Shimano GRX: Die Gravel-Gruppe im Test – Besonderes Augenmerk auf den Zusatzbremshebel

Shimano hat mit der GRX-Gruppe eine spezifische Gravelgruppe am Rennradmarkt etabliert. ROADBIKE hat die elektronische und mechanische Version ausgiebig getestet. Dazu: Die Übersicht aller Komponenten.

Shimano kombiniert unter dem Label GRX bewährte Rennrad- und Mountainbike-Technologien zu spezifischen Gravelkomponenten. Die neue Shimano GRX kommt wahlweise als elektronische oder mechanische Ausführung, mit 1- oder 2-fach Kurbeln und 10- und 11-fach Schaltwerken. Erhältlich sind gleich mehrere Versionen. 600 liegen etwa auf Ultegra bzw. 105-Niveau, der 10-fach-Antrieb mit Kürzel 400 entspricht etwa der Shimano-Tiagra-Gruppe. 12-fach - wie die neuen MTB-Gruppen - gibt’s die GRX nicht.

Die Shimano GRX-Gruppe kommt in vielen Ausführungen: 1- oder 2-fach vorne, 10- oder 11-fach hinten und mechanisch oder elektronisch.

Shimano GRX Kurbel und Umwerfer für mehr Reifenfreiheit

Die Shimano GRX Kurbeln sind speziell für den Gravel-Einsatz konzipiert. Die Kurbel sind etwas breiter und die Kettenlinie wandert um 2,5mm nach außen, um für mehr Reifenfreiheit am Hinterrad zu sorgen. Bis zu 42mm Reifenbreite sind möglich.

Mehr Platz für breite Reifen: Kettenlinie und Umwerfer wandern 2,5mm weiter nach außen. Außerdem haben die GRX-Kurbeln eine größeren Übersetzungs-Bandbreite. Die 2-fach GRX Kurbel kommt mit 48-31 Kettenblättern (11-fach) bzw. 46-30 Kettenblättern (10-fach). Das ist ein Unterschied von 17 (bzw. 16) Zähnen zwischen den beiden Kettenblättern.

Die 1-fach GRX-Kurbeln kommen mit 40 Zähnen. Um zu verhindern, dass die Kette vom Kettenblatt springt, verfügen die 1-fach Kurbeln über das Dynamic Chain Engagement Zahnprofil. Hierbei ist jeder zweite Zahn etwas breiter, was die Kette fester am Kettenblatt halten soll.

Shimano GRX Schaltwerk mit verschiedenen Käfiglängen

Um auch hinten an der Kassette möglichst viele Übersetzungen abzudecken, gibt es die elektronischen und mechanischen GRX-Schaltwerke in zwei Käfiglängen. Wer bis zu 42 Zähne auf dem größten Ritzel nutzen möchte, sollte das GRX Schaltwerk mit langem Käfig wählen. Bis 34 Zähne gibt es ein Schaltwerk mit kurzem Käfig.

Das GRX Schaltwerk kommt mit unterschiedliche Käfiglängen: Kurzer Käfig (links) bis 34er Ritzel, langer Käfig (rechts bis 42er Ritzel.

Die GRX Gruppe kommt übrigens ohne eigenen Kassette und Kette. Stattdessen ist die GRX Schaltung mit Rennrad- und MTB-Kassetten kompatibel. Wer 11-fach schalten möchte, kann Ultegra oder 105er Rennradkassetten oder Deore XT oder SLX MTB-Kassetten verwenden. Die 10-fach GRX-Schaltwerke funktionieren mit Tiagra und Deore Kassetten.

Shimano GRX Schalthebel

Auch die Schalthebel unterscheiden sich in einigen Details von den Brems-Schalthebeln der Rennrad-Gruppen. Um für mehr Bremskraft auf Schotterabfahrten zu sorgen, wurde der Drehpunkt der Bremshebel nach oben versetzt (siehe Abbildung unten). So erhöht sich die Hebelkraft des Bremshebels.

