Du bist preisbewusst unterwegs und willst dennoch in die faszinierende Welt des Radsports eintauchen? Die Shimano Tiagra 4700 Gruppe ist eine beliebte Wahl für Rennrad-Einsteiger, die Wert auf gute Funktionalität legen. Im Gegensatz zu den teureren Gruppen schaltet die Tiagra, die optisch stark an die Ultegra-Schaltung der vorletzten Generation erinnert, „nur“ 10 Ritzel hinten. Dafür besteht die Möglichkeit, die Übersetzungsbandbreite durch eine Kurbel mit 3 Kettenblättern auszuweiten. Ebenfalls werden Brems- und Schalthebel für flache Lenker angeboten, wodurch die Gruppe auch an Fitness- und Citybikes verbaut werden kann. Bei der Tiagra hast du ebenfalls die Wahl zwischen mechanischer Felgen- und hydraulischer Scheibenbremse.
Was genau ist eine Rennrad-Gruppe?
Wenn du dir ein neues Rad kaufst, ist es meist mit Komponenten eines Herstellers ausgestattet. Die drei großen Hersteller von Rennradkomponenten, Shimano, SRAM und Campagnolo bieten Komponenten unterschiedlicher Qualitätsstufen an, die sie jeweils in Gruppen zusammengefasst haben. Eine komplette Rennrad-Gruppe besteht aus folgenden Komponenten:
- Brems-Schalthebel
- Schaltwerk
- Umwerfer
- Kurbel
- Innenlager
- Kassette
- Kette
- Bremskörper
Eine Rennrad-Gruppe umfasst somit alle Teile, die zum Antrieb gehören sowie die Bremsen. Die Bestandteile der Schaltgruppe sind damit ausschlaggebend dafür, wie Schalt- und Bremsvorgänge an deinem Rad funktionieren.
Wie funktioniert eine Rennrad Schaltung?
Bevor wir auf die Details zu den einzelnen Gruppen eingehen, soll zunächst grundlegend die Funktionsweise von Rennradschaltungen erläutert werden. Die Bauteile, mit dem du Kontrolle über dein Rad ausübst, also schaltest und bremst, sind die Brems-Schalthebel. Diese sind am vorderen, gebogenen Teil des Rennradlenkers angebracht. Von diesen wird der Impuls zum Schalten oder Bremsen an die jeweiligen Bauteile, also Bremskörper, Schaltwerk und Umwerfer, weitergeleitet.
Mechanisch oder elektrisch schalten?
Wie gerade erwähnt, sind derzeit drei Schaltsysteme auf dem Markt. Der grundlegende Unterschied zwischen diesen Systemen besteht in der Übertragung des Schaltimpulses an Schaltwerk und Umwerfer. Folgende drei Möglichkeiten bestehen:
- Mechanisch: über ein System von Schaltzügen
- Elektronisch: über Kabel oder Funk
- Hydraulisch: durch Hydraulikflüssigkeit in speziellen Hydraulikleitungen
Vor- und Nachteile mechanischer Rennradschaltungen:
- + Gewicht
- - Verschleiß der Züge
- + Leichte Reparatur unterwegs (z.B. bei gerissenen Zügen)
- - Schwergängig bei ungünstiger Verlegung der Züge
- + (relativ) preiswert
Die klassische Rennradschaltung wird mechanisch angesteuert. Durch einen Schalthebel wird der Schaltzug um eine definierte Strecke verkürzt und verlängert. Dies löst eine seitliche Bewegung von Schaltwerk oder Umwerfer aus, die Kette "wandert" entsprechend auf ein anderes Ritzel oder Kettenblatt.
Vor- und Nachteile elektronischer Rennradschaltungen:
- + Stets optimale Funktion
- - Abhängigkeit von Stromquelle
- + Relativ unempfindlich gegen Schmutz
- - Reparatur unterwegs kaum möglich
- - Meist höheres Gewicht als mechanische Schaltungen
Vor- und Nachteile hydraulischer Rennradschaltungen:
- + Stets optimale Funktion
- - Reparatur unterwegs kaum möglich
- + Tausch oder Nachstellen von Zügen nicht nötig
- - Höheres Gewicht als mechanische Schaltungen
- + Weniger anfällig, schwergängiger in der Funktion als mechanische Schaltungen
Felgenbremse oder Disc?
