Pedelecs sind im Schnitt schneller unterwegs als Fahrräder ohne Motorunterstützung. Wer häufig bei Dunkelheit fährt, wird die Vorteile leistungsstarker E-Bike-Scheinwerfer schnell zu schätzen wissen. Die höheren Geschwindigkeiten, die dank Motorunterstützung erreicht werden, erfordern eine vorausschauende Fahrweise. Im Dunkeln gelingt dies nur, wenn der Weg gut sichtbar ist. Abseits befestigter Wege ist eine sehr gute Beleuchtung nachts ein Muss. Das richtige Licht kann auch die passive Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen, insbesondere helle LED-Tagfahrlichter.
Einen leistungsstarken E-Bike-Scheinwerfer nachzurüsten, kann sich also lohnen. Der Markt bietet eine größere Auswahl an Pedelec-Scheinwerfern, die heller strahlen als herkömmliche Fahrradscheinwerfer.
Was gilt es bei der Nachrüstung von Scheinwerfern am Pedelec zu beachten?
Im Unterschied zum normalen Fahrrad wird der E-Bike-Scheinwerfer in der Regel nicht über einen Dynamo, sondern über den Akku gespeist, der auch den Elektromotor antreibt. Da Akkus Gleichstrom (DC) bereitstellen, Dynamos aber Wechselstrom (AC) erzeugen, können normale Dynamo-Fahrradlampen nicht an E-Bikes verwendet werden.
Grundsätzlich ist zwischen Lampen für Pedelecs bis 25 km/h und den schnelleren S-Pedelecs mit einer Motorunterstützung bis 45 km/h zu unterscheiden. Letztere werden anders als ihre langsameren Geschwister vom Gesetzgeber als Kleinkrafträder behandelt, was sich auf die Zulassung der Anbauteile auswirkt.
An Pedelecs bis 25 km/h können grundsätzlich alle Lampen angebracht werden, die mit einer K-Nummer versehen sind und somit die Anforderungen der StVZO nach TA23 erfüllen. Für S-Pedelecs gelten andere Anforderungen, die nach der Richtlinie ECE113 EU-weit geregelt werden. Scheinwerfer ausschließlich mit K-Nummer für Pedelecs bis 25 km/h dürfen bei Neuzulassungen ab Januar 2017 nicht mehr an den schnelleren S-Pedelecs angebracht werden. Ebenso dürfen die leistungsstarken S-Pedelec-Scheinwerfer mit ECE-Prüfzeichen nicht an herkömmlichen Pedelecs montiert werden.
Ähnlich wie bei Auto-Scheinwerfern ist eine klare Hell-Dunkel-Grenze für E-Bike-Lampen vorgeschrieben, um den Gegenverkehr nicht zu blenden. In der Praxis bedeutet das, dass viel Verantwortung auf den Pedelecfahrer übergeht, denn auch die beste blendfreie Konstruktion nützt wenig, wenn der Scheinwerfer falsch eingestellt ist. Große Bedeutung für das tägliche Radfahren mit Licht bekommt deshalb eine Neuregelung des Gesetzes. Es schreibt bisher in Paragraph 67 StVZO einen im Alltag recht umständlichen Ausrichtungsprozess vor. Unser Tipp: Sicherstellen, dass der Lichtkegel nicht in den Horizont reicht. Das erkennt man im freien Feld daran, dass eine klare Hell-Dunkel-Grenze in der Ferne sichtbar ist.
Neben dem Preis spielt bei der Kaufentscheidung vor allem auch die Lichtleistung der Lampe eine Rolle. Sich bei der Scheinwerferwahl alleine auf die Lichtstärke zu verlassen, ist aber nicht ratsam. Ein kleiner, aber heller Lichtkegel ist unter Umständen für die Ausleuchtung der Strecke weniger gut geeignet als eine etwas weniger starke aber dafür breitere und gleichmäßigere Beleuchtung.