Zusatzbremshebel für mehr Sicherheit

Außerdem gibt es trotz hydraulischer Bremsleitungen wieder die Möglichkeit, zusätzliche Bremshebel am Oberlenker zu montieren. So kann auch in der Oberlenkerposition gebremst werden. Dies war bisher nur mit mechanischen Bowdenzug-Bremsen möglich.

Bremsen am Oberlenker trotz hydraulischer Scheibenbremsen dank Zusatzbremshebel.

Für den 1-fach Betrieb gibt es auch spezielle linke Schalthebel - entweder mit starrem Bremshebel ohne interne Mechanik oder, wie bekannt, mit nach innen schwenkendem Bremshebel, an dem ein Zug für eine absenkbare Sattelstütze eingehängt werden kann.

Shimano GRX Bremsen und Laufräder

Die GRX Gruppe gibt es nur mit hydraulischen Scheibenbremsen geben. Wie alle anderen Rennrad-Scheibenbremsen von Shimano werden diese per Flatmount-Standard montiert.

Komplettiert wird das Shimano GRX-Sortiment mit zwei Alu-Laufradsätzen. Die GRX-Laufräder sind Tubeless ready, kommen mit 21,6mm Maulweite und in den Größen 28 Zoll und 650B. ROADBIKE hat ein Paar in 28 Zoll getestet: Das Set aus Vorder- und Hinterrad bringt es inklusive Felgenband auf 1734 Gramm, ist sehr gut mittig und rund zentriert und erfreulich seitensteif (Vorderrad 88 Nm/°, Hinterrad 84 Nm/°). Der Fahreindruck nach knapp 1000 Kilometern ist positiv: Die Laufräder beschleunigen ordentlich, lenken präzise, zeigen sich haltbar und unanfällig für störende Knackgeräusche aufgrund des wahlweise staubigen oder schlammigen Offroad-Einsatzes. Kostenpunkt: 489,90 Euro für das Set (UVP).

Die mechanische Shimano GRX im Praxistest

ROADBIKE stand ein Testrad mit Shimanos GRX-Schaltgruppe zur Verfügung, die Komponenten aller drei Preisklassen mischt - Schaltwerk auf 800er-Ebene, Kurbel und Bremsschaltgriffe auf 600er-Niveau und Scheibenbremsen aus der 400er-Linie, dazu die MTB-Kassette der SLX-Gruppe und gruppen-übergreifende Kette, Innenlager, Bremsscheiben und Züge/Leitungen. Hier zeigt sich: Wie von den Straßengruppen bekannt, sind viele Teile untereinander kompatibel, sodass sich die eigene Gruppe gemäß individuellen Präferenzen, Fahrerprofil und Brieftaschengröße zusammenzustellen lässt.

11-40 und 11-42-Kassetten bieten ein breites Spektrum, das Schaltwerk bedient elf Gänge. Im Fahreindruck überzeugte die mechanische Gruppe: Im Praxistest gab es kein Kettenschlagen, keine -abwürfe, -klemmer oder anderen Probleme. Im Gegenteil: Der Antrieb arbeitete präzise, geräuscharm - und schaltete etwas knackiger als die gewohnten Straßenkomponenten. Was die Übersetzung angeht, fühlt sich die Einfach-GRX "offroad" wohler, da dort die teils großen Gangsprünge weniger stören und auch die Bandbreite ausreicht. Auf Asphalt müssen die Beine bei einer 40/11-Übersetzung ab ca. 45 km/h schon ganz schön wirbeln … 12-fach-Antriebe, wie sie Shimanos Mitbewerber für Straße und/oder MTB anbieten, haben hier etwas mehr zu bieten.

Disc only: Die GRX-Gruppe gibt es nur mit Scheibenbremsen - sehr kräftigen, wohlgemerkt. Gut dosierbar, auf Schotter aber fast etwas bissig zeigten sich die hydraulischen Bremsen. Sehr positiv fielen die Schaltbremsgriffe auf: Sie sind deutlich breiter und bieten mehr Auflagefläche für die Finger. Zudem wurde die Oberfläche der Hebel leicht "gummiert", um ein Abrutschen zu vermeiden - sinnvoll, um kontrolliertes Bremsen auf holprigem Untergrund zu erleichtern, da waren sich alle RB-Tester einig.

