Eine Nabenschaltung am Fahrrad ist recht verschleißarm, muss jedoch trotzdem im Laufe der Jahre und bei starker Beanspruchung von Zeit zu Zeit gewechselt werden. Viele schrecken vor dem Austausch erst einmal zurück, da dies zunächst recht kompliziert erscheint. Doch mit ein wenig handwerklichem Geschick und dem richtigen Werkzeug ist dieses auch für den Laien recht einfach zu bewerkstelligen.
Dieser Artikel bezieht sich ausschließlich auf Shimano Acht-Gang-Nabenschaltungen. Es gibt einen allgemeineren Artikel auf dieser Seite, der sich generell über Technische Informationen zu Nexus und Alfine Drei-, Vier-, Sieben-, Acht- und Elf-Gang-Naben auslässt. Es ist sicherlich sinnvoll, sich auch mit diesen Artikeln begleitend zu diesem zu beschäftigen.
Vorbereitung für den Einbau
Die 8-Gang Schalteinheit ist nahezu identisch mit einer 7-Stufen Schaltung. Sorgen Sie zunächst für einen stabilen Halt des Fahrrades. Drehen Sie dieses hierzu ggf. auf den Kopf oder nutzen Sie einen Reparaturständer, welcher bei allen Arbeiten rund um das Bike ein komfortables Handling in rückenschonender Körperhaltung ermöglicht.
Legen Sie jetzt alle Zubehörteile sowie das benötigte Werkzeug in greifbare Nähe. Bereiten Sie das hintere Laufrad so vor, dass Sie mit dem Aufstecken der einzelnen Teile beginnen können. Lösen Sie dafür auf beiden Seiten die aufgesetzten Achsmuttern mit einem entsprechenden Schraubenschlüssel, heben Sie den eingeklemmten Bowdenzug aus seiner Verankerung und entfernen Sie die aufgezogene Fahrradkette. Nun kann das Hinterrad problemlos aus dem Rahmen genommen und weiter bearbeitet werden. Die eventuell vorhandene alte Schaltanlage lässt sich mit nur wenigen Handgriffen entfernen.
Montage der Schalteinheit
Nun kann mit der eigentlichen Montage begonnen werden:
- Nehmen Sie als Erstes den Zahnkranz zur Hand und schieben Sie ihn mit der flachen Seite zu Ihnen zeigend bis zum Anschlag auf die Laufradachse. Die Wölbung am Ritzel zeigt hierbei Richtung Nabe. Je nachdem, ob eine schmale oder weite Kettenlinie gewünscht ist, kann die Wölbung jedoch auch nach außen hin montiert werden.
- Zu beachten ist, dass die Kettenführung vom Kettenblatt am Tretlager zum hinteren Ritzel möglichst geradlinig verläuft.
- Im Anschluss wird der mitgelieferte Sprengring, also der Metallring mit kleiner Öffnung, mithilfe eines Schraubendrehers dagegen gesetzt. Am einfachsten ist es, wenn Sie mit dem Daumen eine Seite herunterdrücken und festhalten, während Sie auf der anderen Seite den Schraubenzieher hinter den Ring klemmen und mit etwas Kraftaufwand leicht auseinanderdrücken, so dass dieser danach fest auf dem Zahnrad sitzt.
- Nun kann die ebenfalls zum Lieferumfang gehörende Staubkappe ganz leicht aufgelegt werden. Diese schützt später das Innere der Nabenschaltung zuverlässig vor Verschmutzung und trägt zu einer langen Lebensdauer Ihrer Fahrradschaltung bei.
Ausrichtung und Sicherung
Wenn Sie sich den Bereich um die Achse genau anschauen, sehen Sie zwei rote Markierungspunkte. Diese finden sich auf der zu montierenden Schalteinheit wieder, wobei dort die beiden oberen Punkte vor dem Aufstecken unbedingt übereinander liegen sollten. Legen Sie das Schaltteil so auf, dass alle Punkte zu Ihnen zeigen und sich genau in einer Linie befinden. Oben sind nun also drei und unten zwei rote Farbkleckse in einer Reihe.
Auf dem eben aufgesteckten Bauteil findet sich darüber hinaus noch eine gelbe Kennzeichnung. Der Sicherungshebel im Zubehör ist ebenfalls mit einer solchen Markierung versehen und wird nun so montiert, dass beide Farbpunkte übereinander liegen. Dieser Hebel, welcher mit der Aufschrift „Lock“ und einem Richtungspfeil gekennzeichnet ist, kann jetzt mit einer kurzen Umdrehung im Uhrzeigersinn arretiert werden; somit verändert der gelbe Punkt seine Position leicht nach rechts.
