Shimano SLX vs. Deore XT: Ein umfassender Vergleich

Was wäre ein modernes Mountainbike ohne eine hochwertige Schaltgruppe? Das Schaltsystem ist das Herzstück des Antriebs und umfasst Kurbel, Kettenblätter, Kette, Kassette, Schaltwerk, Umwerfer (bei mehreren Kettenblättern) und Schalthebel. Auch die Bremsen gehören zur Schaltgruppe dazu. Bei der Wahl der passenden Gruppe gilt: Je mehr investiert wird, desto besser sind Effizienz, Lebensdauer und Schaltperformance bei geringerem Gewicht.

Dieser Artikel beleuchtet die Grundlagen von Schaltgruppen, deren Aufbau und Funktionsweise sowie die Unterschiede und Hierarchie der Shimano- und SRAM-Modelle, um die Entscheidung für die richtige Gruppe zu erleichtern.

Bestandteile einer Mountainbike-Gruppe

Die Tretkurbel

Hier beginnt die Kraftübertragung. An den Kurbeln des Tretlagers befinden sich die Pedale, mit deren Hilfe die Antriebsgruppe in Gang gebracht wird. Das Tretlager besteht dabei aus den Teilen Kurbelarme, Kettenblatt bzw. Kettenblätter und der Achse, die beide Kurbeln miteinander verbindet.

Aktuell geht der Trend eher in die Richtung „weniger ist mehr“, also weg von drei Kettenblättern, die sich vorrangig noch an Einsteigermodellen finden und hin zu Einfach- und Zweifachkurbeln mit einem bzw. zwei Kettenblättern.

Die Kurbelarmlänge ist ausschlaggebend für die Hebellänge beim Treten und damit für die Effizienz der Kraftübertragung. In der Regel findet man bei kleinen Rahmen 170mm Länge, bei Medium-Rahmen und größer 175mm. Downhill Bikes nutzen dagegen kürzere Kurbelarme um die 165mm, damit genug Bodenfreiheit gegeben ist.

Das Tretlager

Die Tretkurbeln werden auf der Tretlagerwelle befestigt, welche wiederum auf mehreren Innenlagern, dem Tretlager, gelagert sind. Aktuell favorisieren die Hersteller immer mehr die Innenlager-Lösungen mit eingepressten Lagerschalen anstatt z.B. die eingedrehten Lager mit BSA-Gewinde, welche auch nach vielen Jahren noch auf den Shimano Hollowtech-Standard setzen. Bei den Pressfit-Lagern herrschen die Standards BB30 und BB90 (häufig auch BB86 und BB92) vor.

Die Kassette (oder das Ritzelpaket)

Die Kassette besteht aus mehreren Zahnkränzen, häufig Ritzel genannt, und befindet sich am Hinterrad des Mountainbikes. Die Kassette bestimmt die Gangzahl am Heck, welche in der Regel zwischen 8 und 12 liegt. Zusammen mit den Kettenblättern ergibt sich daraus die gesamte Gangzahl und Übersetzungsbandbreite.

Die Kette

Die Kette verbindet die Kettenblätter vorne mit der Kassette hinten und ist essentiell für den Antrieb des Mountainbikes. Sie wird fast ausschließlich aus Stahl gefertigt und besteht aus zahlreichen kleinen Gliedern, die eine reibungslose Rotation ermöglichen, sich jedoch nicht verdrehen lassen.

Das Schaltwerk und der Umwerfer

Das Schaltwerk und der Umwerfer verschieben den Lauf der Kette über die Kettenblätter bzw. die einzelnen Ritzel der Kassette. Sie werden in der Regel über ein Kabel angesteuert und leiten über die Manipulation der Zugkraft den Schaltvorgang ein.

Die Hersteller Shimano und SRAM haben ihre Schaltwerke mit sogenannten Clutch-Technologien ausgestattet, die in der Kettenführung eine erhöhte Reibung erzeugen und so die Kettenspannung während der gesamten Fahrt erhöhen, um springende Ketten zu vermeiden. Elektronische Schaltungen statten das Schaltwerk mit winzig kleinen Servomotoren aus, welche dann die Schaltbewegungen kontrollieren.