Und was wiegt und kostet das Ensemble? Die gemischte Testgruppe aus 800er, 600er, 400er und gruppen-unspezifischen Komponenten bringt es laut RB-Messung mit Einfach-Kurbel, 40er Kettenblatt, 11-40er-Kassette und 11-fach-Hebeln und -Schaltwerk auf 3034 Gramm. Addiert man alle Zirka-Preise des deutschen Importeurs, würde diese Zusammenstellung 979 Euro kosten.

Die elektrische GRX Di2 im Dauertest

Knapp 2500 Kilometer hat die GRX-Di2-Gruppe im RB-Dauertest abgespult, teils unter widrigsten Bedingungen. Und damit genug für einen Testbericht, der fast durchweg positiv ausfällt.

Keine Kettenabwürfe im Dauertest.

Die gute Nachricht für alle Traditionalisten vorab: Shimano bietet auch im Gravel-Segment weiterhin eine Zweifachkurbel an, mit Offroad-tauglicher Abstufung (48/31) und somit einem ungewöhnlich großen 17-Zähne-Sprung. Ob das funktioniert? Ja, und zwar absolut problemlos. Im Dauertest gab es nicht einen Kettenklemmer oder -abwurf! Mit stoischer Präzision wuchtet der Umwerfer die Kette hin- und her - maximal verlässlich, untermalt vom typischen Geräusch des E-Motors. Kein Grund also, auf "Zweifach" im Gelände zu verzichten. Die Bandbreite im Zusammenspiel mit einer 11-34-Kassette überzeugte, die Abstufung ist feiner als bei jedem Einfach-Ensemble, obwohl Shimano noch immer auf elf Ritzel setzt und nicht, wie bei den MTB-Top-Gruppen, auf deren zwölf. Auch das Schaltwerk funktionierte stets geschmeidig und präzise, Kettenschlagen unterbindet es verlässlich. Zwei kapitale Stürze kratzten etwas am Lack von Hebel und Schaltwerk, der Funktion tat das keinen Abbruch.

Die Bremse lässt sich auch mit einem Finger bedienen, gerade wenn’s offroad mal ruppiger zur Sache geht, eine feine Sache - weil der Fahrer den Lenker fest im Griff behalten kann. Auch Lukas Hoffmann, Redakteur bei MOUNTAINBIKE sowie Gasttester, war angetan: "Die GRX schaltet wie ein Uhrwerk und bietet eine tolle Hebel-Ergonomie. Mehr als einen Finger brauche ich nicht zum Bremsen. Nur das Feedback der Schalttasten könnte deutlicher sein - speziell bei der Bedienung mit Winterhandschuhen."

Der Verschleiß hält sich nach der relativ kurzen Laufzeit erwartungsgemäß in engen Grenzen: Die Bremsbeläge haben noch rund die Hälfte ihrer ursprünglichen Stärke, Kettenblätter und Kassette sehen noch sehr gut aus. Nur die Kette nähert sich der Verschleißgrenze und sollte getauscht werden. Eine Akkuladung hielt auch im Winter weit über 1000 Kilometer - genug selbst für ausgedehnte Gravel-Abenteuer.

Shimano GRX: Eine vielseitige Familie für Gravel-Enthusiasten

Die neue Shimano GRX Gruppe vereint eine komplette Komponentenfamilie von der Schaltung bis zu Laufrädern. Laut Shimano ist sie konzipiert für schnelles Fahren und sichere Handhabung auf losen Untergründen. Da der Gravelsport sehr vielfältig und breitbandig ist, ist auch die gesamte Gruppe sehr breit gedacht und vielseitig angelegt. Sie umfasst ein- und zweifach-Antriebe mit enger und mit breiter Abstufung. Mit drei Serien richtet sie sich an verschiedene technische Ansprüche. Deren Kurbelgarnituren und Schalthebel lassen sich laut Shimano einfach der Topgruppe kombinieren. Beide schalten mit 11-fach-System. Mit der GRX400 bietet die Familie auch eine preislich attraktive 10-Gang-Serie an. Für eine große Vielseitigkeit und Breitbandigkeit stehen auch die komplett neu arrangierten Kurbeln und Kassetten. Neben der 1×11-Kurbel mit 40 Zähne (11-fach, RX810-1) gibt es Zweifach-Kurbel mit 48-31 (11-fach, RX810-2) und 46-30 (11-/ 10-fach, RX600-10/-11).

