Die Wahl der richtigen Bremsen ist entscheidend für die Sicherheit und Leistung eines Fahrrads. Besonders bei E-Bikes und Trekkingrädern, die oft schwerer sind und höhere Geschwindigkeiten erreichen, spielen zuverlässige Bremsen eine wichtige Rolle. Dieser Artikel beleuchtet die Shimano MT400 Bremsen, ihre Eigenschaften, Erfahrungen von Nutzern und Möglichkeiten zur Verbesserung der Bremsleistung.
MT200, MT400 oder MT420? Die Qual der Wahl
Viele Fahrradfahrer, die ihre Bremsen verbessern möchten, stehen vor der Frage, ob sie auf MT400 oder MT420 upgraden sollen. Ein Nutzer, der ein Bergamont E Revox pro EQ gekauft hat, fragt sich, ob es sinnvoll ist, die vorderen MT200 Bremsen auf MT400 bzw. MT420 aufzurüsten oder die Kombination mit der Hinterradbremse zu verbessern. Die Frage ist, was genau verbessert werden soll: Weniger Handkraft? Optik? Stärkere Bremswirkung?
Es ist wichtig zu beachten, dass auch eine MT200 die maximale Bremskraft in der Blockade des jeweiligen Laufrades erreichen kann. Wer sich eine stärkere Bremswirkung erhofft, sollte auch andere Faktoren wie die Art der Bremsscheiben und Bremsbeläge berücksichtigen.
Allgemeine Informationen zu Scheibenbremsen
Moderne MTBs sind standardmäßig mit hydraulischen Scheibenbremsen ausgestattet. Diese bestehen aus einer Gebereinheit (Bremshebel am Lenker) und einer Nehmereinheit (Bremssattel an Rahmen oder Gabel), die über eine Bremsleitung verbunden sind. Der Druck, der durch den Bremshebel erzeugt wird, wird über die Bremsflüssigkeit auf die Bremskolben im Bremssattel übertragen, die wiederum die Bremsbeläge gegen die Bremsscheibe drücken.
Bei hydraulisch betätigten Bremsen wird die Kraft durch eine Flüssigkeit übertragen. Derzeit sind zwei Arten von Bremsflüssigkeit vertreten: Mineralöl und DOT. Der Vorteil von Flüssigkeiten: Sie lassen sich im Gegensatz zu Luft nicht komprimieren, die Kraftübertragung findet also nahezu verlustfrei statt. Aus diesem Grund ist auch penibles Entlüften - also kleinste Lufteinschlüsse aus dem Bremssystem zu entfernen - so wichtig. Noch ein Faktor: Bremsflüssigkeit siedet viel später als Wasser.
Im Testfeld finden sich nur hydraulische Scheibenbremsen, wie sie schon seit Jahren in modernen MTBs als Standard gelten. Bremsen besitzen immer eine Gebereinheit: Das ist der Teil, der am Lenker befestigt ist und umgangssprachlich auch häufig nur Hebel genannt wird. Am Rahmen bzw. der Gabel ist dann die Nehmereinheit montiert. Verbunden sind die beiden Komponenten über die Bremsleitung, die den Druck vom Geber- auf den Nehmerkolben überträgt. Der Druck entsteht im Geber, wo vom Bremshebel ein kleiner Kolben vorgeschoben wird. Weil sich die Bremsflüssigkeit nicht komprimieren lässt, steigt der Druck im System an und wird auf den Bremssattel übertragen, wo die größeren Bremskolben sitzen. Um die Handkraft zu verstärken, ist das Oberflächen-Verhältnis der Kolben von Geber- zur Nehmereinheit entscheidend. Die physikalische Grundlage dafür sind das Pascalsche Gesetz und die Formel für Druck = Kraft/Oberfläche. Das bedeutet, wenn man den Durchmesser im Geberkolben verkleinert, erhöht sich der Druck im System. Vergleichen könnt ihr das mit einer Dämpferpumpe, die extrem hohe Drücke erzeugen kann. Wollt ihr damit aber einen Reifen aufpumpen, seid ihr eine Weile beschäftigt.
DOT-Bremsflüssigkeit
DOT-Bremsflüssigkeit kommt ursprünglich aus dem Kfz-Bereich. Kleiner Fun-Fact: Sie trägt den Namen vom US-Verkehrsministerium - Department of Transportation. Die DOT-Flüssigkeit ist in Nummern unterteilt, wobei hauptsächlich DOT 4 und 5.1 bei MTBs vertreten sind. Je höher die Zahl, desto höher ist die Siedetemperatur der Flüssigkeit. Das wichtigste Merkmal von DOT-Bremsflüssigkeit ist, dass sie hygroskopisch ist. Das heißt, DOT bindet Wasser (unter anderem aus der Luft) und bildet eine homogene Flüssigkeit. Dadurch ändern sich die Eigenschaften von DOT und der Siedepunkt (regulär bis zu 260° C) sinkt. Darum sollte die Bremsflüssigkeit regelmäßig getauscht werden. Zudem ist DOT gesundheitsschädlich und aggressiv gegenüber Lack, Haut und Klamotten. Hier macht nicht unbedingt die Menge, aber die Dauer das Gift: Spült man DOT gleich mit ausreichend Wasser ab, ist es kein Problem.
