Das Zurückdrücken der Kolben einer Shimano Scheibenbremse ist ein wichtiger Wartungsschritt, der erforderlich ist, um neue Bremsbeläge einzusetzen oder Probleme mit schleifenden Bremsen zu beheben. Hier finden Sie eine detaillierte Anleitung und nützliche Tipps.
Grundlagen und Vorbereitung
Bevor Sie beginnen, ist es wichtig zu verstehen, warum die Kolben zurückgedrückt werden müssen. Wenn die Bremsbeläge verschleißen, gleichen die Kolben den Abstand aus, indem sie weiter herausfahren. Beim Einsetzen neuer, dickerer Beläge muss dieser zusätzliche Weg zurückgesetzt werden, um Platz zu schaffen.
Es ist ein einziger HS11-Bremsgriff mit der Bezeichnung MJ2017, welcher eine Einstellschraube TPA habe.
Werkzeuge und Materialien
- Reifenheber aus Kunststoff
- Bremsenreiniger
- Fusselfreies Tuch
- Messschieber
- Drehmomentschlüssel
- ggf. Nähmaschinenöl oder Bremsflüssigkeit
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Laufräder ausbauen und Bremsscheiben prüfen
Um an der Bremsanlage arbeiten zu können, müssen natürlich die Laufräder vom Rad abmontiert werden. Vorher aber kannst Du noch prüfen, ob die Bremsscheiben gerade oder eventuell verzogen sind. Eine verzogene Scheibe erkennst Du daran, dass sie bei Rotation im Bremssattel seitlich “taumelt“.
Ein leichter Verzug ist zu verschmerzen und kann mit einem Richtwerkzeug begradigt werden. Dieser Verzug kann im Fahrbetrieb teils auffallen - Du spürst während des Bremsens ein leichtes, frequentes Pulsieren. Wenn Dich das nicht sonderlich stört, kann die Scheibe ruhig so weitergefahren werden.
Ist die Scheibe stark verzogen, so dass der Bremssattel nicht mehr schleiffrei einstellbar ist, kann es sein, dass sie nicht mehr zu begradigen ist und ausgetauscht werden muss.
2. Zustand der Bremsscheiben prüfen
Nun wird noch die Reibfläche der Scheiben geprüft. Diese unterliegt natürlich, genau wie die Beläge, einem gewissen Verschleiß, auch wenn dieser aufgrund der Härte des Stahls deutlich langsamer fortschreitet als bei den Bremsbelägen.
Nimmst Du Dir die Scheibe vor, kannst Du mit dem Fingernagel am Übergang zwischen Reibfläche und Trägerarmen oft eine „Stufe“ spüren. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Reibfläche bereits dünner geworden ist. Mit dem Messschieber kannst Du die genaue Dicke messen.
Ist sie nahe der Verschleißgrenze oder gar darunter, muss sie getauscht werden. Diese Verschleißgrenze ist auf der Scheibe aufgedruckt. Wenn die Scheibe rot- bis bläuliche Verfärbungen aufweist, ist dies ein Indiz dafür, dass sie mindestens einmal auf einer Abfahrt sehr heiß geworden ist.
Das darf aber durchaus sein und ist kein Grund zum Austausch - es sei denn, die Scheibe sieht komplett „verglüht“ aus. Schau Dir auch die Reibfläche genauer an: Siehst Du dort eingebrannte Fragmente der Beläge, hat sich Material dieser gelöst und mit der Scheibe unter Hitzeeinwirkung „verbunden“.
Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Bremsbeläge an ihre Belastungsgrenze gekommen sind. Falls Du organische Beläge nutzt, wäre der Umstieg auf Sintermetall-Beläge ratsam, da diese mehr Hitze vertragen.
Um nichts auszulassen, empfiehlt es sich, noch die Verschraubung der Scheiben an den Naben zu prüfen, idealerweise mit dem Drehmomentschlüssel. Die Drehmomentwerte sind jeweils auf der Scheibe bzw. auf dem Center Lock-Verschlussring aufgedruckt. Findest Du keine Angabe auf der 6-Loch-Scheibe, sind 6-7Nm ein guter Anhaltspunkt. Bei Center Lock ist ein Wert von 40Nm vorgesehen.
3. Bremsscheiben reinigen
Sind die Bremsscheiben verölt oder stark verdreckt, müssen sie gereinigt werden. Hierzu nimmst Du einen herkömmlichen Bremsenreiniger , der auf einen Öl- und fettfreien Lappen gesprüht wird. Damit werden beide Seiten der Bremsfläche gründlich abgewischt.
Anschließend empfehlen wir, noch einmal mit einem in Wasser getränkten Lappen nachzuwischen, denn Bremsenreiniger hinterlässt Rückstände auf der Scheibe, die den Reibwert verringern und somit temporär die Bremsleistung verschlechtern.