Selbstverständlich passen auch die neuen Umwerfer und Schaltwerke (mit RX-Technik zur Kettenstabilisierung) zu der veränderten Spreizung. Neu ist auch die um 2,5 Millimeter nach außen versetzte Kettenlinie. Sie gibt damit Raum für Reifenbreiten bis 42 Millimeter. Für größeren Reifendurchlass und Platz für dicke Rahmenrohre, Schutzbleche und Schlamm wurde die Kettenlinie der Kurbeln um 2,5 Millimeter weiter nach außen gesetzt.

Damit kann bei den GRX-Gruppen nicht nur an der STI-Einheit, sondern auch vom Oberlenker aus gebremst werden. Aus der Ferne sieht der Hebel dadurch wie ein klassischer, herkömmlicher Rennradhebel aus, ist aber bei genauer Betrachtung doch anders gestaltet. Ebenfalls ganz neu im Gravelsegment ist die Ansteuerung einer verstellbaren Sattelstütze („Variostütze“). Der Hebel ist nur mit 1x11 GRX-Gruppen fahrbar, da die Mechanik des Umwerfers der Mechanik für die Stützenansteuerung weicht.

Ein ganz neues Element ist der zusätzliche hydraulische Oberlenker-Bremshebel. Sein Clou: er lässt sich laut Shimano einfach in das geschlossene hydraulische System integrieren. Die bekannten STI-Schaltbremshebel gibt es dagegen wie gewohnt als mechanische und Di2-Variante. Ein allerdings erhöhter Umlenkpunkt soll die Bedienung im Gelände vereinfachen, genauso wie eine angepasste Hebelergonomie mit griffigerer Oberfläche.

Shimano GRX Laufräder

Zum Portfolio der neuen Familie gehören auch zwei gravelspezifische Laufradsätze mit Tubeless-Ready-Felgen. Insgesamt richtet sich die neuen GRX-Familie an eine breite Zielgruppe aus Bikepacker, klasscihe Gravelbiker, Cyclocrosser und Pendler.

Shimano GRX, die erste Gravel-spezifische Komponentenfamilie, die gleichermassen für schnelles Fortkommen wie für sicheres Bike-Handling auf losem Untergrund konzipiert ist, ist das Ergebnis eines intensiven und umfangreichen Forschungs-, Test- und Entwicklungsprozesses, bei dem Informationen und Feedback unzähliger Fahrer einflossen, die auf der ganzen Welt auf Trails, Forstwegen, Schotterpisten oder Asphalt unterwegs sind.

Ganz gleich, ob es sich um Gravel-Riding im engeren Wortsinne, um Rennrad-Abenteuer abseits asphaltierter Strassen, Bikepacking, Commuting oder die Anforderungen anspruchsvoller Cyclocross-Rennfahrer handelt: Shimanos GRX Komponenten bieten unzählige Optionen, die hinsichtlich Übersetzungen und Abstufungen, individualisierbarer Ergonomie, integrierter Bedienung von versenkbaren Sattelstützen bis hin zu spezifischen Gravel-Laufradsätzen mit breiterem Felgenprofil keine Wünsche offen lassen. Als Kassetten können die 11 fach Rennrad oder 11 fach MTB Kassetten genutzt werden.

Shimano BL RX810 Discbremshebel:

Der Shimano GRX Zusatz-Bremshebel BL-RX812 wird zwischen den Schatlbremshebel und den Scheibenbremsen montiert. Diese erlaubt auch bei Oberlenkerposition die Kontrolle über Ihr Gravel Bike.

