Im vergangenen Jahr, kurz vor dem Start der Tour de France, präsentierte Shimano die nächste Evolutionsstufe seiner Rennrad-Speerspitze: die Dura Ace R9100. Die mechanische Dura Ace R9100 ist bereits an einigen Kompletträdern verbaut. Die neue Di2 Gruppe mitsamt den ersten Dura Ace Scheibenbremsen überhaupt gab es jedoch bisher nicht zu sehen oder zu fahren.
In den vergangenen Jahren gab es im High-Performance-Sektor der Straßenräder viele neue Entwicklungen und Technologien. Mit der neuen Dura Ace Generation bringt Shimano nun (fast) alle dieser Technologien, Features und Entwicklungen in die eigene Topgruppe. Die mechanische Variante der Straßen-Speerspitze des japanischen Fahrradriesen bleibt weiterhin im Programm.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick
- Kabellose Di2-Technologie: Shimano setzt weiterhin auf die bewährte elektronische Di2 Technologie, auch wenn eine kabellose Variante, ähnlich SRAMs eTap, noch aussteht.
- Felgen- und Scheibenbremsen: Felgenbrems-Fans können aufatmen - es wird auch weiterhin Felgenbremsen auf Dura Ace Niveau geben.
- Dura Ace Dual Pivot Bremsen: Die Arme wurden verlängert und in ihrer Form angepasst, um zukünftig auch für die immer beliebter werdenden 28mm breiten Reifen genügend Platz zu bieten.
- Erste Scheibenbremse auf Dura Ace Niveau: Jedes einzelne Teil wurde konsequent und zu 100% auf den Straßeneinsatz entwickelt.
Die Dura Ace Scheibenbremse im Detail
Nach den Diskussionen im Pro-Peloton bezüglich des Verletzungsrisikos, wanderte unser Blick und unsere Finger zuallererst in Richtung der neuen Bremsscheibe. Die Kanten der neuen Dura Ace Bremsscheiben wurden während der Produktion „entschärft“. Die UCI schreibt vor, dass der Kantenwinkel weniger als 90° betragen muss.
Für eine optimale Wärmeverteilung sorgen die schwarzen Kühlelemente aus Aluminium, die die komplette Innenseite der Scheibe bis zur Centerlock-Aufnahme abdecken. Aus diesem Grund wird es die Dura Ace Scheiben auch nicht für 6-loch Aufnahme geben, da sich der schmalere Aufnahmebereich zu stark negativ auf das thermische Verhalten auswirken würde. Die IceTec Freeza Technologie soll mit ihrem Kern aus Aluminium zudem die Wärme auch während längeren Bremsmanövern zuverlässig von der Bremsfläche ableiten.
Der Bremssattel ist eine komplette Neuentwicklung und wurde für die Anforderungen auf der Straße konzipiert und konstruiert. Besonderen Fokus legte man neben der Bremskraft vor alle auf die -modulation. So soll die Dura Ace deutlich besser und feinfühliger dosierbar sein als beispielsweise ihr Ultegra-Pendant, die technisch auf der XT Bremse vom Mountainbike basiert. Die Montage erfolgt durch den Shimano-Eigenen Flatmount Standard.
Ergonomie und Integration
Die große Herausforderung für die Konstrukteure der STI Griffe war es, die bewährte Ergonomie beizubehalten und gleichzeitig Platzfresser wie den Ausgleichsbehälter für das Mineralöl der Scheibenbremse unterzubekommen. Die finalen Versionen der vier STI Varianten sind auf den ersten Blick kaum voneinander zu unterscheiden.
Das neue Schaltwerk-Design
Beim Schaltwerk der neuen Dura Ace fällt auf den ersten Blick natürlich das neue Design auf - nach wie vor edel, in Formsprache und allgemeiner Optik jedoch einen Ticken technischer und futuristischer als noch zuvor. Gleich danach dürfte Dura Ace Kennern das zusätzliche Gelenk für die Rahmenmontage auffallen, das den Hauptdrehpunkt etwas hinter das Schaltauge verlagert.
Neu ist außerdem die Kassette mit 11-30 Bandbreite. Die neue Kassette kommt in der Abstufung 11-12-13-14-15-17-19-21-24-27-30 und bringt 211g auf die Waage.
Di2 Technologie: Synchro Shift und E-Tube App
Konsequente Weiterentwicklung ist auch bei Shimanos Di2 Technologie angesagt. Hierbei ‚erbt‘ die neue Dura Ace einige der Features die im Zuge der MTB Di2 Gruppen XTR und XT in den letzten Jahren eingeführt und bereits ausführlich getestet wurden. Der Synchro Shift Modus dürfte insbesondere für Triathleten und Zeitfahrspezialisten interessant sein: So ist es beispielsweise möglich, dass man mit zwei Zusatzbuttons am Aufbau alle verfügbaren Gänge durchzuschalten, ohne für den Wechsel des Kettenblatts die Aeroposition verlassen zu müssen.
Beide Modi lassen sich mit der neuen E-Tube App für Smartphones und Tablets auf die eigenen Vorlieben anpassen. Nach dem Verbinden mit dem Antrieb muss einmalig die Verwendete Übersetzung (Kettenblätter und Kassette) angegeben werden. Insgesamt fünf vordefinierte Schaltprofile lassen sich in der E-Tube App für jede Schaltung hinterlegen.
