Die Frage der Kompatibilität von Shimano Ketten und Campagnolo Ritzeln ist ein Thema, das viele Radfahrer beschäftigt. Komponentenhersteller möchten gerne viele neue Teile verkaufen, auch wenn man sie nicht wirklich braucht. Das hat zu einiger Konfusion geführt, weil viele Teile so bezeichnet sind, dass man meinen könnte, dass sie nicht miteinander kombinierbar sind, obwohl sie in Wirklichkeit leicht kombinierbar wären. Zusätzlich sind viele Designs vom Spezifikationshype getragen und "was der Nachbar kann, kann ich schon lange", führt oft zu der Annahme, dass mehr Ritzeln, weniger Gewicht, höherpreisige Komponenten besser sein müssen. In der Realität sind die ausgefalleneren Teile nicht immer die passendsten.
So wie ein Ferrari, der ein ausgezeichnetes Rennauto darstellt, sicherlich nicht so gut geeignet ist für die täglichen Erledigungen wie beispielsweise ein VW Polo. Da spielen so praktische Erwägungen wie Zuverlässigkeit, Kosten, Wartbarkeit und Dauerhaltbarkeit eine entscheidende Rolle. Der Performancevorteil des Highendmodells ist hier eher vernachlässigbar.
Grundlagen der Kompatibilität
Im Kern ist es natürlich die Kassette, die bestimmt, wie viele Gänge man am Hinterrad hat. Campagnolo und Shimano 8-Gang Kassetten haben unterschiedliche Ritzelabstände. Je mehr Ritzel auf der Kassette sind, desto schmaler muss die Kette werden. Allerdings macht eine Kette, die eine Stufe schmaler ist als der Standard, kaum Probleme. Demnach kann man eine "9-fach" Kette mit einer 7-fach oder 8-fach Kassette benutzen oder eine 10-fach Kette mit einem 9-fach System.
Das ist kein idealer Ansatz, weil das Schaltverhalten nicht optimal sein wird. Aber es funktioniert. Schmalere Ketten haben allerdings andere Probleme. Sie kosten im Allgemeinen mehr (vor allem bei 10 oder mehr Gängen), halten nicht so lange, auch wenn sie entsprechend passend eingesetzt werden. Die schmalsten Ketten sind auch schwieriger zu warten. Innerhalb einer Marke/eines Modells sind beim Schaltwerk alle "Gangzahlen" austauschbar.
Detaillierte Betrachtung der Komponenten
Kassette
Die Verzahnungen sind m.E. nicht gleich. Heisst also, dass die Ritzel von Shimano oder Campagnolo nicht auf den jeweils anderen Stock passen. Es gibt verschiedene andere Ritzelhersteller (z.B. Marchisio) die alternativ verwendet werden können.
Kette
Je mehr Ritzel auf der Kassette sind, desto schmaler muss die Kette werden. Allerdings macht eine Kette, die eine Stufe schmaler ist als der Standard, kaum Probleme. Demnach kann man eine "9-fach" Kette mit einer 7-fach oder 8-fach Kassette benutzen oder eine 10-fach Kette mit einem 9-fach System. Das ist kein idealer Ansatz, weil das Schaltverhalten nicht optimal sein wird.
Schalthebel
Indizierter Schalthebel: Dessen Rastung (Klicks) muss zu dem System passen, bei dem er zum Einsatz kommt. Das korrespondiert zumeist auch mit der richtigen Anzahl an Klicks. Wobei ein Schalthebel mit einem zusätzlichen Klick auch funktioniert, solange die Klickabstände passen.
Möglichkeiten der Kombination
Es gibt die Möglichkeit mit einem kompletten Shimano Hinterrad (also Nabe und Ritzeln) eine Campa Schaltung zu fahren und umgedreht soll es wohl auch gehen. Das soll aber nur bei 9-fach Schaltungen "problemlos" funktionieren; zumindest äussert sich der Brügelmann-Katalog so.
Bei den 8-fach Schaltungen bestünde wohl auch die Möglichkeit diese beiden Fabrikate zu kombinieren, allerdings müsste man dann spezielle Zwischenringe benutzen. Vielleicht hat der Brügelmann diese Zwischenringe; ich gestehe, dass ich mich darum bisher nicht gekümmert habe.