Bei Einfach-Schaltungen mit nur einem Kettenblatt vorne wird kein Umwerfer benötigt.

Die Schalthebel

Die Schalthebel befinden sich direkt am Lenker und sind dein Kontrollelement, um den Schaltvorgang über das Schaltwerk und den Umwerfer einzuleiten. Dies geschieht entweder über ein mechanisches Kabel oder einen elektrischen Impuls.

Der am weitesten verbreitete Schalthebel-Typ ist der Trigger, bei dem du entweder mit dem Daumen oder mit dem Zeigefinger den Schaltvorgang einleitest. Weniger populär ist aktuell das Grip Shift System, bei dem die Rotation des Griffs das Schalten übernimmt.

Die Bremsen

Ebenfalls Bestandteil einer Mountainbike Gruppe ist die Bremse. MTB Scheibenbremsen lassen sich in zwei Kategorien unterteilen - hydraulisch und mechanisch. Mechanische Scheibenbremsen sind die gängige Wahl für Mountainbikes im unteren Preisbereich und funktionieren wie die Schaltung über Zugspannung. Hydraulische Scheibenbremsen findet man an den höherpreisigen MTBs und borgt sich die Technologie aus der Autobranche.

Gänge und Übersetzungen

Die Gänge beim Fahrrad ermöglichen eine konstant hohe Kraftübertragung über eine große Übersetzungsbandbreite, um hohe Geschwindigkeiten bei jeder Steigung zu ermöglichen. Beim Mountainbiken sind kleine Gänge wichtig, um bei extremen Anstiegen und unwegsamen Passagen gut durchzukommen. Die Übersetzungsbandbreite ist die wichtigere Größe, weswegen viele Hersteller immer mehr auf weniger Gänge und eine zum Teil noch höhere Übersetzungsbandbreite setzen.

Die Anzahl der Zähne der Kettenblätter und Ritzel legt die genaue Übersetzung fest. Je weniger Zähne das Kettenblatt hat, desto niedriger ist der Gang. Im Heck ist es umgekehrt, der kleinste Gang hat hier die meisten Zähne und das größte Ritzel.

Shimano vs. SRAM - MTB-Schaltungen im Detail

Im MTB-Bereich gibt es bei der Schaltung eigentlich häufig nur die Wahl zwischen Shimano und SRAM. Shimano ist aktuell der Marktführer in allen Fahrradsegmenten und hat das größte Portfolio an Schaltsystemen für den MTB-Bereich.

Shimano Schaltgruppen im Überblick

  • Tourney: Die billigste Gruppe im Shimano-Sortiment, oft bei Einsteiger-Hardtails, Freizeit-Rädern, Crossbikes und ATBs eingesetzt.
  • Altus: Die Einsteiger-Gruppe von Shimano wird gelegentlich noch bei Budget-Mountainbikes eingesetzt, ist aber eigentlich wie die Tourney nicht wirklich für den Offroad-Einsatz geeignet.
  • Acera: Ebenfalls noch eine Einsteiger-Gruppe, aber schon mit 2x9 und 3x9 Gängen und vermehrtem Einsatz von leichten Aluminium.
  • Alivio: Die Top-Gruppe in Shimanos Freizeit-Rad-Bereich, die schon so einige Technologien und Features der speziellen MTB-Gruppen übernimmt.
  • Deore: Die Shimano Deore Gruppe ist in dieser Liste die erste wirklich 100%ige MTB-Schaltgruppe und richtet sich an Neulinge genauso wie Fortgeschrittene.
  • SLX: Die SLX ist das Mountainbike-Äquivalent zur 105 im Rennradbereich: Das Arbeitstier unter den MTB-Gruppen.
  • Zee: Die spezielle Downhill- und Freeride-Gruppe kostet ungefähr so viel wie die SLX und ist aktuell als 1x10 Schaltung erhältlich.
  • Deore XT: Nach der Deore wahrscheinlich die beliebteste MTB-Schaltgruppe.
  • XT Di2: Die elektronische Version der XT nutzt elektronisch gesteuerte Servomotoren, um den Schaltvorgang direkt am Schaltwerk einzuleiten.
  • XTR: Die Meisterklasse von Shimano besteht aus einer Mischung von Carbonteilen, Titan und hochwertigem Aluminium.

