Shimano GRX 400 Umwerfer im Test: Alles, was Sie wissen müssen

Mit der GRX-Gruppe hat Shimano eine spezifische Gravelgruppe am Rennradmarkt etabliert. Die neue Shimano GRX vereint eine komplette Komponentenfamilie von der Schaltung bis zu Laufrädern. Laut Shimano ist sie konzipiert für schnelles Fahren und sichere Handhabung auf losen Untergründen. Da der Gravelsport sehr vielfältig und breitbandig ist, ist auch die gesamte Gruppe sehr breit gedacht und vielseitig angelegt.

Die Shimano GRX Gruppe im Überblick

Die Shimano GRX Schaltgruppe ist seit einiger Zeit auf dem Markt und erfreut sich großer Beliebtheit. Es handelt sich hierbei nämlich um die einzige Gruppe von Shimano, die ausdrücklich für die wachsende Gravel-, Bikepacking- und Cyclocross-Sparte vorgesehen ist. Aber auch Reiserennradler und Randonneure dürften sich von ihrem breiten Übersetzungsspektrum angesprochen fühlen. Bislang war es in all diesen Bereichen üblich, klassische Rennradkomponenten zu fahren. Nun tritt Shimano jedoch mit dem Anspruch an, erstmals eine eigenständige und vollständig „durchdachte Lösung“ für das Breitreifensegment unterhalb des Mountainbikes entwickelt zu haben: mit einer „auf Schotter abgestimmte[n] Halterungsergonomie“, robusteren Komponenten und geräuscharmen Antrieb.

Die GRX-Gruppe kommt in vielen Ausführungen: 1- oder 2-fach vorne, 10- oder 11-fach hinten und mechanisch oder elektronisch. Mit drei Serien richtet sie sich an verschiedene technische Ansprüche. Deren Kurbelgarnituren und Schalthebel lassen sich laut Shimano einfach der Topgruppe kombinieren. Beide schalten mit 11-fach-System. Mit der GRX400 bietet die Familie auch eine preislich attraktive 10-Gang-Serie an.

Shimano GRX Kurbel und Umwerfer

Die Shimano GRX Kurbeln sind speziell für den Gravel-Einsatz konzipiert. Die Kurbel sind etwas breiter und die Kettenlinie wandert um 2,5mm nach außen, um für mehr Reifenfreiheit am Hinterrad zu sorgen. Bis zu 42mm Reifenbreite sind möglich. Außerdem haben die GRX-Kurbeln eine größeren Übersetzungs-Bandbreite. Die 2-fach GRX Kurbel kommt mit 48-31 Kettenblättern (11-fach) bzw. 46-30 Kettenblättern (10-fach). Das ist ein Unterschied von 17 (bzw. 16) Zähnen zwischen den beiden Kettenblättern.

Passend zu den Shimano GRX Kurbelgarnituren ist auch der GRX FD-RX400 2x10-fach Umwerfer für eine 2,5 mm breitere Kettenlinie ausgelegt und ermöglichen so Reifenbreiten bis zu 42 mm fürs raue Gelände. Die RX800 Umwerfer sind dafür ausgelegt, die 17-Zähne-Kettenblattdifferenz der RX800 48/31Z-Kurbel zu bewältigen, während der FD-RX400 Umwerfer mit den 16 Zähnen Differenz der RX600 Kurbel für 10-fach mit 46/30 Zähnen ideal harmoniert. Alle Umwerfer bieten selbstverständlich die SHIMANO-typische Schaltperformance und -präzision.

Shimano GRX Schaltwerk und Kassette

Um auch hinten an der Kassette möglichst viele Übersetzungen abzudecken, gibt es die elektronischen und mechanischen GRX-Schaltwerke in zwei Käfiglängen. Bis 34 Zähne gibt es ein Schaltwerk mit kurzem Käfig. Wer bis zu 42 Zähne auf dem größten Ritzel nutzen möchte, sollte das GRX Schaltwerk mit langem Käfig wählen. Die GRX Gruppe kommt übrigens ohne eigenen Kassette und Kette. Stattdessen ist die GRX Schaltung mit Rennrad- und MTB-Kassetten kompatibel. Wer 11-fach schalten möchte, kann Ultegra oder 105er Rennradkassetten oder Deore XT oder SLX MTB-Kassetten verwenden. Die 10-fach GRX-Schaltwerke funktionieren mit Tiagra und Deore Kassetten.

