Shimano Schaltung am Kinderfahrrad: Informationen und Empfehlungen

Bei Fahrrädern für Erwachsene ist eine Schaltung heute selbstverständlich. Wenn es sich nicht gerade um ein spartanisches Singlespeed handelt, hat ein modernes Fahrrad eine Gangschaltung und bietet bis zu 30 Gänge. Bei Kinderfahrrädern ist eine Schaltung nicht ganz so selbstverständlich. Auch wenn Kinder sicher anderer Meinung sind: eine Gangschaltung macht nicht immer Sinn.

Damit du die richtige Wahl treffen kannst, diskutieren wir hier (aus unserer Sicht) die Vor- und Nachteile einer Schaltung am Kinderfahrrad und helfen dir bei der Auswahl des besten Systems für dein Kind. Wann welcher Schaltungstyp am Kinderfahrrad empfehlenswert ist, erfährst du hier.

Vorteile einer Gangschaltung

Ganz objektiv aus der Sicht der Eltern ist eine Schaltung toll:

  • Erweiterter Übersetzungsbereich: Wie auch beim Auto erlaubt es eine Schaltung, die Übersetzung des Antriebs an die Fahrgeschwindigkeit anzupassen. Mit einer Schaltung kann somit je nach Gang schneller oder langsamer gefahren werden. Und das bei ähnlicher Trittfrequenz.
  • Anpassbare Trittfrequenz: Was beim Auto die Drehzahl ist, ist beim Fahrrad die Trittfrequenz. Die Trittfrequenz ist zwar recht variabel und kann mal schneller oder mal langsamer sein. Es gibt aber meist eine Wohlfühlfrequenz. Mit einer Schaltung lässt sich ein größerer Bereich an Geschwindigkeiten fahren, ohne diese Komfortzone zu verlassen. Vor allem beim Schnellfahren (z.B. bergab) hilft ein lang übersetzter Gang die Trittfrequenz niedrig zu halten.
  • Regulierbarer Krafteinsatz: Während Kinder meist kein Problem damit haben, ein wenig schneller zu strampeln, kommen sie doch recht schnell an die Grenzen ihrer Kraft, wenn es steil bergauf geht. Mit einem leichteren Gang müssen sie zwar mehr strampeln und kommen langsamer vorwärts, dafür brauchen sie aber auch weniger Kraft und ermüden deshalb nicht so rasch.

Mehrere Gänge am Kinderfahrrad helfen also dabei, die richtige Übersetzung für verschiedene Situationen wählen zu können. Ein leichter Gang zum Bergauffahren, ein mittlerer Gang für gemütliches Fahren, wenn es eben ist, und ein schwerer Gang, mit dem man bergab richtig schnell fahren kann und dabei nicht irrsinnig schnell strampeln muss.

Aus der Sicht der Kinder kommt dann noch ein weiterer „Vorteil“ dazu:

Sich messen können: Für Kinder ist ja mehr eigentlich immer auch besser und daher gilt beim Fahrrad „wer mehr Gänge hat, hat das bessere Fahrrad". Natürlich sollten wir als Eltern da nichts drauf geben, aber was bringt das tollste Fahrrad, wenn der Nachwuchs es nicht fahren möchte, weil alle anderen Kinder mehr Gänge haben. Ignorieren können wir diesen Punkt also auch nicht.

Nachteile einer Schaltung

Sollte also jedes Kinderfahrrad eine Schaltung haben? Wenn es um die Vorteile geht: am liebsten ja, aber leider gibt es die nicht ohne Nachteile:

  • Höhere Kosten: Eine Schaltung kostet Geld. Ein Kinderfahrrad mit Schaltung ist immer teurer als das gleiche ohne Schaltung - vor allem, wenn es sich um eine hochwertige Schaltung handelt.
  • Nötige Funktionalität: Um wirklich eine Erleichterung für die Kinder zu sein, muss die Schaltung natürlich einwandfrei funktionieren und vom Kind leicht bedient werden können. Eine Schaltung, die nicht genutzt werden kann, ist überflüssig.
  • Höhere Komplexität: Ohne Schaltung fährt dein Kind immer in einem mittleren Gang. Damit kommt es besser die Gänge hoch als im achten Gang einer Kettenschaltung. Mit Gangschaltung muss es lernen, in jeder Situation in den richtigen Gang zu schalten. Jüngere Kinder sind damit oft überfordert. Dann bringt die Schaltung gar nichts.
  • Mögliche Ablenkung: Die Schaltung soll das Fahren erleichtern. Wenn sie aber zu viel Aufmerksamkeit des Kindes erfordert, weil sie schwer zu bedienen ist oder die Gangwahl noch nicht verinnerlicht ist, dann lenkt sie vom Fahren ab und ist eher hinderlich als nützlich.
  • Höheres Gewicht: Ein Fahrrad mit Schaltung wiegt mehr als das selbe Fahrrad ohne Schaltung. Je nach Art der Schaltung kann der Gewichtsunterschied leicht mehr als 1 kg betragen. Zwar kommen die Kinder mit den niedrigen Gängen einer Schaltung Anstiege leichter hoch, doch steht das zusätzliche Gewicht diesem Vorteil entgegen oder kann ihn sogar aufwiegen.