Schotter, Trails und Straße: Shimanos neue Schaltgruppen-Familie GRX ist speziell für den Einsatz an Gravel- und Cyclocrossbikes entwickelt worden. Die Shimano GRX gibt es in drei verschiedenen Serien - mit Einfach- oder Zweifach-Antrieb, mit elektronischer oder mechanischer Schaltung und verschiedenen Möglichkeiten der Individualisierung. Auf dem europäischen Markt sind bei Gravelbikes Kurbeln mit einem Kettenblatt weit verbreitet. In den USA ist inzwischen zu beobachten, dass erfahrene Gravel-Renn- und Freizeitfahrer zurück zu klassischen Zweifach-Antrieben wechseln - und von feineren Abstufungen zwischen den Gängen profitieren wollen.

Auch die Räder unterscheiden sich untereinander stark. Scheibenbremsen sind inzwischen Standard - auch an Shimanos GRX-Gruppen: Bei Staub, Dreck und Nässe sollen Disc-Systeme eine zuverlässige und starke Bremsleistung garantieren. Gerade auf technisch anspruchsvoll zu fahrendem Untergrund kann man davon profitieren, dass die Bremsen auch mit wenig Fingerkraft effektiv verzögern. Am Testrad waren die besonders hitzebeständigen Ice-Tech-Discs mit vorne 160 Millimetern und hinten 140 Millimetern Durchmesser verbaut. Die ergonomisch geschwungenen Brems-Schalt-Hebel wurden speziell für den Einsatz an gravel-spezifischen Lenkern entwickelt und unterscheiden sich besonders in Bezug auf die „hoods“, die Knäufe, deutlich von den bekannten Shimano-Modellen.

Zusätzlich zu den für Gravel-Lenker entwickelten Bremshebeln mit ihrer individuell einstellbaren Griffweite lassen sich weitere Bremshebel mittig am geraden Teil des Lenkers anbringen. Diese erlauben es, dass auch in der Oberlenkerhaltung gebremst werden kann. Dies ermöglicht zum einen eine aufrechtere und damit in vielen Situationen komfortablere Sitzposition. Im Test überzeugten die wegen ihrer auffälligen Form auch „froglegs“ genannten Hebel: Sie ermöglichen es, dass man auch bei einem plötzlich schlechter werdenden Untergrund nicht „umgreifen“ muss, um schnell bremsen zu können.

Gravel-spezifische Lenker sind daher in der Regel breiter und weisen den sogenannten „Flare“ auf: Der Unterlenker ist seitlich ausgestellt. Am Testrad war das neue offroad-spezifische Aluminiummodell Discover von Shimanos Hausmarke Pro verbaut. Die Pro-Ingenieure entwickelten die neuen Komponenten der Discover-Linie speziell für den Gravel-Einsatz. Besonderen Komfort sollen dabei auch die stärker flexende Discover-Carbon-Sattelstütze sowie der auf dem verbreiteten Rennrad-Sattelmodell Stealth basierende Kurzsattel Stealth Offroad bringen. Er besteht aus mehreren Materiallagen auf einer Fiberglas-Schale und wird über Stahlträger an der Stütze befestigt. Mit 159 Gramm ist er sehr leicht - im Test überzeugte er aber vor allem durch seine guten Dämpfungseigenschaften.

Am Testrad war zudem die absenkbare Vario-Sattelstütze Discover Dropper Seatpost von Pro verbaut. Der tiefere Schwerpunkt auf dem Rad soll in Abfahrten und auf technisch anspruchsvollen Abschnitten mehr Sicherheit bringen. Im Gravel-Einsatz überzeugte das bei Mountainbikes verbreitete Prinzip nur bei sehr langen Abfahrten oder auf technisch besonders anspruchsvollen Trails.

Unserem 70 Kilogramm schweren Tester boten sie bei rund drei Bar gute Dämpfungseigenschaften, viel Grip und dadurch eine sehr gute Traktion. Sie waren an den neuen, robusten RX570-Laufrädern montiert, die Shimano speziell für die GRX-Serie entwickelt hat. Mit einer Felgenhöhe von 22 Millimetern und einem Innendurchmesser von 21,6 Millimetern entsprechen sie dem Standard bei Cross-Country-Mountainbikes - zudem gibt es sie auch als kleinere 650B-Version.

