Seit 2019 ist die GRX-Gruppenfamilie von Shimano erhältlich. Eine Schaltung für Gravel-Bikes. Wir haben die 11-fach-Gruppe RX600 getestet.
Die Shimano GRX im Überblick
Folgende Ausführungen sind von der Shimano GRX erhältlich:
- RX400 mit 2x10 Gängen
- RX600 mit 2x11 Gängen oder 1x11 Gängen
- RX810 mit 2x11 Gängen oder 1x11 Gängen
- RX815 mit 2x11 Gängen oder 1x11 Gängen und elektronischer Schaltung (GRX Di2)
Hydraulische Scheibenbremsen sind bei allen Gruppen Standard. Wir haben die Variante RX600 mit Zweifach-Antrieb (46/30) und 11-34-Kassette getestet.
Shimano GRX im Praxistest
Ist die GRX nun eine sinnvolle Ergänzung für die Anforderungen, die das Gravel-Profil stellt? Oder der Versuch, den Offroad-Trend auch mit einer weiteren Neuheit zu bedienen?
Beim Losfahren macht sich zunächst das bemerkbar, was man in den Händen hält: die Brems- und Schaltgriffe. Diese unterscheiden sich spürbar von den bekannten Shimano-Griffen der 105er- oder Ultegra-Serie. Der Hebelpunkt liegt etwas versetzt, die Hebel sind leicht nach außen gestellt und ergonomischer geformt; der Bereich für die Handablage ist schön breit und rutschfest.
Das alles sorgt dafür, dass der erste Eindruck von der neuen GRX äußerst positiv ist und sich auch im weiteren Verlauf nicht wandelt. Der Druckpunkt ist hervorragend gewählt, die Bedienkraft ist genau richtig. Da stellt sich eigentlich nur noch die Frage, warum der japanische Hersteller dies nicht auf die Straßengruppen überträgt.
Die hydraulischen Scheibenbremsen - in puncto Performance nicht zu toppen - lassen sich über die Hebel butterweich ansteuern, auch Schaltwerk und Umwerfer führen klaglos alle Befehle von oben aus. Präzision und Performance der Schaltvorgänge liegen auf Niveau der Straßengruppe Shimano 105; mindestens.
Wer das Maximum herausholen möchte, kann den Schaltwerk-Stabilisator (Shadow RD+) an- und ausschalten. Dies vermindert das Schlagen und Abfallen der Kette bei ruppigem Untergrund; man sollte nur nicht vergessen, die Funktion vor dem Laufrad-Ausbau wieder zu deaktivieren.
Einfach- oder Zweifach-Antrieb?
Alle, die überwiegend im Gelände unterwegs sind, könnten von der Einfach-Ausführung mit weit abgestufter Kassette profitieren. Wer indes auch auf der Straße und auf gemischten Untergründen unterwegs ist, fährt nach unserer Erfahrung besser mit einem Zweifach-Antrieb.
Das Prinzip ist, grob gesagt: Auf der Straße kann man mit dem 46er-Blatt alle leichten An- und Abstiege bewältigen und in den größten Gängen auch mal Gas geben. Sobald man die befestigten Wege verlässt, lässt man die Kette aufs 30er-Blatt fallen und sucht sich den richtigen Gang für Schotter und Erde.
Gibt es einen Grund, sich gegen eine GRX-Schaltung zu entscheiden?
Zumindest preislich ist die Schaltgruppe noch nicht im untersten Einsteiger-Segment angesiedelt: Selbst für ein Bike mit 10-fach-Antrieb und hydraulischen Scheibenbremsen werden deutlich mehr als 1.000 Euro fällig. Wer weniger für ein Gravelbike ausgeben möchte, muss wahrscheinlich mit Shimanos Tiagra oder Srams Apex vorliebnehmen.
Weiterhin bedient die GRX eine bestimmte Gang-Bandbreite, die auf der Straße oder in besonders schwierigem Gelände an ihre Grenzen stößt.
Shimano bietet mit der GRX RX800 eine Schaltgruppe speziell für Gravel-Bikes und deren Anforderungen an. Der Schaltgruppen-Gigant aus Japan hat erkannt, dass Gravel-Bikes spezielle Anforderungen an die eingesetzten Komponenten mit sich bringen.
