Shimano Rennrad Bremsen im Vergleich: Was Sie wissen müssen

Shimano hat in den vergangenen Jahren viel Energie darauf verwendet, die hydraulische Scheibenbremse am Rennrad zu etablieren. Kleine Bremsscheiben in komplizierter Sandwich-Bauweise, Bremsbeläge mit Kühlrippen, ein neuer Befestigungsstandard wurden entwickelt.

Probleme und Herausforderungen

Doch die Bemühungen waren auch von herben Rückschlägen begleitet. Plötzlich schwindende Bremsleistung durch ausgasende Beläge oder ein Totalversagen der Ice-Tech-Bremsscheiben bei hoher Belastung sind nur die gravierendsten Probleme, die ans Licht gebracht wurden. Das Mehrgewicht und der höhere Wartungsaufwand im Vergleich zur Felgenbremse lassen Käufer nach wie vor zögern.

Dass die Discs sehr empfindlich auf äußere Einflüsse reagieren, indem sie laut quietschen, nervt viele Rennradler, die bereits Scheibenbremsen fahren.

Mit Spannung erwarten deshalb viele Hersteller und Radsportler die neuen Scheibenbremsen vor allem der Ultegra-R8000-Rennrad-Gruppe - in der Hoffnung, dass die Kinderkrankheiten beseitigt sind.

Doch Shimano kämpft mit Lieferproblemen. Die für das Frühjahr 2017 angekündigte Dura-Ace R9100 ließ Monate auf sich warten, viele Radhersteller konnten ihre Top-Modelle nicht liefern. Auch TOUR stand ein erstes Testrad mit der Dura-Ace-Scheibenbremse erst im Spätsommer zur Verfügung.

Nun ist die Ultegra ebenfalls bereits im Verzug - angekündigt war sie für Juni, die ersten Teile gibt es seit Herbst zu kaufen. Über die Gründe der Verspätung kann man nur spekulieren, Shimano hüllt sich in Schweigen.

Technik und Leistung der Shimano Scheibenbremsen

Die Bremsleistung ist vergleichbar mit der bisherigen Hydraulikbremse BR-RS805, die keiner Gruppe zugeordnet ist. Daran gibt es nichts auszusetzen - auch im Vergleich zu den Scheibenbremsen der Konkurrenten von Campagnolo und SRAM baut Shimano die derzeit stärksten Rennradbremsen.

Um die hitzeempfindlichen Sandwich-Scheiben - ein Verbund aus einem Aluminium-Kern mit Bremsflächen aus Edelstahl - nicht an ihre Grenzen zu bringen, sind nun großflächige Kühlbleche aus Aluminium integriert, die möglichst viel Hitze an den Fahrtwind abgeben sollen.

Während die Kühlbleche bei den Dura-Ace-Scheiben schwarz lackiert sind, glänzen sie bei den Ultegra-Scheiben silberfarben. Dass die neue Bremse damit tatsächlich standfester ist, hat ein erster Härtetest mit der Dura-Ace-Scheibenbremse bereits gezeigt.

Für ein Systemgewicht (Rad plus Fahrer und eventuelles Gepäck) um die oder leicht über 100 Kilogramm können zumindest die Scheiben mit 160 Millimetern Durchmesser auch auf steilen Abfahrten als betriebssicher gelten.

Die Scheiben können sich bei starker Hitze auch verziehen und schleifen dann an den Belägen.

Probleme mit der Hitze

Bei hoher Belastung zeigt das System dennoch Schwächen: Ab einer Temperatur von zirka 200 Grad Celsius - die während einer langen Abfahrt auftreten kann, wenn man die Bremse schleifen lässt oder mehrmals nacheinander stark bremst - setzt ein ausgeprägtes Fading ein, die Bremse verliert etwa 30 Prozent an Leistung.

Dies ist ein bekanntes Phänomen, das nur ein Mal auftritt; es ließe sich vermeiden, wenn die Bremsen bzw. die Beläge bereits vom Hersteller eingebremst oder auf andere Weise hitzebehandelt würden. Wenn man um dieses Phänomen weiß, kann man sich darauf einstellen und das Einbremsen selbst vornehmen.

Test-Fazit zur Ultegra-Scheibenbremse

Die neue Ultegra-Bremse der R8000-Gruppe ist deutlich hitzeresistenter und damit vergleichbar sicher wie die Scheiben der Konkurrenz aus Vollstahl. Im Vergleich zur Felgenbremse bleiben als Nachteile das höhere Gewicht - mit gefüllten Hydraulikleitungen dürften es rund 200 Gramm sein - ebenso wie die kompliziertere Montage und Wartung.