Der Gravel-Radschuh RX8 unterscheidet sich durch eine geringere Verstärkung an der Ferse, das Fehlen von Spikes an der Spitze und durch ein geringeres Profil vom Mountainbike-Top-Modell XC9. Elektronische Schaltungen waren bei Gravelbikes bisher kaum verbreitet.

Alle GRX-Kurbelgarnituren lassen durch eine breitere Kettenlinie mehr Platz für bis zu 42 Millimeter breite Reifen und entsprechende Rahmendesigns. Die GRX-Schaltwerke basieren auf den 2018 eingeführten RX-Modellen von Shimano und stabilisieren die Kette dank des Shadow-RD-Plus-Systems. Dadurch schlug die Kette auch auf holprigem Untergrund kaum auf die Kettenstrebe, der Schaltwerkskäfig blieb in allen Situationen stabil.

Shimanos neue Gravel-Schaltgruppenfamilie GRX ist vielfältig: Die drei Serien RX800, RX600 und RX400 entsprechen den etablierten Stufen Ultegra, 105 und Tiagra. Es kann zwischen Einfach- und Zweifach-Kurbeln gewählt werden. Neben der Elffach-Kassette gibt es auch eine Zehnfach-Kassette, die mit dem Zweifach-Antrieb kompatibel ist. Die GRX- Komponenten sind über die einzelnen Serien hinweg miteinander kompatibel und auch mit solchen aus Shimanos Mountainbike- und Rennrad-Gruppenfamilien kombinierbar. Optional können Zusatz-Brems- und Schalthebel am Oberlenker verbaut werden. Die Gewichte und Preise unterscheiden sich je nach der individuellen Zusammenstellung der Schaltgruppe, die viele Möglichkeiten bietet.

Shimano bringt die Froglegs nun zurück ans Bike, genauer ans Gravelbike - wie bei der Präsentation der neuen GRX-Gruppe Anfang der Woche zu sehen war. Tatsächlich dürften die Bremshebel am Oberlenker nicht nur für mehr Sicherheit im Gelände - zum Bremsen kein Umgreifen mehr nötig - sondern auch allgemein für mehr Komfort sorgen, da die bequeme Oberlenker-Position nur noch selten verlassen werden muss. Und auch Alltags-Radler dürften die Froglegs zu schätzen lernen, die in engen Situationen möglicherweise die nötigen Sekunden an Reaktionszeit bringen, wenn man vom Oberlenker nicht mehr an die Bremsen umgreifen muss.

Die GRX-Gruppe soll eine neue Plattform sein, die auf heutige, aber auch auf zukünftige Anforderungen von Radfahrerinnen und Radfahrern ausgelegt und vorbereitet ist - sei es Gravel-Riding im engeren Sinn, Rennrad-Abenteuer abseits asphaltierter Straßen, Bikepacking, Commuting oder Cyclocross. Die GRX-Komponenten bieten alle Optionen, die hinsichtlich Übersetzungen und Abstufungen, individualisierbarer Ergonomie, integrierter Bedienung, versenkbaren Sattelstützen, bis hin zu Gravel-Laufradsätzen mit breiterem Felgenprofil. Die neuen Komponenten basieren auf Shimanos Technologien, und verbinden Elemente aus dem Rennrad- und dem Mountainbike-Segment.

Für die GRX-Serie geeignet sind Mountainbike- (Deore XT, SLX, Deore) oder Rennrad- (Ultegra, 105, Tiagra) -Kassetten und -Ketten. Noch preisgünstigere Setups lassen sich mit den 10-fach-Kurbeln, Schaltwerken, Umwerfern, Schalthebeln und Bremsen erzielen. So lassen sich mit GRX-Komponenten von der leichten Gravel-Race-Maschine bis zum Einsteiger-Freizeit-Rad alle erdenklichen Gravelbike-Typen ausstatten.

