Damit die Gangschaltung am Fahrrad reibungslos funktioniert und sich alle Gänge sauber schalten lassen, muss neben Schaltwerk, Schalthebel und Umwerfer auch der Schaltzug inklusive seiner Außenhülle intakt sein. Hakt die Gangschaltung, ist gegebenenfalls der Schaltzug verschlissen und/oder mit der Außenhülle verklebt. In diesem Fall ist es Zeit, den Schaltzug am Fahrrad zu wechseln.
Grundlagen der Kettenschaltung
Die meisten modernen Fahrräder verwenden Kettenschaltungen. Der Umwerfer vorne besteht aus einem Stahlkäfig, der seitlich bewegt werden kann. Umwerfer und Schaltwerk bewegen die Kette seitlich, so dass sie nicht gerade, sondern in einem Winkel auf die Ritzel trifft. Wird der Winkel spitz genug, greifen die Zähne der Ritzel nicht mehr in die Kettenglieder.
Wenn eine Kette von einem kleineren auf ein größeres Ritzel geschaltet wird, ist es ein wenig anders. Neuere Ritzel haben normalerweise speziell geformte Zähne und kleine Rampen auf den Seiten, die diesen Vorgang ruhiger ablaufen lassen. Dies ist der Hauptgrund dafür, dass moderne Schaltsysteme besser funktionieren als ältere.
Überprüfung des Schaltwerks
Bevor man versucht, ein Schaltwerk einzustellen, sollte man sicherstellen, dass es nicht verbogen ist. Wenn ein Schaltwerk verbogen wird, biegt es sich nach innen, in Richtung der Speichen. Ein manchen Fällen landet es zwischen den Speichen des Hinterrads, während das Rad sich dreht. Es ist immer sehr schlecht, wenn so etwas passiert. Wenn man Glück hat, bricht das Schaltwerk ab. Wenn man weniger Glück hat, nimmt es dabei einige Speichen mit und runiert leicht das Hinterrad. Wenn man wirklich Pech hat, biegt der Zug der Speichen das Schaltwerk so kräftig nach hinten, dass das Ausfallende (der Teil des Rahmens, in dem die Hinterradachse und das Schaltwerk montiert ist) sehr stark verbogen oder gar zerbrochen wird.
Wenn das Schaltwerk gestossen wird, ist es oft nicht das Schaltwerk selbst, das sich verbiegt, sondern eher das Schaltauge, der Teil am Ausfallende, an dem das Schaltwerk befestigt ist. Dies ist so, weil der Teil des Schaltwerks, der normalerweise die Stöße abbekommt, der stärkste Teil ist, das Parallelogramm, das den Schaltkäfig vor und zurück bewegt. (Anmerkung: bei vielen älteren oder billigeren Fahrrädern ist das Schaltauge kein Teil des Rahmens, sondern ein separates Teil, das am Schaltwerk montiert ist. Man kann dies grob mit einem Blick abschätzen, indem man das Schaltwerk von hinten betrachtet.
In guter Absicht versuchen manche Leute dies zu korrigieren, indem sie das Schaltwerk nach außen, in die richtige Position ziehen. Unglücklicherweise wird dabei meist am Schaltkäfig gezogen, der das schwächste Teil ist. Wenn ein Schaltauge verbogen ist, ist es normalerweise notwendig, das Schaltwerk zu demontieren, um das Schaltauge wieder gerade auszurichten. Fahrradwerkstätten verfügen dafür über ein spezielles Werkzeug, ein Metallstab mit einer verschiebbaren Lehre, die in das Schaltauge an Stelle des Schaltwerks geschraubt wird. Dieses Werkzeug bietet einen grossen Hebel, mit dem das Schaltauge zurechtgebogen werden kann und ermöglicht mit der Lehre die genaue Überprüfung, ob es parallel zum Hinterrad steht.