Auch in Sachen Bremsen hat es in den letzten Jahren interessante Entwicklungen am Rennrad gegeben. Lange Zeit war die (mechanische) Felgenbremse am Rennrad alternativlos. Seit ungefähr fünf Jahren werden immer mehr Rennräder mit (hydraulischen) Scheibenbremsen angeboten, sodass nun zwischen zwei Systemen mit ihren Vor- und Nachteilen gewählt werden kann:
- Felgenbremse
- Scheibenbremsen
Vor- und Nachteile von Felgenbremsen:
- + geringes Gewicht
- - Geringe Bremskraft bei nassen Verhältnissen
- + leichte Wartung
- - Verschleiß von Felgen
Vor- und Nachteile Scheibenbremsen:
- + hohe, zuverlässige Bremskraft bei allen Wetterverhältnissen
- - Schwerer als mechanische Felgenbremsen
- + kein Verschleiß der Felgen
- - Neigen unter nassen Bediengungen gelegentlich zum quietschen
- - Unterwegs kaum zu reparieren
Shimano, SRAM oder Campagnolo? Was ist mit anderen Herstellern?
Nachdem du nun über die grundlegenden Unterschiede zwischen den Schaltsystemen Bescheid weißt, soll es nun um die Hersteller von Rennrad-Gruppen gehen. Komplette Rennrad-Gruppen werden von fünf Herstellern angeboten:
- Shimano
- SRAM
- Campagnolo
- FSA
- Rotor
Shimano und Campagnolo sind die Hersteller, die schon am längsten im Geschäft sind. SRAM, vormals Sachs, ist noch nicht ganz so lange dabei. Relativ neu auf dem Rennradmarkt sind Rotor und FSA. Diese Hersteller sind als Komponentenhersteller bekannt. Im Jahr 2016 stellten beide eine komplette Rennrad-Gruppe vor. Während FSA - dem Zeitgeist folgend - eine elektronische Schaltgruppe anbietet, hat Rotor mit seiner hydraulischen Schaltgruppe einen neuen Weg eingeschlagen.
Überblick der Gruppen
Die drei großen Hersteller Shimano, SRAM und Campagnolo bieten jeweils mehrere Schaltgruppen unterschiedlicher Qualitäts- und damit auch Preisklassen an. Diese sind hier von der hochwertigsten zur preiswertesten Gruppe aufgeführt:
| Shimano | Sram | Campagnolo |
|---|---|---|
| Dura Ace (Di2) ; Disc ; 2x11 | Red (eTap) ; Disc ; 2x11 | Super Record (EPS) ; Disc ; 2x12 |
| Ultegra (Di2) ; Disc ; 2x11 | Force ; Disc ; 2x11 ; 1x11 | Record (EPS) ; Disc ; 2x12 |
| 105 ; Disc ; 2x11 | Rival ; Disc ; 2x11 ; 1x11 | Chorus (EPS) ; Disc ; 2x11 |
| Tiagra ; Disc ; 3x10 ; 2x10 | Apex ; Disc ; 2x11 ; 1x11 | Potenza ; Disc ; 2x11 |
| Sora ; 3x9 ; 2x9 | Centauer ; 2x11 | |
| Claris ; 3x8 ; 2x8 | ||
| Tourney ; 3x7 ; 2x7 |
Shimano Schaltungen
Shimano ist der größte Hersteller von Schaltkomponenten. Die japanische Firma bietet Schaltgruppen jeder Preisklasse an. Bei den hochwertigen Schaltgruppen, Ultegra und Dura Ace, gibt es neben der mechanischen auch eine elektronische Ausführung. Außerdem bieten sie mechanische und hydraulische Bremsen an. Die elektronischen Schaltungen sind mit „Di2“ bezeichnet.