Möglich wird all das durch das Zusammenspiel aus neuem Akku und neuer Verteilerbox. Bei letzterer hat man auf die Wünsche der Kunden gehört und das optisch wenig ansprechende Kästchen auf der Unterseite des Vorbaus ist ab 2017 Geschichte: Die neue Verteilerbox ersetzt eines der beiden Barends und fügt sich optisch fast unsichtbar in das Gesamtsystem ein. Hierfür gibt es zukünftig ein Y-Kabel, das sämtliche Steuerelemente am Cockpit mitsamt Verteilerbox mit Schaltwerk, Umwerfer und ggf. dem Akku verbindet.
Powermeter Integration
Für einiges Aufsehen sorgte Shimanos Ankündigung im Sommer, dass es in der 9100er Dura Ace Gruppe auch erstmals einen Powermeter geben wird. Rein optisch ist die Leistungsmess-Variante der neuen Dura Ace Kurbel kaum von der Standardversion zu unterscheiden. Lediglich ein kleines Kästchen am Spider weist auf die inneren Werte hin. Über ANT+ sendet der Leistungsmesser schließlich die entsprechenden Daten, die an einem entsprechenden Endgerät ausgelesen werden können.
Laufräder
Auch bei den Laufrädern wird sich mit der neuen Shimano Dura Ace Generation einiges tun: Bei der Felgenhöhe schwimmt man etwas gegen den Strom und setzt zukünftig auf 40mm und 60mm statt dem zuvor eingeschlagenen Mittelweg mit 50mm. Die neuen Laufräder werden sowohl für Felgen- als auch für Scheibenbremsen erhältlich sein und kommen ebenso sowohl für Schlauchreifen wie auch für Clincher - letztere sind allesamt auch für Tubeless kompatibel.
Erste Fahreindrücke
Ich hatte während unseres Pressecamps in Calpe Gelegenheit, sowohl die Variante mit klassischen Felgenbremsen als auch die neue Scheibenbremse zu testen. Bei der nackten Performance gibt es Dura Ace-typisch rein gar nichts auszusetzen: Die Schaltvorgänge sind schnell und präzise, Kettenblattwechsel erfolgen auch in hektischen Situationen schnell genug und das meist sogar beinahe geräuschlos.
Einen richtig guten Job haben die Entwickler vor allem an der Hydraulikvariante der R9170er Serie gemacht: Diese ist wirklich kaum von dem Modell für mechanische Bremsen zu unterscheiden und bei der Ergonomie konnten wir keinerlei Unterschiede feststellen.
Auch dem Synchro Shift Modus gab ich eine Chance: Über die knapp zweistündige Ausfahrt über einige größere und kleinere Hügel der Region musste ich nicht ein einziges Mal den linken Shifter betätigen, da dies die Di2 Schaltung automatisch übernahm.
Am ersten Tag saß ich auf dem felgengebremsten Emonda und die neuen Dura Ace Bremsen machten zusammen mit den C60 Laufrädern eine gewohnt gute Figur. Am nächsten Tag wechselte ich auf ein Specialized S-Works Venge mit den neuen Scheibenbremsen und war angesichts der - um es vorsichtig auszudrücken - feuchten Bedingungen wirklich froh darüber.
Die Shimano Dura-Ace R9100 ist mehr als nur eine neue Gruppe; sie ist ein umfassendes System, das auf die Bedürfnisse anspruchsvoller Rennradfahrer zugeschnitten ist. Mit Innovationen wie dem integrierten Powermeter, der präzisen Di2-Technologie und den leistungsstarken Scheibenbremsen setzt sie neue Maßstäbe in Sachen Leistung und Integration.
Shimano Rennrad Schaltgruppen im Vergleich
Hier ist eine Übersicht über die verschiedenen Shimano Rennrad Schaltgruppen und ihre Eigenschaften:
| Gruppe | Zielgruppe | Gänge | Besonderheiten |
|---|---|---|---|
| Tiagra R4700 | Einsteiger | 10-fach | Günstiger Preis, gute Funktionalität |
| 105 R7000 | Fortgeschrittene | 11-fach | Ergonomie und Übersetzungen ähnlich Ultegra |
| Ultegra R8000 | Leistungsorientiert | 11-fach | Leichtbaukomponenten, hochwertige Materialien |
| Dura Ace R9100 | Rennfahrer, Enthusiasten | 11-fach | Carbon, Titan, unvergleichliches Finish |
| Di2 Ultegra 8100 / Dura Ace 9200 | Profis, High-End | 12-fach | Kabellose Übertragung, Hyperglide+ Technologie |
Die großen Unterschiede liegen in der Verarbeitungsqualität, den Fertigungstoleranzen und verwendeten Materialien.
Weitere Details und Innovationen
- Zwölffach-Antrieb: Die Dura-Ace kommt mit 12 Ritzeln, was eine feinere Abstufung ermöglicht.
- Schaltvorgänge: Die Schaltvorgänge sind weicher und schneller.
- Umwerfer: Der Umwerfer ist schlank und arbeitet rasant.
- Scheibenbremsen: Die Scheibenbremsen liefern eine hohe Bremsleistung und sprechen erstklassig an.
Das TOUR-Fazit aus dem Praxistest
Shimano hat mit der neuen Dura-Ace keine Revolution ausgelöst, aber sich in vielen Details verbessert. Besonders die starken Bremsen bleiben in Erinnerung. Funktionsstörungen oder gar Ausfälle gab es keine. Shimano gibt eine Reichweite von zirka 1.000 Kilometern an, in weniger anspruchsvollem Gelände dürften es deutlich mehr werden.
Für das getestete Ensemble ruft Shimano - ohne die Laufräder - knapp 4.200 Euro auf.
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