Die drei wichtigsten Einstellungen am Schaltwerk
- Die Begrenzungsschrauben: Sie sind zwei Schrauben, mit denen festgelegt wird, wie weit das Schaltwerk sich nach rechts und links bewegen kann. Diese Schrauben befinden sich normalerweise auf der Rückseite des Parallelogramms, manchmal auf der, vom Fahrrad aus gesehen, Seite nach rechts. Die Begrenzungsschrauben sind nicht dafür gedacht, das Schaltwerk zu bewegen. Sie begrenzen die Bewegung durch den Schalthebel. Das lockern einer Schraube ermöglicht dem Schaltwerk eine größere Bewegung des Schaltwerks durch den Schalthebel in eine bestimmte Richtung. Normalerweise werden die Begrenzungen eingestellt, wenn ein neues Schaltwerk montiert wird und sollten später keine weitere Einstellung benötigen. Wenn hier eine Korrektur nötig wird, nachdem das Fahrrad bereits einwandfrei funktioniert hat, ist dies normalerweise ein Zeichen dafür, dass das Schaltwerk verbogen ist.
- Die Indexeinstellung: Dies ist die am häufigsten benötigte Einstellung für Schaltwerke. Die einzelnen Raststufen („Klicks“), die die Indexierung bewirken, werden durch die Schalthebel vorgegeben. Die Indexeinstellung ist eine Justierhülse, die sich an einem Ende der Zughülle befindet. Viele Schaltungen weisen mehr als eine Einstellmöglichkeit auf. Alle Schaltwerke für Index-Schaltungen haben eine Justierhülse am Anschlag für die Zughülle. Viele Fahrräder haben zusätzlich eine weitere Einstellmöglichkeit, so dass die Schaltung während der Fahrt nachgestellt werden kann.
- Die Winkeleinstellung: Die meisten besseren Schaltwerke verfügen über eine Schraube zur Einstellung des Winkels (Shimano bezeichnet diese Schraube als „B-Tension“). Diese Schraube verändert die Spannung der oberen Feder des Parallelogramms und dadurch die Höhe der Führungsrolle. Der Winkel muss passend zur Größe des größten Ritzels eingestellt werden. Wenn ein Paket mit größeren oder kleineren Ritzeln eingesetzt wird, muss diese Einstellung angepasst werden.
Detaillierte Erläuterung der Begrenzungsschrauben
Bei neueren Schaltwerken sind die Begrenzungsschrauben beschriftet: „H“ (high) und „L“ (low). Bei manchen älteren Modellen gibt es keine Beschriftung, da die Enden der Schrauben im Inneren sichtbar sind. Wenn man das Schaltwerk auf einen grossen Gang wechselt, sollte man sich merken, welche der beiden Schrauben an ein innenliegendes Teil des Schaltwerks anstößt. Dabei handelt es sich nicht um besonders heikle Einstellungen. Haben Sie keine Scheu, es jeweils mit einer halben und ganzen Umdrehung zu probieren.
Die einzige Position, wo Gefahr droht, ist die Begrenzung des kleinsten Gangs am Schaltwerk, die dazu führen kann, dass das Schaltwerk in die Speichen gerät, wenn sie zu locker eingestellt ist. Die untere Begrenzung (normalerweise mit dem Buchstaben „L“ gekennzeichnet) verhindert, dass das Schaltwerk die Kette über das größte Ritzel hinaus in die Speichen drückt. Wenn diese Begrenzung zu locker eingestellt ist, kann die Kette zwischen Ritzel und Speichen geraten, was katastrophale Folgen hat. Die obere Begrenzung (normalerweise mit dem Buchstaben „H“ gekennzeichnet) verhindert, dass das Schaltwerk die Kette über das kleinste Ritzel hinaus zwischen Ritzel und Ausfallende drückt.
Wenn diese auf einem Fahrrad mit Indexschaltung zu locker eingestellt ist, macht es normalerweise keinen grossen Unterschied, da das Schaltseil das Schaltwerk sich ebenfalls nicht weiter bewegen lässt. Probleme beim Hochschalten auf das kleinste Ritzel am Hinterrad treten selten aufgrund einer falschen Einstellung der oberen Begrenzung auf.
Detaillierte Erläuterung der Indexeinstellung
Viele Fahrräder haben zusätzlich eine weitere Einstellmöglichkeit, so dass die Schaltung während der Fahrt nachgestellt werden kann. Bei MTB-Schalthebeln findet diese Einstellung direkt am Schalthebel statt, dort, wo die Zughülle auf den Schalthebel trifft. Bevor man versucht, die Indexierung einzustellen, sollte man in den höchsten Gang (das kleinste Ritzel) schalten.
