Shimano GRX 810 Bremsscheibe im Test: Die ultimative Gravel-Gruppe

Shimano hat mit der GRX-Gruppe eine spezifische Gravelgruppe am Rennradmarkt etabliert. Die neue Shimano GRX ist wahlweise als elektronische oder mechanische Ausführung, mit 1- oder 2-fach Kurbeln und 10- und 11-fach Schaltwerken erhältlich. Shimano kombiniert unter dem Label GRX bewährte Rennrad- und Mountainbike-Technologien zu spezifischen Gravelkomponenten.

Die Shimano GRX Komponenten im Detail

Kurbel und Umwerfer

Die Shimano GRX Kurbeln sind speziell für den Gravel-Einsatz konzipiert. Die Kurbel sind etwas breiter und die Kettenlinie wandert um 2,5mm nach außen, um für mehr Reifenfreiheit am Hinterrad zu sorgen. Bis zu 42mm Reifenbreite sind möglich.

Die 2-fach GRX Kurbel kommt mit 48-31 Kettenblättern (11-fach) bzw. 46-30 Kettenblättern (10-fach), was einen Unterschied von 17 (bzw. 16) Zähnen zwischen den beiden Kettenblättern bedeutet. Die 1-fach GRX-Kurbeln kommen mit 40 Zähnen und verfügen über das Dynamic Chain Engagement Zahnprofil, um zu verhindern, dass die Kette vom Kettenblatt springt.

Schaltwerk

Um auch hinten an der Kassette möglichst viele Übersetzungen abzudecken, gibt es die elektronischen und mechanischen GRX-Schaltwerke in zwei Käfiglängen. Bis 34 Zähne gibt es ein Schaltwerk mit kurzem Käfig. Wer bis zu 42 Zähne auf dem größten Ritzel nutzen möchte, sollte das GRX Schaltwerk mit langem Käfig wählen.

Die GRX Gruppe kommt übrigens ohne eigene Kassette und Kette. Stattdessen ist die GRX Schaltung mit Rennrad- und MTB-Kassetten kompatibel. Wer 11-fach schalten möchte, kann Ultegra oder 105er Rennradkassetten oder Deore XT oder SLX MTB-Kassetten verwenden. Die 10-fach GRX-Schaltwerke funktionieren mit Tiagra und Deore Kassetten.

Schalthebel

Auch die Schalthebel unterscheiden sich in einigen Details von den Brems-Schalthebeln der Rennrad-Gruppen. Um für mehr Bremskraft auf Schotterabfahrten zu sorgen, wurde der Drehpunkt der Bremshebel nach oben versetzt. So erhöht sich die Hebelkraft des Bremshebels.

Außerdem gibt es trotz hydraulischer Bremsleitungen wieder die Möglichkeit, zusätzliche Bremshebel am Oberlenker zu montieren. So kann auch in der Oberlenkerposition gebremst werden. Für den 1-fach Betrieb gibt es auch spezielle linke Schalthebel - entweder mit starrem Bremshebel ohne interne Mechanik oder mit nach innen schwenkendem Bremshebel, an dem ein Zug für eine absenkbare Sattelstütze eingehängt werden kann.

Bremsen und Laufräder

Die GRX Gruppe gibt es nur mit hydraulischen Scheibenbremsen geben. Wie alle anderen Rennrad-Scheibenbremsen von Shimano werden diese per Flatmount-Standard montiert.

Komplettiert wird das Shimano GRX-Sortiment mit zwei Alu-Laufradsätzen. Die GRX-Laufräder sind Tubeless ready, kommen mit 21,6mm Maulweite und in den Größen 28 Zoll und 650B.

Praxistest der mechanischen Shimano GRX

ROADBIKE stand ein Testrad mit Shimanos GRX-Schaltgruppe zur Verfügung, die Komponenten aller drei Preisklassen mischt - Schaltwerk auf 800er-Ebene, Kurbel und Bremsschaltgriffe auf 600er-Niveau und Scheibenbremsen aus der 400er-Linie, dazu die MTB-Kassette der SLX-Gruppe und gruppen-übergreifende Kette, Innenlager, Bremsscheiben und Züge/Leitungen. Wie von den Straßengruppen bekannt, sind viele Teile untereinander kompatibel, sodass sich die eigene Gruppe gemäß individuellen Präferenzen, Fahrerprofil und Brieftaschengröße zusammenzustellen lässt.

