Shimano Sora Gruppe im Test: Eine umfassende Analyse

Klar ist, je teurer eine Schaltgruppe ist, desto besser und leichter ist sie auch. Doch muss es natürlich nicht immer eine XT oder XTR Schaltung sein. Für die/den Durchschnittmountainbiker:rin reicht auch eine Alivio oder Deoreschaltung völlig aus, um sportliche Touren zu machen oder Spaß auf den Trails zu haben. Oftmals kommt in den günstigeren Schaltgruppen die gleiche Technik zum Einsatz, lediglich das Material unterscheidet sich. Und wie der Name „Gruppe“ schon vermuten lässt: Eine Schaltgruppe besteht meist aus Schaltwerk (hinten), Umwerfer (vorne), Kurbelgarnituren, Kassetten, Kettenblätter, Schalthebeln, Bremshebeln und den dazugehörigen Scheibenbremsen. Manchmal werden vom Hersteller des Fahrrads aber auch Komponenten ausgetauscht, sodass die Teile nicht alle der gleichen Gruppe angehören.

Die Shimano Sora im Detail

Die Shimano Sora-Gruppe ist die letzte der Einsteiger-Schaltgruppen. Dank dem 9-Gang Dreifach- oder Zweifachschaltwerk kannst du dich für einen sehr großen Schaltbereich entscheiden. Shimano verspricht bei den mechanischen Felgenbremsen eine bessere Bremsleistung. Außerdem bietet die Gruppe die Option, mechanische Scheibenbremsen zu verwenden. Ausgerichtet ist die Sora auf Einsteiger-Rennräder, Fitness- und Stadträder. Daher gibt es im Gruppenangebot auch eine Kurbel mit integriertem Schutzblech und Rapidfire-Plus-Schalthebel für flache Lenker.

Die Modelljahr 2017 Version

Die SORA R3000 des Modelljahrs 2017 wird als 9-fach-Gruppe angeboten. Wahlweise gibt es eine zweifach oder dreifach Kurbel. Dazu wurden die Shimano WH-RX31 Laufräder mit der E-Thru-Technologie vorgestellt. Darunter versteht Shimano eine 12-mm-Steckachse die über ein Verstellsystem einen schnellen Laufradwechsel ermöglicht.

Neues Design und Features

Mit einigen Features aus teureren Gruppen und einem komplett neuen Design wird die Shimano-Einstiegsgruppe jedoch zu einer noch attraktiveren Option für Freizeit- und Fitness-Orientierte Radfahrer. Auf den ersten Blick fällt natürlich das neue Design auf: Mit dem schwarz-grauen Zweiton-Finish und abwechselnd gebürsteten und polierten Oberflächen erhält die Sora R3000 eine edle Optik, die an jene der teureren Gruppen von Ultegra bis Dura-Ace erinnert. Die Kurbel gibt es nun wahlweise mit 2-fach Übersetzung (FC-R3000 50/34) oder mit drei Kettenblättern für all diejenigen, die eine große Bandbreite nicht missen möchten (FC-R3030 50/39/30). Auch weiterhin wird es Brems- und Schalthebel für Rennlenker und Standardlenker geben.

Bremsleistung und Scheibenbremsen

Die Bremsen der neuen Sora Gruppe wurden komplett neu entwickelt und sollen im Vergleich zum Vorgänger eine um 20% erhöhte Bremsleistung bieten können. Im Mittelklassebereich sind die neuen Shimano WH-RX31 Laufräder angesiedelt, die mit Shimanos E-Thru Steckachssystem mit 12mm Durchmesser kommen. Immer mehr Rahmenhersteller setzen inzwischen auch im Straßenbereich auf die abseits der Straße längst etablierten Steckachsen. Apropos Scheibenbremsen: Auch hier gibt es Neues für die kommende Saison. Die BR-RS305 sind gruppenlose mechanische Disc-Brakes auf Sora-Niveau und sind mit allen STIs und Rennrad-Bremshebeln kompatibel.

Testbedingungen und Ergebnisse

Für den Radtest haben wir uns dieses Mal fachfremde Hilfe ins Boot geholt. Vor Fahrtantritt nahm unsereTestperson drei Kriterien fachmännisch unter die Lupe. Zu unserem Erstaunen wurden per Anheben die Gewichte aller Räder verglichen und im Anschluss mit dem Daumen die Härte der Sättel und der Luftdruck in den Reifen „geprüft“. Ob das Rad eine 105er oder eine Sora besitzt, war unserem Testfahrer erst mal egal. Die Auswahl des ersten Rades für eine Testfahrt fiel auf das Sport Fastback von Schwinn. Die Farbe hatte es ihm angetan. Und uns wurde ein wichtiges erstes Entscheidungsmerkmal wieder einmal vor Augen geführt. Der optische Auftritt spielt gerade in den unteren Preisklassen eine wichtige Rolle.

