Shimano XTR vs. Saint: Ein Vergleich

Shimano steht für solide japanische Qualitätsarbeit und verfügt über ein umfangreiches Portfolio an Fahrradkomponenten. Neben Bremsen ist die Marke hauptsächlich für Gangschaltung, Antrieb und E-Bike-Motoren bekannt. Das Bremsen-Angebot ist seit vielen Jahren unverändert und wird von der XTR an der Spitze angeführt.

Shimano XTR im Detail

Die Shimano XTR ist die teuerste und gleichzeitig leichteste Shimano-Bremse im großen Vergleichstest. Mit 630 € ist es die teuerste Bremse von Shimano und wildert damit im Revier von SRAMs CODE Ultimate. Die Shimano XTR Vierkolbenbremse ist vor allem an High-End- und Leichtbau-Bikes zu finden.

Dazu tragen nicht nur die 552 g des Bremssystems bei, auch die Bremsscheiben sind mit nur 149 g sehr leicht. Optisch sieht die XTR ihren günstigeren Verwandten sehr ähnlich. Nur die Farbe und die Bremsscheibe unterscheidet sie von der Shimano XT. Zudem ist die Lenkerschelle für eine zusätzliche Gewichtseinsparung ausgefräst. Ansonsten ist die einteilige Klemmung identisch einfach in der Handhabung: Nach Lösen der Schraube und Drücken des Sicherheits-Pins klappt die Schelle auf und kann am Stück abgenommen werden.

Die XTR-Bremse funktioniert wie ihre Geschwister mit Mineralöl, was relativ unbedenklich bei Haut- oder Lackkontakt ist. Solange das Öl nicht auf die Bremsbeläge gelangt, seid ihr safe. Was das Entlüften angeht, sind die Shimano-Bremsen eine der einfachsten im gesamten Testfeld. Das Shimano-eigene System „One-Way-Bleeding“ sorgt dafür, dass sich keine Luftblasen im System festsetzen. So genügt es in der Regel, den Trichter mit Mineralöl auf die Gebereinheit zu schrauben und einige Male den Bremshebel zu betätigen.

Die Shimano XTR-Bremsen beißen auf dem Trail sehr stark zu und zeigen ein nahezu ähnliches Bremsgefühl wie die Shimano XT. Der Leerweg ist leichtgängig und der Druckpunkt knackig und „kurz“ im Vergleich zu den Modellen von SRAM, Hope oder Trickstuff. So setzt die Power direkt zu Beginn des Druckpunkts stark ein und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar. Im Labor zeigt sich, dass die Shimano XTR noch einen Tick kräftiger zubeißen als die Konkurrenten im Test - sie muss sich nur hinter SRAMs neuem Bremsanker MAVEN einreihen. Außerdem ist die Bremstemperatur 35° C niedriger als bei der XT, was auf die zweiteiligen Rotoren mit Aluminiumkern zurückzuführen ist - obwohl das Bremsmoment das gleiche ist. Das hilft gegen Fading auf langen, steilen Abfahrten.

Das Alleinstellungsmerkmal der Shimano XTR-Bremsen ist das hohe Maß an Leichtbau, zusätzlich kombiniert mit sehr starker Power. Die Shimano XTR ist eine sehr gute Bremse und vereint Bremskraft, leichte Wartung und Handling mit geringem Gewicht. Innerhalb des Testfelds ist der Preis mit 630 € dafür immer noch sehr fair.

Shimano Saint im Fokus

Die Shimano Saint hat sich auf den Downhill-Podien der Welt etabliert und sich zu einer echten Ikone entwickelt. Mit nur einem Finger lässt sich der Saint unglaubliche Power bei gleichzeitig gutem Feedback entlocken, wodurch man die Lage auch bei Vollgas stets unter Kontrolle hat. Uns gefiel die Ergonomie der Hebel, ganz im Gegensatz zur Druckpunktverstellung, die so wirkt, als wäre sie jemandem im Nachhinein eingefallen - dementsprechend funktioniert sie auch nicht sonderlich gut.