Mit der GRX-Familie möchte uns Shimano die perfekte Basis für endlosen und sorgenfreien Gravel-Spaß liefern - sowohl beim Schalten als auch beim Bremsen. Und das zu jeder Zeit, an jedem Ort und ohne zu meckern.
Die Shimano GRX-Gravel-Schaltgruppe ist in drei Abstufungen erhältlich und setzt sich aus der hochpreisigen RX800, die auf Shimano ULTEGRA-Niveau einzuordnen ist, der RX600 (105-Niveau) und der günstigen RX400 (Shimano TIAGRA-Niveau) zusammen.
Die Notwendigkeit einer Gravel-spezifischen Schaltgruppe
Die simple Antwort lautet: Ja, die brauchen wir! Klar, es gibt eine große Anzahl an verfügbaren Schaltgruppen für Bikes mit Rennrad-Lenker. Anstiege, die auf Asphalt im kleinsten Gang schon anstrengend sind, können auf Schotter aber schlicht unbezwingbar werden. Die Lösung des Problems ist eine Vergrößerung der Bandbreite.
Mit einer Verlagerung in Richtung der kleineren Gänge ist es nicht getan, da auch in der Ebene mit viel Druck auf dem Pedal und hoher Geschwindigkeit gefahren werden soll. Wer im hochalpinen Gelände und überwiegend offroad unterwegs ist, wird mit einem 1-fach-Setup zufrieden sein.
Durch den Verzicht auf einen Umwerfer wird Gewicht eingespart und man erhält mit einer großen Kassette trotzdem eine beachtliche Bandbreite. Unser Test-Bike, das Mason Bokeh GRX musste mit Bikepacking-Trips, Mixed-Gravel-Rides mit 50 % Straße und 50 % Schotter und dem täglichen Offroad-Commute zur Arbeit mehrere Disziplinen unter einen Hut bekommen - hier ist eine 2×11-Schaltgruppe mit einer feinen Abstufung und einer ausreichenden Bandbreite nach wie vor die beste Wahl.
Beides wäre mit einer bestehenden Schaltgruppe aus dem Rennrad-Bereich nicht abzudecken. 2-fach-Schaltgruppen sind alles andere als tot.
Details der Shimano GRX RX800 im Dauertest
Wie aber schlägt sich die mechanische RX800 im harten Dauertest über knapp 2.000 km? Geschont wurde die Gruppe dabei nicht! Die ST-RX810-Schalthebel mit mechanischem Schaltsystem und hydraulischer Bremsanlage fallen wirklich groß aus, gerade im Vergleich zu den ST-RX815-Hebeln der elektronischen GRX Di2-Schaltgruppe.
Optisch sind sie definitiv Geschmackssache. Fahrer, die entweder in der kalten Jahreszeit mit Handschuhen fahren oder große Hände besitzen, werden sich jedoch über das große Volumen freuen, ermöglicht es doch viele Griffpositionen.
Bergab wissen die ST-RX810-Schalthebel zu überzeugen und bieten durch die Profilierung auf dem Gummiüberzug, die sich auf langen Tagestouren mit 10 Stunden im Sattel jedoch merkbar in die Hände drückt, massig Grip. Es ist dadurch sogar möglich, im Downhill in den Hoods zu bleiben und trotzdem über genügend Griff und Bremskraft zu verfügen.
Der Drehpunkt des Schalt-/Bremshebels wurde sinnvoll verändert und zeigt sich extrem verbessert. Dadurch entwickelt man in den Hoods so viel Brems-Power, dass man in sehr steilem Gelände, in dem man ungern noch tiefer in die Drops gehen möchte, weiter in den Hoods fahren kann.
Neben dem optischen Aspekt, der vor allem an kleinen Gravel-Bikes ins Gewicht fällt, ist leider auch die Qualität der Beschichtung der Bremshebel negativ aufgefallen. Bereits der kleinste Kontakt zieht sofortige Kratzer mit sich, wodurch die ST-RX810-Bremshebel schnell mitgenommen aussehen.
Positiv ist jedoch die Funktion der Beschichtung hervorzuheben. Auch ohne Handschuhe hat man bei nassen Bedingungen stets genügend Grip.
Die an unserem Test-Bike verbauten Bremsen sind vorne per Flatmount und hinten per Directmount befestigt und greifen an einer 160-mm-Scheibe in der Front und einem 140-mm-Rotor im Heck an. In puncto Brems-Power macht der Shimano GRX-BR-RX810-Bremse so schnell niemand etwas vor!