Bewegen Sie den Hebel zum ersten Klick nach der lockersten Position und drehen Sie dann die Pedale vorwärts. Die Kette sollte auf das zweite Ritzel wechseln. Wenn sie das nicht tut, ist das Schaltseil zu locker. Drehen Sie die Justierhülse entgegen dem Uhrzeigersinn, um das Seil zu spannen. Beginnen Sie mit einer halben Umdrehung und überprüfen Sie dann die Schaltung erneut. Anfänger drehen die Justierung oft zu weit. Dies führt mitunter dazu, dass die Indexierung so weit verstellt wird, dass sie zwar grundsätzlich funktioniert, aber die Rasterpositionen um eine Position verschoben sind. Dadurch funktioniert einer der äussersten Gänge nicht, während der andere einwandfrei erscheint.
Detaillierte Erläuterung der Winkeleinstellung
Wenn die Winkeleinstellung zu locker ist, berührt die Führungsrolle das größte Ritzel, wenn der kleinste Gang eingestellt ist (grosses Ritzel hinten, kleines Kettenblatt vorne). Da die Schaltung dadurch erfolgt, dass die Kette in einem Winkel verläuft, erfolgt der Gangwechsel früher, je spitzer der Winkel ist. Je näher die Führungsrolle am Ritzelpaket ist, desto spitzer wird der Winkel bei einer seitlichen Bewegung des Schaltwerks. Campagnolo-Schaltwerke von 2001 und später haben keine „B-Tension“-Einstellung. Statt dessen verwenden Sie eine „A-Tension“-Einstellung. Die Federspannung wird mit dieser Einstellung angepasst, aber in umgekehrter Richtung.
Kettenlänge und Verschleiß
Wenn die Kette oder die Ritzel ausgetauscht werden, sollte die Kettenlänge überprüft werden. Neue Ketten werden normalerweise länger als nötig hergestellt, damit sie für die meisten Fahrräder passen. Neue Ketten müssen daher fast immer gekürzt werden, bevor sie auf einem Fahrrad montiert werden. Wenn die Kette zu kurz ist, besteht das Risiko einer Blockade und einer möglichen Zerstörung des Schaltwerks, wenn man unbeabsichtigt auf die gross-gross-Kombination schaltet.
Wenn die Kette zu lang ist, wird sie in den klein-klein-Kombinationen durchhängen. Diese Kombinationen sollten ohnehin nicht verwendet werden, so dass dies kein ernstes Problem darstellt. Die beste Technik zur Ermittlung der richtigen Kettenlänge ist es, die Kette über das größte Kettenblatt und das größte Ritzel zu legen, ohne sie durch das Schaltwerk zu führen. Legen Sie die beiden Enden so auf das Kettenblatt, dass sie miteinander verbunden werden könnten (eine außenlasche auf eine Innenlasche) und verlängern Sie die Kette dann um ein vollständiges Kettenglied (ein Zoll).
Kürzen Sie die Kette, statt sie zu verlängern. Die Kette zu kurz zu machen, und sie dann zu verlängern, ist Zeitverschwendung. Die schmalsten Ketten, die mit 10-fach-Kassetten - oder manchmal 9-fach - verwendet werden, müssen mit speziellen Verschlussbolzen oder Verschlußgliedern verbunden werden.
Ketten nutzen sich ab, üblicherweise nach einigen tausend Kilometern. Durch die Abnutzung längen sie sich leicht. Sie sollten regelmässig auf diese Zeichen der Abnutzung überprüft werden. Wenn ein regelmässiger Sprung oder eine Unregelmässigkeit nach jeweils 3 bis 4 Pedalumdrehungen auftritt, haben Sie möglicherweise ein schwergängiges Kettenglied. Dies ist meistens das Kettenglied, an dem die Kette bei der Montage geschlossen wurde. Der einfachste Weg, dies zu beheben, ist die Kette in eine „Z“-Form zu legen, wobei das betroffene Kettenglied auf der Diagonalen liegt und dann die Kette vor- und zurückzubiegen.
Falls ihre Kette wegen einer Blockade ein verbogenes Kettenglied aufweist, können ähnliche Symptome auftreten. Der einfachste Weg, schwergängige oder beschädigte Kettenglieder zu finden, ist auf die klein-klein-Kombination zu schalten (ein Gang, in dem man nie fahren sollte). In diesem Gang ist die Kette am lockersten und muss enger um die Ritzel und an den Schaltrollen vorbei geführt werden als in jedem anderen Gang.
