Shimano Hohlachse Vorderrad: Eine umfassende Erklärung

Die moderne Steckachse hat sich bei Fahrrädern in den letzten Jahren als Standard durchgesetzt. Sie sorgt für eine sichere und stabile Verbindung von Laufrad und Rahmen oder Gabel.

Was ist eine Steckachse?

Früher war’s simpler: Steckachsen mit 5 mm Achsdurchmesser waren der Standard. Schöne neue Welt: Die deutlich steifere Verbindung zwischen Laufrad und Gabel oder Rahmen bilden heute Steckachsen. Klar ist: Mit Steckachsen (engl. Thru Axle, kurz: TA) lässt sich aufgrund ihres größeren Durchmessers und des geschlossenen Ausfallendes, in dem sie stecken, eine steifere Verbindung zwischen Laufrad und Rahmen bzw. Gabel herstellen, als das mit Schnellspannern (engl. Quick Release, kurz QR) möglich war.

Wobei die meisten Achsen, die wir am modernen Fahrrad verwenden, gar keine Steckachsen im ursprünglichen Wortsinn sind, sondern Schraubachsen, denn sie haben ein Gewinde. Weil wir sie aber zur Montage immer durch das Rad stecken müssen, ist es schon in Ordnung, dass sich der Begriff etabliert hat. Manche Steckachsen werden mit Werkzeug montiert, manche haben einen Schraubhebel, der entweder fest steht oder aber sich unter leichter Spannung umlegen und sichern lässt.

Die Steckachse hat das klassische Schnellspanner-System in vielen Bereichen abgelöst und bietet einige entscheidende Vorteile. Sie führt das Laufrad präzise in den Rahmen beziehungsweise die Gabel ein und sorgt für einen festen Sitz, der auch bei hohen Belastungen erhalten bleibt. Besonders bei Scheibenbremsen ist eine stabile Verbindung unabdingbar, da die beim Bremsen auftretenden Kräfte nicht nur seitlich, sondern auch axial wirken.

Durch den Einsatz von Steckachsen werden die Steifigkeit und damit das Fahrverhalten des Fahrrads spürbar verbessert. Das Rad bleibt auch in anspruchsvollem Gelände oder bei hohen Geschwindigkeiten spurtreu. Darüber hinaus lässt sich eine Steckachse, richtig montiert, meist werkzeuglos lösen und wieder einsetzen.

Schnellspanner vs. Steckachse

Eins steht fest: Die Steckachse ist bei hochwertigeren Rädern mit Scheibenbremsen und E-Bikes auf dem Siegeszug. Dennoch wird der Schnellspanner von vielen Hersteller noch gerne verbaut. Und das mit gutem Grund: Das System ist lange bewährt, weit verbreitet und reicht für nicht stark belastete Bikes absolut aus. Deshalb findet man an einigen Bikes auch einen sinnvollen Kompromiss, z.B. Steckachse am Vorderrad und Schnellspanner am Hinterrad.

Schnellspanner

Der Radrennfahrers Tullio Campagnolo erfand 1930 den klassischen Schnellspanner mit einer 5 mm Achse - und das sollte nicht seine letzte Erfindung bleiben - das Prinzip der Kettenschaltung geht ebenfalls auf Tullio Campagnolo zurück.

Aufbau:

  • Achse
  • Hebel
  • Kontermutter
  • Zwei Federn

Hebel und Achse sind fest miteinander verbunden, während die Kontermutter auf das Ende der Achse geschraubt wird. Die beiden Federn dienen dazu, den Schnellspanner bei der Montage in der richtigen Position zu halten. Dieser wird durch die eigentliche Achse der Nabe geschoben.

Vorteile: Der größte Vorteil des klassischen Schnellspanners liegt darin, dass er es ermöglicht, die Laufräder schnell ein- und auszubauen. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn es, wie in Radrennen, um wenige Sekunden geht.

Nachteile: Der größte Nachteil des klassischen Schnellspanners liegt - neben der geringeren Verwindungssteifigkeit gegenüber Steckachsen - darin, dass es möglich ist, die Laufräder aus Unachtsamkeit schräg einzubauen.

Steckachse

Klassische Schnellspanner galten lange Zeit als alternativlos. Erst vor ungefähr 10 Jahren kam mit der Steckachse eine innovative Antwort auf den Markt. Motor dieser Entwicklung war, wie so oft im Radsport, der Mountainbike-Bereich. Hier waren Steckachsen zunächst vor allem an Rädern mit viel Federweg zu finden - also im Enduro, Freeride und Downhill Bereich.