Sie punktet nicht nur durch ordentlich Biss, sondern lässt sich noch dazu sehr intuitiv modulieren. Die Brems-Performance der GRX-Bremsen ist erste Sahne. Um hier genügend Reserven zu haben, empfehlen wir den Umstieg auf eine 160er-Scheibe.
Die Abstufung der montieren 11-34T-Kassette ist der Knaller und auf dem täglichen Arbeitsweg mit insgesamt 40 km und 450 Höhenmeter perfekt abgestuft! Für vielseitige Gravel-Rides im Mittelgebirge und auf welligem Terrain ist sie clever gewählt und stellt für jede Situation das richtige Ritzel zur Verfügung.
Testfahrer Ben hat während der sechs Monate und den knapp 2.000 km genau eine Nachjustierung vornehmen müssen: das Nachspannen der Schaltzüge um eine halbe Umdrehung. Sonst nichts! Wie komfortabel ist das denn? Und das bei Fahrten durch staubiges Gelände, schlammige Pfade, hohes Gras und Flussdurchquerungen.
Der Vorteil gegenüber der GRX Di2-Gruppe, die wir in der Vergangenheit ebenfalls oft und gerne gefahren sind, ist die einfache Wartung im Schadensfall an jedem Ort der Welt. Bei einem kaputten Akku oder einem Kabelriss an der Di2 seid ihr erstmal aufgeschmissen.
Die Schalt-Performance ist über jeden Zweifel erhaben und hat während des Tests mit klar definierten Schaltvorgängen geglänzt, die mit deutlichem Feedback einrasten. Man erhält immer die sofortige und zweifelsfreie Rückmeldung, ob und wie viele Gänge man gerade geschaltet hat. Dabei kann man beim Schaltwerk immer einen Gang auf einmal hoch in einen schwereren Gang und drei Gänge mit einem Schaltvorgang runterschalten - für ein Gravel-Bike absolut sinnvoll.
Nach sechs Monaten ist die Schalthaptik immer noch so leicht wie am ersten Tag und auch für lange Tagestouren ist das Schalten leichtgängig genug, um keine müden Finger zu bekommen.
Der Clutch-Mechanismus am Schaltwerk verhindert effektiv das Schlagen der Kette auf die Kettenstreben und sorgt dadurch für ein ruhiges Fahren auf holprigen Wegen. Auch ein Sturz, bei dem das Bike mehrere Meter mit der Antriebsseite auf der Straße geschlittert ist, hat die Funktion des Schaltwerks nicht weiter beeinträchtigt.
Die Shimano GRX 2-fach-Kurbel hat sich während der Testdauer komplett unauffällig verhalten. Es ist mit Sicherheit nicht die steifste Kurbel der Welt, für Graveler aber sehr angenehm zu fahren.
Langzeiterfahrungen mit der Shimano GRX
Die Shimano GRX Schaltgruppe ist seit knapp einem Jahr auf dem Markt. Die Aufregung um die Gruppe war von Anfang an gewaltig und das Interesse an ihr ist nach wie vor groß. Es handelt sich hierbei nämlich um die einzige Gruppe von Shimano, die ausdrücklich für die wachsende Gravel-, Bikepacking- und Cyclocross-Sparte vorgesehen ist.
Ich habe die Shimano GRX jetzt seit einem Jahr mit einer Laufleistung von 11000 Kilometern auf Herz und Nieren geprüft. Zum Schaltverhalten kann man nur sagen: Das flutscht. Man muss die Schaltlogik von Shimano mögen, aber die Gruppe funktioniert einwandfrei, ohne große Schaltfehler.
Gangwechsel erfolgen sowohl am Umwerfer, als auch am Schaltwerk jederzeit geschmeidig, zuverlässig und schnell. Mit oder ohne Handschuhe klappt die Bedienung hervorragend. Auch ohne Kettenfänger kam es nur sehr selten zu Kettenabwürfen. Beim Herunterschalten mag der Umwerfer allerdings keinen Druck.
Probleme und Schwachstellen
Bei der Langlebigkeit gibt es Abzüge: Zum einen löste sich bei mir recht schnell die „Anti-Rutsch-Beschichtung“ an den Hebeln, die laut Werbeaussage von Shimano für extra „Grip“ sorgen soll. Zum anderen stellt sich mir die Frage, warum die Bauweise der Hebel „halboffen“ ausgeführt ist. Dadurch gelangt sehr viel Sand und Staub in die Mechanik.