Alle Versionen haben eine 2,5 mm breitere Kettenlinie, die mehr Freiräume im Rahmen für breitere Reifen schafft. Die GRX-1-fach-Kurbeln minimieren die Komplexität beim Schalten, indem nur hinten an der Kassette geschaltet werden muss (optional 40-Z- oder 42-Z-Kassette), und sind mit Kettenblättern mit "Dynamic Chain Engagement+"-Zahnprofil ausgestattet, die speziell auf holprigem Untergrund für optimalen Halt der Kette sorgen.

Passend zu den Kurbel-Garnituren sind auch die Di2- (FD-RX815) und die mechanischen Umwerfer (FD-RX810/ RX400) für eine 2,5 mm breite Kettenlinie ausgelegt und ermöglichen so Reifenbreiten bis zu 42 mm. Basierend auf der Technologie, die Shimano 2018 mit den RX-Schaltwerken eingeführt hat, zeichnen sich die GRX-Schaltwerke RD-RX815/817 (Di2) und RD-RX810/812/400 (mechanisch) durch leise, leichtgängige, präzise und zuverlässige Schaltvorgänge auch in anspruchsvollstem Gelände aus, für das vor allem das "Shadow RD+"-Kettenstabilisierungs-System verantwortlich ist. Es verhindert das Schlagen der Kette und überflüssige Bewegungen des Schaltwerkskäfigs und stellt so unterbrechungsfreies Schalten sicher. Insgesamt bietet die GRX-Familie fünf Schaltwerke, je nach Auswahl der Kassette und des Schalt-Systems.

Bedient wird das GRX-Schaltsystem über neue STI-Schalt-/ Bremshebel mit Gravel-spezifischer Ergonomie. Alle haben eine 18 mm höher aufgehängte Drehachse des Bremshebels, eine geschwungene Hebelform und rutschfeste Texturen an den Kontaktlflächen, die für optimalen Grip auch im rauen Gelände sorgen. Für die Integration von versenkbaren Sattelstützen entwickelte Shimano eigens den hydraulischen STI-Hebel ST-RX810-LA, der auf der linken Seite montiert, die bei Einfach-Systemen nicht zum Schalten benötigte Seitwärtsbewegung des Hebels für die Bedienung der Sattelstütze nutzt.

Ein zuverlässiges Bremssystem mit ausreichenden Leistungsreserven ist auch im Gravel-Bereich wichtig, um auf steilen, anspruchsvollen Abfahrten die Kontrolle zu behalten. Für eine neue Bedien-Option beim Bremsen sorgt der Zusatzbremshebel BL-RX812-L/R, der am Oberlenker montiert und direkt in das Hydraulik-System integriert wird. So kann auch im Oberlenkergriff bequem und sicher verzögert werden, ohne die Hand in Gefahren-Situationen vom Lenker nehmen zu müssen.

Um das Gravel-Erlebnis abzurunden, hat Shimano auch zwei Gravel-spezifische Laufradsätze mit 12-mm-E-Thru-Steckacksen entwickelt (WH-RX570-TL-F12/R12). Die in 700C oder 650B (Non-Boost) erhältlichen Tubeless-Ready-Laufräder zeichnen sich durch ein optimales Verhältnis von Gewicht, Steifigkeit und gerade im Gravel-Bereich besonders wichtiger Robustheit aus.

Gewichte der GRX-Komponenten

Komponente Gewicht
1×11 FC-RX810-1 655 g
FC-RX600-1 753 g
2×11 FC-RX810-2 722 g
FC-RX600-11 816 g
FC-RX600-10 819 g
FD-RX815-F 131 g
FD-RX810-F 94 g
FD-RX400 95 g
Di2: RD-RX815/ RD-RX817 288/ 322 g
Mechanisch: RD-RX810/ RD-RX812 251/ 264 g
ST-RX810-LA (DSP-Funktion links) 263 g
ST-RX600-L/R 611 g
ST-RX400-L/R (10-fach) 613 g
BR-RX400 143 g
WH-RX570 700c 1600g
WH-RX570 650b 1540g

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