Die Shimano Kettenlehre: Eine umfassende Bedienungsanleitung

Die Kettenschaltung am Mountainbike oder E-MTB sauber einzustellen und den Verschleiß der Kette zu messen, sollte zum Standard-Repertoire gehören. Der Verschleiß an der Kette ist der häufigste Grund für Probleme am Rad: durchrutschende Gänge, Quietschen und Schleifen sowie unnötiger Verschleiß an den Zähnen der Ritzel sind die Folge einer alten Kette. Wenn man den Verschleiß der Kette zu lange voranschreiten lässt, entstehen durch die verformte Kette auch Schäden am Zahnkranz, was teuer werden kann.

Eine Kettenverschleißlehre, auch Kettenmesslehre genannt, ist ein Werkzeug, mit dem man feststellen kann, ob eine Kette verschlissen ist. Im Prinzip eignet sich jede Kettenlehre für jede Kette. Mit der Kettenlehre misst man die Längung der Kette. Der Verschleiß der Kettenglieder sorgt nämlich dafür, dass die Glieder nicht mehr stramm, sondern locker aneinander hängen. Der Abstand zwischen den Kettengliedern wächst. Als Resultat passt die Form der Kette nicht mehr an die Form des Zahnkranzes, welcher als Folge des Kettenverschleißes ebenfalls beschädigt wird, wenn man den Verschleiß nicht rechtzeitig feststellt.

Warum eine Kettenlehre wichtig ist

Die Kettenlehre ist ein wichtiges Werkzeug, um den Verschleiß der Fahrradkette zu messen. Dabei eignet sich im Prinzip jede Kettenlehre für jede Kette. Die Kette steht beim Treten unter einer starken Zugbelastung, wodurch sie sich mit der Zeit längt. Je mehr sie sich gelängt hat, desto schlechter funktionieren Antrieb und Schaltung. Der Verschleiß der Kettenglider sorgt nämlich dafür, dass die Glieder nicht mehr stramm, sondern locker aneinander hängen. Der Abstand zwischen den Kettengliedern wächst. Als Resultat passt die Form der Kette nicht mehr an die Form des Zahnkranzes, welcher als Folge des Kettenverschleißes ebenfalls beschädigt wird, wenn man den Verschleiß nicht rechtzeitig feststellt.

Das bedeutet, die Zähne an den Ritzeln und Kettenblätter nutzen sich ab - und anders als eine Fahrradkette kosten diese Bauteile deutlich mehr Geld wenn sie (unnötig) verschlissen sind.

Wie funktioniert eine Kettenlehre?

Die Kettenlehre verfügt stets über (mindestens) ein Paar Schenkel. Der eine Schenkel, der bei vielen Kettenlehren auch mit einer „1“ markiert ist, wird auch als erstes an die Kette angesetzt. Dieser Schenkel dient also zum Ansatz der Verschleißlehre auf der Kette. Danach führt man das Ende mit dem anderen Schenkel („2“) an die Kette. Fällt dieser Schenkel nun zwischen die einzelnen Kettenglieder und liegt die Kettenlehre flach auf der Kette, ist die Kette verschlissen und man sollte die Kette austauschen. Sitzt der Schenkel jedoch fest zwischen den Kettengliedern und lässt sich nicht so weit runterdrücken, ist kein Verschleiß festzustellen.

Im Fall des Shimano Kettentools TL-CN42 (im Bild oben) bedeutet die Zeichnung, dass man nicht mit viel Druck arbeiten darf beim Herunterdrücken. Doch es bleibt unklar, was „viel Druck“ genau bedeutet. Prinzipiell könnte man auch sagen: diese Kettenlehre von Shimano darf nicht einfach durchrutschen beim Einsetzen des Endes mit der „2“. Mit dieser schlichten Kettenlehre wird also eine einfache „Ja/Nein“-Antwort auf die Frage nach Kettenverschleiß gegeben.