Einbau des Hinterrades
Schon ist der Hauptteil der Arbeit erledigt. Im nächsten Schritt muss das Hinterrad wieder in den Rahmen eingebaut werden. Hierzu wird die Fahrradkette auf das Zahnrad gelegt und das Laufrad in die entsprechenden Einkerbungen gehängt. Danach können auf beiden Seiten die Achsmuttern aufgeschraubt und handfest angezogen werden. Als letztes wird der Bowdenzug montiert. Am bereits eingebauten Sicherungshebel befindet sich seitlich eine kleine Klemmvorrichtung für den Faltenbalg am Seilzug, so dass dieser später sicher gehalten wird.
Kompatibilität und Austauschbarkeit
Nicht alle Shimano Nexus-8-Naben sind untereinander kompatibel. Der Austausch des Nabenkörpers in meinem alten Stevens Cityflyer Baujahr 2005 (Nexus SG-8R25 Premium) gegen einen moderneren Nexus-Nabenkörper (SG-8R36 Premium) war nicht möglich, da die alten Versionen der Nexus Inter-8 mit Sperrklinken ausgerüstet sind. Dabei ist es egal, ob Premium-Version oder nicht.
Verschlissene oder defekte Nexus-Nabenkörper können zwar einfach getauscht werden, aber nur wenn sie kompatibel sind. Dadurch muss kein neues Hinterrad angeschafft werden, sondern lediglich ein passendes Ersatzteil des Nexus Nabenkörpers der Inter-8. Ersatznaben gibt es manchmal neu oder gebraucht bei Ebay oder Ebay Kleinanzeigen. Die Reparatur bzw. Nebenbei kann man so eine Standard-Nexus-Version sogar nachträglich in eine nadelgelagerte Nexus-8-Premium-Version umbauen. Die Reibungsunterschiede der beiden Naben liegen hier immerhin bei ca. 4-6 Prozent, die im Alltagsbetrieb sehr deutlich spürbar sind.
Die alten Nexus-Versionen erkennt man an einer Nabentrommel mit schräg gefrästen Nuten im hinteren Bereich (rechts im Bild unter SG-8R25). Hier können die Sperrklinken eingreifen. Am Nabenkörper selbst stehen die Sperrklinken „in Form einer Metallkrone“ leicht ab. Beim Vertauschen des alten Nabenkörpers mit den Sperrklinken und einem neueren Nabenkörper mit dem Rollen-Freilauf (in einer falschen Nabentrommel) geht die Nexus beim ersten Tritt sofort kaputt! Leider ist bei der Montage der Nexus-Nabe davon absolut nichts zu spüren, weil die Teile exakt passen.
Die ältere SG-8R25 mit Sperrklinken kann also nicht in eine neuere Nabentrommel eingebaut werden. Die neuere SG-8R31 oder SG-8R36 hat einen glatten Rollen-Freilauf, welches sich in der Nabe als passendes Pendant wiederfindet. Ähnliches gilt wahrscheinlich auch für die seltene Rücktrittversion der Nexus 8, die ich bisher noch nie in den Händen hatte.
Die Unterschiede sind auch in der Nabentrommel ersichtlich. Die ältere SG-8R25 mit Sperrklinken kann nicht in eine neuere, „runde“ Nabentrommel eingebaut werden. Die neuere SG-8R31 oder SG-8R36 im Bild oben überträgt die Kraft in der Nabe als glatter Rollen-Freilauf (sieht aus wie eine Nadellager). In der älteren Nexus-Trommel befinden sich deutlich sichtbare Metallnuten, in die die Sperrklinken eingreifen können.
Wartung und Pflege
Eine gut laufende Shimano Nexus 8-Gang Nabe demontiert man selbstverständlich nicht einfach aus Spaß. Bei Schönwetter-Radlern lohnt eine Neuschmierung gleich im ersten Jahr überhaupt nicht. Solche Naben lässt man lieber zusammen. Bei Radlern, die oft im Regen fahren, ist eine regelmäßige Wartung schon viel interessanter: Eingedrungenes Wasser und Metallabrieb kann nicht wieder heraus. Dadurch entsteht eine Art „innere Schleifpaste“, die aufgrund ihrer winzigen Partikel gerne rostet. Im Winter können aggressive Taumittel eindringen und irreparable Schäden anrichten.
Das empfohlene Ölbad alle 2.000 Kilometer (aktualisiert 12.2021) mit frischem Fett verlängert die Lebensdauer der Nabe wirklich. So ist die Wartung bzw. Ein leicht rostiges Lager macht sich durch einen rauen Lauf beim Schieben und Rollen des Rads bemerkbar.
Zusätzliche Informationen
- Hinter Nexus verbirgt sich eine ganze Familie an Bauteilen, von denen die Nexus Inter 8 Acht-Gang-Nabenschaltung eine ist.
- Die Gesamtebandbreite der Shimano Acht-Gang-Naben ist 307%.
- Die Nexus und Alfine Acht-Gang-Naben sind robuster als zumindest die älteren Siebenagang-Modelle.
- Ein gelegentliches Klappern bei einer Shimano Acht-Gang-Nabe ist normal.
- Man sollte darauf acht geben, dass man die Kraft auf die Pedale etwas reduziert, wenn man schaltet.
