Anleitung: Shimano Nabenschaltung Ritzel Wechseln

Fahrradfahrer klagen oft über schwergängige Fahrräder. Anstatt direkt ein neues, teures Pedelec zu kaufen, kann oft ein einfacher Ritzel-Tausch Abhilfe schaffen. Mit dem Austausch der Übersetzung eines Rades verändert man dessen Charakter maßgeblich.

Grundlagen: Gang, Übersetzung und Entfaltung

Um das Fahrrad optimal zu verstehen, sollte man die Grundbegriffe Gang, Übersetzung und Entfaltung kennen.

  • Übersetzung: Beschreibt, wie oft sich das Hinterrad bei einer vollständigen Kurbelumdrehung dreht.
  • Entfaltung: Gibt an, wie viele Meter das Fahrrad bei einer vollständigen Kurbelumdrehung zurücklegt; die Rad- und Reifengröße spielen hierbei die entscheidende Rolle.

Je mehr Zähne die Kette an der Kurbel umläuft, desto schneller/schwerer der Gang - am Hinterrad ist das genau umgekehrt. Das gilt auch bei Nabenschaltungen!

Hier muss zur Berechnung der Übersetzung aber noch das interne Übersetzungsverhältnis einbezogen werden.

Formeln zur Berechnung

  • Übersetzung = “Zähne vorderes Kettenblatt” geteilt durch “Zähne Ritzel”
  • Entfaltung = “Übersetzung” mal “Abrollumfang Reifen”
  • Übersetzung Nabenschaltung = (“Zähne Kettenblatt”) geteilt durch (“Zähne Ritzel” mal “interne Übersetzung” mal “Abrollumfang”)

Veränderungen durch Ritzel-Tausch

Ein Rad, mit dem man vorher selbst im kleinsten Gang kaum einen Hügel hinaufkam, lässt sich nach dem Kettenblatt- und/oder Ritzel-Austausch mit viel weniger Kraft hinauftreten. Man ist eben etwas langsamer unterwegs, dafür lässt sich die Trittfrequenz über dem fahrbaren Limit halten.

Da die Änderung gerade bei Nabenschaltungsrädern alle Gänge betrifft, sind auch die für hohes Tempo herabgestuft. Bergab kann das dazu führen, dass man selbst im größten Gang kaum noch Widerstand am Pedal hat.

Bei Kettenschaltungen kann man meistens auch einzelne Ritzel entfernen und ersetzen.

Tauscht man das Ritzel am Hinterrad gegen eines mit mehr Zähnen aus, liegen alle Entfaltungen etwas tiefer. Dabei muss die wertvolle Schaltnabe nicht angerührt werden.

Entscheidend ist für die meisten Fahrer der kleinste Gang: Senkt man dessen Entfaltung ab, kann man bergan langsamer und leichter fahren, ohne dass die Trittfrequenz untragbar wird. Ein bis zwei Zähne Unterschied helfen meist schon, um das Rad deutlich "bergtauglicher" zu machen.

Gründe für einen Kettenblatt- oder Ritzel-Tausch

Das Demontieren und Austauschen von Kettenblättern und Ritzeln kann nicht nur bei unpassenden Übersetzungen nötig werden. Weitaus gängiger ist der Tausch eins zu eins aufgrund von Verschleiß oder auch mal Korrosion.

Wie im Artikel zum Ketten-Verschleiß angesprochen, kann ein schlecht gewarteter Antrieb am Rad gut ein Fünftel der Tretkraft auffressen, rostige und durch Sand stark aufgeraute Teile sogar deutlich mehr.

Die Kosten für ein Ersatzteil wie ein einzelnes Ritzel liegen mit durchschnittlich 12 Euro so niedrig, dass man hier auch nicht zu lange mit dem Ritzel-Tausch warten sollte.

Wie bei den breiten Ketten an Rädern mit nur einem Zahnrad hinten sind solche rau laufenden Oberflächen eher Grund zum Tausch als der tatsächliche Verschleiß der Zähne.

