Nabenschaltungen werden aufgrund ihrer großen Zuverlässigkeit gerne an Sorglos-Rädern genutzt. Sie funktionieren in den meisten Fällen über lange Zeit zuverlässig und nahezu wartungsfrei.
Werkzeug und Vorbereitung
So braucht man vernünftiges Werkzeug, mindestens einen stabil aufgebauten Schraubstock und vernünftige Schlüssel, also Maul-, Ring- und Steckschlüssel sowie Hakenschlüssel (für die alten Sachs-Naben). Klar, dass eine weitere Bremse an das Fahrrad muss, damit die berechtigte Forderung nach zwei voneinander unabhängigen Bremsen erfüllt bleibt, doch auch bei der eigentlichen Handlung des Ausbaus ist einiges Grundsätzliches zu beachten.
- Einen passenden Maulschlüssel, um die Schraubachse zu lösen
- Gegebenenfalls weitere Maulschlüssel zum Lösen des Schaltzugs
- Einen Schlitzschraubenzieher, sofern die Nabe über eine zusätzliche Abstützung am Rahmen verfügt (dies ist bei Naben mit Rücktrittbremsen oft der Fall)
Ich empfehle Anfängern dringend die Lektüre der sehr guten Hefte "Einfälle statt Abfälle" von Christian Kuhtz (Verlag Christian Kuhtz, Hagebuttenstraße 23, 24113 Kiel, Fax: 0431-3200686). Besonders sei der Band "Gangschaltungen" (Fahrrad-Heft 6, ISBN 3-924038-16-3) und/oder der Doppelband "Rad kaputt & Gangschaltungen" (Fahrrad-Heft 7) erwähnt, der wie kein anderes Buch klare Praxistips gibt und den Aufbau einer Nabenschaltung und alles, was es beim Zerlegen und Zusammensetzen zu beachten gilt in wunderbar verständlicher Weise darstellt.
Ausbau des Hinterrades
Im Nachfolgenden wollen wir dir eine skizzenhafte Anleitung zur Hand geben, wie du dein Hinterrad mit Nabenschaltung aus- und wieder einbaust. Die Reihenfolge der Schritte ist hierbei für die Nabenschaltungen aller Hersteller dieselbe.
- Bremsen lösen: Wenn dein Hinterrad durch eine Felgenbremse gebremst wird, musst du diese öffnen, um das Rad später entnehmen zu können.
- Naben mit Rücktrittbremse verfügen auf der Nicht-Antriebsseite, das heißt auf der in Fahrtrichtung linken Seite, über eine Abstützung für die integrierte Bremse. Diese Stütze wird über eine Schraube mit einer Schelle an der Kettenstrebe verbunden. Löse diese Schraube mithilfe eines passenden Schraubenziehers (meist Schlitz). Eventuell musst du einen Maulschlüssel zum Gegenhalten an der Mutter auf der Rückseite nutzen.
- Bei Naben mit Scheibenbremsen findest du die Bremsscheibe auf der in Fahrtrichtung linken Seite der Nabe. Hier musst du nichts lösen, sondern nur darauf achten, die Scheibe beim Arbeiten nicht zu beschmutzen.
- Lösen der Schaltzüge: Der nächste Schritt ist das Lösen der Schaltzüge. Bei den Nabenschaltungen von Shimano und SRAM schaltest du hierzu in den ersten Gang. In diesem ist der Schaltzug am wenigsten stark gespannt und lässt sich daher am einfachsten lösen. Wenn du dem Verlauf des Schaltzugs folgst wirst du sehen, dass die Außenhülle an einer Halterung, die parallel zur Kettenstrebe verläuft, endet. Der Innenzug wird durch diese Halterung hindurch geführt und wird dann in einem Hebel eingehängt. Wenn du diesen Hebel ein wenig nach vorne drückst solltest du den Innenzug aus diesem Hebel aushängen können. Nun lässt sich auch die Außenhülle aus ihrer Halterung ziehen.