Überraschungen bei den Testfahrten

Die Testfahrten hielten dann unverhältnismäßig viele Überraschungen bereit. Egal bei welchem Rad, die Sitzposition war zu sportlich. Unser Testkandidat hätte gerne aufrechter gesessen, allerdings scheiterte die Oberlenkerposition an der weiten Entfernung der Hände zu den Bremshebeln. Ein enormes Sicherheitsbedürfnis ließ ihn den Unterlenker fassen und die Finger fast ständig die Bremshebeln touchieren. Ebenfalls wenig überraschend war, dass der teuerste Sattel am schlechtesten abgeschnitten hat. Wenngleich der schnittige „Selle Italia“ am Bulls unserem Tester am besten gefallen hat, im Nachhinein würde er die weicheren Sitzgelegenheiten der anderen Hersteller bevorzugen. Vor allem auf dem Modell am Einsteiger von Author fühlte er sich sehr wohl. Wir glauben allerdings, dass unser Testfahrer, wenn er Gefallen an der Sportart finden sollte, schon bald eine etwas härtere Variante bevorzugen wird.

Schalterlebnis mit der Sora

Der Knüller ist, dass unser Testfahrer wider Erwarten mit der Schalteinheit Sora von Shimano deutlich besser zurechtkam als mit dem teureren großen Bruder, der 105er. Der Schaltvorgang mit einem Knopf und einem Hebel wie bei der Sora, war für ihn schnell zu begreifen und einfacher zu handhaben. Zum einen empfand er die räumliche Trennung der beiden Schaltvarianten durch Knopf und Hebel angenehmer als das System der 105er mit zwei hintereinander liegenden Schalthebeln. Zum anderen leuchtete der Schaltvorgang bei der Sora auch besser ein: Knopf drücken, Kette fällt nach unten, Hebel seitlich nach oben, die Kette klettert hinauf.

Herausforderungen mit dem dritten Kettenblatt

Die große Zahl der Übersetzungsmöglichkeiten, die ein drittes Kettenblatt ermöglicht, leuchteten unserem Tester rasch ein, allein an der Umsetzung haperte es. Häufig lag die Kette viel zu schräg. Entweder entschied er sich für das große Kettenblatt in Kombination mit einem ganz großen Ritzel im Heck oder für das kleine Kettenblatt mit einem der kleinsten Ritzel des Zahnkranzes. Das Ergebnis bleibt gleich: Die Kette läuft sehr schräg und schleift am Umwerfer. Justierversuche beförderten die Kette sofort auf das mittlere Kettenblatt. Hier gefiel ihm die 105er mit nur zwei Kettenblättern zunächst besser. Allerdings nur bis zum ersten Anstieg: Schnell lag die Kette im Heck auf dem Ritzel mit den meisten Zähnen, das dritte Kettenblatt wurde jetzt schmerzlich vermisst.

Bremsleistung im Vergleich

„Die Bremsen am Bulls sind klar die besten!“ war der Testfahrer, nachdem er mit allen Rädern unterwegs war, überzeugt. Und da geben wir ihm Recht. Die 105er-Ausstattung am Bulls gewinnt beim Bremsvergleich deutlich gegen die Konkurrenz, die durchweg mit einer Kombination aus Sora-Bremshebeln und Tektro-Bremsen ausgestattet ist. Vor allem bei harten Bremsvorgängen schneidet das Duo schlecht ab und verzögert zu langsam.

Vergleich mit anderen Schaltgruppen

Um die Shimano Sora besser einordnen zu können, ist es hilfreich, sie mit anderen Schaltgruppen zu vergleichen. Hier eine Übersicht:

Schaltgruppe Zielgruppe Besondere Merkmale
Shimano Tourney Einsteiger- und Freizeit-Fahrräder Einfache Schaltung, preisgünstig
Shimano Altus Einsteiger Solide Leistung zu einem erschwinglichen Preis
Shimano Acera Einsteiger im Gelände Erste Erfahrungen im Gelände
Shimano Alivio Alltagsfahrten und leichtes Gelände Reibungslose und präzise Schaltvorgänge
Shimano Deore Gelände und Mountainbike-Touren Robustheit und Zuverlässigkeit
Shimano SLX Mountainbiker Langlebig, zuverlässig, leicht und kompakt
Shimano Deore XT Mountainbikes Zuverlässige Schaltleistung, präzise Gangwechsel
Shimano XTR Höchste Ansprüche an Leistung Schnelle und präzise Schaltung
Shimano Claris Einsteigerrennräder Relativ preiswert, langlebig und gut schaltbar
Shimano Sora Einsteigerrennräder 9-Gang, großer Schaltbereich
Shimano Tiagra Erfahrene Rennradfahrer Größere Kassette mit bis zu 10 Kränzen
Shimano 105 Beliebte Schaltgruppe 11 Kränze hinten, zwei Kettenblätter vorne
Shimano Ultegra Professionelle Schaltgruppe Leichte und sehr langlebige Materialien
Shimano Dura Ace Beste Schaltgruppe Optimiert für maximale Geschwindigkeit

Fazit

Die Shimano Sora Gruppe bietet eine solide Leistung für Einsteiger und Freizeitfahrer. Sie überzeugt durch eine einfache Bedienung und ein ansprechendes Design. Obwohl sie in puncto Bremsleistung und Schaltpräzision nicht mit höherwertigen Gruppen mithalten kann, stellt sie eine attraktive Option für preisbewusste Radfahrer dar.

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