Mineralöl als Bremsflüssigkeit
Mineralöl als Bremsflüssigkeit ist die Alternative zu DOT. Das Mineralöl wird aus Erdöl gewonnen und hat in der Regel einen niedrigeren Siedepunkt von 190° C. Es ist nicht gesundheitsschädlich oder schlecht für den Lack, nur der Kontakt mit den Bremsbelägen sollte unbedingt vermieden werden. Mineralöl zieht kein Wasser an, bindet es aber auch nicht: Wie beim Salatdressing schwimmt das Öl einfach oben - eine typische Emulsion. Die Wahl der Bremsflüssigkeit obliegt in jedem Fall dem Hersteller, einfaches Wechseln zwischen den verschiedenen Flüssigkeiten ist nicht möglich. Dabei können Dichtungen und auch Bremsleitungen zu Schaden kommen. Der Einfluss aufs Bremsgefühl ist zudem marginal. Mineralöl sollte ebenso herstellerspezifisch gewählt werden, wie DOT nur mit der richtigen Nummer verwendet werden kann.
Bremsbeläge
Prinzipiell gilt, dass jeder Bremsenhersteller auch seine eigenen Beläge anbietet. Meist sogar in unterschiedlichen Ausführungen. Zudem sind Nachrüst-Beläge von Drittherstellern wie z. B. Sinter, GALFER oder Kool-Stop verfügbar. Hiermit lässt sich häufig vergleichsweise günstig die Bremspower steigern. Zudem gibt es meist zwei Arten von Belägen: metallische und organische. Wobei sie sich in den Grund-Bestandteilen nicht unterscheiden. Diese sind Reibmaterial, Gleitmittel und Fasern. Das Reibmaterial ist für die Reibung verantwortlich und erzeugt dadurch auch die Bremspower, die man am Ende spürt. Das Reibmaterial besteht aus einem Mix aus harten Materialien wie Metalloxiden und Carbiden und sorgt somit auch für den meisten Verschleiß an der Bremsscheibe. Das Gleitmittel wiederum versucht, den Verschleiß zu begrenzen und den Reibungskoeffizienten stabil zu halten. Die Fasern unterscheiden sich in organischen Materialien wie Kevlar und Carbon oder metallischen Materialien wie Kupfer oder Stahl. Um die Masse zu verbinden, sind noch Binde- und Füllmaterial wie Harze enthalten. Die Herstellung der Beläge erfolgt grundsätzlich bei allen Belägen gleich: Die Masse wird unter Hitze und hohem Druck auf die Trägerplatte gepresst.
Bremsscheiben
Die Bremsscheiben für MTB-Bremsen bestehen alle aus Stahl - zumindest die Reibfläche, an der die Beläge anliegen. Die Dicke der Bremsscheiben variiert hingegen und ist vor allem mit der Wärmeableitung gekoppelt. Mehr Material kann mehr Hitze vom sensiblen Bremssattel abtransportieren. Dieser Effekt besteht zwar in der Theorie, konnte aber bei unserem Labortest nicht final bestätigt werden. Shimano setzt zum Beispiel bei den XTR ICE-TECH-Bremsscheiben auf einen Kern aus Aluminium, der die Wärmeableitung und das Gewicht verbessern soll. Das Labor hat gezeigt: Die Sandwich-Struktur der Bremsscheibe ergibt Sinn und die Shimano XTR-Bremsen bleiben am kältesten. Besonders mit Sinter-Belägen wird der Effekt noch verstärkt. Noch ein wesentlicher Unterschied bei den Bremsscheiben: Es gibt ein- und zweiteilige. Letztere sind auf einem „Stern“ in der Mitte vernietet und schwimmend gelagert. So wird verhindert, dass sich die Reibscheiben bei Wärme ungleichmäßig ausdehnen und verziehen können. Kommt es zur Befestigung der Bremsscheiben am Rad, ist der Markt zwischen Shimano und dem Rest der Bremsenwelt gespalten. Stichwort 6-Bolt vs. Centerlock. Für uns hat sich die Variante mit den 6 Schrauben als besser herausgestellt. Zwar ist die Montage etwas aufwändiger, dafür haben die Bremsscheiben kein Spiel auf der Nabe.
Erfahrungen und Meinungen
- Ein Nutzer berichtet, dass er am Biobike von 400er auf MT 520 Bremsen gewechselt hat und dies in Kombination mit Icetec Scheiben sehr gut funktioniert.
