Shimano Kurbelgarnitur 3x9 Hollowtech: Ein umfassender Test

Was wäre ein modernes Mountainbike ohne eine zuverlässige Schaltgruppe? Sie ist das Herzstück des Antriebs und umfasst die Kurbel am Tretlager, Kettenblätter vorne, Kette, Kassette hinten, Schaltwerk, Umwerfer und die Schalthebel. Auch die Bremsen inklusive Bremshebel gehören dazu.

Bei der Auswahl der passenden MTB-Schaltung gilt: Je mehr investiert wird, desto höher sind Effizienz und Lebensdauer. Zudem ermöglichen höherpreisige Schaltgruppen einen leichtgängigeren Schaltvorgang bei geringerem Gewicht.

Bestandteile einer Mountainbike-Gruppe

Hier eine Übersicht über die wichtigsten Komponenten einer Mountainbike-Gruppe:

Die Tretkurbel

Die Kraftübertragung beginnt an den Kurbeln des Tretlagers, wo sich die Pedale befinden. Das Tretlager besteht aus Kurbelarmen, Kettenblatt bzw. Kettenblättern und der Achse, die beide Kurbeln miteinander verbindet. Die Anzahl der Kettenblätter gibt Aufschluss über die Anzahl der Gänge vorne. Der Trend geht weg von drei Kettenblättern hin zu Einfach- und Zweifachkurbeln.

Die Kurbelarmlänge beeinflusst die Hebellänge beim Treten und damit die Effizienz der Kraftübertragung. Kleine Rahmen haben meist 170mm lange Kurbelarme, Medium-Rahmen und größere 175mm. Downhill Bikes nutzen kürzere Kurbelarme um die 165mm für mehr Bodenfreiheit.

Das Tretlager

Die Tretkurbeln werden auf der Tretlagerwelle befestigt, welche wiederum auf mehreren Innenlagern, dem Tretlager, gelagert sind. Hersteller favorisieren zunehmend Innenlager-Lösungen mit eingepressten Lagerschalen anstatt eingedrehter Lager mit BSA-Gewinde. Bei den Pressfit-Lagern herrschen die Standards BB30 und BB90 (häufig auch BB86 und BB92) vor.

Die Kassette (oder das Ritzelpaket)

Die Kassette besteht aus mehreren Zahnkränzen und befindet sich am Hinterrad. Sie bestimmt die Gangzahl am Heck, welche in der Regel zwischen 8 und 12 liegt. Zusammen mit den Kettenblättern ergibt sich daraus die gesamte Gangzahl und Übersetzungsbandbreite.

Die Kette

Die Kette verbindet die Kettenblätter vorne mit der Kassette hinten und ist essentiell für den Antrieb des Mountainbikes. Sie besteht aus zahlreichen kleinen Gliedern, die eine reibungslose Rotation ermöglichen, sich jedoch nicht verdrehen lassen.

Das Schaltwerk und der Umwerfer

Das Schaltwerk und der Umwerfer verschieben den Lauf der Kette über die Kettenblätter bzw. die einzelnen Ritzel der Kassette. Sie werden in der Regel über ein Kabel angesteuert und leiten über die Manipulation der Zugkraft den Schaltvorgang ein.

Um ein Abspringen der Kette zu vermeiden, haben Shimano und SRAM ihre Schaltwerke mit sogenannten Clutch-Technologien ausgestattet, die in der Kettenführung eine erhöhte Reibung erzeugen und so die Kettenspannung während der gesamten Fahrt erhöhen.

Elektronische Schaltungen statten das Schaltwerk mit Servomotoren aus, welche die Schaltbewegungen kontrollieren. Bei Einfach-Schaltungen mit nur einem Kettenblatt vorne wird kein Umwerfer benötigt.

Die Schalthebel

Die Schalthebel befinden sich direkt am Lenker und sind dein Kontrollelement, um den Schaltvorgang über das Schaltwerk und den Umwerfer einzuleiten. Dies geschieht entweder über ein mechanisches Kabel oder einen elektrischen Impuls.