Mit den Zwischenringen geht es lediglich darum, die Abstände zwischen den Ritzeln (Ritzel müssen immer zu der jeweiligen Nabe, bzw. dem Freilaufkörper passen) dem jeweiligen Schalthebel bzw. dessen Schaltschritten anzupassen.
Bei 8-fach unterscheiden sich die Abstände zwischen den Ritzeln von Shimano und Campagnolo zwar nur marginal; das reicht aber um eine Kompatibilität zu verhindern.
Das Austauschen der Zwischenringe klappt problemlos, das Schaltergebnis ist (insbesondere bei 8-fach) allerdings mal mehr oder weniger gut; der Tenor geht so in die Richtung dass es funktionieren kann aber nicht funktionieren muss.
Bei 9-fach kann es - je nach Anspruch - sicherlich sinnvoll sein anstelle von Campagnolo Ritzeln ein Shimano-Paket zu verwenden, z.B. um mehr bergtaugliche Gänge zu bekommen.
Noch eine Erfahrung zu diesem Thema: meine Freundin fuhr jahrelang ohne jedes Problem eine 8fach-Chorus-Nabe mit entsprechender Campa-Kassette mit einem 8fach Ultegra Schaltwerk und STI's. Bremsen waren auch Campa Chorus.
Spacer-Lösungen für erhöhte Kompatibilität
Um die Kompatibilität zu erhöhen, kann man Spacer verwenden. Sind die Sprünge noch zu klein, muss man in Kombination Spacer verwenden. Tip: Es müssen nicht unbedingt alle Spacer die gleiche Breite haben. Man kann sich auch mit selbstgebastelten Spacern aus Dosen behelfen.
Damit der Schaltzug nicht abrutscht, kann man eine Beilagscheibe etwas abschleifen, so das eine Nase hervorsteht. Dann benötigt man Spacer. Oder man montiert eine Beilagscheibe (siehe Bild oben) und spart sich die Spacer.
Kompatibilitätsprobleme und Lösungen
Es können Probleme auftreten, wenn die Kette innen am größeren Kettenblatt entlangschleift, wenn man klein-klein (kleines Kettenblatt, kleines Ritzel) fährt.
Einfluss des Kettenverschleißes
Die Antriebskraft wird dabei über eine winzige, linienförmige Kontaktfläche übertragen. Der Bolzen widersteht diesen Kräften nur, wenn er extrem hart ist und gut geschmiert wird. Bricht die gehärtete Randschicht ein, ist dem weiteren Verschleiß des Bolzens Tür und Tor geöffnet. Denn die Bolzen sind im Inneren weniger hart.
Die Kette ändert aufgrund des Bolzenabriebs dann ihre sogenannte Teilung. Aus dem gleichmäßigen Bolzenabstand wird ein Lang-kurz-lang, das die Kette an den Zahnflanken hochrutschen lässt und Material abträgt. Kette und Ritzel passen sich einander an - was längere Zeit gut gehen kann, aber die Betriebssicherheit mindert.
Eine neue Rennradkette ist auf stark eingelaufenen Ritzeln aber nicht mehr fahrbar, sie springt beim Antritt über die Zahnspitzen. Deshalb sollte man den Kettenverschleiß im Auge behalten und rechtzeitig wechseln, bevor die Zahnräder leiden.
Empfehlungen für den Kettenkauf
Unter den großen drei Herstellern baut Shimano die haltbarsten Ketten. Dura-Ace und Ultegra zeigen im Testzeitraum nur minimale Ansätze von Verschleiß. Die Bolzen sind demnach extrem verschleißfest. Die günstigere 105er-Kette zeigt etwas mehr Abrieb, ist nach dem Test aber auch nicht verschlissen.
Campagnolos Ketten liegen auf vergleichbarem Niveau. SRAM zeigt den stärksten Verschleiß. Unterm Strich bietet die Ultegra das beste Preis-Leistungs-Verhältnis.
Rennradketten im Vergleich: Verschleiß nach 36 Stunden
| Kette | Haltbarkeit |
|---|---|
| Shimano Dura-Ace | Extrem widerstandsfähig |
| Shimano Ultegra | Extrem widerstandsfähig |
| Campagnolo Record | Sehr gut |
| Campagnolo Chorus | Sehr gut |
| Shimano 105 | Sehr gut |
| SRAM Red | Gut |
| SRAM Force | Befriedigend |
| SRAM Rival | Mangelhaft |
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