Ein größeres Problem entstand, als die Spannfeder im rechten Hebel anbrach und die Funktionstüchtigkeit des Hebels nicht mehr vollständig gegeben war. Die Kettenblätter zeigen bereits deutliche Verschleißzeichen und werden daher nach dem nächsten Kettenwechsel ebenfalls gewechselt werden.
Die Schaltröllchen vom Shimano 105 Schaltwerk waren nach etwa 8000km verschlissen. Etwa zeitgleich musste ich die Ritzel meiner „Lieblingsgänge“ wechseln.
Einen Schwachpunkt stellt jedoch die Befestigung der Bremsbeläge dar: Warum verwendet Shimano hier eine Schlitzschraube als Befestigung? Unterwegs ist mit dem Multitool schnell mal ein Malheur passiert und der Schraubenkopf beschädigt. Das sollte man schleunigst tauschen.
Hydraulische Bremsen
Von der Notwendigkeit hydraulischer Bremsen war ich lange nicht überzeugt: „Was macht man bei einem Defekt, wenn man mitten in in der Pampa steht?“ oder „Warum soll man eigentlich mit nur einem Finger den Hebel durchziehen können?“. Man gewöhnt sich aber recht zügig an den Komfort, die automatische Belagsnachstellung und vor allem die Dosierbarkeit der Hydraulik.
Das Bremsverhalten würde ich als sehr knackig und mit deutlichem Druckpunkt beschreiben. Die mitgelieferten Bremsbeläge halten außerordentlich lange: vorn nach ca. 6000km getauscht und hinten läuft immer noch der erste Satz. Ein baldiger Wechsel wird dort aber notwendig sein. Fading habe ich noch nicht gehabt.
Shimano GRX: Kombination aus Rennrad- und Mountainbike-Technologien
Shimano kombiniert unter dem Label GRX bewährte Rennrad- und Mountainbike-Technologien zu spezifischen Gravelkomponenten. Erhältlich sind gleich mehrere Versionen: Die neue Shimano GRX kommt wahlweise als elektronische oder mechanische Ausführung, mit 1- oder 2-fach Kurbeln und 10- und 11-fach Schaltwerken. 600 liegen etwa auf Ultegra bzw. 105-Niveau, der 10-fach-Antrieb mit Kürzel 400 entspricht etwa der Shimano-Tiagra-Gruppe. 12-fach - wie die neuen MTB-Gruppen - gibt’s die GRX nicht.
Shimano GRX Kurbel und Umwerfer für mehr Reifenfreiheit
Die Shimano GRX Kurbeln sind speziell für den Gravel-Einsatz konzipiert. Die Kurbel sind etwas breiter und die Kettenlinie wandert um 2,5mm nach außen, um für mehr Reifenfreiheit am Hinterrad zu sorgen. Bis zu 42mm Reifenbreite sind möglich.
Außerdem haben die GRX-Kurbeln eine größeren Übersetzungs-Bandbreite. Die 2-fach GRX Kurbel kommt mit 48-31 Kettenblättern (11-fach) bzw. 46-30 Kettenblättern (10-fach). Das ist ein Unterschied von 17 (bzw. 16) Zähnen zwischen den beiden Kettenblättern.
Shimano GRX Schaltwerk mit verschiedenen Käfiglängen
Um auch hinten an der Kassette möglichst viele Übersetzungen abzudecken, gibt es die elektronischen und mechanischen GRX-Schaltwerke in zwei Käfiglängen. Bis 34 Zähne gibt es ein Schaltwerk mit kurzem Käfig. Wer bis zu 42 Zähne auf dem größten Ritzel nutzen möchte, sollte das GRX Schaltwerk mit langem Käfig wählen.
Die GRX Gruppe kommt übrigens ohne eigenen Kassette und Kette. Stattdessen ist die GRX Schaltung mit Rennrad- und MTB-Kassetten kompatibel. Wer 11-fach schalten möchte, kann Ultegra oder 105er Rennradkassetten oder Deore XT oder SLX MTB-Kassetten verwenden. Die 10-fach GRX-Schaltwerke funktionieren mit Tiagra und Deore Kassetten.