Kettenlehren Messmethoden

Bei der Verwendung von Kettenlehren muss man jedoch beachten, dass die tatsächliche Längung der Kette gemessen wird und nicht die Abnutzung der Rollen im Inneren der Kette. Kettenlehren können an zwei Punkten messen: durch Drücken der Rollen in entgegensetzte und die gleiche Richtung. Je nachdem welche Kettenlehre man benutzt wird das Ergebnis etwas ungenauer. Die Kettenlehren die entgegengesetzt drücken (Variante B) sind ungenauer, da die Abnutzung der Rollen doppelt in die Berechnung einfließen. Kettenlehren von Shimano haben deshalb beim ersten Ansatzpunkt zwei Stifte, die die Messung nach Variante A ermöglichen.

Auf dem Foto der Shimano Kettenlehre sieht man auf der rechten Seite, dass der Pin zweigeteilt ist.

Kettenlehre mit 0,75 und 1,0

Manche Kettenlehren besitzen aber über zwei Paar Schenkel, um die Kette noch etwas präziser zu messen. Meistens ist das eine Ende der Kettenlehre in dem Fall mit „0,75“ oder „0,075“ und das andere Ende mit „1,0“ bzw. „0,1“ markiert. Diese beiden Schenkelpaare zeigen verschiedene Grade des Verschleißes an. Wenn der 0,75-Schenkel durch die Kettenglieder fällt, bedeutet dies, dass eine Längung von 0,075mm pro Kettenglied besteht - was eine Längung von 0,75mm über 10 Kettenglieder bedeutet. Wenn der 1,0-Schenkel durch die Kettenglieder fällt, besteht bereits eine Längung von 1,0mm über 10 Kettenglieder (oder mehr!).

Man findet jedoch verschiedene Aussagen darüber, wie man mit dieser Information umgeht. Was man mit Gewissheit sagen kann: Damit das 1,0-Ende zwischen die Kettenglieder fällt, muss der Verschleiß schon sehr stark fortgeschritten sein und man sollte die Kette dann in jedem Fall sofort wechseln.

Viele Radfahrer raten nach Eigenerfahrung aber dazu, die Kette schon zu wechseln, wenn das 0,75-Ende durch die Kettenglieder fällt. Denn schon manche Radler kamen dazu, dass sie das Ritzelpaket wegen zu starkem Verschleiß ersetzen mussten, obwohl sie die Kette regelmäßig mit der Kettenlehre gemessen hatten und „nur“ eine Längung von 0,75 bestand. Und das Ritzelpaket ist schon erheblich teurer als die Kette.

Man sagt aber auch, dass nur das 1,0-Ende geeignet ist, um den Verschleiß einer Kette auf Stahl-Ritzel zu messen. Hier sei ein Verschleiß von 0,75 noch nicht ausreichend, um Schäden am robusteren Ritzelpaket zu verursachen. Wir raten aber auch hier dazu, nicht zu lange mit dem Wechsel der Kette zu warten.

Verschleiß durch Kettenblätter feststellen

Auch an den Ritzeln und am Kettenblatt kann man sehen, ob bereits fortgeschrittener Verschleiß erreicht ist. Wenn die Kette also schon länger drauf ist und die Zähne an den Blättern/Ritzeln schon sehr spitz zulaufend sind, dann wird es Zeit für den Wechseln. Und zwar muss die Kette und das Ritzelpaket und das Kettenblatt im gleichen Schritt gewechselt werden!

Alte Bauteile sind schon aufeinander abgestimmt, so würde eine abgenutzte Kette an einem neuen Kettenblatt oder Ritzel viel schneller zu neuem Verschleiß führen. Tauscht also immer alle drei Komponenten, wenn bereits Ritzel und Kettenblatt verschlissen sind. Falls nur die Kette verschlissen ist, dann reicht es diese zu tauschen. Bei rechtzeitigem Wechsel nutzen sich die Zähne kaum ab und können viele Ketten-Generationen überstehen.