Die verschiedenen Antriebssysteme der Motorenhersteller haben bisher keine einheitlichen Standards, was die Elektronik angeht. Dementsprechend haben auch die Lampenhersteller für die verschiedenen Antriebssysteme eigene Versionen entwickelt. Meist ist in den Produktbeschreibungen der Lampen erwähnt, ob die Lampe für ein Bosch-, Yamaha- oder ein anderes Antriebssystem geeignet ist. Im Zweifel sollte beim Fachhändler oder direkt beim Hersteller nachgefragt werden.
Die Leistung von Fahrradlampen wird meistens in Lux angegeben, der Einheit für die Beleuchtungsstärke auf einer angestrahlten Fläche. Bei Fahrradlampen wird der Lux-Wert im Zentrum des Lichtkegels 10 m vor der Lampe gemessen. Einige Hersteller geben zusätzlich auch einen Lumen-Wert für ihre Lampen an.
Nachrüstung der Beleuchtung
Wer nicht auf Beleuchtung verzichten möchte, kann eine batteriebetriebene Lampe anstecken (mit K-Nummer!) oder einen durch den E-Bike-Akku gespeisten Scheinwerfer nachrüsten. Dazu muss ein Kabel vom Lichtabgang am Motor durch den Rahmen an die Front des Rades verlegt werden. Je nach Modell und Antriebssystem kann es sein, dass der Motor dazu ausgebaut werden muss. Ist das Kabel verlegt, muss noch die Software für die Beleuchtung frei geschaltet werden. Manche Hersteller gaben auf Nachfrage an, dass der Anschluss bereits ab Werk freigeschaltet ist. Hier selbst Hand anzulegen, ist für technisch versierte E-Bike-Fahrer zwar keine große Herausforderung, kann aber den Verlust der Garantie nach sich ziehen. Am besten den Fachhändler fragen. Der Kunde muss für die Umrüstung mit Kosten von etwa 70 bis 150 Euro rechnen, zuzüglich der nicht gerade billigen Scheinwerfer.
Was sagen diese Größen bei Fahrradbeleuchtung aus?
Hinweise zur Kompatibilität
Es ist wichtig, dass der Scheinwerfer für die Spannung am Lichtanschluss des E-Bikes geeignet ist und die Leistung nicht den Lichtanschluss überlastet. Einige Systeme, wie Yamaha, haben möglicherweise nur eine begrenzte Leistung (z.B. 6V/800mA).
Dass E-Bike-Scheinwerfer vom E-Bike angesteuert werden, also über das Display schaltbar sind, ist der Normalfall. Wichtig ist, dass der Scheinwerferausgang des E-Bikes die passende Spannung und die benötigte Leistung des Scheinwerfers zur Verfügung stellt.
E-Bike Scheinwerfer im Test
Sechs E-Bike-Lenkerlampen mit dem entsprechenden Prüfzeichen wurden in Labor und Praxis getestet. Alle werden direkt am Lichtausgang des Motors angeschlossen und ziehen damit die nötige Energie aus dem Haupt-Akku. Die Montage ist deshalb zwar aufwändig, aber dafür sind die Strahler immer dabei und maximal zuverlässig.
Die Messwerte relativieren sich in der Praxis schnell: Nicht die reine Lichtmenge, sondern die sinnvolle Ausleuchtung definiert die wahre Qualität einer Lampe. Seit 2017 erlaubt das Kraftfahrtbundesamt ein zusätzliches Fernlicht - natürlich unter der Voraussetzung, dass andere Verkehrsteilnehmer nicht geblendet werden. Das Umschalten der beiden Leuchtstufen muss deshalb automatisch oder über ein Bedienelement am Lenker, wie etwa beim Motorrad, erfolgen.
Ein Vorteil des Abblendlichts: Bremst man, senkt sich bei E-Mountainbikes die Federgabel und somit auch der Lichtkegel. Besonders bergab verkürzt das die Leuchtweite enorm. Ein Fernlicht strahlt mehr in die Höhe und in die Breite, was den Verlust kompensiert. Auch Schilder, Äste und Kurven erkennt man damit grundsätzlich besser.
