Wenn die Schaltung an Ihrem Fahrrad nur noch schwer und "hakelig" funktioniert, kann es nötig sein, den in die Jahre gekommenen Schaltzug zu erneuern. Sind Sie oft im Regen gefahren oder haben aus Zeitmangel die Wartung des Rades vernachlässigt, dann sind vielleicht die Bowdenzüge der Schaltung nicht mehr richtig gangbar. Der Bowdenzug harkt in der verschmutzten Zughülle oder ist nicht mehr richtig geschmiert, vielleicht ist auch die Teflonbeschichtung des Stahlzuges verschlissen oder es sind gar einzelne Litzen gerissen und klemmen innen in der Ummantelung.
Wichtige Vorab-Hinweise
Vorab schon einmal ein paar Hinweise dazu, was man auf keinen Fall probieren sollte, um einen Zugwechsel zu umgehen:
- Teflonbeschichtete Züge überhaupt nicht schmieren, grundsätzlich ist keine Schmierung von Nöten.
- Es ist auch davon abzuraten, gerissene Litzen sauber abzutrennen.
Daher die Ansage: „Alter Zug raus, Zugführung auf Beschädigungen überprüfen, Teflonseele gegebenenfalls mit Wasser und Stahlseelen mit Silikonspray oder Brunox spülen und einen neuen Zug einziehen!“
Vorbereitung der Demontage
Vor der Demontage die Bowdenzüge entlasten heißt, dass man vorne auf das kleinste Kettenblatt und hinten auf das kleinste Ritzel schaltet. Die Einstellschrauben sollten nicht komplett heraus- oder hineingeschraubt werden, sondern ganz rein und nach zwei- bis drei Umdrehungen wieder heraus.
Schritte zur Demontage
- Lösen Sie den Schaltzug hinten an der Schaltung.
- Schauen Sie sich vorher unbedingt den Verlauf des Zuges genau an.
- Am besten machen Sie davon ein Foto, damit Sie den neuen Zug später auf die gleiche Weise wieder verschrauben.
- Lösen Sie die kleine Staubkappe vorne am Schalthebel.
- Nach Entfernen aller Schutzhülsen und des Gummischutzes lässt sich der Zug aus der Kombinationsarmatur herausschieben.
Montage des neuen Schaltzugs
Die alten Außenhüllen dienen als Vorlage zum Ablängen/Zuschneiden der neuen Hüllen. Nachdem Sie die Außenhüllen neu angefertigt haben, schieben Sie hier den neuen Schaltzug hinein. Verlegen Sie den Zug am Fahrrad bzw. am Rahmen wieder auf die gleiche Weise wie der vorherige verlegt war. Wie eingangs bereits erwähnt, achten Sie bitte unbedingt darauf, den Verlauf des Zuges am Rahmen vor Beginn der Arbeiten gut zu betrachten und eventuell zu fotografieren. So ist sichergestellt, dass auch der neue Zug spielfrei funktioniert und leicht laufen kann. Ein Ölen der Hüllen (z.B. mit dem Innotech Spray 107) sorgt für eine gute Schmierung. Bei einigen Fahrradrahmen laufen die Züge über weite Strecken auch ohne Hüllen.
Wichtige Hinweise zur Zugverlegung
- Vermeiden Sie beim Verlegen der Züge enge Biegungen; die Züge sollten in weichen Bögen verlaufen, damit die Reibung so gering wie möglich bleibt.
- SRAM schreibt einen verhältnismäßig großen Bogen am Schaltwerk vor, damit die Schaltung perfekt funktioniert.
- Bei kleinen Rahmen kann es sinnvoll sein, die Schaltzüge vor dem Steuerrohr zu kreuzen - dann knicken sie beim Einlenken nicht so stark ab.
Bowdenzug Kontrollieren und Schmieren
Leichtgängige Schalt- und Bremszüge sind enorm wichtig für die Funktion des Rennrades. Verschlissene oder beschädigte Züge sollten deshalb ausgetauscht werden. Prüfen Sie die Züge regelmäßig auf Beschädigungen, besonders in der Nähe der Anschläge. Quetschungen, Knicke, eingerissene Enden oder Schmutz in den Hüllen erhöhen die Reibung; Schaltung und Bremsen werden dann schwergängig und unpräzise. Das beste Schmiermittel für Bowdenzüge ist Fett. Es dichtet die Enden gleichzeitig gegen Wasser und Schmutz ab. In Hülsen und Zuganschlägen schützt es vor Korrosion und Knackgeräuschen. Ziehen Sie den gut eingefetteten Zug mehrmals in der Hülle hin und her, damit sich das Fett gut verteilt.
