Shimano GRX Di2 RX815 Gruppe 2x11 im Test: Eine detaillierte Analyse

Mit der neuen GRX Di2 macht Shimano vieles richtig. Technisch ist sie auf der Höhe der Zeit und funktional ohne Tadel. Doch neue Akzente fürs Gravelbike, wie man sie von einem High-End-Produkt erwarten könnte, setzt die Gruppe nicht.

Hintergrund der Shimano GRX Di2

Für Komponenten-Primus Shimano war die 2019 eingeführte GRX ein Selbstläufer. Mit der damals ersten ausgewiesenen Gravelbike-Schaltgruppe konnte man schließlich nicht viel falsch machen, wollte man einen der neuen Geländerenner ausstatten. Entsprechend oft wurde die Gruppe in den verschiedenen Qualitätsstufen an Serienräder geschraubt.

Die meisten Käufer waren mit der Gruppe auch zufrieden. Natürlich funktionierte die GRX - wie alle Shimano-Gruppen - mechanisch super. Doch anspruchsvolle Graveller, die nach etwas Exklusiverem suchten als nur einem sportiven Pendel- und Freizeitrad, dürften vom Shimano-Angebot eventuell enttäuscht gewesen sein, weil es sich vor allem auf günstige und mittlere Preisklassen fokussierte.

Konkurrenz durch SRAM und Campagnolo

Bei den Antrieben gerieten die Japaner gleich nach der Vorstellung in Rückstand. SRAM nutzte bei seiner fast zeitgleich präsentierten AXS zwölf statt elf Ritzel; die “XPLR” genannten Ableger der Rennrad-Gruppen bieten attraktive Optionen mit Einfach-Kettenblatt und Kassetten mit Ritzelgrößen bis in Mountainbike-Dimensionen. Die Antriebe ohne Umwerfer wurden durch SRAM vor allem an Gravelrädern populär - die Amerikaner erreichten bei hochpreisigen Bikes eine beachtliche Marktpräsenz, die Shimano eigentlich stören müsste.

Campagnolo setzte noch eins drauf und stellte 2020 die Ekar vor, die zwar nicht elektronisch schaltet, aber mit 13 Ritzeln das bislang kompletteste Einfach-Getriebe fürs Gelände darstellt. Da konnte Shimano nicht mithalten: Als 1x11-Gruppe war die GRX ein eher schlechter Kompromiss, als preiswerte 1x10 im Gelände annähernd unbrauchbar, weil die Übersetzungsbandbreite zu schmal ist.

Ein konkurrenzfähiges High-End-Produkt fürs hochwertige Gravelbike fehlte den Japanern im Portfolio damit gänzlich.

Hohe Erwartungen an die Shimano GRX Di2

Dass eine Neuauflage der GRX das Gefüge komplett auf den Kopf stellen würde, war zwar nicht zu erwarten. Dafür ist die Politik der Japaner aus Tradition zu konservativ. Dennoch waren die Erwartungen an eine neue GRX Di2 hoch - auch weil das Update der mechanischen GRX im Sommer vergangenen Jahres äußerst sparsam und wenig innovativ ausfiel.

Schon der erste Blick auf das neue Gravel-Flaggschiff des Marktführers zeigt, dass sich auch das Update der Elektronik-Gruppe auf ein vorsichtiges Facelift beschränkt. Es übernimmt die Bremsen und den Antriebsstrang der mechanischen Variante, lediglich Schaltbremshebel, Umwerfer und Schaltwerk sind wirklich neu. Wobei sich die Weiterentwicklung auch an diesen Komponenten in engen Grenzen hält, doch dazu später mehr.

Funktion und Design

In der Praxis kann man über die Funktion der Gruppe dennoch kaum meckern. Die Griffe sind jetzt wie bei den aktuellen Rennradgruppen per Funk mit den Schaltkomponenten verbunden, für die Knopfzellen verspricht Shimano eine Lebensdauer von bis zu vier Jahren. Ansonsten hat sich an den Kontaktpunkten wenig geändert.

Das angenehme Design der Schaltgriffe sucht nach wie vor seinesgleichen, besonders wenn die Hände auf den Griffkörpern ruhen. Die Handauflage ist großflächig und rutschfest; der kleine, steil aufragende vordere Griffhöcker gibt guten Halt. Gleichzeitig sind die Griffe sehr schlank, sodass auch kleine Hände gut zupacken können, wenn es ruppig wird.