Die teureren Modelle von Busch & Müller, Lupine, Supernova und Lezyne verfügen über eine solche Fernlichtfunktion - teilweise mit immenser Leuchtkraft:
- Die Supernova M99 Mini produziert im Fernlicht-Modus satte 1244 Lumen.
- Lupine liegt knapp dahinter.
- Schlusslicht und gleichzeitig die günstigste Lampe dieser Kategorie ist die Lezyne mit 691 Lumen.
Testergebnisse ausgewählter E-Bike Scheinwerfer
Hier eine Zusammenfassung der Testergebnisse einiger E-Bike Scheinwerfer:
Busch & Müller IQ-XM (mit Fernlicht)
Bildet im Abblend-Modus einen langen, breiten Lichtkegel mit Spot-Beleuchtung in der Ferne. Mit dem Zuschalten des Fernlichts blickt der Fahrer deutlich weiter in die Ferne. Enge Kurven leuchtet die IQ-XM zuverlässig aus - wenn auch nicht mit überragender Helligkeit. Gemessen am Preis ist die Verarbeitung eher bescheiden.
- Fernlicht: Lumen gemessen: 770
- Abblendlicht: Lumen gemessen: 308
Lezyne ebike power hb STVZO
Sie leuchtet hell und weit. Fern- und Abblendlicht unterscheiden sich in ihrer Leuchtkraft kaum. Der schmale Lichtkegel bündelt fast die gesamte Lichtleistung auf einen schmalen, sehr hellen Streifen. Die Breiten abseits des Streifen saufen ab. Hier wird die Kurvenfahrt wortwörtlich zum Blindflug. Ansonsten überzeugt die solide Verarbeitung.
- Fernlicht: Lumen gemessen: 691
- Abblendlicht: Lumen gemessen: 336
Lupine SL X
Mit 275 Lumen Vorsprung überstrahlt die Lupine SL X im Abblend-Modus den Großteil des Testfelds um Längen. Ausgezeichnete Reichweite, gleichmäßige Lichtverteilung, gute Ausleuchtung auch in den Randbereichen direkt vor dem Vorderrad. Wer das Maximum herauskitzeln will, schaltet das Fernlicht zu. So leuchtet die Lupine noch besser in die Ferne, der Öffnungswinkel nach oben fällt aber nur mittelmäßig aus. Enge Kurven hingegen erstrahlen in beiden Beleuchtungsstufen in hellem Glanz. Zusätzlich gibt es ein Tagfahrlicht.
- Fernlicht: Lumen gemessen: 1230
- Abblendlicht: Lumen gemessen: 691
Supernova M99 Mini Pro
In Sachen Fernlicht macht dem Supernova-Scheinwerfer M99 Mini Pro so schnell keiner was vor. Der Öffnungswinkel fällt nach oben fast doppelt so hoch aus wie bei den Mitstreitern - trotz eintauchender Federgabel hat man alles im Blick. Die Leuchtbilder von Abblendlicht und Fernlicht sind sehr ähnlich. Beide verfügen über ein sehr helles, homogenes Zentrum. Die Randbereiche sind angenehm hell. Bei der Ausleuchtung in Kurven liegen die Freiburger mit Lupine auf einem Niveau. Sehr angenehmes Abblendlicht.
- Fernlicht: Lumen gemessen: 1244
- Abblendlicht: Lumen gemessen: 416
Cube Pro-E 110
Sie liefert das schwächste Abblendlicht im Test. Für den Gebrauch im Straßenverkehr reicht sie jedoch allemal. Hohe Geschwindigkeiten sind bei der mäßigen Ausleuchtung aber nicht drin. Die Lichtverteilung konzentriert sich sehr auf das Zentrum. Am Rand des Lichtkegels fällt die Helligkeit abrupt ab. Bereiche abseits des Weges bekommen nur spärlich Licht ab, was die rasante Kurvenfahrt beeinträchtigt.
