Im Herbst 2023 brachte Shimano seine erste Gravel-Schaltgruppe GRX mit Zwölffachantrieb auf den Markt. Nicht ganz ein Jahr nach dem Launch der 12-fach-GRX ist nun auch der elektronische Zwilling namens Shimano GRX Di2 auf dem Markt. Zunächst gab es allerdings nur eine mechanische Version. Nun präsentierte der japanische Hersteller mit der GRX Di2 die elektronische Variante.
Technische Details und Innovationen
Analog zu den aktuellen Road-Komponenten setzt die Gravel-Schaltgruppe auf den bekannten zentralen Akku, kabellose Shifter und eine neue „Zentrale“, integriert im Schaltwerk. Dabei verzichtet man auf eine Kabelverbindung der Cockpit-Komponenten. Nur das Schaltwerk und der Umwerfer sind verbunden mit einem zentralen Akku. Die Schalt-Bremshebel werden in dieser Konfiguration mit Batterie-Knopfzellen versorgt und kommunizieren per Funk mit dem Schaltwerk.
Überarbeitet haben die japanischen Ingenieure zudem die Brems- und Schaltgriffe. Laut eigener Aussage will Shimano die Ergonomie an der neuen GRX Di2 sogar nochmals verbessert haben. So sehen die Hoods trotz ähnlicher Grundform recht unterschiedlich aus. Etwas massiver und größer, muten die Shifter auch dank neu platzierter Statusleuchten fast futuristisch an. Ergonomisch passen sie sich dabei dank angewinkeltem Bremsgriff besonders gut an die im Gravel-Bereich beliebten Lenker mit Flare an. Als zusätzlichen Benefit winken eine rundere Form und eine größere Auflagefläche zum Vorbeugen von Druckpunkten.
Wie bereits bei den Vorgängermodellen soll auch bei den neuen Brems- und Schaltgriffen die an der Innenseite der Hörnchen angebrachte dritte Di2-Schalttaste dafür sorgen, dass für die Kontrolle von Zusatzfunktionen die Hand den sicheren Griff am Lenker nicht verlassen muss. Auch die optionale Integration zusätzlicher Shifter, beispielsweise am Oberlenker, im Unterlenker oder an zusätzlich montierten Aero-Aufsätzen, ist neu.
Schaltwerk und Kassettenoptionen
Shimano setzt bei der GRX Di2 der zweiten Generation weiterhin auf einen Zweifach-Antrieb. Abstufungen 48/31 und 46/30 möglich. Neu sind die Kassetten-Optionen 11-36 und 11-34, die aus dem bestehenden Shimano-12fach-Rennrad-Portfolio übernommen werden und mit dem zusätzlichen Ritzel eine feinere Gangabstufung bieten sollen. Jede dieser Übersetzungsvarianten lässt sich mit den aktuellen Carbon-Gravel-Laufrädern von Shimano, der WH-RX880-Serie, kombinieren.
Das RX825-Schaltwerk verfügt über Shimanos Shadow-RD+-Technologie mit einem speziellen „Clutch”-Mechanismus, der im eingeschalteten Zustand den Schaltwerkskäfig fixiert und so das Schlagen der Kette und die Gefahr des Abspringens verhindert. Wie bei den Shimano-2-fach-Di2-Gruppen für das Rennrad ist das Schaltwerk auch bei der GRX das Kommunikationszentrum für das System, das kabellos mit den Schaltern, kompatiblen Geräten von Drittherstellern und der E-Tube-Project-App auf dem Smartphone kommuniziert.
"Front-Shift-Next"-Funktion
Mit der „Front-Shift-Next“-Funktion führt Shimano zudem eine neue Schaltoption mit der neuen GRX-Di2-12fach-Gruppe ein, die es in Zukunft auch bei den Road-Schaltgruppen geben wird. Die neue Funktion ermöglicht es, den Kettenblattwechsel mit einer beliebigen Taste auszulösen. Man benötigt dann nicht eine Taste für den Wechsel auf das große Blatt und eine für den Sprung auf das kleine. Stattdessen wechselt der Umwerfer das Kettenblatt immer dann, sobald die dafür festgelegte Taste gedrückt wird.
Limited-Edition GRX-SPD-Pedale
Zeitgleich mit der neuen Shimano-GRX-Di2-Gruppe bringt der japanische Hersteller „Limited-Edition“-GRX-SPD-Pedale, PD-M8100-UG, auf den Markt. Die beidseitigen GRX-SPD-Pedale zeichnen sich durch eine breite Aufstandsfläche und eine flache Plattform aus, was die Stabilität in anspruchsvollem Gelände oder auf losem Untergrund erhöhen soll.
Fahreigenschaften und Schaltperformance
Technisch gibt es an diesen Komponenten nichts zu bemängeln. Höchste Schaltpräzision ist bei Shimano ein notwendiges Kriterium. Anders kommt keine Gruppe neu auf den Markt. Ganz besonders gilt das natürlich für High-End Komponenten wie die neue GRX Di2 2×12 Schaltung. Konkret gibt es im Vergleich zur 11-fach GRX jetzt Hyperglide+ Schaltkomfort. Im Vergleich zur Vorgängertechnologie Hyperglide (ohne das „Plus“) bewegt sich die Kette beim Schaltvorgang jetzt nochmals deutlich stabiler und kontrollierter über den Zahnkranz. Der Unterschied ist spürbar.
Shimanos zuschaltbare Shadow RD+ Technologie trägt ebenfalls dazu bei, die Kette auf rauhem Terrain zusätzlich zu stabilisieren. Der Akku für Schaltwerk und Umwerfer wird ebenfalls über einen Anschluss am Schaltwerk geladen. Praktischerweise gibt es bei Shimano für Schaltwerk und Umwerfer nämlich nur einen einzigen Akku, der geladen werden möchte.
