Gravel und elektrisch? Ja, das geht! Shimano bringt mit der GRX Di2 12-fach endlich neue Gravel-Komponenten auf den Markt. Nicht ganz ein Jahr nach dem Launch der 12-fach-GRX ist nun auch der elektronische Zwilling namens Shimano GRX Di2 auf dem Markt.
Die Neuerungen im Überblick
Analog zu den aktuellen Road-Komponenten setzt die Gravel-Schaltgruppe auf den bekannten zentralen Akku, kabellose Shifter und eine neue „Zentrale“, integriert im Schaltwerk. Nur das Schaltwerk und der Umwerfer sind verbunden mit einem zentralen Akku. Die Schalt-Bremshebel werden in dieser Konfiguration mit Batterie-Knopfzellen versorgt und kommunizieren per Funk mit dem Schaltwerk.
Im Herbst 2023 brachte Shimano seine erste Gravel-Schaltgruppe GRX mit Zwölffachantrieb auf den Markt. Zunächst gab es allerdings nur eine mechanische Version. Nun präsentierte der japanische Hersteller mit der GRX Di2 die elektronische Variante.
Ergonomie und Design
Wenn Shimano GRX Di2 für eines steht, dann ist das eine ausgezeichnete Ergonomie. Schon die Hoods des Vorgängers wussten zu begeistern. Laut eigener Aussage will Shimano die Ergonomie an der neuen GRX Di2 sogar nochmals verbessert haben. So sehen die Hoods trotz ähnlicher Grundform recht unterschiedlich aus. Etwas massiver und größer, muten die Shifter auch dank neu platzierter Statusleuchten fast futuristisch an.
Ergonomisch passen sie sich dabei dank angewinkeltem Bremsgriff besonders gut an die im Gravel-Bereich beliebten Lenker mit Flare an. Als zusätzlichen Benefit winken eine rundere Form und eine größere Auflagefläche zum Vorbeugen von Druckpunkten. Das Gewicht der Hoods mit der Bezeichnung ST-RX825 gibt Shimano mit 415 g pro Paar an. Das Set aus Schalthebel und Bremse am Vorderrad gibt es für 449,95 € bzw.
Überarbeitet haben die japanischen Ingenieure zudem die Brems- und Schaltgriffe. Wie bereits bei den Vorgängermodellen soll auch bei den neuen Brems- und Schaltgriffen die an der Innenseite der Hörnchen angebrachte dritte Di2-Schalttaste dafür sorgen, dass für die Kontrolle von Zusatzfunktionen die Hand den sicheren Griff am Lenker nicht verlassen muss.
Das Schaltwerk als Gehirn
Das Gehirn der 12-fach Shimano GRX Di2 sitzt ab sofort im Schaltwerk. Hier findet nicht nur die Kommunikation mit externen Geräten wie Headunit oder Handy statt, auch die komplette Einstellung läuft über das Schaltwerk. Zusätzlich versteckt sich der Ladeport unter einer kleinen Abdeckung am hinteren Ende.
Als wirklicher Unterschied zu den Road-Komponenten mit den gleichen Specs bekommt die GRX Di2 eine eigene Kettenstabilisation, welche sich wie gewohnt per Kipphebel an- bzw. ausschalten lässt. Das kleine Extra bringt natürlich auch zusätzliches Gewicht, und so kommt das Schaltwerk mit der Kennung RD-RX825 auf 310 g im Vergleich zu 287 g des Vorgängers.
Das RX825-Schaltwerk verfügt über Shimanos Shadow-RD+-Technologie mit einem speziellen „Clutch”-Mechanismus, der im eingeschalteten Zustand den Schaltwerkskäfig fixiert und so das Schlagen der Kette und die Gefahr des Abspringens verhindert. Wie bei den Shimano-2-fach-Di2-Gruppen für das Rennrad ist das Schaltwerk auch bei der GRX das Kommunikationszentrum für das System, das kabellos mit den Schaltern, kompatiblen Geräten von Drittherstellern und der E-Tube-Project-App auf dem Smartphone kommuniziert.