Einstellung des Umwerfers
Die Einstellung des Umwerfers ist keine exakte Wissenschaft. Wenn man Kraft auf die Pedale ausübt, wird die Kraft durch den oberen Teil der Kette auf die Ritzel übertragen. Der untere Teil der Kette ist nur der Rückweg und die einzige Spannung, die auf diesen Teil ausgeübt wird, ist die Federkraft des Schaltwerks. Da der Umwerfer Schaltvorgänge durch den oberen, kraftübertragenden Teil der Kette ausführt, hat er eine schwierigere Aufgabe zu erfüllen.
Wichtige Faktoren bei der Umwerfereinstellung
- Rahmengeometrie: Bei einem Fahrrad mit kleinem Hinterrad, hohem Tretlager oder steilem Sattelrohr, verläuft die Kette stärker nach unten in Richtung des Hinterrads und der Umwerfer muß weiter nach hinten sitzen. Die Bedienungsanleitungen für viele Umwerfer geben einen Bereich von Winkeln an.
- Befestigung am Rahmen: Die kritischste Einstellung des Umwerfers ist die Befestigung am Rahmen. Diese Position muss richtig sein, bevor man die Begrenzungen anpasst. Der Winkel des Umwerfers kann geprüft werden, indem man von oben darauf blickt.
- Höhe des Umwerfers: Die Höhe des Umwerfers ist ein entscheidender Faktor dafür, wie gut er schaltet. Die Hersteller empfehlen in der Regel einen Abstand von 2 mm zwischen dem unteren Rand des Schaltkäfigs und dem äusseren Rand des größten Kettenblatts.
Spezielle Anpassungen und Modifikationen
Kürzlich habe ich damit begonnen, einen Umwerfer für das Schalten mit größeren Kettenblättern zu modifizieren. Ich habe einen Shimano RSX-Umwerfer an einem Fahrrad mit 50/38/28-Biopace (der Durchlauf eines 50er-Biopace ist vergleichbar mit einem konventionallen 52er-Kettenblatt). Der RSX-Umwerfer funktioniert hervorragend mit der vorgesehenen 46/36/26-Kombination, aber der Käfig passt nicht zum Umfang des großen Kettenblatts. In ein paar Minuten mit einer Schleifscheibe habe ich ein gutes Stück Metall aus dem hinteren Teil des Schaltkäfigs entfernt und ein wenig aus der Brücke, wo der innere und äußere Teil des Schaltkäfigs am hinteren Ende verbunden werden. Dies führte dazu, dass der Umwerfer zum Umfang des großen Kettenblatts passt und erlaubt es mir, ihn tief genug einzustellen, um eine gute Kontrolle über die Kette zu bekommen.
Einstellung der Begrenzungsschrauben am Umwerfer
Die untere Begrenzung verhindert, dass der Umwerfer die Kette über das kleinste Kettenblatt drückt und sie auf das Innenlagergehäuse schiebt. Wenn die Begrenzung zu locker eingestellt ist, wird die Kette abspringen, wenn man versucht, auf das kleinste Kettenblatt zu schalten. Die grundlegende Einstellung der unteren Begrenzung ist die, bei der die Kette die innere Seite des Schaltkäfigs gerade nicht mehr berührt, wenn der kleinste Gang (vorne kleinstes Kettenblatt, hinten größtes Ritzel) eingelegt ist.
Die Einstellung der oberen Begrenzung ist in der gleichen Weise vorzunehmen. Sie sollte so angepasst werden, dass die Kette die Außenseite des Schaltkäfigs gerade nicht mehr berührt, wenn der größte Gang (grosses Kettenblatt vorne, kleinstes Ritzel hinten) eingelegt ist.
Weitere Tipps und Tricks
Wenn du sonst nichts verändert hast und es bis vor kurzem noch ging: Die Schaltung konkret kenne ich nicht, aber wenn Du nicht ins große Kettenblatt kommst, muss es daran liegen, dass der Schaltzug zu wenig spannung hat. such mal nach so Schaltzugeinsteller entlang dem Zug, da hats son Rädchen dran an dem man die Spannung nachstellen kann.
Wenns das nicht gibt: in den kleinsten Gang schalten, dann schaltzug lösen (ist am umwerfer normal mit dem sechskant geklemmt) und dann versuchen ihn unter zug wieder zu klemmen. d.h. du ziehst, am besten mit einer Zange, am losen Ende und drehst die Klemme dann wieder zu. dann ist er ggf.
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