Spezielle Fahrradschuhe und zugehörige Klickpedale stehen zu Unrecht im Ruf, eher etwas für Fans von Rennrad, Mountainbike, Enduro oder Downhill zu sein, und weniger für die klassische Tour oder beim Pendeln. Die feste Verbindung zwischen Kurbel, Pedal, Schuh und natürlich dem Fuß hat nämlich nicht nur spürbare Vorteile bei der Kraftübertragung, sondern auch positive Effekte, was den sicheren Halt auf dem Fahrradpedal und die biomechanisch korrekte Positionierung des Radschuhs auf der Pedalachse angeht.
Beim Montieren der Schuhplatten (Cleats) allgemein und der Ausrichtung der beliebten Shimano SPD-Cleats im Speziellen gibt es allerdings ein paar Vorgaben, die man zur Vermeidung von Überanstrengung, Schmerzen oder Taubheit entlang der Fußsohle, im Sprunggelenk, innerhalb der Wadenmuskulatur oder sogar im Knie einhalten sollte. Außerdem nimmt bei falscher Montageposition die Effizienz beim Pedalieren ab.
Das Kürzel „SPD“ bezeichnet einen sehr verbreiteten Klickpedalstandard des japanischen Fahrradkomponenten-Herstellers Shimano, es gibt aber auch andere Marken, die Pedale und Schuhplatten mit diesem System vertreiben. Sie sind untereinander kompatibel. Kennzeichnend ist die spezielle Form des Cleats mit zwei nebeneinander liegenden Löchern beziehungsweise den entsprechenden Gewinden in der Schuhsohle. Verwechslungen mit den Shimano Rennrad-Pedalen namens SPD SL mit drei Schrauben ist daher nur namentlich möglich.
Hast du neue Fahrradschuhe, willst du deine alten Cleats durch neue ersetzen oder hast deine allerersten Klickpedale angeschafft, brauchst Du zur Montage eigentlich nur einen Inbus- oder Innensechskantschüssel (4 Millimeter), wie er - vielleicht innerhalb eines Multitools - in jede gute Satteltasche gehört. Hilfreich sind zusätzlich ein Lineal, ein Bleistift und etwas Klebeband. Neue Cleats liegen beim Kauf den Pedalen bei, nicht den Schuhen.
Man kann sie für unter zehn Euro aber auch separat kaufen. Neben den zwei Schuhplatten bekommt man die vier passenden Schrauben und zwei Unterlegscheiben in Form einer Art Brille. Bei neuen Schuhen muss man oft vor der Montage der Schuhplatten je eine verschraubte Blende aus dem vorderen Teil der Profilsohle entfernen, darunter befinden sich dann die Gewinde. Statt der benötigten zwei Gewinde tauchen dort meist vier auf, man nutzt je nach Anatomie des Fußes entweder die vorderen oder hinteren beiden.
Es gibt bei Cleats keine linke und rechte Version, dafür markiert ein Pfeil die Platzierung in Fahrtrichtung. In Schritt zwei erfolgt die Ausrichtung der Platten. Damit wird die spätere Stellung des Fußes auf dem Pedal definiert, leichte Rotationsbewegungen von vier Grad lässt das Spiel zwischen SPD-Pedal und Cleat später noch zu.
Trotzdem sind die folgenden Schritte recht entscheidend für den späteren Fahrkomfort und nicht zuletzt auch für die Leistung und den gesundheitlichen Nutzen beim Radfahren. Wer sich einen Großteil der Schritte ersparen will, kann den Vorgang - wie oben gesagt - mit den Schablonen aus dem Ergon Bikefitting deutlich vereinfachen.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Einstellung von Shimano SPD Cleats
- Zehengelenke ertasten:
Damit das Cleat an der ergonomisch richtigen Stelle sitzt, ertastet man zuerst die Grundgelenke von großem und kleinem Zeh ohne Schuh. Es geht leichter, wenn man die Zehen dabei etwas anzieht.
Warum wir auch das Grundgelenk des kleinen Zehs ertasten? Weil das Cleat deutlich zu weit vorne sitzt, wenn es nur nach dem Großzehengrundgelenk ausgerichtet wird. Das Gelenk des kleinen Zehs liegt anatomisch gesehen weiter hinten. Nur wenn man beide Gelenke als Ausgangsbasis nimmt, sitzt das Cleat, wo es hinsoll: mittig unter den Zehengrundgelenken.
- Zehengelenke ertasten - im Schuh:
Dann schlüpft man in den Schuh, erfühlt die beiden Grundzehengelenke und markiert die entsprechenden Stellen mit einem Marker auf einem Stück Tape, das man zuvor am Schuh angebracht hat. Man kann die Position natürlich auch mit einem wasserlöslichen Stift markieren.