Detaillierter Vergleich: Shimano SLX vs. Deore XT

Der japanische Qualitätshersteller spricht mit den Schaltgruppen Shimano SLX und Shimano XT verschiedene Zielgruppen an. Das Konzept der Shimano XT richtet sich an fortgeschrittene MTB-Fahrer und ist in einer höheren Preisklasse angesiedelt. Das Shimano SLX eignet sich optimal für Einsteiger beim Mountainbiking und punktet mit günstigeren Preisen, ohne dass die Qualität darunter leidet. Beide Schaltungen sind auch für den Einsatz bei E-MTB freigegeben.

Ergonomie und Schaltverhalten

Beide Schaltgruppen profitieren vom leistungsfähigen I-SPEC EV-System, das eine optimale Anpassung des Schalthebels an die ergonomischen Gegebenheiten der Hände ermöglicht. Der rutschfest gummierte Schalthebel beim Shimano XT verfügt über die erprobte Multi-Shift-Funktion, die das Schalten von zwei Gängen hoch oder vier Gängen runter in einem Zug ermöglicht. Das Shimano SLX ist mit einem geriffelten Schalthebel ausgestattet, welcher zur gleichen Zeit entweder einen Gang nach oben oder drei Gänge nach unten schaltet.

Bremsen

Beim Shimano XT gibt es die hydraulische Scheibenbremse entweder in der 2- oder 4-Kolben Variante. Die Ice-Tech-Bauweise der Disc verfügt beim Shimano XT über praktische Kühlrippen, die ein Überhitzen minimieren. Bei den hydraulischen Scheibenbremsen von Shimano SLX gibt es standardmäßig keine Kühlrippen, ansonsten sind die Bremshebel identisch.

Schaltwerk

Sowohl beim Shimano XT als auch beim Shimano SLX bewegen die Umlenkrollen die Kette mit jeweils 13 Zähnen. Im Gegensatz zum Shimano SLX verfügen die Umlenkrollen beim Shimano XT über zusätzliche Kugellager. Darüber hinaus ist das 1-fache XT-Schaltwerk 8100 knapp 32 g leichter als das Pendant beim SLX 7100. Beide Schaltwerke sind mit der praktischen Shadow RD+ Technologie ausgestattet, die als Schaltwerk-Stabilisator das Schlagen der Kette vermindert, das Abspringen verhindert und einen geräuscharmen Antrieb ermöglicht.

Kurbel und Kassette

Damit die Kette optimal auf dem Ritzel führt, kommen Kurbelarme mit der Hollowtech ll-Technik und Zahnkränze mit dem Narrow-Wide-Design zum Einsatz. Die einfache Kurbel beim Shimano XT ist mit Kettenblättern im Format 28-36 Direct-Mount erhältlich. Die Shimano SLX verzichtet auf das kleinste das größte Ritzel in Sachen Auswahl, ist aber mit den Kettenblättern der XT- und XTR-Serie kompatibel. Die Kurbelarme der SLX-Serie sind in den längen 166, 170 und 175 erhältlich.

Die neu entworfene 12-fach Kette beider Schaltgruppen zeichnet sich durch die Hyperglide+ Technologie aus, mit der eine Optimierung bei den Kontaktflächen möglich ist. Sogar unter Last können Sie optimal schalten. Die Gangwechsel erfolgen flüssig in beide Richtungen und garantieren Ihnen einen ruhigen Lauf. Beim Shimano XT erhöht das Chrom-Finish der Innenlaschen zusätzlich die Lebensdauer.