Ob Ritzel verschlissen sind, sieht man den einzelnen Zähnen an oder spürt es durch eine nicht mehr sauber einzustellende Schaltung oder sogenannten Kettenschlupf, wenn sich beim starken Treten die Kette trotz ausreichender Spannung über die Zähne hinweg hebt und man kurzzeitig ins Leere zu treten glaubt.

Nutzer von Riemenantrieben haben solche Probleme nicht oder erst nach langer Zeit.

Die beiden "Antriebsscheiben" genannten Pendants zu den Zahnrädern verschleißen sehr viel langsamer, weil sie deutlich härter sind als die Oberfläche des Riemens und zudem im Allgemeinen aus rostfreiem Material bestehen.

Wann ist ein Ritzel-Tausch sinnvoll?

Dass ein Ritzel-Tausch sinnvoll ist, erkennt man daran, dass sich die Zähne von ihrer Form her einer Haiflosse annähern. Ab Werk sind die vorderen und hinteren Profile solch eines Zahns symmetrisch.

Das heißt, die in Fahrtrichtung hintere Form, gegen die die Kette zieht, ist identisch mit der vorderen. Durch die immensen Zugkräfte sowie Reibung und Schmutz fräsen sich die Achsen der Kette - übertrieben gesagt - in den Zahn hinein.

Die Form auf dieser Seite verändert sich von konvex zu konkav. Spätestens wenn das mit bloßem Auge deutlich zu erkennen ist, sollte man das Ritzel oder ganze Kassetten tauschen.

Interessanter Fun Fact: Obwohl die Kettenblätter vorne an der Kurbel statistisch auf gleicher Strecke mehr Umläufe mitmachen als die Ritzel einer 11-fach-Kettenschaltung zum Beispiel, verschleißen sie langsamer.

Das liegt sowohl an der Verteilung der Zugkraft auf mehr Zähne und damit weniger Reibung pro Zahn als auch an dem geraderen Lauf der Kette. Die zieht im Vergleich dazu besonders an den äußeren Ritzeln deutlich schräger und sorgt so für mehr Abrieb.

Wenn parallel zum Zahnrad die Kette nicht mit getauscht wurde, kann der Antrieb auf den ersten Kilometern etwas rau laufen, da sich die Teile aufeinander einspielen müssen.

Hier hilft eine Extraportion Schmiermittel, das zumindest für Technikfans fast schmerzhafte Laufgeräusch deutlich abzumildern.

Anleitung zum Ritzel-Tausch

Ritzel-Tausch bei Nabenschaltungen, Getriebebikes oder Single-Speed-Antrieben: Ist hinten nur ein Zahnrad verbaut, ist es mit einem Gewinde auf die Nabe aufgeschraubt wie eine Überwurfmutter.

Damit diese sich beim Rückwärtstreten nicht versehentlich von der Nabe runterschraubt, befindet sich meistens ein Konterring davor, den man erst lösen muss.

Achtung: Sein Gewinde ist genau andersrum als das des Ritzels! Eselsbrücke: Das Zahnrad zieht sich ja durchs Treten selbst fest, wird also gegen die Drehrichtung der Räder gelöst, beim Konterring mit der Drehrichtung.

Mit einem solchen "Abzieher für Konterringe" geht das sehr sicher, Experimente mit Hammer und Schraubenziehern hinterlassen meist Kerben an Ring und Fingern. Kosten: rund 15 bis 20 Euro.

Ohne den Konterring kann man das Ritzel gegen die Drehrichtung der Räder abschrauben. Da das aber aufgrund des Zugs der Kette über Tausende von Tritten sehr fest sitzen kann, braucht man hier definitiv gutes Werkzeug.

Eine Zange wie diese "CP-1.2" von Parktool greift die Zähne fest, ohne sie zu beschädigen wie Rohrzange und Co. (nicht verwenden!). Gleichzeitig hat sie ausreichend Hebelwirkung, um auch widerspenstige Gewinde zu lösen.

