Shimano Steps Reichweitenrechner Test: Ein umfassender Überblick

Die neue Light-Klasse bei E-MTBs besticht durch ihr schlankes, leichtes und leises Design. In diesem Artikel werden wir uns eingehend mit der Reichweite von Light-E-MTBs befassen und die Unterschiede, Stärken und Schwächen der einzelnen Antriebe untersuchen.

Der Reichweitentest: So wurden die E-Bike Motoren getestet

Um die Reichweite der Light E-Bikes fair und realistisch zu vergleichen, wurde ein aufwändiger Feldtest mit Wattmesstechnik von Garmin durchgeführt. Für perfekte Vergleichbarkeit wurden alle Motoren über die U-Stufen und die App-Feineinstellungen auf eine einheitliche Leistung von rund 250 Watt angeglichen. Die Fahrerleistung wurde konstant bei 175 Watt (Trittfrequenz 80 bis 85 U/min) gehalten und mit hochwertiger Messtechnik von Garmin überwacht und aufgezeichnet. Das Fahrergewicht lag bei 90 Kilo inklusive Ausrüstung.

In diesem Modus wurde ein konstanter Anstieg ohne Flachstücke so oft wiederholt, bis der Akku komplett entleert war. Die Daten des Berges: Gut 300 Höhenmeter auf 3,6 Kilometer, was eine durchschnittliche Steigung von 8,4 Prozent ergibt. Für einen Anstieg à 300 Höhenmeter wurden mit diesen Parametern rund 16 Minuten und 30 Sekunden benötigt. Die Abfahrten wurden mit ausgeschaltetem Motor absolviert.

Die Ergebnisse: Light Motoren im Reichweitentest

Die erste Erkenntnis ist wenig überraschend: Je größer der Akku, desto mehr Reichweite liefern die E-Bikes. Deutlich interessanter ist, dass zwischen E-MTBs mit vergleichbarer Akku-Größe erstaunliche Reichweitenunterschiede ermittelt wurden. Ein Blick auf die Klasse um 360 Wattstunden macht das besonders deutlich. Forestal mit 360 Wattstunden, der TQ HPR 50 in Trek und Simplon mit 360 Wattstunden und der Shimano EP8 im Rotwild R.X 375 mit 375 Wattstunden.

Das Rotwild mit Shimano-Antrieb erkletterte in unserem Test 1285 Höhenmeter, und damit deutlich mehr als die Antriebe von TQ und Forestal. Die Bikes mit TQ HPR 50 kamen nur auf rund 900 Höhenmeter (Simplon 893 und Trek 925) und erkurbelten dann nochmal 133 bzw. 148 Höhenmeter bei deutlich reduzierter Leistung auf den letzten zehn Prozent Akku. Mit 1007 Höhenmetern plus 79 bei reduziertem Schub kommt das Forestal Cyon mit dem F60-S1 etwas weiter. Besonderheit dabei: Bis null Prozent Akku schiebt der Motor voll an, danach liefert er nochmal reduzierte Kraft für einige Minuten, in unserem Test ergab das nochmal 79 Höhenmeter. Wichtig für die Interpretation dieser Ergebnisse: Die Höhenmeter im reduzierten Notlauf-Modus werden zum Großteil vom Fahrer erstrampelt, nicht vom Motor!

Mit 430 Wattstunden haben die Fazua-Bikes den nächstgrößeren Akku an Bord. Haibike und Focus erzielten in unserem Test 1423 bzw. 1359 Höhenmeter. Das ist deutlich mehr als die TQ-Konkurrenz. Das Höhenmeter-Plus von rund 40 Prozent ist dabei erheblich größer, als man es durch den nur knapp 20 Prozent größeren Akku erwarten würde. Die Fazua-Bikes schieben übrigens bis zum letzten Akku-Prozent mit der vollen Power von rund 250 Watt, die wir für unseren Test angelegt haben.

Das BH Bikes iLynx Trail kommt mit dem größten Akku mit 540 Wh insgesamt am weitesten, der Antrieb schaltet aber früh in einen Notlauf-Modus mit minimaler Unterstützung. 1338 Höhenmeter plus 285 bei reduziertem Schub lassen nicht auf die allerbeste Effizienz schließen. Das Storck e.drenalin mit Shimano EP8 und 504 Wattstunden erklettert 1583 Höhenmeter bei vollem Motorschub, was die gute Effizeinz des Shimano EP8 unterstreicht.

Zum Vergleich wurde ein klassisches E-MTB mit 720er-Akku in unserem Test mitlaufen lassen. Das Canyon Spectral:On CFR wiegt 22,3 Kilo und ist damit rund zwei bis vier Kilo schwerer als die Light-Kandidaten. Die Motorunterstützung des Shimano EP8 wurde dabei auf das identische Leistungs- bzw. Geschwindigkeits-Level eingepegelt, mit dem wir auch die Light-Bikes gefahren sind. Wenig verwunderlich: Mit dem deutlich größeren Akku erklettert das Canyon bei identischen Bedingungen und gleicher Fahrweise mit Abstand am meisten Höhenmeter. Nämlich satte 2096 Höhenmeter. Der Vergleich zeigt deutlich, dass Höhenmetersammler bei sparsamer Fahrweise aus einem klassischen E-MTB deutlich mehr Reichweite herausholen können als aus den besten Light-Bikes.