Wann macht eine Gangschaltung Sinn?

Eine Gangschaltung hilft also vor allem in bergigen Gebieten wo es oft hoch und runter geht. Von Vorteil ist sie auch wenn sportlich schnell gefahren werden soll oder längere Strecken auf dem Plan stehen. Wenn ihr überwiegend in der Ebene kurze Strecken in gemütlichem Tempo fahrt wird dein Kind keine Schaltung brauchen.

Kinder haben mit ihren kurzen Beinen tatsächlich meist kein Problem damit schnell zu treten. Sie haben aber weniger Kraft als ein Erwachsener. Daher sind die meisten Kinderfahrräder eher kurz übersetzt. Die Kinder kommen damit recht gut in Fahrt und viele Berge hoch. Schnell fahren ist ohne eine Schaltung aber nur mit viel Gestrampel möglich.

Achte unbedingt auch auf das Gewicht des Fahrrads. Es macht keinen Sinn ein schweres Fahrrad mit Gangschaltung einem deutlich leichteren ohne Schaltung vorzuziehen. Leichte Kinderfahrräder können auch länger übersetzt sein weil die Kinder weniger Gewicht bewegen müssen und daher weniger Kraft brauchen. Dann ist auch ohne Schaltung ein höheres Tempo möglich.

Ab wann profitieren Kinder von einer Gangschaltung?

Die Schaltung bringt nur dann einen Nutzen wenn das Kind sie auch selbstständig bedienen kann. Dafür müssen sie nicht nur genug Kraft haben die Schalthebel oder -griff zu bewegen. Vor allem müssen sie verstanden haben wann welcher Gang die richtige Wahl ist. Das ist gar nicht so leicht. Eine Schaltung bei der der falsche Gang eingelegt ist ist aber schlechter als gar keine Schaltung.

Bei den meisten Herstellern finden sich erste Gangschaltung bei den 20 Zoll Fahrrädern die für Kinder ab ca. 6 Jahren passen. Vorher macht eine Schaltung kaum Sinn und es gibt auch nur sehr wenige 16 und 18 Zoll Räder mit Schaltung. Selbst sechsjährige Kinder haben oft noch Probleme mit dem richtigen Schalten und brauchen Hilfe dabei den passenden Gang zu wählen.

Unsere Empfehlung ist also erst mit dem 20 Zoll Fahrrad an eine Schaltung zu denken. Dann gibt es nicht nur eine große Auswahl an geeigneten Fahrrädern sondern dein Kind ist (oder wird sehr bald) die Bedienung der Schaltung verstanden haben und dann auch einen Vorteil haben.

Welche Schaltungen gibt es?

Am Kinderfahrrad gibt es die gleichen Gangschaltungen wie am Erwachsenenfahrrad. Je nach Einsatzzweck bietet sich ein anderes System an.

Nabenschaltung am Kinderfahrrad

Bei der Nabenschaltung verstecken sich die Zahnräder unsichtbar in der Hinterradnabe. Geschaltet wird per Drehgriff oder Daumenschalter am Lenker.

Die wichtigsten Eigenschaften der Nabenschaltung sind:

  • Sie hat 3 oder 5, maximal bis zu 8 Gänge
  • Sie ist wartungsarm und robust da alle Zahnräder in der Nabe stecken
  • Sie ist sauber: ein Kettenkasten oder sogar Riemenantrieb verhindern Kettenöl an Kinderklamotten
  • Sie ist relativ schwer (bedingt durch den robusten Aufbau)
  • Ein Schalten im Stand möglich aber kein Schalten unter Last

Der Hauptvorteil einer Nabenschaltung für die Kinder ist die einfache Handhabung: Schalten im Stand ist möglich, die Anzahl der Gänge ist meist gering, die Schaltung ist robust und fehlerunanfällig da alles in der Nabe versteckt ist. Weil die Kette bei der Nabenschaltung immer auf den selben Ritzeln läuft kann sie komplett von einem Kettenkasten umschlossen sein. Das verhindert, dass die Kinder in Kontakt mit dem Öl kommen können.

