Shimano Schaltung am Lenker nachrüsten: Eine umfassende Anleitung

Der Umbau einer Shimano-Schaltung am Lenker, insbesondere der Wechsel von Lenkerendschalthebeln zu Briftern (STI), ist ein spannendes Projekt, das den Fahrkomfort und die Schaltperformance deutlich verbessern kann. Dieser Artikel beleuchtet die notwendigen Schritte, Herausforderungen und Lösungen, die bei einem solchen Umbau auftreten können. Dabei wird besonders auf die Kompatibilität verschiedener Komponenten und die Anpassung an unterschiedliche Bremssysteme eingegangen.

Ausgangssituation und Motivation

Viele Radfahrer, die Tourenräder mit Stahlrahmen und Lenkerendschalthebeln besitzen, wünschen sich eine intuitivere Bedienung der Schaltung, besonders im Stadtverkehr. Das ständige Umgreifen zwischen Brems- und Schalthebel kann auf Dauer lästig werden. Daher ist der Umbau auf Schalt-/Bremshebelkombinationen (Brifter) eine attraktive Option.

Herausforderungen und Lösungen

Der Umbau von Lenkerendschalthebeln auf Brifter (Shimano STI oder auch Alternativen) ist nicht so kompliziert. Das Fuji Touring ist ein Tourenrad mit Stahlrahmen, Rennlenker, Lenkerendschalthebel und klassische V-Brakes. Normale moderne Schalt-/Bremshebelkombis für Rennlenker sind für Rennradbremsen (zB Dualpivot Bremsen) gebaut. Diese haben eine andere Hebelübersetzung. Dadurch können nicht ohne weiteres klassische V-Brakes verwendet werden.

Es gibt grundsätzlich drei Alternativen, um dieses Problem zu lösen:

  • Dual Pivot Bremsen montieren: Dies ist jedoch nicht immer möglich, da der Rahmen möglicherweise keine entsprechenden Aufnahmen besitzt.
  • Mini-V-Brakes montieren: Diese Bremsen haben kürzere Bremsarme und sind besser mit Rennrad-Bremshebeln kompatibel.
  • Scheibenbremsen montieren: Wenn der Rahmen Aufnahmen für Scheibenbremsen hat, dann könnte dies die beste Lösung sein, auch wenn man nur mechanische Scheibenbremsen montieren kann.

Realistisch betrachtet gibt es nur 3 wirkliche Alternativen: Cantileverbremsen, Umlenkrolle oder Mini V-Brakes. Nach langer Recherche habe ich mich für die Mini V-Brakes entschieden. Cantilever sollen am Rennlenker kein Optimales Bremsgefühl haben und schwer zu justieren sein. Die Umlenkrollen sind die einzige Möglichkeit die alten V-Brakes weiter zu verwenden. Bei den Mini V-Brakes hat mir gefallen, dass ich zum einen mit der Montage und Einstellung schon vertraut bin und zum anderen noch massig Bremsbeläge in der Ersatzteilkiste habe.

Kompatibilität der Antriebskomponenten

Weiterhin hat das Fuji normale Deore Antriebskomponenten verbaut. D.h. Kurbel, Kassette, Schaltwerk und Umwerfer. Die Recherche hat ergeben, dass alles insbesondere weil es sich um einen 9-fach Antrieb handelt mit Rennrad-Schaltkomponenten kompatibel ist. Ich konnte in der Praxis jedoch keine Nachteile feststellen.

Auswahl der richtigen Brifter

Letztlich habe ich mich für Shimano STI als Brifter entschieden. Es gibt verschiedene Alternativen, die in Betracht gezogen werden können:

  • Gevenalle Schalt-/Bremsgriffe: Dies sind klassische Bremsgriffe für Rennlenker an denen ein Daumenschalter angebracht ist.
  • Microshift SB-R493: Das sind Griffe welche mit Shimano 9-fach Antrieben kompatibel sind.
  • Shimano Sora STI R3000: Die Züge werden unter dem Lenkerband verlegt und hängen daher nicht rum wie beim Vorgänger oder bei der Microshift-Variante.

Meine Entscheidung viel auf den Shimano-Griff. Sinnvoll sind außerdem Zugeinsteller, wenn diese noch nicht montiert sind. Anmerkung: Theoretisch gibt es natürlich auch noch SRAM als Brifter-Variante, aber hiermit habe ich mich nicht beschäftigt.

Werkzeug und Montage

Wie oben bereits beschrieben bin ich kein Fahrradfachmann und bisher hatte ich nicht mit Umbauten in diesem Ausmaß zu tun. Meine Werkstatteinrichtung ist auch nicht sehr speziell, aber meiner Meinung ist auch kein Spezialwerkzeug notwendig. Lediglich verschiedene Innensechskantschlüssel, Schraubenzieher und ein guter Seitenschneider (!) oder ein Bowdenzugschneider. Das letzte ist wichtig, denn es müssen sowohl Schalt-/Bremszüger gekürzt werden und außerdem die Zughüllen. Mit einem schlechten Seitenschneider oder Kombizange bekommt man die Hüllen nicht sauber gekürzt und quetscht sie eher nur. Was mir darüber hinaus sehr geholfen hat ist die Shimanos offizielle Dokumentation für die Sora Schalthebel.

