Die besten Rennradschuhe im Test: Komfort, Passform und Leistung

Ein guter Rennradschuh muss zum Fuß passen und gleichzeitig das Budget berücksichtigen. Ein Schuh muss zum eigenen Fuß passen. Sein Preis zum Portemonnaie. Bei diesen 18 Mittelklassemodellen in den Kategorien Männer, frauen und Unisex stehen die Chancen dafür besonders gut, wie unser großer ROADBIKE-Test zeigt.

Zwar gelten die Treter vielen als modisches Statement, ihre wichtigste Aufgabe ist es aber, die aufgebrachte Kraft möglichst effizient aufs Pedal zu übertragen. Natürlich - oder erst recht - beim Rennradfahren. Für besseren Vortrieb und mehr Fahrspaß, erst recht bei mehrstündigen Fahrten. Dazu braucht’s neben der Kraftübertragung: Komfort, Passform und Halt. Denn schlafen die Zehen ein oder entstehen Druckstellen, ist es mit dem Fahrspaß schnell vorbei.

Schließlich gibt es bereits für unter 100 Euro rennradtaugliche Modelle, wenn auch oft mit vergleichsweise mäßiger Performance. Den richtigen Rennradschuh zu finden, ist also gar nicht leicht. Nach oben scheint es hingegen kaum noch Preisgrenzen zu geben. Topschuhe versprechen zwar beste Performance und sehen stylisch aus, kosten aber schnell 400 Euro und mehr. Für viele Sportler klar zu viel, weshalb sich die Auswahl oft auf die preisliche Mittelklasse zwischen 150 und 200 Euro beschränkt - mit starkem Verhältnis von Preis zu Leistung.

ROADBIKE wollte wissen: Welche Modelle (Männer, Frauen, Unisex) taugen in diesem Preissegment besonders gut und erfüllen die Anforderungen an einen sportlichen Rennradschuh bei gleichzeitig gutem Komfort zum bezahlbaren Preis? Einige Hersteller bieten im genannten Preissegment nur Unisex-Modelle an, die wir ebenfalls berücksichtigt haben. Zwölf Hersteller haben wir eingeladen, mit ihren passenden Modellen für Mann und Frau im Vergleich anzutreten. Diese Schuhe wurden von männlichen und weiblichen Testern gefahren und bewertet. Alle Eindrücke haben wir gesammelt und in einem Testurteil zusammengefasst. Da sich individuelle Bedürfnisse aber stark unterscheiden, empfiehlt sich eine Anprobe vor dem Kauf, um Überraschungen auszuschließen.

In Sachen Nachhaltigkeit punkten vor allem Gaerne, Mavic und Sidi, die ihre Modelle in Europa produzieren - die restlichen Kandidaten werden allesamt in Asien gefertigt.

Verschlusssysteme im Vergleich

Beim Blick auf die Verschlusssysteme zeigen sich erste Unterschiede. Zwar setzen alle Testkandidaten auf mindestens einen Drehverschluss am Spann, doch nur Scott und Van Rysel spendieren ihren Modellen einen zweiten Drehverschluss zur optimalen Druckverteilung auch im Zehenbereich. Giant, Giro, Mavic, Northwave, Shimano und Specialized setzen am Vorderfuß auf einen Klettverschluss. Fizik, Gaerne, Lake und Sidi verzichten gänzlich auf eine zweite Option zur Anpassung, hier sorgt lediglich ein Drehverschluss an der Zunge für festen Halt im Schuh.

Unterschiedliche Verschlusssysteme Egal ob vom Zulieferer oder als Eigenentwicklung: Drehverschluss ist nicht gleich Drehverschluss. Die Details und Funktionsweisen der verschiedenen Systeme im Test.

  • SIDI Tecno-3-System: Um drehen zu können, muss man bei Sidi den Hebel nach oben klappen. Einseitiges Betätigen der seitlichen Drücker lockert die Drahtspannung in feiner Rasterung, beidseitiges Drücken öffnet komplett.
  • BOA IP1/Li2, Habu: Die Alleskönner von Boa: Zum Einrasten runterdrücken, zum stufenweisen Festziehen oder Lockern drehen, zum Öffnen nach oben ziehen. In diesem Test ist der Boa IP1 bei Giant montiert, Li2 gibt’s bei Fizik und Specialized. Der Habu-Verschluss am Van Rysel wird ebenfalls von Boa vertrieben und basiert auf demselben Prinzip wie IP1 und Li2.
  • Northwave xDial: Drehen am Rädchen fixiert den Fuß; drückt man von oben auf den Metallhebel, lockert sich die Spannung in definierten Rastschritten. Zum Öffnen des Verschlusssystems zieht man den Metallhebel vom Rädchen weg.