Bremsleistung und Schaltverhalten

Auch auf den Bremshebeln finden die Finger eine breite Auflagefläche. Der weit oben angesetzte Drehpunkt des Bremshebels und die “Servo Wave” genannte Bremskraftunterstützung bewirken, dass auch in steilen Abfahrten nicht in den Unterlenker gewechselt werden muss, es steht auch in Extremsituationen genügend Bremskraft zur Verfügung.

Das Schaltverhalten ist vorn wie hinten wie erwartet super, allerdings geht der Umwerfer recht laut zu Werke. Am Hinterrad arbeitet das neue Schaltwerk schnell und präzise. Der bewährte Dämpfer verhindert zuverlässig, dass die Kette bei Erschütterungen schlägt.

Übersetzung und Individualisierung

Die Übersetzung mit zwei Kettenblättern vorn und 11-36-Kassette - fertigungstechnisch auf 105-Niveau - dürfte für die meisten Anwendungen gut passen. Untersetzungen für die Berge sind ebenso an Bord wie schnelle Gänge, und als Zwölffach-Paket ist das Getriebe angenehm fein abgestuft.

Doch wer individuelle Ansprüche an sein Gravelbike-Getriebe hat, schaut bei der GRX Di2 in die Röhre. Denn anders als beim mechanischen Pendant ist das Schaltwerk nicht dafür vorgesehen, Ritzel mit mehr als 36 Zähnen zu bewältigen. Auch zur Zweifach-Kurbel mit 48/31 Zähnen gibt es keine Alternative. Der Betrieb mit Einfach-Kurbel ohne Umwerfer scheidet damit aus.

Mögliche Einschränkungen

Das und die fehlende Einfach-Option könnten Shimano Kundschaft kosten, denn die simple Bedienung dieser Antriebe ist für viele Fahrer inzwischen ein Kaufargument. Auch die Möglichkeit breiter Reifen wird damit eingeschränkt: Mit maximal 47 Millimetern dürfte das Gros der Schotterbiker gut graveln können; wer aber grobes Geläuf und breitere Pneus fahren will, wird zwangsläufig zur Konkurrenz abwandern.

Ergänzende Komponenten

Zur Abrundung der Schaltgruppe führt Shimano mit der Zwölffach-Generation der GRX passende Laufräder und SPD-Pedale ins Programm. Der RX880-Laufradsatz kommt mit 32 Millimeter flachen Carbonfelgen bei 25 Millimetern Innenbreite; Shimano empfiehlt Reifen zwischen 32 und 50 Millimetern Breite. Laut Hersteller liegt das Gewicht bei knapp 1400 Gramm.

Das zugehörige GRX-SPD-Pedal ist keine Neuheit, sondern das Mountainbike-Pedal aus Shimanos XT-Gruppe im passenden Design.

Vergleich mit mechanischer GRX RX800

Die ST-RX810-Schalthebel mit mechanischem Schaltsystem und hydraulischer Bremsanlage fallen wirklich groß aus, gerade im Vergleich zu den ST-RX815-Hebeln der elektronischen GRX Di2-Schaltgruppe. Bergab wissen die ST-RX810-Schalthebel zu überzeugen und bieten durch die Profilierung auf dem Gummiüberzug, die sich auf langen Tagestouren mit 10 Stunden im Sattel jedoch merkbar in die Hände drückt, massig Grip.

Der Drehpunkt des Schalt-/Bremshebels wurde sinnvoll verändert und zeigt sich extrem verbessert. Dadurch entwickelt man in den Hoods so viel Brems-Power, dass man in sehr steilem Gelände, in dem man ungern noch tiefer in die Drops gehen möchte, weiter in den Hoods fahren kann.

Bremsleistung der GRX-BR-RX810

In puncto Brems-Power macht der Shimano GRX-BR-RX810-Bremse so schnell niemand etwas vor! Sie punktet nicht nur durch ordentlich Biss, sondern lässt sich noch dazu sehr intuitiv modulieren. Die Brems-Performance der GRX-Bremsen ist erste Sahne.