Der am weitesten verbreitete Schalthebel-Typ ist der Trigger. Weniger populär ist aktuell das Grip Shift System. Shimano und SRAM haben beide eigene Systeme zum Schalten.

Die Bremsen

Auch wenn die Bremse immer mehr in eine eigene Kategorie gedrängt wurde, gibt es zu jeder Schaltgruppe die passende Bremse. MTB Scheibenbremsen lassen sich in zwei Kategorien unterteilen - hydraulisch und mechanisch.

Mechanische Scheibenbremsen sind die gängige Wahl für Mountainbikes im unteren Preisbereich und funktionieren wie die Schaltung über Zugspannung. Hydraulische Scheibenbremsen findet man an den höherpreisigen MTBs.

Gänge und Übersetzungen

Die Gänge beim Fahrrad ermöglichen eine konstant hohe Kraftübertragung über eine große Übersetzungsbandbreite. Kleine Gänge sind wichtig, um bei extremen Anstiegen und unwegsamen Passagen gut durchzukommen. Die Übersetzungsbandbreite ist die Spanne zwischen dem schwersten und leichtesten Gang.

Die Vorteile von Einfach- und Zweifach-Antrieben im Vergleich zu den drei Kettenblättern sind eine einfachere Handhabung, höhere Zuverlässigkeit und geringerer Wartungs- und Instandhaltungsaufwand.

Shimano vs. SRAM - MTB-Schaltungen im Detail

Im MTB-Bereich gibt es bei der Schaltung eigentlich häufig nur die Wahl zwischen Shimano und SRAM. Hier ein Überblick über die Technologien der beiden Konkurrenten und die Hierarchien der einzelnen MTB-Schaltgruppen.

Shimano

Shimano ist aktuell der Marktführer in allen Fahrradsegmenten. Die meisten Gruppen wurden so entwickelt, dass sie sich auch kombinieren lassen, solange sie die gleiche Anzahl an Gängen besitzen. Die Schalthebel der japanischen Firma nutzen die Rapid Fire Technologie, welche über Daumen und Zeigefinger gesteuert werden.

Die aktuellen Top-Gruppen sind die neue XTR M9100 sowie die XTR Di2.

Alle Schaltgruppen in der Übersicht:

  • Tourney: Die billigste Gruppe im Shimano-Sortiment.
  • Altus: Die Einsteiger-Gruppe von Shimano, nicht wirklich für den Offroad-Einsatz geeignet.
  • Acera: Ebenfalls noch eine Einsteiger-Gruppe, aber schon mit 2x9 und 3x9 Gängen.
  • Alivio: Die Top-Gruppe in Shimanos Freizeit-Rad-Bereich.
  • Deore: Die erste wirklich 100%ige MTB-Schaltgruppe.
  • SLX: Das Mountainbike-Äquivalent zur 105 im Rennradbereich.
  • Zee: Die spezielle Downhill- und Freeride-Gruppe.
  • Deore XT: Wahrscheinlich die beliebteste MTB-Schaltgruppe.
  • XT Di2: Die elektronische Version der XT.
  • XTR: Die Meisterklasse von Shimano.

Hier eine tabellarische Übersicht der Shimano MTB-Schaltgruppen:

Gruppe Einsatzbereich Gänge Technologie
Tourney Einsteiger, Freizeit 3x7 Grip Shift
Altus Einsteiger 3x8, 3x9 Rapid Fire
Acera Einsteiger 2x9, 3x9 Aluminium
Alivio Freizeit 3x9 MTB-Technologien
Deore Neulinge, Fortgeschrittene 1x12, 2x12, 3x10 Shadow RD+
SLX Allround 1x12, 2x12 Hollowtech II
Zee Downhill, Freeride 1x10 Robust
Deore XT Ambitionierte Sportler 1x12, 2x12 Dynamic Chain Engagement+
XT Di2 Ambitionierte Sportler 1x12, 2x12 Elektronisch gesteuert
XTR Wettkampf 1x12, 2x12 Carbon, Titan, Aluminium

Abfahrtsorientierte Gruppen von Shimano

Im abfahrtsorientierten Bereich des Mountainbikesports sind die Anforderungen an die Schaltung dadurch definiert, dass man auch in den ruppigsten Passagen die Kette nicht „verlieren“ möchte. Shimano bietet mit den Gruppen „Saint“ und „Zee“ Gruppen an, die diesen Anforderungen gerecht werden.