Unsere Tests haben zudem gezeigt, dass auch ein weiteres Problem bestehen bleibt: Eine der Bremsen quietschte schon bei schwachen Bremsungen extrem laut, das Geräusch ließ sich weder durch Reinigung der Scheibe noch durch einen Tausch der Beläge endgültig abstellen.

Auf die Disc, welche die unbestreitbaren Vorteile der Scheibenbremse nicht gleich wieder mit neuen Nachteilen kontert, muss die Rennradwelt also weiterhin warten.

Vor- und Nachteile von Scheibenbremsen

Kaum ein Thema wird derzeit unter Rennradfahrern heißer diskutiert. Die Meinungen reichen von „überflüssig“ bis „innovativ“.

Aber eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die Scheibenbremse ihren Weg ans Rennrad finden würde. Denn ganz nüchtern betrachtet ist ein Scheibenbremsensystem einer herkömmlichen Felgenbremse in fast allen Disziplinen überlegen.

Vorteile von Scheibenbremsen

  • Optimale Bremswirkung bei jeder Witterung
  • Kein Felgenverschleiß
  • Keine Gefahr von Überhitzung der Felge auf langen Abfahrten
  • Geringe Handkräfte (bei hydraulischen Systemen)
  • Kein Zugverschleiß (bei hydraulischen Systemen)

Nachteile von Scheibenbremsen

  • Höheres Gewicht
  • Kompliziertere Montage und Wartung
  • Potenzielle Geräuschentwicklung (Quietschen)

Scheibenbremsen im Straßen-Wettkampfsport

Für den privaten Gebrauch unterliegen Scheibenbremsen keinerlei Einschränkungen. Bei der Teilnahme an Straßenrennen gelten jedoch in Bezug aufs Material die Vorschriften des Welt-Radsport-Verbandes (UCI).

So wurden Scheibenbremsen für die Saison 2016 erstmals im Testmodus freigegeben. In der Saison 2018 lief aber wieder eine Testphase unter bestimmten Vorgaben (z. B. müssen die Scheiben entschärfte Kanten aufweisen).

Rennrad Scheibenbremsen - Die Technik

Die beiden wichtigsten Hersteller von Scheibenbremsen für Rennräder sind Shimano und Sram.

Wir empfehlen ausschließlich hydraulische Bremssysteme, bei denen die Handkraft über Öldruckleitungen zu den Bremssätteln übertragen wird. Rein mechanische Systeme mit Bowdenzug oder Hybridsysteme mit Bowdenzug und Öldruckzylinder können die Vorteile einer Scheibenbremse nicht voll ausspielen.

Montage Bremssattel

Grundvoraussetzung ist - wie beim Mountainbike - ein Rahmen, der an Gabel und Hinterbau entsprechende Gewindeflansche für die Bremssättel aufweist.

Während anfangs der Lochabstand bzw. Montagestandard am Sattel dem von Mountainbikes entsprach (IS 2000, Postmount), schuf Shimano jüngst für Rennräder den so genannten Flat Mount Standard (geringerer Lochabstand).

Scheiben und Laufrad-Achsen

Zwei Scheibengrößen sind fürs Rennrad erhältlich: Generell empfehlenswert sind Scheiben mit 160 Millimeter Durchmesser.

Die kleineren 140er Scheiben sehen eleganter aus, erfordern aber aufgrund des ungünstigeren Hebelverhältnisses höhere Handkräfte. Darüber hinaus werden sie schneller heiß.

Generell vermeiden sollte man deshalb Dauerbremsen und schleifende Beläge mit halb gezogenem Hebel. Lieber kurz und kraftvoll bremsen.

Der Nabenflansch für die Scheiben entspricht dem von Mountainbikes: Entweder eine 6-Loch Verschraubung oder das Shimano Centerlock-System.

Bei Einführung der Rennrad-Discs wurden die Laufräder meist noch mit herkömmlichen Schnellspannern im Rahmen fixiert. Heute findet man zunehmend Laufräder/Rahmen mit Steckachssystemen.

Steckachsen wirken den hohen Verwindungskräften beim Bremsen besser entgegen (einseitig montierte Scheiben!). Achtung! Es gibt verschiedene Achsdurchmesser: 9, 12 oder 15 mm am Vorderrad/10 oder 12 mm am Hinterrad.

Shimano Schaltgruppen im Überblick

Wer ein neues Rennrad kauft, muss neben dem Fahrrad selbst auch eine Schaltgruppe auswählen, die das gute Stück zieren darf. Und die Auswahl an verschiedenen Arten von Shimano Schaltgruppen für Rennräder ist riesig; die Shimano Tiagra-, Shimano 105- und Shimano Ultegra-Gruppe sind nur einige Beispiele.