4. Kolben zurückdrücken
Das geht an und für sich recht einfach mit Reifenhebern aus Kunsstoff. alte Beläge drin lassen.
Ohne Betätigung (= Druck) ist es zumeist möglich, den Kolben auf Null zurückzudrücken.
Ich habe bei mir - in Ermangelung" von Bremshydrauliköl - Nähmaschinenöl auf die Seitenränder der Kolben getröpfelt und - so wie du bereits gemacht hast - den Kolben immer ganz langsam und vorsichtig hin und herbewegt. Da hilft jetzt nur Geduld und Gefühl, denn i.d.R. wirst aber du gewinnen.
Hast du den Bremsgriff demontiert und in die richtige Richtung gedreht?
5. Bremse überprüfen und einstellen
Nach dem Zurückdrücken der Kolben und dem Einsetzen neuer Beläge muss die Bremse neu eingestellt werden. Dies beinhaltet das Ausrichten des Bremssattels, um sicherzustellen, dass die Scheibe mittig zwischen den Belägen läuft.
6. Bremssattel ausrichten und schleiffrei einstellen
Der Bremssattel sollte exakt parallel zur Scheibe stehen - so kann die Bremse kräftig zupacken und schleift nicht.
- Bremssattel lockern: Die beiden Schrauben der Bremsaufnahme lockern. Nun den Bremshebel ziehen, bis die Bremsbeläge fest an der Scheibe anliegen. Mit gezogenem Bremshebel die Schrauben wieder festziehen.
- Sichtprüfung: Nach dem Festziehen der Befestigungsschrauben sollte die Scheibe genau mittig zwischen den Bremsbelägen laufen. Ist dies nicht der Fall, Schritt 1 wiederholen und den Bremssattel nachjustieren. Beim Sicht-Check hilft ein helles Papier am Boden.
- Bremsscheibe ausrichten: Schleift die Scheibe trotz justierten Bremssattels unregelmäßig und „eiert“, ist sie verzogen. In diesem Fall mit einem speziellen Richtwerkzeug, in das der Rand der Scheibe eingeklemmt wird, oder mit den Händen und einem Tuch zum Schutz vor Fett die Bremsscheibe gefühlvoll geradebiegen. Zur Sicherheit hinterher die Scheibe mit Bremsenreiniger säubern.
Problemlösung
Kolben lässt sich nicht zurückdrücken:
- Ursache: Verschmutzung, Korrosion oder zu viel Bremsflüssigkeit im System.
- Lösung: Reinigen Sie die Kolben vorsichtig. Wenn das nicht hilft, kann es notwendig sein, etwas Bremsflüssigkeit abzulassen oder das System zu entlüften.
Schleifende Bremse:
- Ursache: Falsch ausgerichteter Bremssattel oder verbogene Bremsscheibe.
- Lösung: Richten Sie den Bremssattel neu aus oder korrigieren Sie die Bremsscheibe.
Häufige Ursachen für Probleme mit Scheibenbremsen
INHALT:Wieso schleifen Scheibenbremsen?Ohne am Bremshebel zu ziehen, schleifen die Bremsbeläge leicht an der Scheibe. Fünf Ursachen - fünf Lösungen.
- Zu viel Bremsflüssigkeit: Kommt bei neuen Bremsen im Auslieferungszustand immer wieder vor. Die Kolben können sich nicht weit genug zurückziehen. Da hilft nur, den Stand der Bremsflüssigkeit zu korrigieren. Anschließend müssen Sie die Bremse entlüften.
- Bremsscheibe nicht mittig: In diesem Fall den Bremssattel lockern und neu ausrichten.
- Laufrad schief eingebaut: Das kann bei Bikes mit herkömmlichen Schnellspannern passieren. Schnellspanner öffnen und neu justieren.
- Bremsscheibe verbogen: Manchmal hilft es schon, die Bremse richtig heiß zu bremsen (Achtung, nicht überhitzen!). Ansonsten vorsichtig per Hand oder mit Richtwerkzeug zurechtbiegen.
- Kolbenklemmer: Kolben und Bremssattel mit Bremsenreiniger säubern.
Wichtige Hinweise
Von keinem Teil hängt die Sicherheit beim Biken so enorm ab wie von Bremsbelägen. Deshalb sollte man sie regelmäßig checken und rechtzeitig austauschen. So klappt der Wechsel schnell und sicher.
ACHTUNG: Scheibenbremsen sind sicherheitsrelevante Bauteile. Wer daran rumschraubt, sollte wissen, was er tut und vor allem sorgfältig arbeiten. Eine Kontrollfahrt nach der Wartung schadet nie. Ohne ausreichende Erfahrung beim Schrauben lohnt es sich, eine Bike-Werkstatt aufzusuchen und sich Rat von Experten zu holen.
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