Shimano SLX M7100 12-Fach Kassette im Test: Eine umfassende Analyse

Die Shimano SLX M7100 wurde zusammen mit der XT M8100 vorgestellt. Die SLX besitzt die gleiche DNA wie die XT, was viele Vorteile mit sich bringt. In den letzten Jahren hat sich die SLX zu einem Geheimtipp entwickelt, der besonders preisbewusste Käufer mit einer fast unschlagbaren Performance begeistert.

Philosophie und Features

Es gehört zur Philosophie von Shimano, dass nach der Einführung der Top-Gruppen (XTR am MTB, Dura Ace am Rennrad) die neuen Features auf die günstigeren Gruppen übertragen werden. Die neue SLX weist fast die gleichen Features auf wie die gleichzeitig präsentierte M8100 XT Gruppe. Allerdings gibt es Unterschiede, die sich insbesondere bei der Optik und beim Gewicht bemerkbar machen. Die Kassetten sind etwas schwerer als die der XT- und XTR-Gruppen, da elf Ritzel aus Stahl bestehen (bei der XT sind es zehn, bei der XTR kommt sogar Titan zum Einsatz).

Unterschiede und Gemeinsamkeiten

  • Kassette: Schwerer, da mehr Stahlritzel.
  • Kurbel und Schaltwerk: Etwas schwerer, weniger Kettenblatt-Optionen.
  • Bremsen: 4-Kolben Sattel ähnelt dem der XT und XTR Bremse.
  • Geber: Verzicht auf die Free Stroke Adjust Schraube.

Praxistest und Performance

In Spanien hatten wir die Gelegenheit, die neue SLX zu testen und direkt mit der neuen XT zu vergleichen. Bei der Performance, egal ob bezüglich der Schaltung oder der Bremsen, muss sie sich keineswegs verstecken. Während die Free Stroke Adjust Schraube am Bremsgeber nicht vermisst wurde, fiel der Schalthebel gegenüber seinem höherwertigen Kollegen spürbar ab: Vor allem die fehlende Option, mit einem beherzten Druck auch zwei Gänge auf einmal herunterzuschalten, machte sich bemerkbar.

Die Schaltperformance war immer auf höchstem Niveau. Die angepriesene Schaltperformance unter Last wurde natürlich auch getestet. Unter Last zu schalten heißt nicht mit voller Kraft im Wiegetritt in die Pedale zu Hämmern, dabei knirscht es nämlich weiterhin. Schaltet man allerdings im Sitzen mit ordentlich Zug an Kette, wandert die Kette verblüffend leicht auf das nächst größere Ritzel. Die Shimano SLX Schaltung ist damit die geschmeidigste Schaltung, die ich bisher an einem Rad testen durfte.

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Schaltperformance hat die Kette bei Shimano. Im Gegensatz zu anderen Ketten am Markt ist sie laufrichtungsgebunden. Das heißt zwar, dass man bei der Montage ein wenig aufpassen muss, aber auch, dass die Kette auf diese Weise für das Zusammenspiel mit der Kassette optimiert werden kann.

Neben der erstklassigen Schaltperformance hat Shimano zusätzliches Augenmerk auf die Abstufung der Kassette gelegt. Die Klicks sind immer knackig und der Schalthebel gibt dabei ein angenehmes Feedback. Mit ausgeschaltetem Reibungsdämpfer des Shadow+ Schaltwerks muss man für das Verlagern der Gänge lediglich sanft über den Schalthebel streichen.

Beim Herunterschalten in die schweren Gänge springt die Kette bei der Betätigung des Hebels lediglich einen Gang auf der Kassette. Die Betätigung mit dem rechten Zeigefinger ist dabei eine willkommene Abwechslung beim gemütlichen Fahren. Auf dem Trail wird natürlich nur mit dem Daumen geschaltet. Ein sattes, klickendes Geräusch bestätigt den Gangwechsel. Für Sprints und schnelle Gangwechsel wären zwei Gangsprünge mit einem Klick - wie es bei der Shimano XT Schaltung der Fall ist - wünschenswert.

Das bereits angesprochene Shimano SLX Schaltwerk mit der Shadow+ Technologie verhindert zuverlässig in Kombination mit dem Shimano Kettenblatt den Abflug der Kette.

Shimano SLX im Vergleich

Shimano bietet mit der SLX 12-Fach Schaltung die Referenz in Sachen erschwinglicher Mountainbikeantriebe. Nach dem Motto „Set and Forget“ wurde der Shimano SLX Antrieb verbaut und nicht wieder angerührt. Dabei wird die leichte Einstellung der Schaltung vielleicht dem einen oder anderen Hobbymechaniker die Angst nehmen.

Das Schaltgefühl unter Last ist auf ein komplett neues Level gehoben worden und die hohe Bandbreite von 510 % ist genug um nahezu senkrechte Steigungen zu erklimmen und dabei verhält sie sich wie der gute, alte Duracelhase.

