Shimano GRX 600 Gruppe 1x11 Test: Die Gravellücke ist gefüllt

Im Gravelbereich hat sich in den letzten Jahren die Montage eines 1x11-Antriebs bei Gravelbikes sehr populär geworden. Der Pionier dieser Lösung ist SRAM, mit der Apex 1, eine Gruppe, die einen strikten Cyclocross-Gravel Charakter besitzt. Erst vor kurzem ist die Konkurrenz für den amerikanischen Hersteller auf den Markt gekommen: Shimano hat seine Shimano GRX-Gruppe herausgebracht, die für Gravelbikes bestimmt ist. Dieses Interesse ist der Premiere einer sehr stark angekündigten neuen Gruppe zu verdanken: der Shimano GRX. Das japanische Unternehmen hat es endlich geschafft! Die Gravellücke in ihrem Angebot, die der Konkurrent SRAM mit seinen Apex-, Rival- und Force-Komponenten bedient hat, ist mittlerweile ausgefüllt. Und zwar ordentlich.

Shimano GRX im Detail

Die Shimano GRX ist eine wirklich gut durchdachte Ausrüstung, die dauerhaft ihren Platz in der Fahrradgeschichte einnehmen wird. Aber warum gibt es so viele Varianten der neuen Schaltgruppen? Welche Version von Shimano GRX passt am besten zu Deinem Gravel?

Abgesehen von den offensichtlichen ästhetischen Aspekten, denn die Shimano GRX gehört unserer Meinung nach zu den schöneren Schaltgruppen, fällt auch das neue Design der Schalthebel schnell auf: Der Griff selbst ist breiter und bietet einen sichereren Halt und Bremsen. Zusätzlich ist die Bremshebelachse angehoben, so dass die Kraft, die man zum Bremsen aufbringen muss, reduziert wird. Dadurch bedarf das Bremsen noch weniger Kraft, und die Modulation ist genauer. Wichtig ist auch, dass sich das Unternehmen komplett von mechanischen Bremsen verabschiedet hat: Keine der Shimano GRX-Subgruppen hat mechanische Bremshebel. Das Nächste, worauf Shimano setzt, ist, nach der aktuellen Mode auf breitere Reifen zu setzen. In diesem Fall haben wir hier eine geänderte Kettenlinie: Die Kurbel steht 2,5 mm nach außen. Das sind die allgemeinen Änderungen, die Shimano gegenüber anderen Schaltgruppen vorgenommen hat.

Die leichteste Übersetzung, die man erreichen kann, ist 40/42 also 0,95. Eine Schaltung für Gruppen mit zwei Kettenblättern nimmt maximal eine 11-34t-Kassette auf. Die Kurbeln hingegen bieten Kombinationen von 46-30t (RX600) und 48-31t (RX800). Auch hier kann man sehen, dass für die höhere Gruppe intuitiv, je nach Fortgeschrittenheitsgrad, höhere Gänge zur Verfügung stehen. Mit der RX600 erhält man also ein Verhältnis von 4,18 bis 0,88 und mit der RX800 ein Verhältnis von 4,36 bis 0,91. Die billigste GRX-Schaltgruppe, RX400, hat eine Kettenschaltung mit einem Umfang von 11-36t und eine Kurbel, genau wie die RX600, mit 46-30t Kettenblättern. Damit erhält man die niedrigste Umsetzung die man in Shimanos neuer Ausrüstung finden kann, d.h. von 4,18 bis 0,83.

Die Kettenschaltung hat eine Käfigdämpfung!

Bislang hatten es die Gravel-Rider, die nicht zu SRAM Komponenten wechseln wollten, ziemlich schwer in dieser Hinsicht. Im Sommer 2018 kam uns die Ultegra RX zu Hilfe - eine Kettenschaltung mit Schaltzügen für Rennräder und einer Käfigdämpfung. Trotzdem war es nicht das, worauf wir gewartet haben - erstens störte es den Puristen, keine einheitliche Schaltgruppe zu haben, und zweitens hatte die Ultegra RX ein wesentliches Problem. Der Käfig war nur mit Kassetten bis zu 34 Ritzeln kompatibel. Für 2x11-Antriebe war in der Gravel-Welt die Sache gelöst und bis heute kombinieren viele Leute z.B. Abhilfe hat hier die Shimano GRX-Gruppe geschafft, die endlich eine Kettenschaltung für Rennrad-Schalthebel hat, die eine Käfigdämpfung und einen Käfig für Kassetten mit einer maximalen Reichweite von 11t-42t aufweist.