Fahrgefühl und Komfort

Beim Fahren herrschte unter den Testern zwar nicht immer Einigkeit - schließlich sind Fußformen sehr unterschiedlich. Was einige als komfortabel empfanden, sorgte bei anderen für Druckstellen oder gar Taubheitsgefühle an den Zehen. Daher haben wir in den Testbriefen auffällige Befindlichkeiten berücksichtigt und im jeweiligen Fazit auf Besonderheiten sowie Stärken und Schwächen eines Schuhs hingewiesen.

Einig waren sich die Testfahrer bei der Frage: Wie sportlich fahren sich die getesteten Modelle? Den besten Eindruck hinterließen hier Fiziks Vento Omna, Specializeds Torch 2.0 und Van Rysels RCR, die alle dank hervorragender Kraftübertragung und steifer Carbon-Sohle jedes Watt aus den Beinen effizient aufs Pedal brachten. Scotts Damen- und Herrenmodelle reihten sich in puncto Kraftübertragung knapp hinter der Spitze ein, machten das leichte Defizit aber dank ihrer hervorragenden Passform und auch dank zweier Boa-Verschlüsse wieder wett.

Keiner der hier getesteten Schuhe kann nach ROADBIKE-Erfahrung den teuren Topmodellen in Sachen Kraftübertragung und Sportlichkeit das Wasser reichen - nur kosten die eben oft doppelt so viel. Wer also einen brettsteifen Schuh für den Renneinsatz sucht, muss dafür unter Umständen etwas tiefer in die Tasche greifen. Wer nicht auf das letzte Prozent an Effizienz angewiesen ist, trifft mit allen Modellen aus dem Test eine gute Wahl.

Worauf du bei der Anprobe achten solltest

Natürlich darf der Fuß im Schuh nicht hin und her rutschen, andererseits ist genügend Zehenfreiheit wichtig. Ebenso wie guter Halt an der Ferse, damit der Fuß in der Zugphase nicht herausrutscht. Eine unnachgiebige Fersenschale, die den Fuß fest umschließt, hilft dabei. Wer keine Kraft am Berg oder beim Sprint verlieren möchte, sollte auf eine steife Sohle setzen. Nicht unwichtig: die Belüftung und das Gewicht! Belüftungsschlitze in den Rennradschuhen verhindern Hitzestau und schwitzige Füße. Übrigens: so mancher Hersteller bietet sogenannte "Wide"-Modelle an, wo die Zehenbox und der Schuh insgesamt etwas breiter ausfällt.

Zusätzlich solltest du auf ein leichtes Gewicht der Schuhe achten. Ist es zu hoch, kann es sich unangenehm bemerkbar machen. Bei den Rennradschuhen aus dem Test bewegte sich das Gewicht zwischen 478 g und 659 g. Daher gilt auch hier: Wenn die Möglichkeit besteht, die Schuhe im Fachhandel anprobieren!

Oft ist es die Druckverteilung am Fuß, die auf Dauer Qualen verursacht, aber auch eine zu schmale Zehenbox kann bei anschwellendem Fuß auf langen Ausfahrten die Stimmung vermiesen. Und dann ist da noch die Frage nach dem Einsatzzweck: Nicht jeder Sportler braucht eine brettharte Sohle, die hilft, jedes Watt in Vortrieb umzuwandeln. Eine leicht flexende Sohle kann gerade für Tourenfahrer die bessere, auf Dauer bequemere Wahl sein. Auch schätzen viele Langstreckenfahrer eine gepolsterte Innenausstattung, während Racer oft spartanisch direkte Leichtbauschuhe favorisieren.