- Abblendlicht: Lumen gemessen: 270
Litemove SE-150
Auch wenn sie sich optisch kaum unterscheiden, nach mehrfachen Praxistests haben sich die Laborwerte bestätigt: Schaut man genau hin, ist die Litemove minimal heller. Dabei wirkt sich die höhere Lumen-Zahl besonders im vorderen Teil des Lichtkegels aus. Hier produziert der Mini-Strahler ein sehr helles Licht, das in die Weite konstant dunkler wird. Bei der Ausleuchtung sind die beiden Kontrahenten gleichauf.
- Abblendlicht: Lumen gemessen: 388
Workshop E-Bike-Beleuchtung am Akku anschließen
Vor dem Kauf einer E-Bike-Beleuchtung gibt es zwei grundlegende Dinge zu klären: Wie viel Spannung liegt am Lichtport meines E-Bike-Motors an? Und für welche Spannung ist meine Lampe ausgelegt? Im schlimmsten Fall zerstört die falsche Kombination den Scheinwerfer.
Viele Hersteller bieten deshalb ihre Lampen für 6 oder 12 Volt an. Manche Modelle verfügen auch über eine automatische Leistungsanpassung an die Anschlussspannung des Motors. Das bedeutet, dass die Scheinwerfer an einem 12-Volt-Anschluss genauso funktionieren wie an einem 6-Volt-Anschluss.
Die Kontakte für das Verbindungskabel der E-Bike-Lampe liegen direkt am Motor. Um sie zu erreichen, muss man die Motorabdeckung entfernen. Will man von dort aus die Kabel durch den Rahmen verlegen, muss bei Bosch und Shimano der Motor ausgehängt werden. Bei Brose genügt es, die seitliche Abdeckung abzunehmen, um das Kabel durch den Rahmen zum Kontaktstecker zu führen.
Technische Daten der Lupine SL A
Die SL A gibt es in zwei Ausführungen: als SL A 4 und SL A 7 StVZO. Das mit der „7“ dekorierte Produkt verfügt über einen größeren Akku, jegliche Hardware ist mit dem 4er identisch. Welche Unterschiede die Modelle aufweisen und inwiefern sich der größere Akku bemerkbar macht, zeigt dieser Überblick:
| Eigenschaft | SL A 4 StVZO | SL A 7 StVZO |
|---|---|---|
| Leuchtdauer 16 W / 900 Lumen | 1:30 Stunden | 3 Stunden |
| Leuchtdauer 8 W / 500 Lumen | 3 Stunden | 6 Stunden |
| Leuchtdauer 1 W / 0 Lumen | 16 Stunden | 32 Stunden |
| ECO Modus 12 W / 725 Lumen | 2 Stunden | 4 Stunden |
| ECO Modus 6 W / 380 Lumen | 4 Stunden | 8 Stunden |
| Gewicht | 215 g | 320 g |
Die Lupine hat den Vorteil, dass sie aufgrund der klaren Hell-Dunkel-Kante den Verkehr nicht blendet. Daher kannst du die Leuchte also etwas nach oben neigen, um noch weiter zu sehen.
Die Verzögerung der Sensorsteuerung lässt sich einstellen. Genauso kannst du aber auch selbstständig in einen Eco-Modus wechseln. In dieser Einstellung ändern sich die Grundeinstellungen nicht, das Nachtfahrlicht leuchtet jedoch in der ersten Stufe (380 Lumen) mit 6 W statt mit 8 W und auf der zweiten Stufe (725 Lumen) mit 12 W statt mit 16 W.
Je nachdem, welchen Modus du wählst, variieren die Leuchtzeiten bei der SL A 4 (3,5 Ah / 7,2 V Li-Ion Akku) von 1,5 bis 3 h. Bei meinem Test kann ich diese Werte bestätigen. Bei einem Verbrauch von 16 W war der Akku nach 1,5 h leer.
Lupine bietet für folgende Motoren den Lampenkopf zum Nachrüsten an*:
- Lupine SL B Bosch (Boschdisplays Intuvia und Nyon)
- Lupine SL S Bosch (Boschdisplays Purion)
- Lupine SL S Brose
- Lupine SL A Shimano (Steps E8000)
- Lupine SL A Yamaha (PW-X Motor)
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