Das GRX RX827 Schaltwerk mit der neuen SHIMANO SHADOW ES Technologie kommt in der SGS-Ausführung mit langem Käfig und wurde mit Fokus auf Robustheit und Funktionalität entwickelt. Es zeichnet sich durch ein keilförmiges Design mit flachem Profil aus, wobei die Kettenstabilisator-Einheit nahtlos in das Gehäuse integriert wurde, um weniger Angriffsfläche für Kollisionen im Gelände zu bieten. Ohne scharfe Kanten kann es - sollte ein Aufprall dennoch einmal unvermeidbar sein - an Hindernissen abgleiten. Und selbst für härtere Kollisionen ist vorgesorgt, indem das Schaltwerk die wirkenden Kräfte durch ein Entkoppeln des Stellmotors aufnemen kann. Dank der automatischen Impact Recovery Funktion stellt sich das Schaltwerk anschließend sofort wieder zurück in die Ausgangsposition.
Der Umwerfer
Zwar leicht überarbeitet, erinnert der Umwerfer der neuen Shimano GRX Di2 doch stark an den Vorgänger. Die schmalere Bauweise, wie sie an den neuesten ULTEGRA Di2 und DURA-ACE Di2-Umwerfern zu sehen ist, lässt sich hier gänzlich vermissen. Extra für den Gravel-Einsatz wurde allerdings die Kettenlinie um 2,5 mm nach außen verlegt. Kompatibel ist der Umwerfer mit der bereits bekannten GRX 2×12-Kurbel RX820, hier gibt es die Option auf 48/31.
Software-Innovation: Front Shift Next
„Front shift next“, so nennt Shimano die nächste kleine Innovation, welche im Zuge des GRX Di2-Launch vorgestellt wird. Etwas kryptisch beschreibt das die Möglichkeit, die Di2-Buttons so zu programmieren, dass sich mit nur einem Knopfdruck der Umwerfer schalten lässt, ganz egal in welcher Position dieser steht. So lässt sich ein Schalter an den Hoods als neuer Umwerfer-Master-Shifter auswählen, und dieser schaltet je nach Position den Umwerfer hoch oder runter. Ähnlich wie bei SRAM soll so vor allem Dropbar-Neulingen der Einstieg erleichtert werden.
Mit der „Front-Shift-Next“-Funktion führt Shimano zudem eine neue Schaltoption mit der neuen GRX-Di2-12fach-Gruppe ein, die es in Zukunft auch bei den Road-Schaltgruppen geben wird. Die neue Funktion ermöglicht es, den Kettenblattwechsel mit einer beliebigen Taste auszulösen. Man benötigt dann nicht eine Taste für den Wechsel auf das große Blatt und eine für den Sprung auf das kleine. Stattdessen wechselt der Umwerfer das Kettenblatt immer dann, sobald die dafür festgelegte Taste gedrückt wird.
Optionen und Kompatibilität
Shimano setzt bei der GRX Di2 der zweiten Generation weiterhin auf einen Zweifach-Antrieb. Abstufungen 48/31 und 46/30 möglich. Neu sind die Kassetten-Optionen 11-36 und 11-34, die aus dem bestehenden Shimano-12fach-Rennrad-Portfolio übernommen werden und mit dem zusätzlichen Ritzel eine feinere Gangabstufung bieten sollen. Jede dieser Übersetzungsvarianten lässt sich mit den aktuellen Carbon-Gravel-Laufrädern von Shimano, der WH-RX880-Serie, kombinieren.
Auch die optionale Integration zusätzlicher Shifter, beispielsweise am Oberlenker, im Unterlenker oder an zusätzlich montierten Aero-Aufsätzen, ist neu. Dem GRX-Di2-System lassen sich weitere Schalter hinzufügen. Beispielsweise setzen viele Leute auf langen Strecken auf Aero-Lenkeraufsätze. Um in der Aufliegerpostition schalten zu können, lassen sich zusätzliche Schalter ergänzen.