Testergebnisse aus 2023

Aus unserem letzten großen Test der Mittelklasse-Rennradschuhe stammen die folgenden Modelle, die an ihrer Qualität noch nichts eingebüßt haben und weiterhin zu bekommen sind. Rennradschuhe mit Klickpedal-Kompatibilität sind bei Rennrädern schon vor vielen Jahren zur Norm geworden, spezielle Rennradschuhe gibt es seit Jahrzehnten. Waren vor 40 Jahren noch Lederschuhe erhältlich, die in sogenannten Hakenpedalen gefahren wurden, sind inzwischen sensibel auslösende Klickpedale der Standard - und Rennradschuhe, die aus raffinierten Kunstfaser-Kombinationen hergestellt werden und mit zahlreichen technischen Funktionen ausgestattet sind.

Im Test haben wir uns 27 Modelle der verschiedensten Preisklassen angesehen, vom günstigen Einsteigerschuh bis hin zum teuren Luxusmodell.

Empfehlenswerte Modelle

  • Shimano RC702: Ein toller Schuh speziell für ambitionierte Rennradfahrer. Im Hinblick auf Kraftübertragung und Einstellbarkeit erreicht der Schuh im Test Bestwerte. Mit knapp 600 Gramm Paargewicht ist der RC702 einer der leichteren Rennradschuhe im Test.
  • Scott Road Team BOA: Wer auf der Suche nach einem fair bepreisten, komfortablen und für viele Fußtypen geeigneten Rennradschuh ist, findet mit dem Scott Road Team BOA einen dankbaren Partner für Rennradaktivitäten aller Art. Man merkt schlichtweg, dass Scott schon früh damit begonnen hat, neben Mountainbikes und Rennrädern auch Radschuhe zu entwickeln.
  • Van Rysel RCR: Der für seine Leistungsklasse sehr fair bepreiste Schuh wendet sich an die leistungsorientierten Rennradfahrer. Van Rysel aus dem Hause Decathlon hat mit dem RCR einen innovativen und optisch ansprechenden Rennradschuh entworfen, der sehr viel bietet - besonders eine tolle Kraftübertragung und einen komfortablen Sitz. Van Rysel setzt auf einen eigenen Verschluss mit seiner Habu-Schnellschnürung.
  • Sidi Ergo 6: Der italienische Rennradschuh-Routinier Sidi liefert mit dem Ergo 6 ein Meisterstück ab. Er ist im Testvergleich zwar nicht ganz leicht, trotzdem reicht uns schon ein Blick auf den Schuh, um von der Qualität überzeugt zu sein - »Made in Italy« eben. In unseren Augen richtet sich der Schuh insbesondere an Rennradfahrer, die auf ihren Runden keine Kompromisse eingehen wollen. Auch was die Kraftübertragung angeht, kann der Sidi überzeugen. Sidi gibt auf der Steifheits-Skala eine 11 an. Ein schönes Stück Rennradschuhmacherkunst.
  • Mavic Cosmic BOA: Die Cosmic BOA sind so schnörkellos schön, dass es eine Freude ist. Der Mavic Cosmic BOA bringt so ziemlich alles mit, was Rennradfahrer benötigen: hoher Tragekomfort, Schnellschnürsystem und geradlinige Optik. Der Preis für dieses Gesamtpaket ist heiß - der Schuh geht je nach Händler schon für unter 100 Euro über die Ladentheke. Der französische Hersteller beweist, dass ein mit tollen technischen Features ausgestatteter Rennradschuh heutzutage nicht viel kosten muss.

Weitere getestete Modelle und ihre Eigenschaften

Neben den bereits genannten Modellen wurden auch weitere Schuhe getestet, die sich durch spezifische Eigenschaften auszeichnen:

  • Q36.5 Dottore Clima: Ein überwältigender Rennradschuh mit hochwertiger Verarbeitung und Strickmaterial, der jedoch einen hohen Preis hat.
  • Specialized Torch 2.0: Verblüfft mit toller Kraftübertragung und guter Verarbeitung.
  • Bontrager Circuit: Bietet eine breite Passform und hohen Komfort, ideal für lange Ausfahrten.
  • Fizik Vento Omna: Kombiniert elegantes Design mit einfacher Bedienung und geringem Gewicht, aber das Obermaterial ist empfindlich.
  • Shimano SH-RC502: Einer der leichtesten Schuhe im Test mit direkter Kraftübertragung und guter Belüftung.
  • Luck Evo: Ein überraschend guter Schuh für den Preis, hergestellt in Spanien mit bequemem Fußbett.