Aber wie gut sind all diese Shimano Schaltgruppen und was sind die Unterschiede zwischen den Shimano Gruppen? Zunächst ist es hilfreich zu wissen, welche Teile deines Rennrads eigentlich Teil einer Schaltgruppe sind.

Das ist nicht so kompliziert. Dies sind natürlich in erster Linie die Schalthebel und deine Umwerfer. Alles, was zum Antrieb deines Rennrads gehört, ist in der Schaltgruppe enthalten. Und schlussendlich gehören auch deine Bremsen zur Gruppe.

Aber überraschenderweise gehören Scheibenbremsen an Disc-Rennrädern nicht zur Gruppe selbst.

Bei den Herstellern der Gruppen werden glücklicherweise die gleichen Namen ziemlich konsequent für die eigenen Schaltgruppen verwendet.

Shimano Schaltgruppen im Detail

  • Shimano Tourney: Ideal für die ersten Kilometer und sportliche Fahrten in der Stadt.
  • Shimano Claris: Eine echte Schaltgruppe für Einsteiger-Rennräder, langlebig und gut schaltbar.
  • Shimano Sora: Die letzte der Einsteiger-Schaltgruppen mit großem Schaltbereich.
  • Shimano Tiagra: Für erfahrene Rennradfahrer mit bis zu 10 Kränzen und der Wahl zwischen Zweifach- oder Dreifachschaltwerk.
  • Shimano 105: Die beliebteste Schaltgruppe mit 11 Kränzen hinten und zwei Kettenblättern vorne, optional mit hydraulischen Scheibenbremsen.
  • Shimano Ultegra: Eine professionelle Schaltgruppe aus leichten und langlebigen Materialien, optional mit elektronischer Schaltung (Di2) und hydraulischen Scheibenbremsen.
  • Shimano Dura Ace: Die beste Schaltgruppe von Shimano, optimiert für maximale Geschwindigkeit und Präzision, optional mit elektronischer Schaltung (Di2) und hydraulischen Scheibenbremsen.

Scheibenbremsen: Grundlagen

Was ist eine Scheibenbremse überhaupt?

Scheibenbremsen verlagern die Angriffsfläche der Bremse von der Felge auf eine spezielle Scheibe, die an der Nabe befestigt ist. Das ist auch schon alles. Grundsätzlich unterscheiden sich die Bremszangen von Scheibenbremsen auch nicht von denen, die du an Felgenbremsen findest, sie sind viel kleiner und das Material ist wesentlich härter als die verschiedenen Gummimischungen, die bei Felgenbremsen verwendet werden.

Mechanische Bremsen oder hydraulische Bremsen - was ist der Unterschied?

  • Mechanische Scheibenbremse: Der Bremshebel ist über den Bremszug mit dem Bremssattel verbunden.
  • Hydraulische Bremse: Der Druck wird durch Flüssigkeit übertragen.

Warum sind hydraulische Bremsen besser?

Hydraulische Bremsen gleichen automatisch den Verlust an Bremsbelag aus, sie sind leichter, und rundum versiegelt gegen Umwelteinflüsse. Zusätzlich dazu hat ein hydraulisches System weniger Kraftverlust durch Reibung zu verzeichnen, wenig Zug am Bremshebel generiert jede Menge Bremskraft.

Wie viel schwerer ist ein Scheibenbremsensystem?

Wenn du einfach mal die Shimano Dura-Ace R9100 Bremshebel und die dazugehörige Bremszange mitsamt Kabeln auf die Waage packst, und dann ein entsprechendes Set Scheibenbremsen, wirst du feststellen, dass die Scheibenbremsen etwa 200g mehr wiegen. Das liegt an den Kabeln, den Gehäusen und den Bremsschläuchen.

Alles in allem sind Systeme mit Scheibenbremsen ungefähr 300g schwerer, das gilt allerdings nur für den Bestfall. Meistens, vor allem wenn dein Budget stärker reglementiert ist, musst du mit um die 500g zusätzlichem Gewicht rechnen. Wir gehen aber davon aus, dass sich das in den kommenden Jahren noch ändern wird.

Die Bremskraft meiner Felgenbremse reicht mir eigentlich - macht es dann trotzdem Sinn, dir Scheibenbremsen zuzulegen?