- Die Nexus Acht-Gang-Naben haben normalerweise ab Werk einen Mutternabstand von 132 bis 135 mm.
Kompatibilitätstabelle
Die folgende Tabelle listet Naben jeder Serie individuell nach Alter sortiert (neu nach älter) auf und beschreibt ihre Unterschiede. Dabei wird auf verschiedene Quellen verlinkt.
| Modell | Eigenschaften | Dokumentation |
|---|---|---|
| SG-C6xxx | Neuere Nexusnaben. Aufnahme für Rollerbrake, Rücktrittbremse oder Gewinde für Bandbremse. | Shimano Webseite |
| SG-8Rxx | Ältere Nexus Freilauf-/Rollerbrakenaben. | Shimano Webseite |
Um herauszufinden, welche Bauteile aus neueren Modellen in ältere passen, muss man mittels der Suchfunktion im Browser auf dieser Seite nach Vorkommen der Modellbezeichnung suchen. Kompatibilitäten können auf weitere Naben kaskadieren. Auf Kleinteileebene kann es noch mehr Austauschbarkeiten geben als man hier sieht. Es gibt einige Austauschbarkeiten zwischen Alfine und Nexus Modellen.
Justierung der Shimano Nabenschaltung
Wenn Sie Probleme beim Schalten haben oder ein beschädigter Schaltzug ausgetauscht werden muss, müssen Sie die Shimano Nabenschaltung wieder korrekt einstellen. Diese neue Justierung ist vor allem notwendig, wenn Sie Ihr Hinterrad ausbauen mussten.
- Bringen Sie dafür den Schalthebel auf die erste Stufe.
- Unterhalb des Schalthebels wird die Hülle des Schalthebels mit drei kleinen Schrauben zusammen gehalten. Damit Sie das alte Schaltseil demontieren können, müssen Sie diese Hülle abnehmen, indem Sie diese drei kleinen Schrauben lösen.
- Schneiden Sie nun am anderen Ende des Schaltzugs, also an der Achse des Hinterrads, das Schaltseil durch.
- Fädeln Sie nun das neue Schaltseil am Schalthebel neu ein und ziehen Sie es vorbei an den drei Führungsrollen, die Sie im Schalthebel sehen, durch die Einstellschraube hinein in die neue Außenhülle. Achten Sie jedoch darauf, dass die neue Außenhülle genauso lang ist wie die alte. Am besten legen Sie die alte Außenhülle neben die neu, bevor Sie diese montieren, und gleichen die Länge der neuen Außenhülle genau an die Länge der alten an.
- Der nächste Schritt ist, dass Sie den Befestigungsbolzen, der an der Nabenschaltung eingehängt wird, auf der richtigen Länge auf das Schaltseil montieren. Ausgehend vom Ende der Außenhülle, also genau dort, wo am Hinterrad das Schaltseil die Außenhülle verlässt, messen wir genau 12,7 cm (in Falle einer Inter-7 bzw. Nexus Inter-8 Nabenschaltung) ab und fixieren genau an diesem Punkt den Bolzen.
- Schalten Sie zuerst in den vierten Gang, um die Nabenschaltung justieren zu können. Abhängig vom Modell Ihrer Shimano Nabenschaltung finden Sie entweder oberhalb der Nabe zwei rote Markierungsstriche oder unterhalb der Kettenstrebe (am besten stellen Sie dazu Ihr Fahrrad auf dem Kopf) ebenfalls zwei rote bzw. gelbe Markierungsstriche.
- Legen Sie nun mittels Schalthebel die erste Stufe ein und danach erneut die vierte Stufe und kontrollieren Sie, ob die beiden Striche noch exakt neben einander stehen.
- Nach korrekter Einstellung der Nabenschaltung dürfen Sie nun eine Testfahrt durchführen.
Ausbau des Hinterrades mit Nabenschaltung
Möchten Sie bei Ihrem Fahrrad mit einer Nabenschaltung das Hinterrad ausbauen, müssen Sie zuerst in die erste Stufe schalten. Der nächste Schritt ist, dass Sie die Schutzkappe, die sich an der hinteren Radnabe befindet, abnehmen, um zum Schaltseil freien Zugriff zu haben. Jetzt, nachdem Sie die Verbindung der Nabenschaltung zum Schaltseil getrennt haben, können Sie nun das Hinterrad entfernen.
Mittels Ringschlüssel können Sie die Mutter, mit denen am hinteren Ausfallenden die Achse befestigt ist, von der Achse los schrauben. Bevor Sie auch die Unterlegscheiben wegnehmen, merken Sie sich bitte genau die Position, wie sie eingebaut sind. Schaut Ihr Ausfallende nach horizontal nach hinten, müssen Sie zuerst das Hinterrad etwas in das Ausfallende hineinschieben, um die Fahrradkette von dem Ritzel nehmen zu können. Möchten Sie das Hinterrad schließlich wieder einbauen, dann müssen Sie genau umgekehrt vorgehen.
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