell und einfach einstellen und beruhigt so die Kette enorm.

Während Kette, Kurbel, Kassette und Trigger der Shimano XT absolut überzeugen können, ist das Schaltwerk das Sorgenkind der Komplettgruppe. Positiv neben dem Look ist vor allem das robuste Design, das auch so manchen Steinkontakt über die 14 Monate lediglich mit einigen Schönheitskratzern überstanden hat. Auch härtere Impacts, bei denen sogar das Schaltauge am G1 gewechselt werden musste, hat es ohne Murren weggesteckt. Das Einstellen der Schaltung ist easy. So erlaubt z. B. eine aufgedruckte Markierung am Käfig die perfekte Einstellung der Umschlingung in Sekundenschnelle. Ebenfalls einfach einzustellen ist die Stärke der Shadow+ Dämpfung, die Kettenschlagen verhindern soll. Unter einer Gummi-Abdeckung versteckt sich die Schraube, mit der die Dämpfung an die Vorlieben angepasst werden kann.

Felix hat immer auf viel Dämpfung gesetzt und die Schraube nur zum Nachjustieren genutzt, wenn die Dämpfung nach einiger Zeit nachlässt. Uns sind die Probleme mit der Shadow+ Dämpfung nicht nur bei unserem Langzeittest, sondern auch bei einigen anderen Test-Bikes bekannt. Denn besonders während der ersten Grade Käfig-Rotation lässt die Dämpfung schnell nach. Hier hilft auch der regelmäßige Service, bei dem die Clutch abgeschmiert wird, nicht weiter. Das abschmieren verhindert aber ein weiteres, häufig auftretendes Problem, denn steht das Bike längere Zeit ungenutzt (und ohne Service) kann sich die Clutch festsetzen und den Käfig blockieren.

Shimano Deore XT im Vergleich

Klar ist, je teurer eine Schaltgruppe ist, desto besser und leichter ist sie auch. Doch muss es natürlich nicht immer eine XT oder XTR Schaltung sein. Für die/den Durchschnittmountainbiker:rin reicht auch eine Alivio oder Deoreschaltung völlig aus, um sportliche Touren zu machen oder Spaß auf den Trails zu haben. Auch diese Schaltungen haben sich lange bewährt und garantieren lang anhaltenden Fahrspaß. Oftmals kommt in den günstigeren Schaltgruppen die gleiche Technik zum Einsatz, lediglich das Material unterscheidet sich.

Und wie der Name „Gruppe“ schon vermuten lässt: Eine Schaltgruppe besteht meist aus Schaltwerk (hinten), Umwerfer (vorne), Kurbelgarnituren, Kassetten, Kettenblätter, Schalthebeln, Bremshebeln und den dazugehörigen Scheibenbremsen. Manchmal werden vom Hersteller des Fahrrads aber auch Komponenten ausgetauscht, sodass die Teile nicht alle der gleichen Gruppe angehören.

Die Shimano Deore XT Schaltgruppe ist eine hochwertige Komponentengruppe für Mountainbikes, die sich durch ihre zuverlässige Schaltleistung, ihre präzisen Gangwechsel und ihre robuste Bauweise auszeichnet. Sie bietet auch ein breites Übersetzungsverhältnis, sodass du in jeder Situation einen passenden Gang findest.

Shimano Schaltgruppen im Überblick:

  • Tourney: Für Einsteiger- und Freizeit-Fahrräder, einfache Schaltung, preisgünstig.
  • Altus: Solide Leistung zu einem erschwinglichen Preis.
  • Acera: Ermöglicht erste Erfahrungen im Gelände.
  • Alivio: Hochwertige Komponentengruppe für Alltagsfahrten und leichtes Gelände, reibungslose und präzise Schaltvorgänge, stilvolles Design.
  • Deore: Hohe Qualität und Leistung, robust und zuverlässig, geeignet für Gelände und Mountainbike-Touren, aktuelles Design.
  • SLX: Langlebig, zuverlässig, leicht, kompakt, präzise und bietet ein reibungsloses Schaltverhalten.
  • Deore XT: Zuverlässige Schaltleistung, präzise Gangwechsel, robuste Bauweise, breites Übersetzungsverhältnis.
  • XTR: Für höchste Ansprüche an die Leistung des Mountainbikes, schnelle und präzise Schaltung, geeignet für anspruchsvolle Trail-Sessons.

Fazit

Die Shimano XT M8000 ist eine sehr unauffällige Schaltgruppe. Sie soll ohne Geräusche, schnell und exakt in den Gang wechseln, den ich brauche. Die Kette soll nicht abspringen und der Verschleiß soll sich ebenfalls in Grenzen halten und das ist der Fall. Wie immer hat mich Shimano überzeugt und gezeigt, wie viel Entwicklungspotential nach wie vor in der Schaltung liegt, ohne direkt elektronisch zu werden. Aus meiner persönlichen Sicht absolut empfehlenswert.

Die Shimano XT 12-fach-Schaltung überzeugt mit hervorragender Schaltqualität unter Last und einem starken Kompromiss aus Leichtbau und bezahlbarem Preis. Hinzu kommen eine klasse Ergonomie, einfaches Setup und die fast einzigartige Multi-Release-Funktion. Einzig die wartungsintensive Shadow+ Dämpfung trübt den positiven Eindruck: Wir empfehlen das passende Ersatzteil gleich mit zu bestellen.

Die Schaltvorgänge sind knackig und „on point“. Die Gangwechsel laufen sauber, leichtgängig, geräuscharm und vor allen Dingen schnell ab. Aus diesem Blickwinkel konnte mich Shimanos neue 12-fach XT bereits überzeugen. Was mir aber ausdrücklich gut gefallen hat, das sind die neuen Schalthebel. Dabei sind es nicht die gummierten Kontaktflächen der Schalt-Paddles, sondern vor allem der Verstellbereich der I-SPEC EV Montage. Damit lassen sich die Hebel in seitlicher Richtung um mehr als 14 mm verschieben und wie gehabt auch in Rotationsrichtung anpassen. Das Thema Ergonomie ist damit definitiv vorbildlich gelöst. Dank 2-Way-Release Technik funktioniert der Schalthebel überdies auch intuitiv - je nach Vorlieben des Nutzers.

Die Shimano DEORE XT Gruppe bringt eine hohe Schaltgenauigkeit mit sich. Mit ihrem ansprechenden modernen Design passt sie an wirklich jedes Bike und ist in Windeseile montiert. Dabei hilft auch das vorhandene Kettenschloss. Das wertvollste Merkmal ist das extrem ruhige und leise Schalten.

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