Shimano Nexus 8 Nabenschaltung mit Scheibenbremse im Test: Erfahrungen und Wartung

Die Nexus Inter Nabenschaltungen bzw. Getriebenaben von Shimano erfreuen sich seit langer Zeit großer Beliebtheit im City- und Trekkingbereich, aber zunehmend auch im E-Bike bzw. Pedelec Bereich. Doch sind die Nexus Nabenschaltungen den hohen Belastungen am E-Bike überhaupt gewachsen und geeignet? Um es gleich vorweg zu sagen: Die Modelle Inter-3, Inter-7 und Inter-8 wurden nie für E-Bikes entwickelt, so dass wir vor der Verwendung im belastungsstarken E-Bike abraten.

Eine Neuentwicklung von Shimano speziell für moderne E-Bikes ist das Modell Inter-5E mit 5 Gängen. Sie verkraftet laut Shimano auch höhere Drehmomente von bis zu 60 Newtonmetern und bietet eine Übersetzungsbandbreite von 263%, was recht überzeugend ist. Von daher können wir den Einsatz der Nexus Inter-5 am E-Bike empfehlen. Allerdings bietet die Nexus Inter-5 nur 5 Gänge, was manchem E-Biker zu wenig ist. Wünschen Sie mehr Gänge am E-Bike, dann sollten Sie zu den 14-Gang Rohloff Nabenschaltungen greifen.

Erfahrungen mit der Shimano Nexus 8

Die meisten Leute fahren hauptsächlich in mehr oder weniger ebenem Geläuf und nicht so furchtbar viele km pro Jahr. Schau Dir auch dein Nutzungsprofil an. Wenn Du tagtäglich 20-30 km pendelts auf dem Brompton, bei jedem Wetter und mit vielen Stopps und Beschleunigungen, werden Kette, Bremsbeläge und Felgen zusehens verschleißen. Ich würde mir bezüglich der Qualität der Nexus nicht allzu große Sorgen machen. Ich nutze jetzt meine 7-Gang seit etwa 20 Jahren auch für längere Touren und bisher gab es vom Getriebe keine Macken. Ich fahre die ja auch mit einem Doppelkettenblatt 46/26 und einem 14er Ritzel.

Liegt zwar außer der Spezifikation von Shimano und manch schwerer Wiegetritt-Stampfer könnte die Nabe kaputt treten. Mir wäre eine Getriebeschaltung lieber wie eine Kettenschaltung mit Käfig. In der Ebene würden mir max. Was sind für Dich "gute Berggänge"? Solange das Getriebe nicht völlig trocken ist, wird das m.M.n. eher nicht problematisch sein. Die Shimano Achtgangnabe ist nicht hochpreisig, und gemessen daran ist sie auch ihren Preis wert. Man darf weder die Qualität (Wirkungsgrad, Langlebigkeit) der viel teureren Rohloff Speedhub erwarten noch deren Vielseitigkeit.

Auch ist die Spreizung der Achtgangnabe geringer als bei der Speedhub oder einer MTB-Kettenschaltung, weshalb man nicht sehr kleine Berggänge und lange Schnellfahrgänge zugleich erwarten kann. Außerdem kommts bei dem Wunsch nach zwei bis drei "guten" Berggängen und 30-35 km/h in der Ebene ja auch auf die persönlichen Fähigkeiten an. Meine Nexus 8 Premium hat nach rund 41.000 km merklichen Lagerverschleiß gezeigt und bei genauerem Hinhören Geräusche hören lassen, die nicht so ganz gesund klangen. Ich hätte sie noch weiter fahren können. Aber weil auch die Felgenflanken schon dünn gebremst waren, habe ich die Nabe ebenfalls getauscht und neue Laufräder bauen lassen.

Probleme und Wartung

Problematisch und enttäuschend war die mangelhafte Dichtigkeit der Nabe an einem E-Bike, welches als Pendler-Rad bei jedem Wetter eingesetzt wurde. Die im Zweiradhandel gern als „völlig wartungsfrei“ angepriesene Shimano Nexus-8, versagte ihren Dienst in Form eines kapitalen Getriebeschadens. Wie falsch diese Wartungsfrei-Aussage für all diejenigen ist, die nicht nur gelegentlich bei Sonnenschein mal eine kleine Radtour machen, erfuhr der Allwetterradler dann auf der heimischen Werkbank.

„Die Nabe lief 8.000 km problemlos, das Rad stand in dieser Zeit immer trocken. Darauf folgte ein Umzug der es nötig machte, dass Rad draußen (…in der Witterung) anzuketten. Es wurde täglich für 22 km Arbeitsweg genutzt und da es sich um ein schweres eBike handelt, war tägliches aus dem Keller holen keine Option. Die darauf folgenden 3.000 km waren extrem stressig. … Der Teileverschleiß ging bei Schlechtwetter-Fahrten exorbitant in die Höhe, dann bei ca. 11.000 km waren die Gänge 5-8 nicht mehr zu gebrauchen.