Kabellose Freiheit mit der GRX RX827
Kabelsalat adé! Mit der GRX RX827 bringt Shimano erstmals eine kabellose 1×12-fach Di2-Gruppe fürs Gravelbike auf den Markt. Während sich der staubige Wirbel um die brandneue XTR Di2 Wireless Mountainbike-Schaltgruppe noch nicht gelegt hat rollt Shimano nun auch im Gravel-Segment das kabellose Schaltzeitalter aus. Mit der GRX RX827 erhält die beliebte Gravel-Gruppe ein Update, das auf den ersten Blick klein wirkt - schließlich wurde nur das Schaltwerk ersetzt.
Zentrales Bauteil ist das überarbeitete Schaltwerk mit integriertem Akku. Shimano verabschiedet sich damit im Gravelbereich vom bisherigen Di2-Akku im Rahmen und der fummeligen Kabelverlegung. Stattdessen sitzt der Energiespeicher nun direkt im Gehäuse des RD-RX827, ist geschützt untergebracht, entnehmbar und wird - ganz wie bei SRAM - extern geladen. Shimano gibt die Reichweite mit 700 bis 1.000 km pro Akkuladung an, abhängig vom Einsatz und Schaltverhalten.
Technisch lehnt sich das GRX-Schaltwerk stark an die XTR an: ein flaches, keilförmiges Profil soll bei Kollisionen eher ableiten als verhaken. Neu ist auch das Kettenmanagement: Statt einer Clutch setzt Shimano auf eine doppelt gefederte Konstruktion für höhere Kettenspannung. Fest steht: Die RX827 kommt ausschließlich in einer SGS-Version mit langem Käfig - kompatibel mit 10-51Z-Kassetten. Kombiniert wird das mit 40- oder 42-Zähne-Kettenblättern.
Wer ein GRX-Kettenblatt mit einer MTB-Kassette kombiniert - etwa mit Flatbar-Hebeln -, bekommt ein robustes, kabelloses Adventure-Bike mit Drop- oder Riser-Lenker. Parallel zur neuen XTR-Gruppe hat Shimano ein überarbeitetes XT-Schaltwerk vorgestellt, das dem GRX RX827 in vielen Punkten ähnelt. Es ist ausschließlich mit langem Käfig erhältlich, nutzt ein nahezu identisches Gehäusedesign und setzt ebenfalls auf ein integriertes Akkusystem.
Zusätzliche Produkte
Zeitgleich mit der neuen Shimano-GRX-Di2-Gruppe bringt der japanische Hersteller „Limited-Edition“-GRX-SPD-Pedale, PD-M8100-UG, auf den Markt. Die beidseitigen GRX-SPD-Pedale zeichnen sich durch eine breite Aufstandsfläche und eine flache Plattform aus, was die Stabilität in anspruchsvollem Gelände oder auf losem Untergrund erhöhen soll.
Zeitgleich mit den neuen GRX 1 x 12 Di2 Gravelkomponenten stellt SHIMANO zudem einen neuen preiswerten Gravel-Laufradsatz aus Aluminium mit SHIMANO Branding vor, der robust und zuverlässig jedes Schotter-Abenteuer mitmacht. Diese neuen RX180 Laufräder sind Tubeless-ready, die Maulweite beträgt 25 mm, was Reifenbreiten von 32 bis 50 mm ermöglicht.
Fazit
Shimanos neuester Streich der Gravel-Schaltgruppen vereint aktuelle Road-Elektronik mit Gravel-Kurbel, -Kassetten und -Bremsen. Gepaart mit kleinen Ergonomie-Verbesserungen und einer vereinfachten Schalterbelegung, geht Shimano mit der GRX Di2 einen Schritt in die Zukunft.
Mit der neuen GRX Di2 Wireless bringt Shimano erstmals kabellose Mullet-Setups ans Gravelbike - ein kleiner, aber entscheidender Schritt in Richtung Modularität und Zukunft. In unserem Test überzeugt das neue Schaltwerk mit leiser, präziser Schaltperformance.
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