Im Labor ist die Saint noch immer ganz vorne mit dabei und beeindruckt mit massiver Power und nahezu keinem Fading. Auf dem Trail ist die Verzögerung angenehm und kontrollierbar, mit einem Finger lassen sich die Räder bei jeder Geschwindigkeit blockieren. Der einzige Nachteil der Saint ist ihr Gewicht, das aber gleichzeitig der Grund für diese kraftvolle und zuverlässige Performance ist.

Nach einer langen Saison erwies sich die Shimano Saint als echte Dauerläufer. Einmal montiert, gab es keinerlei Probleme. Die Bremspower ist sowohl bei Nässe als auch im Trockenen perfekt.

Shimano XTR M9020

Die Shimano XTR M9020 ist ein wahres Schmuckstück, der einteilige Aluminium-Bremssattel sieht einfach spitze aus und die Kühlrippen der Beläge bestärken den technokratischen Look. Der Hebel steuert denselben Aluminiumkolben, der sich auch an der XT findet, hat allerdings eine schmalere Klemmung und eine verbesserte Hebelweiteneinstellung. Beim Fahren erlebten wir die herausragende Shimano-Leistung, die so viele Fahrer lieben: knackige und präzise Verzögerung bei gutem Feedback am Bremshebel. Der einzelne Kolben brachte im Labor eine höhere Leistung als bei der XT und fühlte sich auch auf dem Trail bissiger an.

Vergleich und Fazit

Die Shimano XTR-Bremse ist eine gute, zuverlässige Bremse. Wer jedoch gerne regelmäßig harte Abfahrt unter die Räder nimmt, ist mit der Shimano Saint besser beraten. Die Shimano XTR ist eine sehr gute Bremse und vereint Bremskraft, leichte Wartung und Handling mit geringem Gewicht.

Shimano XTR M9100 Test

Bereits vor einigen Wochen beim XC UCI World Cup in Nove Mesto stellten wir euch die neue Shimano XTR M9100 Komplettgruppe vor. Endlich war es soweit - wir konnten die neue Shimano XTR M9100 Komplettgruppe bei den Meida Days in Serfaus testen. Doch wie wird sie sich schalten lassen? Und ähnelt die Bremsleistung der neuen Shimano XTR wirklich der Shimano Saint 4-Kolben Anlage?

Die von uns getestete Shimano XTR war mit einer 10-51 Kassette versehen und bot damit eine Bandreite von 510%. Die Abstufung fällt insgesamt sehr harmonisch aus (10-12-14-16-18-21-24-28-33-39-45-51), die Gangsprünge sind verhältnismäßig und auch diejenigen, die hohen Wert auf die richtige Trittfrequenz legen, dürften zufrieden sein. Wem die Sprünge noch immer zu groß sind und gleichzeitig nicht die ganzen 510% Bandbreite braucht, kann auch auf die ebenfalls erhältliche 10-45 Kassette zurückgreifen. Die Kassette besteht aus drei verschiedenen Materialien. Die drei kleinsten Ritzel sind aus Stahl, der mittlere Bereich aus Titan und der obere Bereich aus Aluminium.

Um Platz für das kleine 10er Ritzel der neuen Kassette zu schaffen musste man bei Shimano vom herkömmlichen Freilauf-Design Abschied nehmen. Shimano entwickelte extra dafür einen eigenen Freilauf. Dieser hört auf den Namen Micro Spline und erinnert in seiner Funktionsweise an die des bekannten Shimano Freilaufs: Die Kassette wird einfach auf den Nabenkörper aufgeschoben und mit einem Lockring fixiert. Der Hauptunterschied des neuen Freilaufs liegt in seinem geringeren Durchmesser, der Platz für das 10er Ritzel bietet.