Auch auf die Ergonomie der neuen GRX RX825 Brems-Schalthebel wurde großen Wert gelegt. Der Querschnitt ist runder geworden, der Übergang vom Hebel zum Lenker sanfter. Dadurch steht der Hand mehr Raum zur Verfügung, wo sie komfortabel aufliegen und anpacken kann.
Die Belegung der Schalthebel kann über die Shimano E-Tube Project App organisiert werden. So lässt sich die Schaltlogik sehr einfach an die eigenen Vorlieben anpassen. Wer es noch individueller möchte, kann die elektronische 2×12 GRX auch mit Shimanos Sateliten-Schaltern nutzen. Diese gibt es für Ober- und Unterlenker sowie für Lenkeraufsätze. Wer sein absolutes Traumrad als Custom-Bike realisiert haben möchte, hat hier also nochmal eine interessante Option zur Verfügung.
Vor- und Nachteile der Shimano GRX Di2
Shimano macht mit der neuen GRX Di2 vieles richtig. Technisch ist sie auf der Höhe der Zeit und funktional ohne Tadel. Doch neue Akzente fürs Gravelbike, wie man sie von einem High-End-Produkt erwarten könnte, setzt die Gruppe nicht. Das schmale Angebot an Übersetzungen ist auf die breite Masse zugeschnitten, wird jedoch der wachsenden Vielfalt in der Gravel-Welt nicht gerecht. Vor allem die fehlende Option, mit nur einem Kettenblatt fahren zu können, dürfte viele Interessenten stören.
Vorteile:
- Hohe Schaltpräzision
- Kabellose Kommunikation der Shifter
- Ergonomische Brems- und Schaltgriffe
- Anpassbare Schaltlogik
- Shadow RD+ Technologie für Kettensicherung
Nachteile:
- Keine Option für 1x-Antrieb
- Begrenzte Kassettenoptionen
- Keine Innovationen für den Gravelbereich
Alternativen und Konkurrenz
Bei den Antrieben gerieten die Japaner gleich nach der Vorstellung in Rückstand. SRAM nutzte bei seiner fast zeitgleich präsentierten AXS zwölf statt elf Ritzel; die “XPLR” genannten Ableger der Rennrad-Gruppen bieten attraktive Optionen mit Einfach-Kettenblatt und Kassetten mit Ritzelgrößen bis in Mountainbike-Dimensionen.
Campagnolo setzte noch eins drauf und stellte 2020 die Ekar vor, die zwar nicht elektronisch schaltet, aber mit 13 Ritzeln das bislang kompletteste Einfach-Getriebe fürs Gelände darstellt. Da konnte Shimano nicht mithalten: Als 1x11-Gruppe war die GRX ein eher schlechter Kompromiss, als preiswerte 1x10 im Gelände annähernd unbrauchbar, weil die Übersetzungsbandbreite zu schmal ist.
Shimano GRX vs. Sram Red XPLR AXS
Die zwei aktuell teuersten Komponentengruppen für den Gravel-Einsatz haben einige Gemeinsamkeiten: Sie schalten elektronisch auf Knopfdruck, Schaltbefehle werden per Funk übertragen. Die Disc-Stopper bremsen hydraulisch und brauchen nur wenig Handkraft. Und beide Gruppen glänzen mit hervorragender Ergonomie und Funktion.
Doch die Liste der Unterschiede ist länger: Die Hydraulik arbeitet bei Shimano mit wartungsarmem Mineralöl, bei Sram mit DOT-Bremsflüssigkeit. Die ist temperaturstabiler, muss aber regelmäßig getauscht werden. Shimano setzt auf einen zentralen, fest verbauten Akku für Schaltwerk und Umwerfer, beide sind per Kabel angebunden. Sram verbaut einen abnehmbaren Akku, der dafür nicht ganz so lange hält: nach unserer Erfahrung rund 500 km im Vergleich zu ca. 1000 km bei Shimano.
Der wichtigste Unterschied - und für viele wirklich eine Glaubensfrage: Die Red XPLR gibt’s nur als 1x-Gruppe, die GRX Di2 nur 2-fach. Die GRX im typischen 48/31 x 11-36-Set-up bietet einen etwas leichteren Berggang und eine dickere Übersetzung bei Top-Speed als die Red mit gängigen 40T x 10-46.
Vergleichstabelle: Shimano GRX Di2 vs. SRAM Red XPLR AXS
| Merkmal | Shimano GRX Di2 | SRAM Red XPLR AXS |
|---|---|---|
| Schaltung | Elektronisch, 2x12 | Elektronisch, 1x13 |
| Bremsflüssigkeit | Mineralöl | DOT-Bremsflüssigkeit |
| Akku | Zentral, fest verbaut | Abnehmbar |
| Kompatibilität | Klassische Schaltaugen | UDH-Ausfallende |
Die zur elektronischen 2×12 GRX Di2 Schaltung passende RX820 Kurbel hat zwei Kettenblätter mit 48/31 Zähnen. Wer möchte, kann auch die RX610 Kurbel mit 46/30 Zähnen verwenden. Die passenden 12-fach Kassetten haben 11-36 beziehungsweise 11-34 Zähne. Im Vergleich zum Rennrad ist die Kettenlinie der GRX RX825 um 2,5 mm nach außen versetzt.
Alternativ zu den hier genannten Komponenten gibt es auch noch die mechanische GRX Variante von Shimano. Technisch gibt es an diesen Komponenten nichts zu bemängeln. Höchste Schaltpräzision ist bei Shimano ein notwendiges Kriterium. Anders kommt keine Gruppe neu auf den Markt. Ganz besonders gilt das natürlich für High-End Komponenten wie die neue GRX Di2 2×12 Schaltung.
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