Die Abstufung der montieren 11-34T-Kassette ist der Knaller und auf dem täglichen Arbeitsweg mit insgesamt 40 km und 450 Höhenmeter perfekt abgestuft! Für vielseitige Gravel-Rides im Mittelgebirge und auf welligem Terrain ist sie clever gewählt und stellt für jede Situation das richtige Ritzel zur Verfügung.

Erfahrungen im Dauertest

Testfahrer Ben hat während der sechs Monate und den knapp 2.000 km genau eine Nachjustierung vornehmen müssen: das Nachspannen der Schaltzüge um eine halbe Umdrehung. Sonst nichts! Wie komfortabel ist das denn? Und das bei Fahrten durch staubiges Gelände, schlammige Pfade, hohes Gras und Flussdurchquerungen.

Der Vorteil gegenüber der GRX Di2-Gruppe, die wir in der Vergangenheit ebenfalls oft und gerne gefahren sind, ist die einfache Wartung im Schadensfall an jedem Ort der Welt. Bei einem kaputten Akku oder einem Kabelriss an der Di2 seid ihr erstmal aufgeschmissen.

Schalt-Performance und Robustheit

Die Schalt-Performance ist über jeden Zweifel erhaben und hat während des Tests mit klar definierten Schaltvorgängen geglänzt, die mit deutlichem Feedback einrasten. Der Clutch-Mechanismus am Schaltwerk verhindert effektiv das Schlagen der Kette auf die Kettenstreben und sorgt dadurch für ein ruhiges Fahren auf holprigen Wegen.

Auch ein Sturz, bei dem das Bike mehrere Meter mit der Antriebsseite auf der Straße geschlittert ist, hat die Funktion des Schaltwerks nicht weiter beeinträchtigt.

Shimano GRX 600 im Test

Alle großen Sportrad-Hersteller haben inzwischen Gravelbikes im Programm. Die Breitreifen-Rennräder ermöglichen das Fahren auf Straße, Schotter und Waldwegen gleichermaßen und eröffnen damit völlig neue Möglichkeiten, sich auf dem Rad zu bewegen.

Shimano GRX Übersicht

  • RX400 mit 2x10 Gängen
  • RX600 mit 2x11 Gängen oder 1x11 Gängen
  • RX810 mit 2x11 Gängen oder 1x11 Gängen
  • RX815 mit 2x11 Gängen oder 1x11 Gängen und elektronischer Schaltung (GRX Di2)

Hydraulische Scheibenbremsen sind bei allen Gruppen Standard.

Praxistest der Shimano GRX 600

Beim Losfahren macht sich zunächst das bemerkbar, was man in den Händen hält: die Brems- und Schaltgriffe. Diese unterscheiden sich spürbar von den bekannten Shimano-Griffen der 105er- oder Ultegra-Serie. Der Hebelpunkt liegt etwas versetzt, die Hebel sind leicht nach außen gestellt und ergonomischer geformt; der Bereich für die Handablage ist schön breit und rutschfest.

Der Druckpunkt ist hervorragend gewählt, die Bedienkraft ist genau richtig. Da stellt sich eigentlich nur noch die Frage, warum der japanische Hersteller dies nicht auf die Straßengruppen überträgt.

Die hydraulischen Scheibenbremsen - in puncto Performance nicht zu toppen - lassen sich über die Hebel butterweich ansteuern, auch Schaltwerk und Umwerfer führen klaglos alle Befehle von oben aus. Präzision und Performance der Schaltvorgänge liegen auf Niveau der Straßengruppe Shimano 105; mindestens.

Einfach- oder Zweifach-Antrieb?

Alle, die überwiegend im Gelände unterwegs sind, könnten von der Einfach-Ausführung mit weit abgestufter Kassette profitieren. Wer indes auch auf der Straße und auf gemischten Untergründen unterwegs ist, fährt nach unserer Erfahrung besser mit einem Zweifach-Antrieb.

Details zur Shimano GRX Di2 RX815

Das elektronische GXR Di2 Gruppe in der Topversion basierend auf der Shimano Ultegra Technik für 11 x 2 fach Antriebe mit 11 + 2 fach Schaltbremshebel und dem GXR 815 Schaltwerk für 11-30 er bis 11 - 34 er Kassetten.