1x11-Kettenschaltungen funktionieren offiziell mit Kassetten bis 42t (inoffiziell schaffen sie es auch mit 44t und 46t), so dass mit ihnen die meisten Bergauffahrten machbar sind. Bei einem 1x11 Antrieb kann außer dem Bremsen der linke Brems- und Schalthebel auch einen Dropper-Post betätigen! Dies gibt uns eine großartige Möglichkeit, das Cockpit von überflüssigen Dingen zu befreien und es maximal zu ordnen.

Die Varianten der Shimano GRX

Die passende Übersetzungsumfang ist natürlich extrem wichtig. Es bietet einen eher standardmäßigen Übersetzungsumfang von 11-42t. Bei den Kurbeln hat man die Wahl zwischen RX800 (40t, 42t) und RX600 (40t). Fährt man also viel auf Asphalt, so ist es besser, eine Kurbel aus einer höheren Gruppe mit 42 Zähnen zu nehmen, sie wird uns die höchste Übersetzung von 3,82 bieten, statt 3,63 bei ein 40t-Ritzel.

ist natürlich die preiswerteste Option, die nur in der 2x10-Variante erhältlich ist. Wenn es Dir an Shimano GRX liegt, Du aber keinen Wert auf den 1x11-Antrieb legst und so viel wie möglich sparen möchtest, wird Dir diese Option genügen. Das beste Preis-/Leistungsverhältnis hat natürlich, ähnlich wie die Shimano 105, die mittlere RX600 Gruppe. Sie hat bereits eine vollständige Auswahl an Gängen - 1x11 oder 2x11, was für jede Reise ausreicht. Das Schalten ist zuverlässig und leise, die Kettenschaltung macht auch unter Last eine gute Figur. Die 2x11-Version ist ideal für die eher zum Endurance-Bike neigende Version eines Gravelbikes. Die Shimano GRX RX800 ist in manchen Fällen ein Overkill. Gewicht und Verarbeitungsqualität sind auf noch besserem Niveau, aber die Überlegenheit in Hinsicht der Betriebskultur ist minimal. Der offensichtliche Unterschied ist natürlich nach dem Umstieg auf die Di2-Version spürbar.

Shimano GRX vs. SRAM Apex

Am Anfang wirst Du höchstwahrscheinlich vor der Wahl zwischen SRAM und Shimano stehen. Wie auch in anderen technischen Angelegenheiten versuchen wir, die Wahlfreiheit des Kunden in den Vordergrund zu stellen: Du kannst Dein Fahrrad mit allen möglichen Komponenten zusammenbauen lassen, die Du willst. Allerdings müssen wir zugeben, dass die unbestrittene Verkaufs-Hit die SRAM Apex 1 ist, eine Gruppe, die einen strikten Cyclocross-Gravel Charakter besitzt. Wie verhalten sich diese Gruppen zueinander? Erstens ist es schwer, die Apex in der Shimano-Hierarchie genau einzuordnen. Ganz vereinfacht gesagt, ist die Ausstattung des amerikanischen Herstellers eine Klasse weniger als die Shimano 105. SRAM gewinnt diesen Wettbewerb eindeutig, Den Apex kann man bereits für ca. 540€ bekommen, während die GRX RX600 in der 1x11 Version im Moment 680€ kostet.

Hier gibt es die interessantesten Unterschiede. Zunächst einmal sieht das Schalten bei den Produkten beider Firmen sehr unterschiedlich aus. Bei Shimano lässt der Schalthebel die Kette in die höheren Gänge umschalten, während das Drücken des gesamten Bremshebels die Kette in die niedrigeren Gänge bringt (max. 3, je nachdem, wie stark man drückt). SRAM hingegen nennt sein System DoubleTap: Der Bremshebel ist starr, und der Schalthebel lässt die Kette bei leichtem Druck abfallen, bzw.