Die Kassetten beider Schaltgruppen bieten Ihnen mit einem einfachen Kettenblatt eine Bandbreite von 10 bis zu 51 Zähnen, in der 2-fachen Ausführung mit 10 bis zu 45 Zähnen. Für die 2 großen Ritzel verwendet Shimano Aluminium, während die 10 kleineren Zahnkränze beim Shimano XT aus Stahl bestehen. Im Vergleich dazu ist beim Shimano SLX 7100 nur das größte Ritzel aus Aluminium gefertigt, die restlichen aus Stahl.

Zusammenfassung der Unterschiede: SLX vs. XT

Merkmal Shimano SLX Shimano XT
Zielgruppe Einsteiger Fortgeschrittene
Schalthebel Geriffelt Rutschfest gummiert, Multi-Shift
Bremsen Standard Optionale Kühlrippen
Umlenkrollen Standard Zusätzliche Kugellager
Gewicht Etwas schwerer Leichter
Kassette 1 Alu-Ritzel 2 Alu-Ritzel

Shimano SLX Bremse im Detail

Die Shimano SLX ist die günstigste Bremse aus dem Hause des japanischen Herstellers in diesem Vergleichstest. Für 350 € verkörpert die zweitgünstigste Bremse im gesamten Testfeld unauffälliges Understatement und solide japanische Qualität. Die SLX ist Shimanos klassische Brot & Butter-Bremse und entspricht mit 600 g ohne Scheiben ziemlich genau dem Durchschnittsgewicht in diesem großen Bremsen Vergleichstest.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Optik - außer in farblicher Hinsicht - kaum von der XT- oder XTR Bremse. Bei genauerem Fühlen kommt die SLX jedoch nicht ganz so hochwertig daher wie die XT und XTR: Die Bremshebel verzichten auf die Struktur, die den Fingergrip erhöhen soll. Dafür ist die Hebelweitenverstellung wie bei den anderen Modellen einfach und werkzeuglos.

Die Klemmung der Shimano SLX-Bremsen ist durchdacht und bietet mit dem I-SPEC-System gute Kombinationsmöglichkeiten mit Schalthebel oder Dropper-Remote und einen breiten Verstellbereich.

Die Bremspower der Shimano SLX-Bremse auf dem Trail ist sehr gut und ähnelt stark den anderen Shimano-Bremsen im Test. Wie bei den restlichen Stoppern des japanischen Herstellers ist auch das Bremsgefühl der SLX „digital“: Der Druckpunkt ist richtig knackig und deutlich definierter im Vergleich zu Hope, Trickstuff oder Hayes. Die volle Power liegt fast schon zu Beginn des Druckpunkts an und ist dann mit Fingerspitzengefühl gut dosierbar.

Dennoch lässt die Shimano SLX zum Kampfpreis nichts missen und verzögert auch in Extremsituationen sehr kraftvoll. Im Vergleich zu den teuren Shimano-Modellen muss man hier nur beim Gewicht leichte Abstriche machen, und so bekommt die SLX die Auszeichnung Kauftipp im großen Bremsen-Vergleichstest 2024. Denn für 350 € lässt die Shimano SLX keine Wünsche offen und überzeugt sowohl in Verarbeitung, Haptik, Ergonomie und natürlich auf dem Trail.

Fazit

Mit den überarbeiteten Schaltwerken Shimano SLX und Shimano XT festigt der japanische Hersteller seine Stellung auf dem Markt für Schaltungen. Beide Schaltgruppen überzeugen mit einer großen Bandbreite und schnellen Schaltvorgängen, dazu können Sie die Gangwechsel auch unter Belastung geschmeidig durchführen. Im Vergleich wirkt das XT-Schaltwerk hochwertiger, reagiert präziser und knackiger. Der Vorteil zwei Gänge hoch und vier Gänge runter zu schalten ist im Gelände Gold wert. Deutliche Unterschiede gibt es natürlich auch beim Preis. Deswegen lohnt sich das Upgrade vor allem für fortgeschrittene Mountainbiker und punktet mit einem erweiterten Funktionsumfang. Aus diesem Grund richtet sich das Shimano SLX eher an Einsteiger und ist preislich am unteren Ende der Komponenten für Mountainbikes angesiedelt.

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