Scheibenbremsen lassen dich aber die Bremskraft Sekundenbruchteile vor der Vollbremsung feiner dosieren, genau dann, wenn du sie auf den Punkt brauchst. Hier die absolute Kontrolle über deine Bremskraft zu haben, verkürzt deinen Bremsweg.

Wer gerne bei Mistwetter unterwegs ist wird sich ebenso über das Plus an Sicherheit bei nassem Untergrund und die weniger wartungsintensiven Bremsen freuen. Fast alle hydraulischen Bremsen passen sich automatisch an abgefahrene Bremsklötze an, außerdem brauchst du nicht mehr mit blank gescheuerten Felgen herumfahren, wenn du gerne hart in die Bremsen greifst.

Sind Scheibenbremsen aerodynamischer als Felgenbremsen?

Scheibenbremsen sind im Windkanal Felgenbremsen leicht unterlegen. Davon mal abgesehen öffnen Scheibenbremsen völlig neue Horizonte in Sachen Aerodynamik - die Hersteller fangen gerade erst an, damit zu experimentieren.

Kannst du mit Scheibenbremsen Rennen fahren?

Für alle UCI-Rennen sind Scheibenbremsen an Rennrädern seit dem 1. Juli 2018 zugelassen.

Wird es bald unmöglich werden, Rennräder mit Felgenbremsen zu kaufen?

Sicher nicht, solange Felgenbremsen noch über die Ladentische gehen. Der Trend geht unbestreitbar in Richtung Scheibenbremsen, auch bei Rennrädern.

Kauf und Einbau von Scheibenbremsen

Kann ich Scheibenbremsen an ein vorhandenes Fahrrad bauen?

Ein klares „Nein!“. Scheibenbremsen brauchen *spezifische Montagepunkte+ an Gabel und Rahmen. Auch die Laufräder brauchen besondere Achsen, an die die Rotoren angebaut werden können.

Was ist der Unterschied zwischen Center Lock und Sechs-Loch?

  • Center Lock: Befestigung mittels eines Sicherungsrings.
  • Sechs-Loch (Six-bolt): Befestigung mit sechs Schrauben.

Was ist IceTech?

IceTech ist eine von Shimano entwickelte Technologie, die dafür gedacht ist, die Hitzeentwicklung an Bremsscheibe und Bremsbacken in Grenzen zu halten.

Was genau ist der Unterschied zwischen Flat-Mount und Post-Mount Bremsen? Sind sie kompatibel?

  • Post-Mount Bremsen: Benötigen spezielle Aufnahmen am Rahmen, die mit dem Bremssattel verschraubt werden.
  • Flat-Mount Bremsen: Kleiner und leichter, speziell für Rennräder entwickelt.

Vergleich von Shimano Ultegra, Sram Force und Campagnolo Chorus Scheibenbremsen

ROADBIKE hat die wichtigsten Modelle von Shimano, Sram und Campagnolo getestet: Ultegra, Force und Chorus. Getestet wurden Bremskraft, Bremsweg, Hitzeresistenz und Belagverschleiß.

Testergebnisse im Überblick

Eigenschaft Shimano Ultegra Sram Force Campagnolo Chorus
Bremskraft im Trockenen Sehr gut Sehr gut Sehr gut
Bremskraft bei Nässe Sehr gut Gut Befriedigend
Bremsweg (60 km/h auf 0) Gut Sehr gut Sehr gut
Hitzeresistenz Bremsscheibe Befriedigend (Aluminiumkern schmolz) Sehr gut Gut (leichter Höhenschlag)
Belagverschleiß Hoch Mittel Niedrig

Fazit

Insgesamt setzt sich Srams Force in diesem Vergleich an die Spitze: Sie überzeugt mit beeindruckender Bremskraft, zeigt wenig Verschleiß, hat kurze Bremswege und trotzt selbst größter Bremshitze souverän. Bei Campagnolos Chorus-Gruppe erweisen sich die Bremsen ebenfalls als sehr hitzeresistent, schwächeln aber etwas bei Nässe. Shimanos neue Ultegra bremst vor allem mit geringer Handkraft beeindruckend stark, die Beläge verschleißen aber schneller, und unter ungünstigen Bedingungen und nicht optimaler Bedienung drohen schneller als bei der Konkurrenz hitzebedingte Schäden.

Vergleich mit Felgenbremsen

Die Bremsperformance der Felgenbremse beeindruckt und man sein Rennrad selbstverständlich auch klassisch per Seilzug sicher zum Stehen bringt, verlangt die Ultegra-Scheibenbremse sowohl im Trockenen als auch im Nassen deutlich weniger Handkraft, um eine größere Bremskraft zu entwickeln.

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