Ergonomie der Bremshebel

Hinsichtlich der Form der Bremshebel selbst setzen wir aber auf ein Modell. Die ergonomisch breiten GRX-Bremshebel von Shimano sind einfach besser. Sie bieten einen sehr sicheren Halt für die Hände, die Schwenkachse ist hoch, was das Bremsen noch einfacher macht (wobei dies bei den fabelhaften hydraulischen Bremssätteln ohnehin kinderleicht ist). Ich würde jedoch nicht sagen, dass der Unterschied groß genug ist, um den Apex hinsichtlich des Komforts in irgendeiner Weise zu beeinträchtigen. Die Amerikaner machen es sehr richtig, ihre Bremshebel sind ordentlich, ergonomisch und gut zu bedienen, Shimano ist aber besser.

Kurbeln und Tretlager

Die nächste Frage sind die Kurbeln. Wir werden hier nicht die Unterschiede in der Steifigkeit behandeln, weil ein das für die meisten Radfahrer nicht wahrnehmbar ist es sei denn, es handelt sich um einen Wechsel von einer Quadratachse zu einer integrierten Achse oder von billigem Aluminium zu Carbon. Beide Firmen verwenden natürlich Narrow-Wide Ritzel: deren Zähne abwechselnd breit und schmal sind, so dass sie die Kette sicherer halten. Der Unterschied liegt jedoch in der Lebensdauer der Trittlager. Aufgrund seiner Konstruktion verträgt das von Shimano das europäische Wetter besser. Außerdem ist das Kurbelmontagesystem freundlicher für die Lagerung. Ein weiteres Argument für Shimano ist der Preis. Tretlager für Shimano-Kurbeln erhält man sogar für 15€, während SRAM GXP erst ab 25€ beginnt.

Was noch? SRAM ist zu diesem Zeitpunkt sicherlich besser verfügbar. Ist Dein Budget eher knapp? Dann nimm den Apex. Oder spielt der Preis keine Rolle? Am besten ist es, beide Gruppen zu testen, weil die Entscheidung eine sehr subjektive Sache ist. Die Bremshebel und Bremsen funktionieren unserer Meinung nach bei Shimano besser. Der Apex hingegen ist leiser, schaltet mit einem deutlichen, angenehmen Klick und das System selbst fühlt sich für mich subjektiv intuitiver an.

Das ROSE BACKROAD AL GRX RX600 1X11 im Detail

Mit dem BACKROAD AL GRX RX600 1X11 will ROSE ein attraktives Gravel-Bike zum fairen Preis bieten. Der Alu-Rahmen des ROSE ist aufgrund der organischen Rohrübergänge aus gar nicht mal weiter Ferne nur sehr schwer von seinen Pendants aus Carbon zu unterscheiden und verfügt über sämtliche Anschraubpunkte, die man jemals benötigen könnte: 4 Anschraubpunkte für Trinkflaschen, Schutzbleche, Umwerfer und sogar Seitenständer. Verarbeitung und Finish sind trotz günstigem Preis auf höchstem Niveau. Neben der vollintegrierten Zugführung, welche als Zugeingang die Abdeckung des Steuersatzes nutzt, ist auch die Sattelklemme formschön in den Rahmen integriert. Mit sage und schreibe 9 Größen von 46 bis 64 deckt das Rahmenset ein riesiges Spektrum an potenziellen Interessenten ab. Dabei kommen in den Größen 46 und 49 Laufräder in 650B zum Einsatz. Weitere Highlights des Rahmens sind die maximale Reifenfreiheit für bis zu 700 x 45C beziehungsweise 650 x 50B und ein Direct Mount-Schaltauge für Shimano.