Ergebnisse im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die Ergebnisse des Reichweitentests zusammen:

E-BikeAkkuHöhenmeterHöhenmeter (gedrosselt)
BH Bikes 2EXMag540 Wh1338 m285 m
Fazua Ride 60 (Haibike)430 Wh1423 m-
Fazua Ride 60 (Focus)430 Wh1359 m-
Forestal F60-S1360 Wh1007 m79 m
Shimano EP8 (Rotwild)375 Wh1285 m-
Shimano EP8 (Storck)504 Wh1583 m-
Shimano EP8 (Canyon)720 Wh2096 m-
TQ HPR 50 (Simplon)360 Wh893 m133 m
TQ HPR 50 (Trek)360 Wh925 m148 m

Die gefühlte Reichweite eines E-Bike Motors

Die Werte spiegeln ein fair vergleichbares Bild der Antriebe wider und lassen direkte Rückschlüsse auf die Effizienz und die technologische Entwicklung zu. Die gefühlte Reichweite kann in der Praxis aber ganz anders ausfallen. Das liegt vor allem an den deutlichen Unterschieden in der Maximalleistung, die die E-Bike-Motoren der Light-Klasse haben.

Ein starker Motor, wie ein Shimano EP8 oder Forestal F60-S1, verleitet in der Praxis dazu, den Turbo einzulegen. Doch die Power-Modi der starken Aggregate sind natürlich entsprechend stromhungrig. Wer die Motoren nicht sparsam einsetzt, wie es die Entwickler vorsehen, kann in der Praxis zu ernüchternden Ergebnissen kommen. Besonders eklatant ist das beim Forestal-Antrieb, dessen Nitro-Mode extrem Drehmomentstark, aber auch super stromhungrig ist. Auch der leistungsstärkste Motor, der Shimano EP8, zieht bei vollem Boost-Modus sehr viel Strom. Für die meisten Anwendungsfälle ist das zu viel für den kleinen 375er-Akku im Rotwild. In diesen Fällen kann bei falscher Anwendung der Akku in deutlich unter einer Stunde Fahrzeit sich verausgaben.

Im Gegenzug können eher schwächere Antriebe, wie ein BH 2EXMag oder ein SL 1.1 von Specialized, sehr sparsam und reichweitenstark wahrgenommen werden. Denn: Selbst wer hier auf maximale Power stellt, bekommt verhältnismäßig wenig Motorschub. Beide liefern nur rund die Hälfte der Maximalleistung eines Shimano EP8. Der Akku hält dadurch selbst bei höchster U-Stufe relativ lange. In der Praxis bedeutet das: Wer mit seinem Light-Bike lange Touren fahren möchte, muss mit Akku- und Motor-Power sorgsam umgehen, und sich mit den Parametern beschäftigen.

Shimano EP801: Mehr Leistung und Konnektivität

Shimano hat mit dem EP801 den Nachfolger des bewährten EP8 vorgestellt. Optisch kaum vom Vorgänger zu unterscheiden, soll das Update vor allem mehr Konnektivität bringen und Features wie die automatischen Schaltfunktionen Free- und Autoshift ermöglichen. Im Inneren hat sich eine Menge getan: Eine komplett überholte Elektronik soll den Antrieb für die Zukunft neu aufstellen und über einen Can-Bus eine direkte Kommunikation mit dem Akku erlauben. Alte Akkus können daher nicht mehr mit dem neuen Antrieb genutzt werden.

Der Shimano EP801 bietet mit bis zu 544 Watt am Hinterrad ein spürbares Plus von 80 Watt gegenüber dem Vorgänger und liegt jetzt nah an der Leistung von Boschs Performance Line CX. Der Vorteil des Shimano-Motors: Wie der Vorgänger gibt auch der neue E-Motor die volle Leistung schon bei niedriger Pedalkraft frei. Rund 100 Watt reichen aus, um das Maximum aus dem Antrieb herauszuholen. Bei Bosch muss man dafür mindestens 180 Watt treten.

In unserem Standard-Reichweitentest spulte das Testbike mit dem Shimano EP801 und einem 725-Wattstunden-Akku 1672 Höhenmeter bei maximaler Unterstützung ab. Bemerkenswert: Das Liteville mit EP801-Antrieb spulte die Teststrecke mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 15,6 km/h ab. E-Bikes mit Shimanos altem EP8 oder Boschs Performance Line CX liegen bei gleichen Test-Parametern üblicherweise bei etwas über 14 km/h.

Der Shimano EP801 bietet volle Freiheit mit bis zu 15 Unterstützungsstufen und lässt sich über die E-Tube-App individuell feintunen. Auch die Logik der App selbst und die der Feineinstellung der Unterstützung wurde verbessert.

Mit dem EP801 hebt Shimano den leichtesten Mittelmotor seiner Klasse auf ein neues Level. Gerade, wer nicht so kräftig tritt und viel Leistung untenrum schätzt, findet hier den passenden Partner. Die Can-Bus-Kommunikation und Features, wie Free- und Autoshift, gibt’s als Schmankerl noch obendrauf. An der Geräuschkulisse und insbesondere dem Klappern bergab hat sich aber leider nichts geändert.

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