Wer aber auf Nummer sicher gehen möchte und keinen unschönen Marker-Flecken auf den Schuhen will, nimmt lieber etwas Klebeband. Am besten das Tape bis ganz runter zum Profil ziehen.
- Cleats ausrichten:
Für optimale Kraftübertragung sollte das Cleat mittig unter den Zehengrundgelenken stehen. Dazu verbindet man die beiden Markierungen mit einem Lineal und verschiebt das lose montierte Cleat so in den Langlöchern, dass es mittig unter dem Lineal liegt.
- Knieposition einstellen:
Um Schmerzen beim Pedalieren zu verhindern, sollte das Knie senkrecht über dem Pedal oder den Zehen stehen. Am besten lässt sich die richtige Position überprüfen, indem eine zweite Person von vorne mit einem Lot über die gedachte Linie vom Knie zu den Zehen peilt.
Steht das Knie zu weit außen, werden die Cleats weiter nach innen in der Aufnahme versetzt und anders herum.
- Winkel der Cleats ermitteln:
Die Fußstellung auf dem Pedal sollte dem natürlichen Stand entsprechen. Das heißt: Zeigen die Fersen im Stand eher nach innen, dreht man die Cleats mit dem Pfeil leicht nach innen und anders herum.
Die Fußstellung lässt sich leicht ermitteln, indem man auf der Stelle springt und anschließend die Stellung der Füße überprüft. Auch hier sind Shimano- und Crankbrothers-Cleats von Vorteil. Bei Time-Cleats ist die Einstellunge des Winkels ebenfalls nur sehr begrenzt möglich.
- Längsposition:
Fühlt sich die Cleat-Position noch nicht richtig an, kann man mit der Längsausrichtung experimentieren. Hier ist natürlich ein Schuh mit möglichst langem Pedalkanal von Vorteil.
Bei manchen Bike-Schuhe lassen sich die Cleats nur um wenige Zentimeter versetzen. Enduro-Biker setzen die Cleats übrigens für mehr Kontrolle gerne etwas nach hinten - das entlastet die Waden und sorgt für einen deutlich sicheren Stand im technischen Gelände. Racer positionieren die Cleats weiter Richtung Ballen, um effektiver treten zu können.
- Cleats fixieren:
Sobald die ideale Position feststeht, zieht man die Cleats mit circa 4 bis 5 Newtonmeter Drehmoment fest. Ein Tropfen Schraubensicherung verhindert, dass sich die Cleats während der Fahrt lösen.
Zusätzliche Tipps und Informationen
- Die Einstellhilfe: Wer häufig Cleats, Schuhe oder Pedale wechselt, kann sich auch eine Einstellhilfe für die Cleats anschaffen. Ergon hat hier schon seit langem mit dem TP1 Pedal Cleat Tool ein cleveres System im Programm. Mit der Ergon TP1 Pedal Cleat Box lassen sich die Cleats in wenigen Schritten absolut exakt und einfach ausrichten.
- Drehmoment: Die meisten Schrauben am Fahrrad benötigen ein Drehmoment zwischen 2 Nm und 20 Nm. Beim Antrieb, der höheren Belastungen ausgesetzt ist, werden oft auch mal 40 Nm benötigt. Die richtig dosierte Kraft schütz Zubehörteile, Schrauben und Gewinde vor Beschädigungen.
- Montagepaste: Bei Carbonrahmen oder Anbauteilen unbedingt Montagepaste (kein Öl) verwenden, um das Anzugsdrehmoment zu verringern. Am besten auch immer die Angaben des Herstellers beachten.
- Regelmäßige Kontrolle: Am besten vor einer längeren Tour alle Schrauben checken und gegebenenfalls nachziehen, um böse Überraschungen zu vermeiden. Ein Universaltool im Gepäck hilft dabei, Schrauben auch unterwegs nachziehen zu können.
Anzugsmomente für Fahrradteile (Richtwerte)
Bitte beachte für jedes Bauteil die genannten Werte des Herstellers. Drehmomentschlüssel sollten nicht zum Öffnen hartnäckiger Schrauben verwendet werden.
| Bauteil | Nm (Newtonmeter) | Benötigtes Werkzeug |
|---|---|---|
| Cleats (SPD) | 5 - 8 | Inbusschlüssel 4 mm |
| Kettenblattschraube | 6 - 11 | Inbusschlüssel 6 mm |
| Kurbelschraube | 35 - 50 | Inbusschlüssel 8 mm und Kurbelschraubengegenhalter |
| Pedalachse | 35 - 40 | Inbusschlüssel 6 mm o. Pedalschlüssel 13 |
Die genannten Anzugsmomente sind Richtwerte. Bitte beachte für jedes Bauteil die genannten Werte des Herstellers. Drehmomentschlüssel sollten nicht zum Öffnen hartnäckiger Schrauben verwendet werden. Ein Drehmomentschlüssel ist ein Messwerkzeug und sollte auch dementsprechend behandelt werden.
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