Aufbau: Während du herkömmliche Schnellspanner durch die eigentliche Achse der Nabe hindurchschiebst, handelt es sich bei Steckachsen um eigene Achsen. Die Rahmen von Rädern mit Steckachsen weisen keine nach unten offenen Ausfallenden auf. Stattdessen werden die Laufräder zuerst in den Rahmen eingesetzt, dann wird die Achse hindurch geschoben.

Vorteile: Steckachsen zeichnen sich durch eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen Bremskräften aus als herkömmliche Schnellspanner. Die Bremskraft, die über Scheibenbremsen aufgebaut wird, muss von der Bremsscheibe über die Nabe und die Speichen auf Felge und Reifen übertragen werden. Dank ihres großen Durchmessers verwindet sich die Steckachse weniger als die Achsen herkömmlicher Naben und überträgt so mehr Bremskraft auf das Rad.

Ein weiterer Vorteil des Systems besteht darin, dass es nun, anders als beim Schnellspanner, nicht mehr möglich ist, Laufräder aus Versehen schräg zu montieren - die Laufräder werden stets korrekt montiert! Dadurch schleift auch die Bremse nicht mehr, da das Rad immer exakt steht.

Verschiedene Standards und Systeme

Mit der Einführung der Steckachsen ist jedoch die Zahl der Achsvarianten stark gestiegen. Und auch bei den Nabenmaßen hat sich in den letzten Jahren viel getan. Es gibt verschiedene Standards und Systeme für Steckachsen, die sich in Länge, Durchmesser und Sicherungsmechanismus unterscheiden. Häufig verwendete Maße sind etwa 12 mm, 15 mm oder 20 mm Durchmesser und Längen, die je nach Fahrradtyp und Hersteller variieren. Auch die Art der Verriegelung ist unterschiedlich: Manche Steckachsen besitzen einen Hebel, der das Ein- und Ausbauen ohne Werkzeug ermöglicht, andere werden mit einem Innensechskant bzw. Torx-Schlüssel verschraubt.

Im Rennradbereich ist meist die 12-mm-Steckachse verbreitet, während im Mountainbike-Bereich auch 15 mm und 20 mm Achsen zum Einsatz kommen. Zusätzlich gibt es Unterschiede im Gewinde (z. B. fein oder grob) sowie bei der Positionierung der Gewindeeinsätze im Rahmen oder Ausfallende.

Vor wenigen Jahren wurde der sogenannte „Boost“-Standard von dem Radhersteller Trek in Zusammenarbeit mit dem Komponentenhersteller SRAM entwickelt. Dieser Standard umfasst breitere Einbaumaße als zuvor. Die Vorderradnabe wurde von 100 auf 110 mm erweitert, die Hinterradnabe von den für Steckachsen üblichen 142 auf 148 mm.

Für die Entwicklung des Boost Standards lassen sich zwei Gründe ausmachen:

  • Höhere Seitensteifigkeit: Der Vorteil der breiteren Naben liegt darin, dass die Seitensteifigkeit der Laufräder, die durch das Aufkommen von 27,5 und 29“ Laufrädern gesunken war, auf ein höheres Level gebracht werden konnte.
  • Breitere Reifen: Die bis zu 3“ breiten Reifen von 27,5+ Rädern hatten in den 100 mm breiten Gabeln sehr wenig Platz zur Seite. Auch am Hinterbau wurde daher durch das breitere Einbaumaß zusätzlicher Platz geschaffen.

Achstypen und Nabenbreiten

Am MTB finden sich mittlerweile fast ausschließlich Steckachsen. Dabei hat sich am Vorderrad der Achsdurchmesser 15 Millimeter und am Hinterrad 12 Millimeter etabliert. An älteren Bikes mit viel Federweg wurden vorn teilweise 20-Millimeter-Achsen verbaut. Heute dominieren zwei Achsdurchmesser den Markt, unabhängig ob Boost oder Non-Boost.

Mit dem Boost-Einbaumaß wurde die Nabeneinbaubreite am Vorderrad von 100 auf 110 Millimeter und am Hinterrad von 142 auf 148 Millimeter vergrößert. Das hatte auch mit der wachsenden Verbreitung der größeren 29-Zoll-Laufräder zu tun. Denn der Abstand der Nabenflansche wächst dabei um diese zehn bzw. sechs Millimeter und das Laufrad wird so seitlich stabiler (vergleiche auch unser 1x1 des Laufradbaus). Am Hinterrad rückt dabei aber auch der gesamte Antrieb um drei Millimeter nach außen. Darum brauchst Du bei einer Boost-Nabe auch ein Boost-Kettenblatt.