Die Carbon-Gabel orientiert sich in Sachen Triple-Mount-Montagemöglichkeiten und Optik an der Gabel des ROSE BACKROAD FORCE ETAP AXS LIMITED, ist jedoch eigens für das BACKROAD AL angepasst worden. Eine der wohl durchdachtesten Rahmenplattformen im Einsteigersegment. Unser Test-Bike ist ausgestattet mit einer 1×11 Shimano GRX RX600-Kurbel, Shimano GRX RX812-Schaltwerk, Shimano SLX CS-M7000-Kassette mit 11-42 T und Shimano GRX RX400-Bremsen mit 160-mm-Rotoren an Front und Heck. Dazu gibt es den DT Swiss P1850-Laufradsatz mit Schwalbe G-One Bite-Reifen in 700 x 40C. Besonders erfreulich bei diesem Preispunkt ist nicht nur der clevere Schaltgruppen-Mix, sondern auch das hochwertige Cockpit mit Ritchey WCS Butano-Lenker und Ritchey WCS Toyon-Vorbau.

Das Handling des BACKROAD AL präsentiert sich ab dem ersten Meter sehr gutmütig und intuitiv. Sein Fahrverhalten und der sehr stabile Geradeauslauf machen es zum idealen Begleiter für Einsteiger und alle, die einfach entspannt abseits der Straßen eine gute Zeit haben wollen. Für Gravel-Racer ist die Front zu hoch, wodurch man bei aggressiven Manövern zum Untersteuern tendiert - hier muss das Körpergewicht aktiv verlagert werden. Die hohe Front ermöglicht eine angenehm aufrechte Sitzposition, mit der man auch lange Touren problemlos meistern kann. Im Vergleich zum Testfeld ist der gebotene Komfort des ROSE überschaubar. Für einen Rahmen aus Aluminium geht er aber absolut in Ordnung. Wer mehr Komfort benötigt, kann bereits mit kleinen Änderungen wie einer Carbon-Sattelstütze ein deutliches Plus an Komfort generieren. Das gebräuchliche Maß von 27,2 mm ermöglicht eine maximale Auswahl an potenziellen Alternativen.

Für noch mehr Komfort und eine bessere Offroad-Performance wird ein Wechsel auf einen 650B-Laufradsatz und Pneus, die die maximalen Reifenfreiheit gänzlich ausnutzen, sorgen. Im Antritt geht es das BACKROAD vergleichsweise gemütlich an. Hauptgründe hierfür sind das Gesamtgewicht und die recht hohe rotierende Masse des DT Swiss P1850-Laufradsatzes. Das ROSE ist kein sportlich-spritziges Bike, aber umso mehr ein entspannter Cruiser für jede Gelegenheit. Bergab kann es den Schwung gut mitnehmen und bietet durch seine hohe Front viel Sicherheit, wenn es einmal steil wird. Auch hier werden sich sportliche Fahrer eine tiefere Front für mehr Druck auf dem Vorderrad und ein entsprechend präziseres Handling wünschen.

Das ROSE BACKROAD AL GRX RX600 1X11 ist ein ideales Gravel-Bike für Einsteiger und Multisportler, die in den Schotterbereich eintauchen möchten. Auch Commuter und Touren-Graveller mit einem begrenzten Budget finden hier eine durchdachte Rahmenplattform mit cleveren Features, die aufgrund ihres erschwinglichen Preises ausreichend Spielraum für Tuning-Maßnahmen bietet. Wer über den eingeschränkten Komfort hinweg sehen und mit der hohen Front gut leben kann, findet hier bereits ab Werk ein tolles Bike für einen sehr fairen Preis.

Fazit

Die neuen Offroad-­Gruppen von Shimano und SRAM sind besser auf die Bedürfnisse von Gravelbikern abgestimmt als je zuvor. Mit sinnvollen Über­setzungen, einfacher Bedienung und gelungener Ergonomie überzeugen sie Ein­steiger wie Vielfahrer gleichermaßen - und folgen dennoch komplett unterschiedlichen Konzepten. Shimanos mechanische GRX ­bietet mit der Zweifach-Kurbel ein breites und fein abgestuftes Getriebe, das vor allem Renn- und Reiseradler anspricht. Die elektronische SRAM Apex AXS punktet mit einfacher Bedienung sowie unkomplizierten und präzisen Gangwechseln in jeder Situation.

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