Vergleich mit anderen Schaltgruppen

Über einen Einheitsbrei an Komponenten können wir bei unseren BIKE-Testfeldern normalerweise nicht klagen. Doch gerade bei Bikes über 3000 Euro dominiert die Sram Eagle 12-fach Schaltung. Shimano konnte bislang den praktischen Einfach-Antrieben mit üppiger Bandbreite schlichtweg nichts entgegensetzen.

Shimano XT vs. SLX: Die Unterschiede

Bei der neuen XT-Kassette mit 12 Ritzeln verbauen die Japaner zwei Alu-Ritzel (die größten), bei der SLX nur eins. Die restlichen Ritzel sind aus robusterem Stahl. Den SLX-Schalthebel lagern die Japaner mit einer Gleitbuchse, den XT-Trigger mit zwei Kugellagern. Zum Vergleich: Im XTR-Hebel stecken vier Kugellager. Kommt der neue Shimano-XT-Hebel in Alu mit Gummi-Einsatz, müssen sich Mountainbiker bei der SLX mit einem Kunststoffhebel begnügen.

Wie bei der XTR wird das vordere Kettenblatt über einen einzelnen Daumenhebel gewechselt. Die XT-Kurbeln gibt's in 165, 170, 175 und 180 Millimetern Länge, die SLX in 165 bis 175 Millimetern Länge. Alle Kurbeln lassen sich passend für nicht-Boost, Boost und Superboost wählen. Sowohl die Kettenblätter als auch die Ritzel sowie die Kette verfügen über die Features der XTR und sollen somit ebenfalls sehr komfortabel schalten. Unterm Strich bringt die SLX-Gruppe etwas mehr auf die Waage (148 Gramm bei vergleichbarer Konfiguration) als die Shimano XT-Schaltung, kostet aber auch weniger.

Wie auch bei der XTR stehen verschiedene Bremsen zur Wahl: Für Grammfuchser und leichte Piloten bieten die Japaner in beiden Qualitätsstufen eine Zweikolbenbremse an, für schwerere Fahren und Enduristen eine stärkere Vierkolbenbremse. Auf den ersten Blick ähneln sich die XT und die SLX-Bremse stark. Bei beiden Stoppern lässt sich die Hebelweite werkzeuglos verstellen, die Leerwegverstellung bleibt aber der XT-Bremse vorbehalten. Genau wie das Topmodell stützen sich beide Bremsen mit einem zusätzlichen Steg am Lenker ab. Das sorgt für eine äußerst steife Anbindung, nimmt aber auch mehr Platz in Anspruch.

Tabelle: Shimano Schaltgruppen im Vergleich

Komponente Shimano XTR Shimano XT Shimano SLX Sram XX1 Eagle Sram GX Eagle
Gewicht Schaltgruppe¹ 1497 g 1798 g 1857 g 1434 g 1711 g
Kurbelgewicht 531 g 641 g 649 g 469 g 612 g
Bandbreite 450 % / 510 % / 623 % (2fach) 450 % / 510 % / 623 % (2fach) 450 % / 510 % / 623 % (2fach) 500 % 500 %
Preis Schaltgruppe³ 999 € 412 € 270 € 1199 € / 1525 € (AXS) 377 €

¹Die komplette Schaltgruppe besteht aus Schaltwerk, Kassette, Kette, Kettenblatt, Kurbel und Schalthebel. Das Tretlager wurde aufgrund verschiedenster Standards nicht berücksichtigt.

³Durchschnittspreis von drei großen Online-Shops Januar 2020.

Weitere Details und Montage

Dank I-Spec EV kann man den Schalthebel direkt an der Schelle der Bremse montieren, was für ein sehr aufgeräumtes Cockpit sorgt. Die I-Spec EV Aufnahme ermöglicht dabei einen sehr großen Einstellbereich, mit dem Fahrer mit kleinen und großen Händen gleichermaßen zufrieden sein werden.

Nachdem die Kette montiert und der Schaltzug verlegt ist, geht es an die eigentliche Einstellung des Schaltwerks. Zunächst wird die Kette auf dem kleinsten Ritzel ausgerichtet. Dazu stellt man den Endanschlag so ein, dass das Schaltröllchen in einer Flucht mit dem Ritzel ist wenn man von oben drauf schaut. Das Gleiche machen wir beim größten Ritzel. Einmal alles durchschalten und Endanschlag Einstellen.

Für die Einstellung der Umschlingung, also den Abstand des ersten Schaltröllchens zur Kassette, hat Shimano eine Markierung am Käfig versteckt. Ist die Kette auf dem größten Ritzel muss man die Einstellschraube so lange drehen, bis die Kette den angezeigten Abstand hat. Das Einstellen der Shimano SLX Schaltung war dermaßen einfach, dass es eine wahre Freude war. Die Einstellschrauben für die Endanschläge fand ich dennoch ein wenig fummelig.

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