Noch einen Schritt weiter geht der Nabenstandard Superboost Plus am Hinterrad. Die Einbaubreite beträgt hier 157 mm, was einen deutlich breiteren Flanschabstand ermöglicht und somit ein nochmals steiferes Hinterrad. Noch ist Superboost Plus eine Nische. Das Maß wird allerdings aktuell bei Herstellern wie Evil Bikes immer beliebter, weil es hilft, kurze Kettenstreben in Verbindung mit großen 29er-Laufrädern zu realisieren.

Auch am Rennrad und an seinen Vettern, den Gravel- und Cyclocross-Bikes, hat mittlerweile die Scheibenbremse Einzug gehalten - und mit ihr die Steckachse. Nur noch extrem leichte oder eher günstige Neuräder kommen mit Felgenbremse, Schnellspanner und traditionellen Einbaubreiten. Während bei den ersten Gravel-Bikes noch die beim MTB üblichen Achsmaße (15/100 und 12/142 mm) genutzt wurden, hat sich bei Road- und Gravel-Laufrädern mittlerweile die Zwölf-Millimeter-Achse auch am Vorderrad durchgesetzt. Die Einbaubreiten entsprechen weitgehend dem Non-Boost-Maß, also vorn 100 Millimeter und 142 Millimeter hinten.

In diesem Licht ist auch die jüngste Entwicklung namens „Road Boost“ zu betrachten: Die Zwölf-Millimeter-Achsen vorn und hinten werden mit den Boost-Einbaubreiten kombiniert, wie wir sie vom MTB kennen, also: 12/110 und 12/148 mm. Wie beim Mountainbike zuvor, gewinnen die Laufräder so laterale Steifigkeit und der Rahmen Reifenfreiheit. Die schmalere Achse vorn soll Gewicht und Luftwiderstand verringern. In Serie finden sich diese Achsen auch im stark wachsenden Segment der E-Rennräder.

Übersicht der Achstypen und Nabenbreiten

Mountainbike (Nabenbreite)

Achstyp Vorderrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite) Hinterrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite)
Schnellspanner 5 / 100 mm 5 / 135 mm
Steckachse (klassisch) 20 / 100 mm 12 / 142 mm
Steckachse (Non-Boost) 15 / 100 mm 12 / 142 mm
Steckachse (Boost) 15 / 110 mm 12 / 148 mm
Steckachse (Superboost Plus) 15 / 110 mm 12 / 157 mm

Rennrad (Nabenbreite)

Achstyp Vorderrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite) Hinterrad (Achsdurchmesser / Einbaubreite)
Schnellspanner 5 / 100 mm 5 / 130 mm
Steckachse 12 / 100 mm 12 / 142 mm
Road Boost 12 / 110 mm 12 / 148 mm

Montage und Demontage einer Steckachse

Damit Ihr Fahrrad jederzeit einsatzbereit und sicher unterwegs ist, ist die korrekte Montage einer Steckachse am Vorderrad wie auch am Hinterrad entscheidend. Dieser ausführliche Leitfaden erklärt Ihnen alle Schritte verständlich und gibt Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie Fehler vermeiden und die Montage effizient und sicher durchführen.

Für die Montage und Demontage einer Steckachse benötigen Sie - je nach Achsentyp - gegebenenfalls einen passenden Innensechskantschlüssel (meist 5 mm oder 6 mm), einen Torx-Schlüssel (z. B. T25) oder Sie nutzen den integrierten Schnellspannhebel. Empfehlenswert ist ein stabiles Montagestativ oder ein anderer sicherer Abstellplatz für Ihr Fahrrad, damit Sie beide Hände frei haben und das Rad während der Arbeit nicht kippt.

Ausbau des Vorderrads

  1. Öffnen Sie zunächst den Hebel der Steckachse oder lösen Sie die Achse mit dem passenden Werkzeug.
  2. Ziehen Sie die Achse komplett heraus und legen Sie sie an einen sauberen Platz.
  3. Jetzt kann das Vorderrad vorsichtig nach unten aus der Gabel herausgenommen werden.

Bei Fahrrädern mit Scheibenbremsen sollten Sie besonders behutsam vorgehen, damit die Bremsscheibe nicht verbogen wird. Halten Sie das Rad gerade und achten Sie darauf, dass keine Spannung auf die Gabel kommt. Falls Sie Ihr Rad längere Zeit ohne Laufrad lagern, empfiehlt es sich, einen Abstandshalter für die Bremsbeläge einzusetzen, damit die Bremskolben nicht versehentlich zusammengedrückt werden.