- Ein anderer Nutzer empfiehlt, bei Problemen mit überhitzten Scheiben auf größere Scheiben umzusteigen, jedoch keine Alukern-Scheiben zu verwenden. Stattdessen sollten günstige Scheiben mit breitem Reibring bevorzugt werden.
- Es wird angemerkt, dass Shimano bei teureren Scheiben hauptsächlich die Anzahl der Luftlöcher erhöht.
- Ein Nutzer hat an seinem Victoria e-Trekking 10.8 Bike die Erfahrung gemacht, dass der Wechsel auf bestimmte Scheiben einen deutlichen Unterschied brachte.
Test von Scheibenbremsen (BIKE 5/2021)
Die Zeitschrift BIKE hat in der Ausgabe 5/2021 einen umfassenden Test von zehn Scheibenbremsen zwischen 110 und 515 Euro durchgeführt. Dabei wurden sowohl massive Vierkolben-Konstruktionen als auch leichtere Zweikolben-Bremsen getestet. Die Schwerpunkte lagen auf Dosierbarkeit, Bremskraft und Standfestigkeit. Die markantesten Unterschiede wurden dabei in der Standfestigkeit der Stopper gefunden.
Getestete Bremsen:
- Formula Cura 4
- Hayes Dominion A2
- Hope Evo Tech 3 E4
- Magura MT7 Pro
- Shimano Deore 6120
- Shimano XTR 9120
- Sram Code RSC
- Trickstuff Piccola
- Trickstuff Piccola HD
- TRP DH-R Evo
Testablauf
Der Test umfasste sowohl Praxistests als auch Labortests. In der Praxis wurden die Bremsen auf einer anspruchsvollen Teststrecke mit steilem Gefälle (bis zu 25 Prozent) getestet. Dabei wurden Dosierbarkeit, Bremskraft und Standfestigkeit geprüft. Im Labor wurden die Bremsen schrittweise an ihre Grenzen gebracht. Das Prüfprozedere umfasste 200 Bremsungen, von der Ermittlung von Nass- und Trockenbremswerten bis zum abschließenden Fading-Test.
Testergebnisse
Die Testergebnisse zeigten deutliche Unterschiede zwischen den getesteten Bremsen. Die Hayes Dominion T4 wurde zum Testsieger gekürt, da sie sowohl auf dem Trail mit einem sehr guten Bremsgefühl als auch im Labor überzeugte. Die Shimano SLX überzeugte mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis.
Upgrade auf Shimano Deore XT Bremse
Ein Nutzer berichtet über den Umstieg von Shimano Deore auf Shimano Deore XT Bremsen an seinem Stevens C12 lite Trekkingrad. Die Gründe für das Upgrade waren der Wunsch nach einer höherwertigen Komponente und die besseren Fahreigenschaften, die er sich davon versprach.
Vergleich Shimano Deore und Deore XT Bremse:
- Die Deore XT Bremse bietet eine schnellere und höhere Kraftübertragung.
- Durch die vier Kolben wirken die Kräfte gleichmäßiger auf der gesamten Auflagefläche des Bremsbelages.
- Der Deore Bremssattel hat einen geraden Bremsleitungs-Anschluss, während die Richtung des Anschlusses des Deore XT Bremssattels angepasst werden kann.
- Die Deore XT Bremse hat eine hochwertigere Optik und Bremsbeläge mit Kühlrippen.
Der Umbau gestaltete sich relativ einfach, da das Stevens Bike außen am Rahmen verlegte Züge hat. Der Nutzer warnt jedoch davor, Veränderungen an sicherheitsrelevanten Teilen vorzunehmen, wenn man keine Ahnung davon hat. Wer sich den Wechsel nicht zutraut, sollte die Arbeiten einer Fachwerkstatt überlassen.
Fazit des Nutzers nach dem Umbau
Nach dem Umbau konnte der Nutzer bereits einen ersten Eindruck gewinnen. Die Bremswirkung ist erheblich höher als mit der originalen Shimano Deore Bremse. Trotzdem lässt sich die Bremskraft gut dosieren. Ein Fehlkauf war es daher nicht.
Tabelle: Vergleich ausgewählter Scheibenbremsen (BIKE 5/2021)
| Bremse | Gewicht (Gramm) | Preis (Euro) | Kolben |
|---|---|---|---|
| Formula Cura 4 | 417 | 207 | Vierkolben |
| Hayes Dominion A2 | 440 | 297 | Zweikolben |
| Hope Evo Tech 3 E4 | 399 | 280 | Vierkolben |
| Magura MT7 Pro | 433 | 275 | Vierkolben |
| Shimano Deore 6120 | 463 | 120 | Vierkolben |
| Shimano XTR 9120 | 395 | 304 | Vierkolben |
| Sram Code RSC | 474 | 322 | Vierkolben |
| Trickstuff Piccola | 280 | 515 | Zweikolben |
| Trickstuff Piccola HD | 345 | 488 | Vierkolben |
| TRP DH-R Evo | 500 | 274 | Vierkolben |
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