Kompatibilität und Einsatzbereich

Mit der Kurbelabstufung 48/31 Zähnen bieten die GRX11x2fach Komponenten einen sehr grossen Übersetzungsbereich für vielfältige Einsatzbereiche, von Gravel über Cyclocross bis Touring. Ganz gleich, ob es sich um Gravel-Riding im engeren Wortsinne, um Rennrad-Abenteuer abseits asphaltierter Strassen, Bikepacking, Commuting oder die Anforderungen anspruchsvoller Cyclocross-Rennfahrer handelt: Shimanos GRX Komponenten bieten unzählige Optionen, die hinsichtlich Übersetzungen und Abstufungen, individualisierbarer Ergonomie, integrierter Bedienung von versenkbaren Sattelstützen bis hin zu spezifischen Gravel-Laufradsätzen mit breiterem Felgenprofil keine Wünsche offen lassen.

Shimano Schaltwerk GRX RD-RX815 Di2

Die RX 815 Ausführung des GRX Di2 Schaltwerkes bietet die Möglichkeit, Kassetten mit bis zu 34 Zähnen zu nutzen. Die neuen GRX Di2 Schaltwerke zeichnen sich auch in anspruchsvollstem Gelände durch leise, leichtgängige, präzise und zuverlässige Schaltvorgänge aus.

Dafür ist vor allem das Shadow RD+ Kettenstabilisierungssystem verantwortlich, welches ein Schlagen der Kette und überflüssige Bewegungen des Schaltwerkskäfigs verhindert und so unterbrechungsfreie Schaltleistung sicherstellt.

Shimano Umwerfer RDRX815 Di2

Der Shimano GRX Di2 FD-RX815 Umwerfer wurde so konzipiert, dass er die Kettenblattdifferenz der FC-RX810-2 Kurbelgarnitur von 17 Zähnen mühelos bewältigen kann. Selbstverständlich adaptiert der Umwerfer auch die um 2,5 mm breitere Kettenlinie der GRX Kurbeln, welche letztlich die Verwendung breiterer Reifen ermöglicht.

Synchro-Shift Technologie

Die Synchro-Shift Technologie vereinfacht das Schalten immens und reduziert die Menge der Entscheidungsprozesse, die während der Fahrt ablaufen, deutlich. Genau dies ermöglicht die Shimano Synchro-Shift Technologie, die immer die optimale nächstgrössere oder nächstkleinere Übersetzungskombination wählt, unabhängig davon, ob hierfür am Schaltwerk und/oder am Umwerfer geschalten werden muss.

Shimano Di2 Komponenten

Die Verteilereinheit besitzt eine Akku Anzeige und eine Einstellfunktion für das Schaltwerk. Die vereinheitlichten Kabelanschlüsse und die Verteilerbox sorgen für leicht verständliche und zügige Montage.

Cervélo Áspero GRX RX815 Di2 im Test

Das Cervélo Áspero GRX RX815 Di2 ist gemacht für alle, die Geschwindigkeit und die Jagd nach KOMs lieben. Hier spart das teurere Áspero-5 gegenüber unserem 6.699 € teuren Test-Bike mit 8,37 kg Gewicht in Größe 58 ca. 150 g ein.

Bei der Schaltung vertraut Cervélo hier auf eine Shimano GRX RX815 Di2-Schaltung, die mit blitzschnellen Schaltvorgängen begeistert und deren Hoods erstklassig in der Hand liegen. Ausreichend Reserven bieten hingegen die Shimano GRX BR-RX810-Bremsen mit 160-mm-Scheiben an Front und Heck und sorgen so für das gebotene Maß an Sicherheit.

Handling und Komfort

Sportlich ist auch da Handling des Cervélo Áspero GRX RX815 Di2 - fast schon zu sportlich. Denn das Bike ist sehr direkt, was bei langsamer Fahrt für eine kippelige Front sorgt. Das Bike ist straff abgestimmt und eher auf Vortrieb als auf maximale Dämpfung ausgelegt.

Vor- und Nachteile

Vorteile Nachteile
Präzise und schnelle elektronische Schaltung Begrenzte Übersetzungsoptionen
Hohe Bremsleistung Keine Option für Einfach-Kettenblatt
Ergonomische Griffe und Hebel Lauter Umwerfer
Robuste und zuverlässige Komponenten Höherer Preis

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