Kinderfahrrad ohne Kette

Bei manchen Herstellern (z.B. early rider und Academy) wird sogar ganz auf die Kette verzichtet und stattdessen ein Carbon-Riemen eingesetzt. Dieser Riemenantrieb kommt ganz ohne Öl aus. Deshalb ist so ein Kinderfahrrad ohne Kette und ist eine super saubere Lösung am Kinderfahrrad.

Gegen die Nabenschaltung am Kinderfahrrad spricht vor allem das recht hohe Gewicht. Die Idee der Schaltung ist ja, dass den Kindern das Fahren erleichtert wird. Wenn hierfür aber mehr Gewicht bewegt werden muss ist der Vorteil der Schaltung schnell dahin.

Kettenschaltung am Kinderfahrrad

Bei der Kettenschaltung bewegt sich die Kette über die Zahnräder - daher der Name. Schaltwerk, Ritzel, Kette, - alles ist offen sichtbar.

Die wichtigsten Eigenschaften der Kettenschaltung sind:

  • Sie hat 7 bis 9 oder sogar bis zu 30 Gänge
  • Sie ist relativ leicht
  • Sie ist wartungsintensiver: gelegentliches reinigen und schmieren der Kette ist nötig
  • Sie ist anfälliger: da alle Teile offen liegen verschmutzen sie leicht oder werden beschädigt
  • Kein Schalten im Stand möglich sondern nur wenn sich die Kette bewegt
  • Schalten unter Last ist möglich

Für die Kettenschaltung spricht vor allem das geringe Gewicht. Meist wiegt ein Kinderfahrrad mit Kettenschaltung nur wenig mehr als eines ohne. Die Anzahl der Gänge ist beinahe beliebig. Bereits einfache Schaltungen mit 7 oder 8 Gängen bieten eine ausreichende Bandbreite für ein Kinderfahrrad.

Die größten Nachteile der Kettenschaltung liegen in der komplizierteren Benutzung. Finger weg von Schaltungen mit mehreren Kettenblättern an der Kurbel. Die Bedienung mit zwei Schalthebeln ist für Kinder zu kompliziert und der Nutzen von 20 oder noch mehr Gängen ist gering.

Auch erfordert die Kettenschaltung mehr Aufmerksamkeit bei der Wartung. Nur korrekt justiert flutscht die Kette leicht von Ritzel zu Ritzel. Und weil alle Zahnräder offen liegen führen Verschmutzungen schnell zu hakeligen Gangwechseln. Ein Schutz der Kleidung durch einen Kettenschutz ist bei dieser Bauart kaum möglich. Unter Last lassen sich Kettenschaltungen meist problemlos schalten. Im Stand aber leider gar nicht. Schalten unter Last mag für Sportler wichtig sein, kommt bei Kindern eigentlich nicht vor. Im Gegenteil: bei vielen Kindern erfordert der Gangwechsel volle Konzentration. Dafür hören sie kurz (oder auch länger) mit dem Treten auf und Pedalerien erst nach dem Gangwechsel weiter. Wichtiger wäre da ein Schalten im Stand. Vor dem Anhalten daran zu denken bereits einen leichten Gang für das Losfahren einzulegen wird so bald nicht funktionieren. Kinder schalten meist erst wenn sie deutlich merken, dass der falsche Gang eingelegt ist. Das Anfahren aus dem Stand im achten Gang ist schon in der Ebene sehr mühsam und bergauf kaum möglich. Der Versuch im Stand zu schalten führt auch gerne mal dazu, dass die Kette abspringt.

Die kindgerechtere Bedienung hat ganz klar die Nabenschaltung. Das kindgerechtere Gewicht aber die Kettenschaltung.

Automatikschaltung am Kinderfahrrad

Es gibt auch eine automatisch schaltende Nabenschaltung die abhängig von der Geschwindigkeit selbstständig den richtigen Gang wählt.

Damit fahren die Kinder ganz automatisch im richtigen Gang und können sich auf das Treten, Lenken und Bremsen konzentrieren.

Die Schaltung bietet zwar nur 2 Gänge. Aber das hat schon große Vorteile gegenüber einem Rad mit nur einem festen Gang. Dadurch kann der erste Gang geringer übersetzt sein und erleichtert damit das Anfahren und das Bergauffahren. Der zweite Gang ist dann etwas länger übersetzt und damit ein Schnellgang. Die Kinder können damit also mit geringerer Trittfrequenz schneller fahren.

Früher gab es von SRAM die Automatix Schaltung. Diese wird zwar seit in paar Jahren nicht mir hergestellt, auf dem Gebrauchtmarkt gibt es immer mal wieder Räder von Kokua, woom oder kubikes die mit dieser ausgestattet sind.