- Achse lösen: Um das Hinterrad aus dem Rahmen nehmen zu können musst du nun die Achse lösen. Die Naben von Shimano und SRAM sind mit jeweils einer Mutter auf jeder Seite im Rahmen befestigt. Entferne diese Muttern samt Unterlegscheiben. Merke dir, die Reihenfolge und die Position der Unterlegscheiben.
- Rad herausnehmen: Nun kannst du das Hinterrad aus den Rahmen nehmen. Hebe dann die Kette vom Ritzel
Demontage der Rücktrittbremse
Den gro§en "Klick-Stick" öffnen (popelige Snap-In-Verschlüsse), der die gesamte Bowdenzugmimik enthält und den Bowdenzug trennen, dann das Rad ausbauen (Klick-Stick bleibt dran), die Achsschrauben ganz herausdrehen und die Achse mit dem abgeflachten Teil auf der Seite des Klick-Sticks in den Schraubstock spannen (die Achse ist gehärtet, der tun die Schraubstockbacken überhaupt nichts, solange dieser nicht mit aller Gewalt "angeknallt" wird).
Mit einem 22er Steckschlüssel und einem 32er Ring- oder Maulschlüssel wird die Nabe geöffnet und der Konus samt Kugelring abgenommen und der Bremsmantel entfernt. Jetzt kann das Rad abgenommen werden, was die folgende Arbeit wesentlich erleichtert. Dann den Seegerring abnehmen (Spezialzange dringend empfohlen!). Darunter gibt es eine große Scheibe, zwei schwarze verzahnte Blechscheiben und eine Feder großen Durchmessers; all dies wird ausgebaut und nicht mehr benötigt.
Nun können die acht Rollen entfernt werden. Jetzt wird im Innern des inneren Mitnehmers ein kleiner Ring ausgebaut, das geht nur wenn man die eng an der Achse liegende Spiralfeder in Richtung gegen die Federwindung von der Achse "schraubt" (also drehend schiebt). Wer mag, kann jetzt die Lager und das Getriebe nachschmieren. Außerdem muss noch der Drehmomenthebel von Konus abgedrückt werden. Das geht am besten, wenn man den Hebel in den Schraubstock spannt und ein passendes Rohr durch den Konus steckt und daran hebelt. So sollte sicht der Konus mit seinem Vielzahn relativ leicht vom Hebel trennen lassen.
Endlich wird der Distanzring in den Mitnehmer gedrückt, die Scheibe und der Seegerring wieder montiert. Das muss ohne Spannung mit ein ganz wenig Luft möglich sein (wenn nicht, Distanzhülse nachschleifen!). Jetzt kann das Rad wieder aufgesteckt werden, dann wird der Konus samt Lager montiert. Nun die Blechabdeckung und die neue Scheibe auflegen, die die Abdeckung nun an Stelle der Drehmomentstütze halten wird.
Alternative Methode zum Entfernen des Rücktritts
Das Ausbauen des Rücktritts kann so schwierig nicht sein: Wenn man den Bremsmantel (4) ausbaut und die Friktionsfeder, das ist dieser Haken (in der Zeichnung links), der in einer Rille auf Teil (6) gespannt ist, vom Teil (6) abnimmt, ist die Hälfte geschafft. Nun muss man natürlich dafür sorgen, dass Teil (6) beim Rückwärtsdrehen der Pedale nicht von der Schnecke des Teils (9) ablaufen kann. Dazu dienen ja die Distanzstücke, die ich oben auf dieser Seite anpreise.
Allerdings geht das möglicherweise auch viel einfacher, unaufwändiger. Man kann Teil (9) und (6) zu einem Eisenwarenhändler seines Vertrauens mitnehmen und als Distanzstück einfach Unterlegscheiben passender Größe benutzen. Wenn der Stapel 1 cm hoch ist, sollte das reichen. Jetzt gilt es mit der Anzahl der Scheiben zu experimentieren: Die Nabe muss sich leicht zusammenbauen lassen und die Lager müssen sich noch einstellen lassen. Es sollte lieber etwas zuviel Luft da sein als zuwenig!