Im Fahreindruck überzeugte die mechanische Gruppe: Im Praxistest gab es kein Kettenschlagen, keine -abwürfe, -klemmer oder anderen Probleme. Im Gegenteil: Der Antrieb arbeitete präzise, geräuscharm - und schaltete etwas knackiger als die gewohnten Straßenkomponenten.

Gut dosierbar, auf Schotter aber fast etwas bissig zeigten sich die hydraulischen Bremsen. Sehr positiv fielen die Schaltbremsgriffe auf: Sie sind deutlich breiter und bieten mehr Auflagefläche für die Finger. Zudem wurde die Oberfläche der Hebel leicht "gummiert", um ein Abrutschen zu vermeiden - sinnvoll, um kontrolliertes Bremsen auf holprigem Untergrund zu erleichtern, da waren sich alle RB-Tester einig.

Dauertest der elektrischen GRX Di2

Knapp 2500 Kilometer hat die GRX-Di2-Gruppe im RB-Dauertest abgespult, teils unter widrigsten Bedingungen. Shimano bietet auch im Gravel-Segment weiterhin eine Zweifachkurbel an, mit Offroad-tauglicher Abstufung (48/31) und somit einem ungewöhnlich großen 17-Zähne-Sprung. Im Dauertest gab es nicht einen Kettenklemmer oder -abwurf!

Auch das Schaltwerk funktionierte stets geschmeidig und präzise, Kettenschlagen unterbindet es verlässlich. Die Bremse lässt sich auch mit einem Finger bedienen, gerade wenn’s offroad mal ruppiger zur Sache geht, eine feine Sache - weil der Fahrer den Lenker fest im Griff behalten kann.

Shimano GRX im Langzeittest

Die Shimano GRX Schaltgruppe ist seit knapp einem Jahr auf dem Markt. Es handelt sich hierbei nämlich um die einzige Gruppe von Shimano, die ausdrücklich für die wachsende Gravel-, Bikepacking- und Cyclocross-Sparte vorgesehen ist.

Zum Schaltverhalten kann man nur sagen: Das flutscht. Man muss die Schaltlogik von Shimano mögen, aber die Gruppe funktioniert einwandfrei, ohne große Schaltfehler. Gangwechsel erfolgen sowohl am Umwerfer, als auch am Schaltwerk jederzeit geschmeidig, zuverlässig und schnell. Mit oder ohne Handschuhe klappt die Bedienung hervorragend. Auch ohne Kettenfänger kam es nur sehr selten zu Kettenabwürfen.

Von der Notwendigkeit hydraulischer Bremsen war ich lange nicht überzeugt: „Was macht man bei einem Defekt, wenn man mitten in in der Pampa steht?“ oder „Warum soll man eigentlich mit nur einem Finger den Hebel durchziehen können?“. Man gewöhnt sich aber recht zügig an den Komfort, die automatische Belagsnachstellung und vor allem die Dosierbarkeit der Hydraulik.

Vergleichstest: Shimano Ultegra, Sram Force, Campagnolo Chorus Scheibenbremsen

ROADBIKE hat die wichtigsten Modelle von Shimano, Sram und Campagnolo getestet: Ultegra, Force und Chorus. Alle Bremsanlagen wurden nacheinander auf dem Scheibenbremsenprüfstand des Schweizer Bremsenspezialisten Swiss Stop im Beisein von ROADBIKE getestet.

Testergebnisse im Überblick

Die gute Nachricht: Sowohl Shimanos Ultegra- als auch Srams Force- und Campagnolos Chorus-Scheibenbremsanlagen überzeugen im Trockenen. Bei Nässe bietet Shimano bei geringen Handkräften deutlich die höchste Bremsleistung - und liefert gute Argumente, warum Scheibenbremsen insbesondere im Regen die bessere Wahl sind und Felgenbremsen hier im Wortsinn alt aussehen.