Die Probleme, die Henrik mit der Nexus SG-8R36 hatte, sind typische Erfahrungen von Allwetter-Pendlern bzw. Winterfahrer-Innen. Sobald auch nur eine geringe Menge Wasser oder Taumittel in das Nabeninnere kommt, sind die problemlosen Tage der Nexus-Schaltungen gezählt. Im Gegensatz zur Alfine 11 ist die Nexus Nabe nicht 100%ig abgedichtet: Salzwasser kann eindringen, kommt aber kaum mehr aus dem fast geschlossen System heraus und verursacht im Laufe der Zeit heftige Korrosionsschäden. Zusätzlich wird aus der ehemals frischen Öl-Fettfüllung ab Werk durch mechanischen Partikelabrieb eine Art Metall-Schleifpaste, die normalerweise alle zwei Jahre gegen ein frisches Ölbad samt Fett gewechselt werden muss. Winterfahrer-Innen und Laternenparker sollten das unbedingt jedes Jahr machen.

Nachtrag 12.2021 von Leser Jörg: „Shimano hat die Wartungsintervalle vor einiger Zeit für ALLE Getriebenaben angepasst auf einmal jährlich oder 2.000 km. Für 3-, 4-, 5-, 7- und 8-Gang Naben sollte dann ein Ölbad Service erfolgen und bei Alfine 11-Gang ein Ölwechsel. Henrik hat sich bereits eine gebrauchte Nexus SG-8R36 besorgt und tauscht einfach die „Trägereinheit Y36V98030“ - also das Innenleben der Nabe aus. So kann er das Hinterrad weiternutzen, ohne die Nabe auszuspeichen. Das Ersatzteil würde neu ca. 55,- bis 70,- EUR kosten. Auf diese Weise können Nexus-Standard-Naben mit Gleitlagern übrigens > nachträglich (!) auf die Nexus Premium-Version mit leichtgängiger Nadellagerung umgebaut werden.

Nexus 8 mit Scheibenbremse

Im blauen Shimano-Testrad entdecken wir eine an die Nabe angeflanschte Scheibenbremse (auch im Vorderrad). Festzuhalten ist: Die auf Wunsch feinfühlig ansteuerbaren bis brachial zubeißenden Scheibenbremsen geben schon eine Ahnung dessen, welches Spaß & Sport-Potential in der Alfine steckt. Kurzum: eine Race-Nabenschalt-/Brems-Kombination - mit astreiner einfach-klaren Bedienung, extrem reduzierten Schaltkräften und kürzester Reaktionszeit auch beim Schalten unter Last, bei optimierter Wartungsarmut, höchster Wertigkeit und deutlich verbesserter Alltagstauglichkeit im Vergleich zu einer Kettenschaltung. Wann hat es das jemals gegeben?

Alternativen und Ergänzungen

Neben der Shimano Nexus gibt es noch weitere Optionen, wie die Alfine-Nabe. Sie sieht hochwertiger aus, ist aber gegenüber der Nexus vielleicht nur einfach schwarz lackiert. Hier gibt es keine Premiumversion mehr, dafür aber eine 11-Gang Alfine Nabe, die sehr viel teurer als die 8-Gang Alfine ist. Laut Fachhändler sollen beide Alfine-Versionen besser laufen, als die günstigeren Nexus-Varianten, die Shimano mittlerweile ebenfalls auf Wunsch in Schwarz (-matt) lackiert.

Die edle Rohloff Speedhub bremst im Gegensatz zu Nexus, Alfine und Co nur halb so stark. Außerdem hat sie eine Zulassung für Tandems, auch das fehlt den Shimano Naben. Die Rohloff Getriebenaben sind für mich persönlich der beste Kompromiss zwischen Wartungsfreiheit & Leichtläufigkeit an einem schnellen Rad für weite Touren.

Die 2018 vorgestellte Inter 5E-Nabe von Shimano wurde speziell für E-Bikes bzw. Pedelecs entworfen. Da acht oder gar 11 Gänge bei zusätzlicher Motorunterstützung von vielen E-BikerInnen mit etwas Routine gern einfach überschaltet werden (z.B. 1, 3, 5 = 25 km/h), wurde diese Nabe zugunsten einer größeren Haltbarkeit mittels stabilerem Planetengetriebe mit nur fünf statt acht Gängen auf satte 60 Newtonmeter statt auf 50 Nm ausgelegt.

Übersicht über Shimano Nabenschaltungen

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über verschiedene Shimano Nabenschaltungen:

Modell Gänge Besonderheiten
Nexus Inter-3 3 Nicht für E-Bikes empfohlen
Nexus Inter-7 7 Nicht für E-Bikes empfohlen
Nexus Inter-8 8 Nicht für E-Bikes empfohlen
Nexus Inter-5E 5 Speziell für E-Bikes, bis 60 Nm
Alfine 8 8 Bessere Verarbeitung als Nexus
Alfine 11 11 Ölbad, teurer

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