Qualität der Bowdenzüge
Es lohnt sich, für hochwertige Züge etwas mehr Geld auszugeben. Die beschichteten Shimano-Züge verbessern die Performance aller Shimano-Schaltgruppen enorm. Auch die originalen Campagnolo-Züge sind gut. Von speziellen, abgedichteten Zug-Sets fürs Rennrad raten wir ab, weil sie die Reibung eher erhöhen.
Schalt- und Bremszüge nicht verwechseln
Schalt- und Bremszüge sind verschieden und dürfen nicht verwechselt oder gemischt werden. Schalt-Innenzüge sind dünner als Brems-Innenzüge und haben einen kleineren Kopf. Achtung: Hier gibt es unterschiedliche Versionen von Shimano und Campagnolo! Die Shimano-Köpfe sind geringfügig größer und können sich in Campagnolo-Schalthebeln festfressen. Schalt-Außenzüge sind etwas schlanker als Brems-Außenzüge und in Längsrichtung verstärkt, damit sie beim Schalten nicht gestaucht werden. Brems-Außenzüge haben eine spiralförmige Verstärkung, das macht sie etwas flexibler beim Verlegen.
Spezialwerkzeug verwenden
Verwenden Sie fürs Kürzen der Züge immer eine gute Bowdenzugzange. Die Hüllen müssen sauber und exakt rechtwinklig abgeschnitten werden. Trennen Sie die Züge oder Hüllen nicht mit Seitenschneider oder Kneifzange, da diese die Züge zu sehr quetschen. Glätten Sie die Enden der abgeschnittenen Außenhüllen mit einer Feile, damit sie fest und bündig in Anschlägen und Endkappen sitzen. Weiten Sie außerdem den Kabelkanal nach dem Schnitt mit einem spitzen Gegenstand.
Enden am Bowdenzug vorbereiten
Achten Sie darauf, dass Sie ausreichend Endkappen zur Verfügung haben. Die Kappen für Schalt- und Bremszughüllen sind verschieden. Sehr wichtig ist die Quetschkappe auf dem Zugende, denn das abgeschnittene Drahtseil spleißt schnell auf und man kann sich leicht daran verletzen. Als Notbehelf eignet sich ein Speichennippel oder Klebeband; wenn man’s ganz nobel haben möchte, kann man die Enden auch verlöten. Offene Zugenden sollten mit einer Kappe geschützt werden.
5 Tricks, wie die Leitung durch den Rahmen kommt
- Züge drin lassen: Sind die Züge noch montiert, dann ziehen Sie sie nicht komplett aus dem Rahmen. Tauschen Sie zunächst nur den Innenzug aus, dann ziehen Sie die alte Außenhülle über den Innenzug heraus und fädeln die neue darüber.
- Demontieren: Schrauben Sie falls möglich alle Anschläge und Zugumlenkungen vom Rahmen und fädeln Sie sie nur lose auf die Züge. Bei der Verlegung durch das Tretlagergehäuse lohnt es sich meist, die Kurbel und eventuell auch das Lager auszubauen.
- Fädelhilfe für Bowdenzug: Bei der Neuverlegung leistet ein Bremszug mit leicht gebogenem Ende gute Dienste. Er ist etwas steifer und schwerer als ein Schaltzug, lässt sich also besser fädeln.
- Magnet: Mit einem starken Magneten lassen sich Züge im Rahmen von außen führen.
- Staubsaugertrick: Wenn Kanten und enge Radien die Verlegung erschweren, können Sie es mit Wollfaden und Staubsauger versuchen.
Tücken der Integration von Zügen
Wenn die Leitungen durch Lenker und Vorbau verlaufen, muss die Länge auf den Millimeter passen. Wenn möglich, lassen Sie bei den Arbeiten die Außenhüllen und Bremsleitungen am Lenker montiert. Müssen sie getauscht werden, merken Sie sich ihren genauen Verlauf und die Reihenfolge und Orientierung der Einzelteile, insbesondere des Steuersatzes.
Empfindliche Di2-Kabel
Di2-Kabel sind anfällig für Beschädigungen: Werden sie gequetscht oder reiben sich an scharfen Kanten, ist ein Kabelbruch schnell passiert. Achten Sie deshalb auf ausreichend Schutz.