Insgesamt setzt sich Srams Force in diesem Vergleich an die Spitze: Sie überzeugt mit beeindruckender Bremskraft, zeigt wenig Verschleiß, hat kurze Bremswege und trotzt selbst größter Bremshitze souverän. Bei Campagnolos Chorus-Gruppe, die als einzige nur mechanisch schaltet, erweisen sich die Bremsen ebenfalls als sehr hitzeresistent, schwächeln aber etwas bei Nässe. Shimanos neue Ultegra bremst vor allem mit geringer Handkraft beeindruckend stark, die Beläge verschleißen aber schneller, und unter ungünstigen Bedingungen und nicht optimaler Bedienung drohen schneller als bei der Konkurrenz hitzebedingte Schäden.

Shimano GRX 2x11-fach im Dauertest

Wie schlägt sich der mechanische 2×11-fach-Antrieb im Dauertest? Können knapp 2.000 km auf harten Schotterpisten die GRX-Schaltung in die Knie zwingen?

Unser Test-Bike, das Mason Bokeh GRX musste mit Bikepacking-Trips, Mixed-Gravel-Rides mit 50 % Straße und 50 % Schotter und dem täglichen Offroad-Commute zur Arbeit mehrere Disziplinen unter einen Hut bekommen - hier ist eine 2×11-Schaltgruppe mit einer feinen Abstufung und einer ausreichenden Bandbreite nach wie vor die beste Wahl.

Die ST-RX810-Schalthebel mit mechanischem Schaltsystem und hydraulischer Bremsanlage fallen wirklich groß aus, gerade im Vergleich zu den ST-RX815-Hebeln der elektronischen GRX Di2-Schaltgruppe. Fahrer, die entweder in der kalten Jahreszeit mit Handschuhen fahren oder große Hände besitzen, werden sich jedoch über das große Volumen freuen, ermöglicht es doch viele Griffpositionen.

Die an unserem Test-Bike verbauten Bremsen sind vorne per Flatmount und hinten per Directmount befestigt und greifen an einer 160-mm-Scheibe in der Front und einem 140-mm-Rotor im Heck an. In puncto Brems-Power macht der Shimano GRX-BR-RX810-Bremse so schnell niemand etwas vor! Sie punktet nicht nur durch ordentlich Biss, sondern lässt sich noch dazu sehr intuitiv modulieren.

Der Clutch-Mechanismus am Schaltwerk verhindert effektiv das Schlagen der Kette auf die Kettenstreben und sorgt dadurch für ein ruhiges Fahren auf holprigen Wegen. Auch ein Sturz, bei dem das Bike mehrere Meter mit der Antriebsseite auf der Straße geschlittert ist, hat die Funktion des Schaltwerks nicht weiter beeinträchtigt.

Die Shimano GRX 2-fach-Kurbel hat sich während der Testdauer komplett unauffällig verhalten. Es ist mit Sicherheit nicht die steifste Kurbel der Welt, für Graveler aber sehr angenehm zu fahren.

Zusammenfassung

Die Shimano GRX bietet eine breite Palette an Komponenten, die speziell auf die Anforderungen von Gravel-Bikes zugeschnitten sind. Ob mechanisch oder elektronisch, 1-fach oder 2-fach, die GRX-Gruppe bietet für jeden Fahrer die passende Lösung. Die Bremsleistung ist hervorragend, die Schaltperformance präzise und zuverlässig. Auch im Dauertest hat sich die GRX-Gruppe bewährt und überzeugt mit ihrer Robustheit und Funktionalität.

Shimano GRX Komponenten im Überblick
Komponente Varianten Besonderheiten
Kurbel 1-fach, 2-fach Breitere Kurbelarme, spezielle Kettenblätter
Schaltwerk Kurzer Käfig, langer Käfig RX-Technologie zur Kettenstabilisierung
Schalthebel Mechanisch, elektronisch (Di2) Ergonomische Form, verbesserte Bremskraft
Bremsen Hydraulische Scheibenbremsen Flatmount-Standard
Laufräder 28 Zoll, 650B Tubeless ready

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