SHIMANO SAINT

Die Shimano Saint ist eine Freeride- und Downhillgruppe auf XTR-Niveau. Sie ist für 1x10 Gänge ausgelegt. Die Gruppe ist mit einer Kettenführung ausgestattet, die ein Abspringen der Kette verhindert.

SHIMANO ZEE

Die Zee-Gruppe mit ihrem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ist eine gute Wahl, wenn du von deinen Komponenten hohe Leistung zu einem fairen Preis erwartest. Von der Qualität und vom Preis her ist die Zee-Gruppe mit der SLX-Gruppe vergleichbar. Sie schaltet ebenfalls 1x10 Gänge.

SRAM

SRAM ist der Hauptkonkurrent von Shimano und bietet ebenfalls eine breite Palette an MTB-Schaltgruppen.

SRAM MTB SCHALTGRUPPEN

  • SRAM XX1: Die SRAM XX1 wurde durch die XX1 Eagle als Spitzengruppe im Cross Country und Marathon-Bereich abgelöst, wird aber immer noch gebaut.
  • SRAM X1: Mit der SRAM X1 begann SRAMs Erfolgsgeschichte im Bereich der 1-fach Schaltungen.
  • SRAM NX: Die SRAM NX Schaltung ist der günstigste Einstieg in die Welt der 1x11-fach Schaltungen von SRAM.
  • SRAM XX: Die XX-Gruppe ist die Spitzengruppe für den Marathon- und Cross-Country-Einsatz.
  • SRAM X0: SRAM X0 ist wie im 1-fach-Segment das eher abfahrtsorientierte Pendant zur SRAM XX für den Gravity-Bereich.

Die Übersetzung: 1-, 2- oder 3-fach?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich die Einfachschaltung mit elf Ritzeln und einem Kettenblatt durchgesetzt hat. Der moderne Ein-Gang-Antrieb bietet Gewichtsvorteile, da er ohne Umwerfer und ohne zweite Gangschaltung auskommt.

Im Vergleich zu 2- und 3-fach-Schaltungen liegen die Gänge weiter auseinander, was für Umsteiger gewöhnungsbedürftig ist. Der ambitionierte Fahrer gleicht dies durch die Wahl des richtigen Kettenblattes aus. So kommen bei Enduro- und Trailbikes meist 30er oder 32er Kettenblätter zum Einsatz. XC- und Marathonfahrer greifen gerne auf ein 34er oder 36er Kettenblatt zurück.

Bremsen: Kurzer Überblick

Eine hydraulische Scheibenbremse findet sich an jedem guten Mountainbike. Generell kann gesagt werden, dass es kaum schlechte Bremsen gibt. Viel entscheidender sind der Einsatzbereich, die Fahr- bzw. Bremstechnik und der Fahrstil.

Shimano bietet zu jeder Schaltgruppe auch eine Bremse an. Sram hat drei Bremsen im Programm. Beide Hersteller ermöglichen eine individuelle Abstimmung durch verschiedene Bremsbeläge, Bremsscheiben und Bremsgriffe.

Ein weiterer Unterschied zwischen Shimano und Sram ist die Befestigung des Schalthebels am Bremsgriff. Bei Shimano ist dies ab der SLX-Gruppe der Fall. Sram hat hier eine Klemme für alle, man kann also eine einfache Schaltung mit der Top-Bremse an einer Klemme kombinieren.

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