Günstiger, aber fummeliger sind sogenannte Kettenpeitschen. Bei der Montage des neuen Ritzels genau umgekehrt verfahren, dabei den Steg bzw. die Verbreiterung um das Gewinde zur Nabenseite ausrichten.

Tipp: Gewinde leicht fetten. Das Ritzel muss nicht besonders festgezogen werden, das macht schon die Kette beim Fahren. Den Konterring kann man nach 20 Kilometern mal nachziehen.

Kettenschaltungen setzen heutzutage auf sogenannte "Kassetten": Die Ritzel sind nicht einzeln auf die Nabe aufgeschoben, sondern als Block oder als Block mit mehreren einzelnen Zahnrädern.

Man kann z. B. das kleinste Zahnrad entnehmen und dafür ein großes auf der Nabenseite hinzufügen, um bergtauglicher zu werden. Gelöst wird die Kassette bzw. deren Abschlussring mit einem Steckschlüssel, als Nuss für eine Ratsche sind sie deutlich günstiger.

Geöffnet wird der Abschlussring wieder gegen die Drehrichtung des Hinterrades. Da Kettenschaltungen aber über einen Freilauf verfügen, würde sich statt des Rings die komplette Kassette drehen, weshalb man mit einem Tool wie Zange oder Kettenpeitsche gegenhalten muss.

Zum Befestigen ist Gegenhalten nicht nötig. Achtung: Besitzt das Rad eine Campagnolo-Schaltgruppe, kann ein anders geformtes Tool für den Lockring nötig sein.

Um die Kassette abzunehmen, kann etwas Kraft nötig sein. Das Profil (rot), auf dem sie saß, ist oft aus Alu, und die Zahnräder fressen sich minimal ins Material hinein.

Es gibt Naben für Campagnolo-kompatible Kassetten und solche für alle anderen Marken, außerdem muss die Ritzelanzahl gleich sein, also z. B. 11-fach. Achtung: Die neue Kassetten/Ritzel passen nur in einer Position auf die Nabe.

Danach den Lockring mit nur wenig Kraft anziehen, fertig.

5 Tipps zum Kauf der richtigen Ersatzteile bei Ritzen und Kettenblatt

Wer selbst für neue Zähne - sprich für neue Ritzel und Kettenblätter - an seinem Rad sorgt, muss vor allem darauf achten, das richtige Ersatzteil zu besorgen, während das eigentliche Schrauben tatsächlich kinderleicht ist.

Folgende Tipps helfen, sich nicht zu "verkaufen". Auch ein Zahnrad an der Kurbel, Kettenblatt genannt, kann verschleißen, obwohl das sehr lange dauert. Befestigt ist es nur mit Inbusschrauben, getauscht wird es eins zu eins.

Wichtig: Die vier oder fünf "Arme" der Kurbel ergeben einen Lochkreis, zu dem der des Kettenblatts passen muss. Er ist meist hinter der Abkürzung BCD ins Blatt geprägt und beträgt 130, 110 oder 74 mm. Das neue Blatt muss dem entsprechen.

Wer die Kassette tauscht und ein größeres "größtes Ritzel" montieren will, sollte die Kapazität seines Schaltwerks kennen.

Je länger dessen Spannarm ist desto mehr Unterschied zwischen größtem und kleinstem kann es bewältigen; zwei oder drei Zähne mehr sind aber meist kein Problem.

Thema Qualität: Alle Hersteller bieten Ritzel und Kassetten zu sehr unterschiedlichen Preisen an. Für Vielfahrer lohnt sich hier die zweithöchste oder höchste Qualitätsstufe da sie deutlich langsamer verschleißen.

Gelegenheitsfahrer sind mit der Mittelklasse gut beraten; eine 11-fach-Kassette z. B. für rund 50 Euro. Billigprodukte machen hier nur unnötig früh wieder Arbeit.