Wenn ein Kettenblatt oder Ritzel abgenutzt ist, dann spitzen sich die Zähne zu (im Bild sind die Zähne noch in Ordnung).

Wie oft sollte man die Kette prüfen?

Das empfohlene Intervall für die Prüfung liegt, je nach Fahrweise, Qualität und Pflege der Kette, bei ca. 1500 bis 2000 Kilometern für Fahrräder, die hauptsächlich auf der Straße fahren. Bei Mountainbikes oder E-MTBs ist es notwendig, die Kette schon nach 500 Kilometern zu überprüfen. Der Grund hierfür ist eine höhere Anzahl von Umdrehungen im Verhältnis zu den gefahrenen Kilometern. Die Kette verdreckt stärker und es entsteht hierdurch mehr Abrieb zwischen den Kettengliedern und Zahnrädern.

Kettenverschleiß messen: Schritt-für-Schritt-Anleitung

  1. Legen Sie die Kettenlehre mit der Vertiefung (Caliber) auf eine am Fahrrad montierte Kette auf.
  2. Je nach Kettenlehre bieten diese oft zwei Seiten an: Eine Seite für Stahlritzel und eine für Aluminiumritzel. Benutzen Sie also die zu Ihrer Kette passende Seite der Kettenmesslehre. Stahlritzel sind abriebfester als Aluminiumritzel, somit ist bei Stahlritzeln ein etwas höherer Verschleiß der Kette noch in Ordnung.
  3. Achten Sie dabei darauf, dass die Kette mittels Druck auf das Pedal gespannt ist, andernfalls kommt es zu ungenauen Messergebnissen.
  4. Bei einer verschlissenen, also gelängten Fahrradkette dringt die Kettenlehre zu tief in die Kette ein. Bei einer neuen und noch wenig verschlissenen Kette dringt die Vertiefung der Kettenverschleißlehre gerade nur mit der Spitze zwischen die Rollen. Je mehr die Kette bereits gelängt ist, umso weiter taucht die Vertiefung ein.
  5. Führen Sie die Messlehre am besten an verschiedenen Stellen durch die Kette. Es kann durchaus vorkommen, dass eine Kette nur an einer Stelle gelängt ist und zum Großteil sonst noch vollkommen in Ordnung ist.
  6. Die Messseite (0,075 mm) pro Gelenk ist die empfohlene Verschleißgrenze für Aluritzel, die Seite (0,1 mm) für Stahlritzel.

Kettenlängung mit einem Messschieber feststellen

Sie können eine eventuelle Kettenlängung auch mit einem handelsüblichen Messschieber feststellen. Stellen Sie diesen auf eine Länge von 118 mm ein. Führen Sie den Messschieber an einer beliebigen Stelle der Kette zwischen 10 Kettengliedern ein. Öffnen Sie den Messschieber so weit, bis er an den Röllchen der Kettenglieder anliegt. Bei einer neuen Kette werden Sie eine Länge von 119,5 mm messen. Bei Aluminiumritzeln/ -kettenblättern ist eine gemessene Länge ab 120,25 mm und bei Stahlritzeln/-kettenblättern ab 120,5 mm bereits zu viel.

Tabelle: Kettenverschleißgrenzen

Komponente Verschleißgrenze (Messschieber) Empfehlung
Aluminiumritzel/Kettenblätter 120,25 mm (über 10 Kettenglieder) Kette wechseln
Stahlritzel/Kettenblätter 120,5 mm (über 10 Kettenglieder) Kette wechseln

Fazit

Die regelmäßige Überprüfung und der rechtzeitige Austausch der Kette sind entscheidend für die Lebensdauer des gesamten Antriebssystems. Mit einer Kettenlehre kann der Verschleiß einfach und präzise gemessen werden, um teure Folgeschäden zu vermeiden.

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