Shimano GRX Schalthebel
Auch die Schalthebel unterscheiden sich in einigen Details von den Brems-Schalthebeln der Rennrad-Gruppen. Um für mehr Bremskraft auf Schotterabfahrten zu sorgen, wurde der Drehpunkt der Bremshebel nach oben versetzt. So erhöht sich die Hebelkraft des Bremshebels.
Außerdem gibt es trotz hydraulischer Bremsleitungen wieder die Möglichkeit, zusätzliche Bremshebel am Oberlenker zu montieren. So kann auch in der Oberlenkerposition gebremst werden. Dies war bisher nur mit mechanischen Bowdenzug-Bremsen möglich.
Für den 1-fach Betrieb gibt es auch spezielle linke Schalthebel - entweder mit starrem Bremshebel ohne interne Mechanik oder, wie bekannt, mit nach innen schwenkendem Bremshebel, an dem ein Zug für eine absenkbare Sattelstütze eingehängt werden kann.
Shimano GRX Bremsen und Laufräder
Die GRX Gruppe gibt es nur mit hydraulischen Scheibenbremsen geben. Wie alle anderen Rennrad-Scheibenbremsen von Shimano werden diese per Flatmount-Standard montiert.
Komplettiert wird das Shimano GRX-Sortiment mit zwei Alu-Laufradsätzen. Die GRX-Laufräder sind Tubeless ready, kommen mit 21,6mm Maulweite und in den Größen 28 Zoll und 650B.
ROADBIKE hat ein Paar in 28 Zoll getestet: Das Set aus Vorder- und Hinterrad bringt es inklusive Felgenband auf 1734 Gramm, ist sehr gut mittig und rund zentriert und erfreulich seitensteif (Vorderrad 88 Nm/°, Hinterrad 84 Nm/°). Der Fahreindruck nach knapp 1000 Kilometern ist positiv: Die Laufräder beschleunigen ordentlich, lenken präzise, zeigen sich haltbar und unanfällig für störende Knackgeräusche aufgrund des wahlweise staubigen oder schlammigen Offroad-Einsatzes.
Die mechanische Shimano GRX im Praxistest
ROADBIKE stand ein Testrad mit Shimanos GRX-Schaltgruppe zur Verfügung, die Komponenten aller drei Preisklassen mischt - Schaltwerk auf 800er-Ebene, Kurbel und Bremsschaltgriffe auf 600er-Niveau und Scheibenbremsen aus der 400er-Linie, dazu die MTB-Kassette der SLX-Gruppe und gruppen-übergreifende Kette, Innenlager, Bremsscheiben und Züge/Leitungen.
Im Fahreindruck überzeugte die mechanische Gruppe: Im Praxistest gab es kein Kettenschlagen, keine -abwürfe, -klemmer oder anderen Probleme. Im Gegenteil: Der Antrieb arbeitete präzise, geräuscharm - und schaltete etwas knackiger als die gewohnten Straßenkomponenten.
Gut dosierbar, auf Schotter aber fast etwas bissig zeigten sich die hydraulischen Bremsen. Sehr positiv fielen die Schaltbremsgriffe auf: Sie sind deutlich breiter und bieten mehr Auflagefläche für die Finger. Zudem wurde die Oberfläche der Hebel leicht "gummiert", um ein Abrutschen zu vermeiden - sinnvoll, um kontrolliertes Bremsen auf holprigem Untergrund zu erleichtern, da waren sich alle RB-Tester einig.
Die elektrische GRX Di2 im Dauertest
Knapp 2500 Kilometer hat die GRX-Di2-Gruppe im RB-Dauertest abgespult, teils unter widrigsten Bedingungen. Und damit genug für einen Testbericht, der fast durchweg positiv ausfällt.
Die gute Nachricht für alle Traditionalisten vorab: Shimano bietet auch im Gravel-Segment weiterhin eine Zweifachkurbel an, mit Offroad-tauglicher Abstufung (48/31) und somit einem ungewöhnlich großen 17-Zähne-Sprung. Ob das funktioniert? Ja, und zwar absolut problemlos. Im Dauertest gab es nicht einen Kettenklemmer oder -abwurf!