Nach einer Pause gibt es jetzt einen baugleichen Ersatz von Sturmey-Archer. Und diese wird bei mehreren Herstellern auch wieder an Kinderfahrrädern verbaut.

Für jüngere Kinder ist diese Schaltung die beste Variante weil sie ohne jegliche Ablenkung die Vorteile der Schaltung bietet. Vor allem im 16 Zoll Rad kann sie einen Vorteil bieten bevor die Kinder mit 20 Zoll reif sind für die erste manuelle Schaltung.

Schalthebel oder Drehgriff?

Die Automatikschaltung kommt ganz ohne aus, aber Kettenschaltung und Nabenschaltung gibt es entweder mit einem Schalthebel der mit Daumen- oder Zeigefinger gedrückt werden muss oder mit einem Drehgriff. Mit beiden Systemen sollten die Kinder klar kommen.

Der Daumenschalter braucht meist weniger Kraft. Dafür muss dein Kind überlegen welcher Hebel in welche Richtung schaltet. Der Drehgriff überzeugt mir der klaren Bedienlogik (nach vorne drehen oder nach hinten drehen) und hatte eine klare Anzeige der Gänge. Oft brauche die Drehgriffe aber mehr Kraft weil ein ungewolltes Schalten der Gänge verhindert werden soll.

Bei kaum einem Fahrrad kannst du dir die Hebel aussuchen. Dein Kind wird mit beiden sicher Schalten können. Wichtig ist, dass du am Anfang und auch danach immer wieder Hilfestellung gibst. Zu erst mit klaren Anweisungen („Nimm jetzt besser den zweiten Gang!“) und später immer noch mit Empfehlungen („Wenn es dir zu schwer geht kannst du ja auch in einen leichteren Gang schalten.“)

Rücktritt-Bremse oder Freilauf?

Bei der Kettenschaltung hast du keine Wahl: diese hat nie eine Rücktrittbremse sondern zwei Handbremsen. Bei der Nabenschaltung gibt es beide Möglichkeiten.

Unserer Erfahrung nach kommen Kinder mit 2 Handbremsen besser zurecht. Das Umschalten zwischen vorwärts und rückwärts treten bei der Rücktrittbremse ist recht schwierig. Leichter ist es mit den Füßen in die Pedale zu treten und mit den Händen zu bremsen. Außerdem sind moderne Handbremsen leichter zu betätigen und zu dosieren als Rücktrittbremsen.

Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass ohne Rücktrittbremse die Pedale im Stand frei bewegt und optimal zum Losfahren ausgerichtet werden können.

Wie viele Gänge braucht ein Kind?

Wenn es nach dem Kind geht: so viele wie möglich aber mindestens 30. Leider empfinden die Kinder mehr meist als besser und die erste Frage wenn ein Kind sein neues Fahrrad vorstellt ist mit großer Sicherheit: „Wie viele Gänge hast du?“

Das ist schade. Denn es gibt Kinderfahrräder die genau deshalb von den Herstellern mit bis zu 30 Gängen ausgestattet werden. Aber besser ist dies für das Kind nicht. Im Gegenteil, aus 30 Gängen (bzw. drei mal zehn) den gerade jetzt passenden schnell zu finden ist selbst für Erwachsene nicht immer leicht und für Kinder quasi unmöglich.

Weniger ist also mehr. Wie wenig ist genug?

Der Nutzen der Schaltung hängt vor allem vom Übersetzungsbereich ab. Also, ob dein Kind zum langsam und schnell fahren einen passenden Gang hat.

Bei einer Drei-Gang-Schaltung sind dies ca. 200%. Im schwersten Gang tritt dein Kind bei gleicher Geschwindigkeit also halb so schnell wie im ersten Gang. Wenn der erste Gang für ca. 10 km/h passt dann ist der dritte Gang perfekt um 20 km/h schnell zu fahren (bei gleicher Trittfrequenz).

Hier ist eine Tabelle, die die verschiedenen Schaltungstypen zusammenfasst:

Schaltungstyp Vorteile Nachteile Empfehlung
Nabenschaltung Einfache Handhabung, wartungsarm, robust, Schalten im Stand möglich Relativ schwer Für Kinder, die eine einfache und robuste Schaltung benötigen
Kettenschaltung Geringes Gewicht, große Bandbreite Kompliziertere Benutzung, wartungsintensiver, kein Schalten im Stand möglich Für sportliche Kinder, die eine leichte Schaltung mit vielen Gängen benötigen
Automatikschaltung Einfache Handhabung, automatische Gangwahl Bietet nur 2 Gänge Für jüngere Kinder, die sich auf das Fahren konzentrieren sollen

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