Die Bremssättel wurden wie auch die Gebereinheiten komplett neu entwickelt. Die 4-Kolben Variante soll Enduro und Gravity Fahrer ansprechen, 20% mehr Bremspower bieten als die kleinere Variante und auf einem Bremsniveau mit den Gravity-Bremsen Zee und Saint liegen. Optisch ist sie echter ein Hingucker wie ich finde. Bei den Bremshebeln fällt vor allem die in die Mitte gewanderte Schelle auf. Die Gesamte Einheit soll so wesentlich steifer sein als zuvor und ein direkteres Feeling vermitteln. Der Clou dabei: Die gesamte Gebereinheit verwindet sich beim Ziehen etwas in Richtung Lenker, wo sie sich dann abstützt. Ein kleiner Gummipuffer schützt vor Spuren am Lenker.

Leider geht mit den neuen Hebeln auch erneut ein aktualisierter I-SPEC Befestigungsstandard einher: I-SPEC-EV. Wem der Name nichts sagt: So lautet bei Shimano die Bezeichnung für die direkte Verbindung von Bremse und Schalthebel an einer Schelle. Der neue Standard bietet vor allem eines und zwar mehr Verstellmöglichkeiten.

Getestet wurde das Ganze im Bikepark Serfaus-Fiss-Ladis bei den Eurobike Media Days. Wer Donwhill fahren möchte, muss auch schließlich den Berg hoch kommen. Ich entschied mich natürlich dafür hochzutreten - schließlich möchte ich ja die neue Shimano XTR M9100 unter die Lupe nehmen. Schon auf dem Parkplatz fällt der sehr leise Freilauf auf. Dieser war gar so leise, dass man ihn selbst auf Asphalt nicht wahrnehmen konnte. Nach einigen Minuten flach auf der Teerstraße ging es dann auf den Forstweg den Berg nach oben. Durch die geringe Abstufung der Kassette, wechselte das Schaltwerk sehr präzise und flott die Gänge. Wie bereits bekannt, verfügt der Schaltwerk Shifter über eine Funktion zwei Gänge auf einmal zu schalten. Im Wiegetritt und voller Muskelkraft ließ ich die Gänge berghoch durchschalten. Auch mal zwei Gänge auf einmal - die Shimano XTR M9100 stört das überhaupt nicht. Bergab blieb die Kette dank Shadow-Plus System an Ort und stelle. Dadurch kann auch ohne Kettenführung gefahren werden.

Nun zur Bremse: Die Hebel der Bremse fühlten sich sehr ergonomisch an und mein Zeigefinger fühlte sich auf Anhieb wohl. Da ich privat selbst eine Shimano Saint Bremse fahre, wusste ich welche Bremspower und Dosierbarkeit die Saint hat. Im Vergleich dazu ist die neue Shimano XTR Anfangs noch viel feinfühliger geworden. Sie lässt sich im ersten Bereich schön dosieren und der Druckpunkt wird dann immer knackiger. Bei der Shimano Saint ist der Anfangsbereich nicht so sehr weich und dosierbar wie bei der Shimano XTR. Und ja - die Bremspower ähnelt sehr der Shimano Saint.

Shimano RT MT900 Bremsscheibe

Shimano XTR, Saint Bremsscheibe RT MT900, Ice Tech Centerlock 203mm Durchmesser inclusive Lockring interne VerschraubungBremsscheibe Shimano RTMT900 Centerlock. Die RT MT900 Bremsscheiben werden von Shimano zu den XTR und Saint Serien zugeordnet, können aber natürlich auch mit anderen Shimano Scheibenbremsen genutzt werden.Die Shimano Bremsscheiben RTMT900 Ice Tech Freeza mit zusätzlichen Kühlrippen. Die Centerlock Bremsscheibe auf dem Aluminium Träger sind im Sandwich Bauweise hergestellt. Der Aluminium Kern ist ummantelt von der Stahl Bremsfläche. Diese reduziert die Hitzeentwicklung deutlich und erhöht die Standfestigkeit der aller Shimano Bremsen.

Freeza Bremsscheiben weisen noch weniger Fading durch geringere Wärmeentwicklung im Vergleich zu normalen Shimano IceTec Bremsscheiben auf. Die dreilagige Sandwich-Konstruktion besteht aus Edelstahlflanken und Aluminiumkern mit integrierten Kühlrippen. Der zweiteilige Aufbau mit dem Aluminium-Träger leitet die Wärme gut ab.

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