Zusätzliche Aspekte beim Kauf von Rennradschuhen

Bei der Auswahl von Rennradschuhen gibt es einige zusätzliche Aspekte zu berücksichtigen:

  • Passform: Rennradschuhe sollten relativ passgenau sitzen, da sie Teil des Antriebs sind.
  • Pedaltypen: Im Rennradsektor haben sich einige wenige Pedaltypen durchgesetzt: Shimano SPD-SL, Look, Time und Speedplay.
  • Material: Teure Rennradschuhe verwenden Kohlefasersohlen, also Carbon, um das Gewicht zu reduzieren, was sich auch auf die Steifigkeit des Schuhs auswirkt.
  • Verschlusssystem: Von Schnallen mit Mikro-Ratschenverschluss über Drehknöpfe mit einem Bänderzugsystem (BOA) bis hin zu einer Kombination aus Schnallen, Ratschen und Klettverschluss hat jede Schuhmarke in den verschiedenen Preisklassen ihren bevorzugten Ansatz.

Es ist absolut wichtig einen bequemen Schuh zu bekommen, der gut passt. Es lohnt sich also, ihn vor dem Kauf in einem gut sortierten Fahrradgeschäft anzuprobieren. Du solltest nicht davon ausgehen, dass alle Marken gleich groß sind. Einige sind schmaler und andere haben eine breitere Passform. Geschmeidigeres Material bietet ebenso deinen Füßen mehr Spielraum.

Empfehlungen und Alternativen

Neben den genannten Modellen gibt es weitere empfehlenswerte Optionen:

  • Specialized S-Works 7: Bietet herausragende Leistung mit Komfort, Passform und Kraftübertragung.
  • Giro Trans Boa: Steife Carbon-Sohlen und leicht zu optimierender Tragekomfort.
  • Le Col Pro Carbon: Beeindruckend steif mit großartiger Passform und weichem Obermaterial.
  • Fizik Infinito R1 Knit: Sehr bequem und cool, ideal für leichte und steife Sommerschuhe.
  • Shimano RC7 (701): Bequeme, sichere und gut belüftete Option mit großartiger Passform.
  • Liv Macha Pro Carbon: Top-End-Design für Frauen mit supersteifen Sohlen und effektiven Boa-Verschlüssen.
  • Lake CX301: Komfortabel, leicht, luftig und schick, ideal für warme Temperaturen.
  • Bont Vaypor S: Supersteif und dennoch komfortabel, aber teuer.
  • Van Rysel 500: Konzipiert für normale Straßenfahrer und Einsteiger, hergestellt in Italien.
  • Mavic Comete Ultimate: Unglaublich steif und bietet ein phänomenales Gefühl von Geschwindigkeit und Beschleunigung, aber sehr teuer.
  • Sidi Wire 2 Carbon Air: Punktet vor allem wegen des besonders bequemen und atmungsaktiven Materials.

Preisklassen und Erwartungen

Je mehr du für Deine Rennradschuhe ausgibst, desto mehr bekommst du natürlich. Je teurer der Schuh, desto leichter ist der Schuh, weil beispielweise Carbon als Material für die Sohle eingesetzt wird. Der Gewichtsunterschied zwischen Rennradschuhen für Einsteiger und den teuersten Profi-Modellen kann bis zu 350 g oder mehr betragen.

Rennradschuhe um 100 Euro: Bei den meisten Herstellern fangen die Modelle etwa um 100 Euro an. Das ist auch die Kategorie, in der man solide Schuhe kaufen kann, mit denen man lange Spaß hat.

Rennradschuhe um 150 Euro: Für etwas mehr Geld bekommt man oft ein Plus an hochwertigen Materialien. Das kann sich positiv auf Langlebigkeit und Komfort auswirken.

Rennradschuhe um 250 Euro: In der gehobenen Mittelklasse kannst du bereits Top-Materialien und eine makellose Verarbeitung erwarten. Ein Schuh aus dieser Kategorie sollte dir bei guter Pflege sehr lange die Treue auf dem Rad halten.

Rennradschuhe um 300 Euro: Top-Schuhe kosten schnell 300 Euro oder mehr. Dafür bekommt man edelstes Material auf Profi-Niveau. Sie richten sich in erster Linie an sportlich Ambitionierte und Profis.

Bei der Auswahl von Rennradschuhen ist es wichtig, die individuellen Bedürfnisse und Anforderungen zu berücksichtigen. Komfort, Passform und Qualität sollten dabei im Vordergrund stehen.

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