Wartung der Nabenschaltung
Nabenschaltungen sind unter anderem so beliebt, weil sie als besonders zuverlässig und wenig pflegeintensiv gelten. Aber auch dieses Fahrradbauteil muss von Zeit zu Zeit gewartet werden. Wir empfehlen die Reinigung und Wartung alle 1.000 km oder alle 6 Monate (je nachdem, was eher eintritt) vorzunehmen. Wenn häufig schlechte Wetterbedingungen im Spiel sind oder die Nabenschaltung einerhohen Belastung ausgesetzt ist, sollte der Intervall verkürzt werden.
Shimano bietet für die Schmierung Ihrer Nabenschaltung ein praktisches Öl-Tauch-Set an. In diesem Set ist alles Nötige bereits enthalten. Der Wartungsvorgang umfasst den Ausbau der internen Einheit der Nabe, den Öl-Tauchvorgang sowie den Wiedereinbau der internen Einheit.
Spannen Sie die zwei abgeflachten Seiten der Nabenachse in einen Schraubstock und achten Sie genau darauf, dass das Gewinde nicht beschädigt wird. Wenn die Bremseinheit entfernt wurde, muss anschließend die Nabenhülse abgezogen werden. Wenn eine Rücktrittbremse an Ihrer Nexus 3-Gang Nabenschaltung vorhanden ist, ist es wichtig, dass vor dem Öl-Bad noch die Bremsschuheinheit abgezogen wird.
Das Wartungs-Set von Shimano sorgt dafür, dass das Ölbad für die interne Einheit schnell, einfach und sicher gelingt. Im nächsten Schritt wird die Bremsarmeinheit wieder angebracht. Schrauben Sie danach den linken Konus sowie die linke Mutter wieder an.
Einbau des Hinterrades mit Nabenschaltung
Beim Einbau des Hinterrades gehst du im Prinzip in umgekehrter Reihenfolge vor wie beim Ausbau. Allerdings musst du hierbei auf ein paar Dinge achten, damit das Rad hinterher richtig im Rahmen sitzt.
- Rad einsetzen: lege die Kette um das Ritzel und setze die Nabe in die Ausfallenden. Achte dabei auf die richtige Position des Rades. Die Führung für den Schaltzug muss an der richtigen Stelle sitzen und auch die Bremsabstützung muss, sofern eine solche vorhanden ist, an der richtigen Position sitzen.
- Auf geraden Sitz achten: Wenn sich die Nabe in den Ausfallenden deines Rades verschieben lässt, schiebe das Hinterrad so weit nach hinten, dass die Kette gut gespannt ist. Achte bei der Befestigung darauf, dass das Hinterrad gerade ist.
- Züge befestigen: Damit dein Rad wieder einsatzbereit ist, musst du nun noch die Züge bzw. den Zug befestigen. Bei SRAM und Shimano Nabenschaltungen setzt befestigst du den Innenzug hierzu in der dafür vorgesehenen Vertiefung. Dann Ziehst du die Außenhülle so weit nach hinten, dass du ihn wieder in die Halterung einhängen kannst.
- Bremsen befestigen: Wenn dein Hinterrad über eine extra Abstützung an der Kettenstrebe verfügt, denke daran, diese wieder zu montieren. Wenn dein Rad über Felgenbremsen verfügt, hänge diese wieder ein.
Funktionsprüfung
Bevor du dich wieder auf dein Rad setzt überprüfe noch die folgenden drei Funktionen:
- Dreht sich das Rad ohne zu schleifen?
- Lassen sich alle Gänge durchschalten?
- Funktionieren die Bremsen?
Ist dies der Fall wünschen wir viel Spaß beim Radfahren!
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