Weitere Anpassungen

An meinem Fuji Touring hatte ich kurz nach Kauf noch Schutzbleche vom Typ SKS Bluemels in 42er Breite montiert. Diese sind leider nicht mit der neuen Mini V-Brake kompatibel. Das war jedoch meine einzige ungeplante Ausgabe bei dem Umbau. Ich hätte alternativ natürlich auch die kritischen Stellen am Schutzblech wegpfeilen können.

Erfahrungen nach dem Umbau

Das Fahrrad fährt sich toll. Seit dem Umbau bin ich bereits 1800 Kilometer mit dem Fuji Touring gefahren. Ich musste die Zugspannung des Schaltwerks genau einmal nachjustieren, das war nach einem Kettenwechsel. Der Umbau hat sich aus meiner Sicht gelohnt, da das Schalten und Bremsen viel intuitiver abläuft. Wer von euch plant einen ähnlichen Umbau durchzuführen, kann auch gerne Fragen stellen. Jedenfalls sollte man keine Angst haben. ich denke jeder kann das schaffen.

Langzeiterfahrungen und Alternativen

Nach etwa 1,5 Jahren und 4800 Kilometer ist leider der rechte STI (für das 9-fach Schaltwerk) defekt. Nach kurzen Überlegungen habe ich mich daraufhin von den STI getrennt und habe neue Schaltgriffe verbaut. Es handelt sich um die Gevenalle CX Shifter.

Shimano GRX RX827 Di2: Eine moderne Alternative

Shimano präsentiert mit dem GRX RX827 Di2 sein erstes vollständig drahtloses Schaltsystem für Gravel-Bikes. Die neue 1x12-Schaltgruppe erweitert das bestehende GRX-Sortiment um eine kabellose elektronische Option. Kernstück ist das neue RD-RX827 Schaltwerk, das auf dem XTR M9200 Mountainbike-Schaltwerk basiert. Es verfügt über ein kompaktes Design mit im Schaltwerk integriertem Akku, der sich zum Aufladen auch entnehmen lässt. Laut Shimano hält eine Akkuladung je nach Fahrbedingungen für 700 bis 1000 Kilometer. Bei Stößen oder Stürzen soll sich das Schaltwerk automatisch wieder in die Ausgangsposition zurückstellen.

Kompatibilität und Ergonomie

Die Schaltgruppe ist mit allen 12-fach Di2-Komponenten von Shimano kompatibel, einschließlich der Schalthebel für Rennlenker. So können Fahrerinnen und Fahrer auch die drahtlosen Schalthebel der Rennradgruppen Dura-Ace, Ultegra oder 105 Di2 verwenden. Innerhalb der GRX-Serie gibt es für den 1x12-Antrieb nun auch den BL-RX825-L Bremshebel ohne Schaltfunktion. Die Ergonomie der Hebel wurde laut Shimano für Gravel-Bikes optimiert. Sie verfügen über eine griffige Oberfläche und sind für Lenker mit Flare-Bogen ausgelegt.

Vielseitigkeit und Einsatzbereiche

Mit der neuen Shimano GRX RX827 Di2 Gruppe adressiert Shimano unterschiedliche Einsatzbereiche im Gravel-Segment. Die robuste Konstruktion und große Übersetzungsbandbreite eignen sich sowohl für Rennen als auch Bikepacking-Abenteuer. Durch die Kompatibilität mit Mountainbike-Kurbeln lässt sich das System auch an Dropbar-Mountainbikes montieren. Als Kettenblattoptionen stehen 40 und 42 Zähne zur Auswahl. In Kombination mit der 10-51 Zähne Kassette ergibt sich eine Bandbreite von 510 Prozent.

Nachrüstung und Laufräder

Shimano gibt an, dass sich die Komponenten ohne spezielle Rahmenanforderungen an bestehende Gravel-Bikes nachrüsten lassen. Ergänzend zur neuen Schaltgruppe präsentiert Shimano auch ein neues Aluminium-Laufradset für Gravel-Bikes. Die WH-RX180-TL Laufräder sind tubeless-kompatibel und verfügen über eine Maulweite von 25 Millimetern. Sie eignen sich für Reifen zwischen 32 und 50 Millimeter Breite.

Komponente Details
Schaltwerk RD-RX827 (basiert auf XTR M9200)
Akkulaufzeit 700-1000 km
Kettenblattoptionen 40 und 42 Zähne
Kassettenbandbreite 10-51 Zähne (510%)
Laufräder WH-RX180-TL (tubeless-kompatibel, 25mm Maulweite)

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