Das Schalten funktioniert bei den mechanischen Gruppen von Shimano durch das Nach-innen-drücken des Bremshebels und einen weiteren, etwas kleineren Hebel, der hinter diesem angebracht ist. Drückst du den Bremshebel nach innen, wird der Schaltzug gespannt. Die Kette "wandert" dadurch auf das nächstgrößere Ritzel bzw. das große Kettenblatt. Der rechte Bremshebel verfügt über mehrere Rasterungen, sodass du hinten gleich mehrere Gänge auf einmal nach unten, also auf größere Ritzel, schalten kannst. Das Betätigen des kleinen Schalthebels gibt den Zug frei, entsprechend wandert die Kette auf das kleine Kettenblatt bzw. das nächstkleinere Ritzel.
Die Shimano Tiagra im Detail
Die Tiagra Schaltung von Shimano richtet sich an Rennrad-Einsteiger, die Wert auf eine gute Funktionalität legen. Im Gegensatz zu den teureren Gruppen schaltet die Tiagra, die optisch stark an die Ultegra-Schaltung der vorletzten Generation erinnert, „nur“ 10 Ritzel hinten. Dafür besteht die Möglichkeit, die Übersetzungsbandbreite durch eine Kurbel mit 3 Kettenblättern auszuweiten. Ebenfalls werden Brems- und Schalthebel für flache Lenker angeboten, wodurch die Gruppe auch an Fitness- und Citybikes verbaut werden kann. Bei der Tiagra hast du ebenfalls die Wahl zwischen mechanischer Felgen- und hydraulischer Scheibenbremse.
Ein Merkmal von Tiagra-Bikes waren in den vergangenen Jahren immer die direkt aus dem Inneren der Schalthebel kommenden Schaltzüge, welche dann in großen Bögen ihren Weg in die Führungen fanden. Das Ganze sorgte immer für einen chaotischen Look am vorderen Ende eines Bikes. Doch diese Zeiten sind nun zum Glück gezählt. Genau wie bei den anderen namenhaften Gruppen der Japaner werden die Kabel jetzt auch bei der Shimano Tiagra 4700 unter dem Lenkerband an der Unterseite des Lenkers entlanggeführt.
Eine mechanische Neuerung, über die sich viele freuen dürften, ist die Kompatibilität des Schaltwerks zu Kassetten mit 34 Zähnen. Eine Sache sei noch erwähnt: trotz aller Updates hat man auch bei der Shimano Tiagra 4700 die Möglichkeit einen 3-fach-Kurbelsatz zu nutzen. Zudem gibt es Schaltoptionen für Bikes mit Flachlenker, was die Tiagra zu einer sehr vielseitigen Gruppe macht.
Performance im Dauereinsatz
Im Dauereinsatz schlug sich die Spar-Combo tapfer. Nachdem wir zwei Tiagra- Gruppen in Alltag und Training über insgesamt 9.500 Kilometer gefahren sind, können wir nur Gutes berichten. Von einem bei einem Sturz zerstörten Schaltwerk abgesehen, funktionierten beide Gruppen trotz minimaler Pflege und Wartung über die gesamte Zeit perfekt. Zum Bremsen brauchten wir am Ende nur geringfügig mehr Kraft als anfangs; die Schaltung funktionierte fast wie am ersten Tag, die Gänge rasteten präzise ein. Die Lager des Tretlagers liefen sauber und ohne Spiel, Ritzel und Kettenblätter zeigten keinen größeren Verschleiß.
Alternativen zur Shimano Tiagra
Dass die aktuelle Generation von Shimanos Tiagra-Gruppe vergleichsweise wenig beachtet wird, verdankt sie vor allem starker Konkurrenz im eigenen Haus. Räder mit kompletter Ultegra- oder 105-Ausstattung sind mitunter so günstig, dass selbst scharf kalkulierende Rechner für eine darunter angesiedelte Gruppe kaum Bedarf sehen.
Fazit
Wenn rund 350 Gramm Mehrgewicht gegenüber der Ultegra egal sind, kann die Tiagra auch für sportlich ambitionierte Fahrer eine gute Wahl sein. Empfehlenswert außerdem für Fahrer älterer Shimano-Neunfach- Gruppen, die Ersatz für verschlissene Teile suchen.
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