Shimano GRX Schalthebel und Bremsen

Auch die Schalthebel unterscheiden sich in einigen Details von den Brems-Schalthebeln der Rennrad-Gruppen. Um für mehr Bremskraft auf Schotterabfahrten zu sorgen, wurde der Drehpunkt der Bremshebel nach oben versetzt. So erhöht sich die Hebelkraft des Bremshebels.

Für den 1-fach Betrieb gibt es auch spezielle linke Schalthebel - entweder mit starrem Bremshebel ohne interne Mechanik oder, wie bekannt, mit nach innen schwenkendem Bremshebel, an dem ein Zug für eine absenkbare Sattelstütze eingehängt werden kann.

Die GRX Gruppe gibt es nur mit hydraulischen Scheibenbremsen geben. Wie alle anderen Rennrad-Scheibenbremsen von Shimano werden diese per Flatmount-Standard montiert. Damit kann bei den GRX-Gruppen nicht nur an der STI-Einheit, sondern auch vom Oberlenker aus gebremst werden.

Shimano GRX Laufräder

Komplettiert wird das Shimano GRX-Sortiment mit zwei Alu-Laufradsätzen. Die GRX-Laufräder sind Tubeless ready, kommen mit 21,6mm Maulweite und in den Größen 28 Zoll und 650B. Der Fahreindruck nach Kilometern ist positiv: Die Laufräder beschleunigen ordentlich, lenken präzise, zeigen sich haltbar und unanfällig für störende Knackgeräusche aufgrund des wahlweise staubigen oder schlammigen Offroad-Einsatzes.

Die mechanische Shimano GRX im Praxistest

Im Fahreindruck überzeugte die mechanische Gruppe: Im Praxistest gab es kein Kettenschlagen, keine -abwürfe, -klemmer oder anderen Probleme. Im Gegenteil: Der Antrieb arbeitete präzise, geräuscharm - und schaltete etwas knackiger als die gewohnten Straßenkomponenten. Was die Übersetzung angeht, fühlt sich die Einfach-GRX "offroad" wohler, da dort die teils großen Gangsprünge weniger stören und auch die Bandbreite ausreicht.

Shimano GRX vs. SRAM Apex

Shimano aus Japan und der US-amerikanische Konkurrent SRAM prägen das Erscheinungsbild des Gravelbikes maßgeblich, indem sie ­betont sportliche, aber auch für Freizeit- und unerfahrene Radler und Radlerinnen maßgeschneiderte Komponenten anbieten. SRAM tummelte sich bislang eher im oberen Preisbereich, während Shimano auch Komponenten für günstigere Bikes anbot. Doch mit den neuen Teilen buhlen beide zunehmend um die gleiche Zielgruppe.

Interessant ist, dass die Konkurrenten auf den ersten Blick die Bedürfnisse der Zielgruppe auf ganz unterschiedliche Weise erfüllen wollen: SRAM sieht die Zukunft im Einfach-Kettenblatt und dem elektronisch gesteuerten Gangwechsel. Die Amerikaner machten Antriebe mit einem einzelnen Kettenblatt einst salonfähig, für die neue Apex gibt es nun gar keinen vorderen Umwerfer mehr. Die Gruppe ist die bislang preiswerteste Variante, eine Schaltung auf dem neuesten Stand der Technik zu fahren: elektronisch über Funk betätigt, mit zwölf Ritzeln am Hinterrad.

Die zweite GRX-Generation von Shimano bekommt ebenfalls ein zwölftes Ritzel spendiert. Doch sie wird, wie an unserem Testrad von Arc8, bis auf Weiteres nur mit den gewohnten Schaltbremsgriffen und Bowden­zügen bedienbar sein. Eine elektronische Di2-Version, die es in der ersten Generation parallel gab, ist zum Marktstart nicht erhältlich. Der Zweifach-Antrieb mit Umwerfer dagegen ist am Gravelbike noch eine selbstverständliche Option - auch wenn Shimano das Angebot an Einfach-Übersetzungen jetzt deutlich ausgebaut hat. Zusätzlich zur getesteten GRX 820 gibt es eine preiswertere GRX 610, die auf einige technische Finessen verzichtet. Die Gruppen sind untereinander fast uneingeschränkt kompatibel und bilden eine Art Baukasten.

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