Mit stoischer Präzision wuchtet der Umwerfer die Kette hin- und her - maximal verlässlich, untermalt vom typischen Geräusch des E-Motors. Kein Grund also, auf "Zweifach" im Gelände zu verzichten. Die Bandbreite im Zusammenspiel mit einer 11-34-Kassette überzeugte, die Abstufung ist feiner als bei jedem Einfach-Ensemble, obwohl Shimano noch immer auf elf Ritzel setzt und nicht, wie bei den MTB-Top-Gruppen, auf deren zwölf.
Auch das Schaltwerk funktionierte stets geschmeidig und präzise, Kettenschlagen unterbindet es verlässlich. Zwei kapitale Stürze kratzten etwas am Lack von Hebel und Schaltwerk, der Funktion tat das keinen Abbruch.
Die Bremse lässt sich auch mit einem Finger bedienen, gerade wenn’s offroad mal ruppiger zur Sache geht, eine feine Sache - weil der Fahrer den Lenker fest im Griff behalten kann. "Die GRX schaltet wie ein Uhrwerk und bietet eine tolle Hebel-Ergonomie. Mehr als einen Finger brauche ich nicht zum Bremsen. Nur das Feedback der Schalttasten könnte deutlicher sein - speziell bei der Bedienung mit Winterhandschuhen."
Der Verschleiß hält sich nach der relativ kurzen Laufzeit erwartungsgemäß in engen Grenzen: Die Bremsbeläge haben noch rund die Hälfte ihrer ursprünglichen Stärke, Kettenblätter und Kassette sehen noch sehr gut aus. Nur die Kette nähert sich der Verschleißgrenze und sollte getauscht werden. Eine Akkuladung hielt auch im Winter weit über 1000 Kilometer - genug selbst für ausgedehnte Gravel-Abenteuer.
Rose Backroad AL GRX RX400: Eine Alternative?
Das Rose Backroad AL GRX RX400 firmiert bei Rose in der Unterkategorie „Adventure“ und zieht damit eine klare Trennlinie zum betont sportlichen Backroad FF. Am deutlichsten wird die spezielle Ausrichtung aufs Reisen bei der Rahmengeometrie. Durch das lange Steuerrohr thront der Lenker hoch über dem Vorderrad, wodurch man betont aufrecht und rückenschonend im Sattel sitzt.
Im Testfeld wird diese aufrechte Haltung nur noch vom Stevens Prestige getoppt. Der lange Radstand, viel Gabelnachlauf und ein flacher Lenkwinkel sind ebenfalls charakteristisch für ein Touren-Gravelbike und machen das Rose zu einem laufruhigen Begleiter.
Dank akkurat verschliffener Schweißnähte und teilintegrierter Leitungen rückt das Backroad AL optisch an die teureren Modelle mit Carbonrahmen heran. Drei Anbauteile stechen besonders hervor: Der weit ausgestellte Gravellenker von Ritchey ist durch die zusätzliche Biegung im Unterlenker ein Handschmeichler, für den Transport und für Engstellen aber etwas hinderlich.
Durch die große 180-Millimeter-Bremsscheibe am Vorderrad verzögert das Rose selbst mit viel Gepäck erstklassig. Zudem helfen die leichten Eigenmarken-Laufräder dabei, das Bike flink zu beschleunigen. Hochwertige Stollenreifen von Conti runden die fast perfekte Ausstattung ab. Einzig die 2x10-Schaltung erfordert, gemessen am aktuellen Stand der Technik mit bis zu 13 Ritzeln am Hinterrad, eine gewisse Kompromissbereitschaft.
Vor- und Nachteile des Rose Backroad AL GRX RX400
Plus: leichte Laufräder, starke Bremsen, Top-Verarbeitung
Minus: sehr wenig Frontkomfort, relativ geringe Reifenfreiheit
Messwerte des Rose Backroad AL GRX RX400
| Messwert | Wert |
|---|---|
| Gewicht Komplettrad | 10.310 Gramm |
| Fahrstabilität | 9,8 N/mm |
| Komfort Heck | 153 N/mm |
| Komfort Front | 124 N/mm |
| Antritt/Tretlagersteifigkeit | 76 N/mm |
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Shimano EP8 App Einstellungen: Optimale Einstellungen für Deine E-Bike Tour
- Laufrad zum Fahrrad umbauen – So gelingt der perfekte Fahrrad-Umstieg kinderleicht!
- Ducati Laderegler Schaltplan & Anschlussbelegung – Ultimativer Guide für perfekte Installation!
Kommentar schreiben