Ausbau des Hinterrads

  1. Schalten Sie zuerst auf das kleinste Ritzel, um die Kette zu entspannen und den Ausbau zu erleichtern.
  2. Lösen Sie dann die Steckachse, indem Sie den Hebel öffnen oder das passende Werkzeug benutzen.
  3. Ziehen Sie die Achse ganz heraus und achten Sie darauf, dass die Kette entspannt bleibt.
  4. Heben Sie das Fahrrad leicht an oder ziehen Sie das Hinterrad vorsichtig nach unten aus dem Rahmen.

Bei Fahrrädern mit Kettenschaltung kann es hilfreich sein, das Schaltwerk leicht nach hinten zu ziehen, um das Rad leichter herausnehmen zu können. Achten Sie auch hier darauf, die Bremsscheibe nicht zu beschädigen.

Montage des Vorderrads

  1. Setzen Sie das Vorderrad gerade in die Gabel ein, sodass die Achsaufnahme exakt mit den Ausfallenden fluchtet.
  2. Führen Sie die gereinigte und eventuell leicht gefettete Steckachse vorsichtig durch die Achsaufnahme der Gabel und die Nabe des Laufrads.
  3. Achten Sie darauf, dass die Steckachse problemlos durchgeht und nicht verkantet.
  4. Drehen Sie die Achse mit der Hand bis zum Anschlag ein und nutzen Sie anschließend den Hebel oder das Werkzeug, um sie festzuziehen.

Die Steckachse sollte so fest angezogen werden, dass kein Spiel mehr vorhanden ist, aber der Hebel nicht zu schwer zu schließen ist. Ist ein exakter Drehmomentwert vorgeschrieben, kontrollieren Sie diesen mit einem Drehmomentschlüssel.

Montage des Hinterrads

  1. Führen Sie das Rad zwischen die Kettenstreben, achten darauf, dass die Kassette mit der Kette richtig positioniert ist, und richten Sie die Achsaufnahme mit den Ausfallenden aus.
  2. Heben Sie das Schaltwerk leicht an, um das Einsetzen zu erleichtern.
  3. Schieben Sie nun die Steckachse vorsichtig durch die Ausfallenden und die Nabe.
  4. Falls erforderlich, drehen Sie das Hinterrad etwas, um es korrekt zu platzieren.
  5. Schrauben Sie die Achse von Hand ein und ziehen Sie sie dann mit dem Hebel oder Werkzeug fest.

Auch hier gilt: Die Steckachse muss fest sitzen, aber nicht überdreht werden. Prüfen Sie, ob das Rad zentriert und frei läuft, und ob die Schaltung sauber funktioniert.

Wichtige Hinweise zur Montage

Die richtige Ausrichtung der Steckachse ist entscheidend für die Funktion und Sicherheit. Ziehen Sie die Achse gleichmäßig fest, sodass das Laufrad exakt mittig sitzt. Ein zu lockeres Anziehen kann zu Spiel und Geräuschen führen, während ein zu festes Anziehen das Gewinde beschädigen oder die Ausfallenden verziehen kann.

Viele Steckachsenhersteller geben ein empfohlenes Anzugsdrehmoment an, das Sie - sofern möglich - mit einem Drehmomentschlüssel prüfen sollten. Der Spannhebel sollte nach dem Schließen parallel zur Gabel oder den Kettenstreben ausgerichtet werden, um nicht während der Fahrt hängen zu bleiben oder sich zu lösen.

Nach der Montage sollten Sie stets einen kurzen Funktionstest durchführen: Heben Sie das Rad leicht an und drehen Sie das Laufrad. Es sollte sich frei drehen und mittig laufen. Betätigen Sie die Bremse und prüfen Sie, ob die Bremsscheibe schleiffrei läuft und der Bremsdruck stimmt.

Zu den häufigsten Fehlerquellen gehören eine schief eingesetzte Achse, zu fest oder zu locker angezogene Steckachsen oder Schmutz in der Achsaufnahme. Achten Sie darauf, dass kein Fett auf die Bremsscheiben gelangt ist. Sollte das Rad schleifen oder Spiel aufweisen, wiederholen Sie die Montage sorgfältig.

Pflege und Wartung

Eine gut gepflegte Steckachse garantiert Langlebigkeit und Zuverlässigkeit. Reinigen Sie die Achse regelmäßig, entfernen Sie Schmutz und tragen Sie gegebenenfalls frisches Fett auf das Gewinde auf. Überprüfen Sie die Achse und die Aufnahmen bei jedem Reifenwechsel oder nach Fahrten im Regen, Schlamm oder Staub auf Beschädigungen und Verschleiß.

Achten Sie darauf, dass der Hebel oder das Werkzeug zum Lösen und Festziehen immer leichtgängig funktioniert und keine Verformungen aufweist. Bei Beschädigungen oder übermäßigem Verschleiß sollten Sie die Steckachse austauschen.

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