Die Gewinde von Schraubritzeln bei Nabenschaltungen sind zwar genormt; es gibt jedoch einen Typus (Typ), der deutlich kleiner ist (BMX-Räder). Bitte auf die Bezeichnung Single Speed oder "für Nabenschaltungen" achten.

Tipp: rostfreies Ritzel kaufen. Andere Ritzeldurchmesser bedürfen anderer Kettenlängen.

Anleitung: Ritzelwechsel an einer Shimano Nexus 8-Gang Nabenschaltung

Nachfolgend beschreiben wir Ihnen Schritt für Schritt und anhand von Bildern und einem Video, wie Sie eine Schalteinheit für eine 8-Gang Shimano Nexus Nabenschaltung montieren.

Mit ein wenig handwerklichem Geschick und dem richtigen Werkzeug ist dieses auch für den Laien recht einfach zu bewerkstelligen. Zuerst setzen Sie die Metallkappe, dann den Zahnkranz auf.

Auf der 8-Gang Nabe ist die Kappe oft bereits montiert. Setzen Sie ihn am besten so herum auf, dass später eine möglichst gerade Kettenlinie mit dem Kurbeltrieb zustande kommt.

In den meisten Fällen wird die Wölbung nach innen zeigen, wie nachfolgend abgebildet. Anschließend legen Sie den Sicherungshebel auf.

Verriegeln Sie den Hebel gemäß der Aufschrift (Lock) mit ca. Fertig.

So demontieren und montieren Sie ein starres Ritzel Schritt für Schritt

  1. Stellen Sie sicher, dass die Nabe kompatibel ist: Überprüfe, ob die Hinterradnabe deines Fahrrads zwei Gewinde mit unterschiedlichen Durchmessern hat: Eines für das Ritzel, ein weiteres für den Lockring oder Kontermutter.
  2. Demontieren des Ritzels: Verwende das Ritzel-Lockring-Werkzeug, um den Lockring zu lösen, indem du ihn im Uhrzeigersinn drehst. Schraube anschließend das Ritzel gegen den Uhrzeigersinn ab.
  3. Reinigung: Verwende eine spezielle Bürste, um auch schwer zugängliche Stellen zu reinigen.
  4. Montage und Befestigung des Ritzels: Montiere das Ritzel, indem du es im Uhrzeigersinn drehst. Danach bringe den Lockring an, drehe ihn gegen den Uhrzeigersinn und ziehe ihn mit dem Werkzeug fest.

Wie montiert und demontiert man ein Freilaufritzel?

  1. Überprüfe die richtige Seite: Stelle zuerst sicher, dass du die richtige Seite der Hinterradnabe verwendest. Bei Flip/Flop-Naben wird das Freilaufritzel auf der Seite mit dem größeren Gewinde montiert.
  2. Schraube das Freilaufritzel auf: Setze das Freilaufritzel auf das größere Gewinde der Nabe. Drehe es im Uhrzeigersinn, bis es fest sitzt.
  3. Achte darauf, dass die Kerben nach außen zeigen: Freilaufritzel haben äußere Kerben oder Einkerbungen. Achte daher darauf, dass die Kerben beim Montieren immer nach außen zeigen.
  4. Fixiere das Freilaufritzel durch Treten: Trete einige Minuten vorwärts, um sicherzustellen, dass es perfekt sitzt.
  5. Endkontrolle: Teste das Freilaufritzel, indem du das Hinterrad drehst. Es sollte sich frei drehen, wenn du aufhörst zu treten, ohne ungewöhnliche Geräusche zu machen.

Wie entfernt man Rost von Ritzeln?

Je nach Grad der Korrosion kannst du folgende Methoden ausprobieren:

  • Backpulver und Zitrone: Mische beides, trage es auf, lasse es 10 Minuten einwirken und schrubbe es mit einer Bürste ab.
  • Weißer Essig: Weiche das Ritzel 20-30 Minuten ein und reinige es anschließend mit einer Drahtbürste.
  • Rostschutzprodukte: Verwende speziell für Fahrräder entwickelte Produkte und befolge die Anweisungen des Herstellers.

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