Schaltzug wechseln - Werkzeug & Aufwand
Werkzeug: Zughüllenschneider (Cable Cutter), Inbussatz, Klebeband, Teflonspray
Material: Schaltzugset, Liner, Zugendhülsen, Endkappen
Schwierigkeitsgrad: Mittel
Zeitaufwand: 45 Minuten
Allgemeines vorweg
- Optisch ansprechend, da in gleichmäßigen Bögen, laufen die Zughüllen von der Vorderseite des Lenkers auf die jeweils gegenüberliegende Seite am Rahmen (Bild).
- Der Bogen jeder Zughülle vom Lenker bis zum Anschlag am Rahmen sollte so lang sein, dass maximales Einschlagen des Lenkers gerade noch möglich ist.
- Die Zughülle zum Schaltwerk darf nicht in einem zu engem Bogen geführt werden, um die Reibung möglichst gering zu halten.
- Bei den Zughüllensets der Schaltungshersteller (wie Shimano, Sram, Campagnolo, FSA, Microshift, Rotor) sind die Hüllen für alle Rahmengrößen verwendbar.
Schaltzüge wechseln: Tipps für außen verlegte Züge
- Die Schrauben zum Justieren der Zugspannung (sog. Zugeinsteller) lassen sich bei außen verlegten Zügen am vorderen Zuganschlag einfach anbringen.
- Kontrolliere es auch auf Kanten oder Beschädigungen, und gebe nach jeder Reinigung etwas Teflon-Spray auf die Führung, damit die Züge hier möglichst leicht laufen.
- Sogenannte Donuts, kleine gelochte Gummistücke zum Auffädeln auf die Züge, verhindern nerviges Klappern am Rahmen und schützen diesen gleichzeitig ein wenig vor Scheuerstellen.
Schaltzüge wechseln: Tipps für innen verlegte Züge
Das Verlegen der Schaltzüge im Rahmen bei integrierter Zugverlegung ist meist etwas tricky und erfordert Geduld. Bevor du loslegst, überlege die Schritte genau.
- Bevor du die alten Züge herausziehst, schiebe passend abgelängte Innenhüllen, sog. Liner, auf jeden Zug, der durch den Rahmen geführt wird.
- Fixiere die Liner mit Klebeband und ziehen nun die alten Züge heraus.
- Zuganschläge im Rahmen sind häufig ein Grund für schlechte Funktion der Schaltung. Kontrolliere regelmäßig, ob jede Zugendhülse satt in der Rahmenaufnahme sitzt und ob die Zughülle darin festen Halt findet.
- Zugeinsteller lassen sich bei innen verlegten Zügen einfach nachrüsten: Setze die praktischen Teile in der Zughülle zwischen Lenker und vorderem Zuganschlag ein.
- Hüllen (Liner) erleichtert nicht nur das Verlegen von Zügen im Rahmeninnern, es senkt auch den Reibwiderstand des Schaltzuges an Knicken und Rundungen am Tretlager.
- Die Zugführung unter dem Tretlager liegt bei innen verlegten Zügen mal offen, mal unter einem Deckel. Hier sammelt sich gern Schmutz und kann die Schaltfunktion spürbar beeinträchtigen.
- Nun fädelst du die neuen Züge in die Liner ein: vom oberen Zuganschlag zur Montageöffnung im Tretlager, dann weiter zum Schaltwerk.
- Scheuernde Zughüllen sind bei innen verlegten Zügen häufig ein Problem, da die Zuganschläge sehr nah am Rahmen liegen.
Gedichtet oder ungedichtet Zughüllenendhülsen
Gedichtete Zugendhülse schützen die Zughüllen gut vor eindringendem Wasser und Schmutz, sie sind daher ein heißer Tipp für Vielfahrer, die bei jedem Wetter unterwegs sind. Allerdings erhöhen sie die Zugreibung etwas und sind deutlich teurer als die ungedichteten. Wer meist bei Trockenheit fährt, kann also bedenkenlos ungedichtete Endkappen verwenden.
Abschließend
Ein neues Schaltzugsystem muss man nach den ersten Ausfahrten meist ein oder zwei mal nachjustieren! In der Regel genügt dazu ein kleiner Dreh an der Zugspannschraube, dort wo der Zug am Schalthebel anflanscht. Grund: Die Abfolge aus Außenhüllensegmenten, Endhülsen und Anschlägen drückt sich bis zum endgültigen Sitz etwas zusammen. Dadurch gibt der Seilzug minimal nach - die Schaltung wird unpräzise.
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