Die Fahrradbremse ist ein sehr wichtiges Bauteil, das maßgeblich für Ihre Sicherheit verantwortlich ist. Daher ist es wichtig, die Fahrradbremse regelmäßig zu kontrollieren und Verschleißteile bei Bedarf zügig auszutauschen, um eine zuverlässige Bremsleistung der Shimano Scheibenbremsen zu gewährleisten.
Haben Sie festgestellt, dass Ihre Shimano-Bremse bis zum Lenker durchziehbar ist oder sich der Druckpunkt verschoben hat? Diese Anzeichen deuten auf Luft im Bremssystem hin. Mithilfe dieser Anleitung erfahren Sie, wie Sie Ihre Shimano-Bremse entlüften können, um Ihre Bremsleistung wiederherzustellen. Sie benötigen hierfür ein Entlüftungskit für Shimano.
Vorbereitung zum Entlüften
- Am besten funktioniert das Entlüften, wenn das Rad in einen Montageständer gespannt ist.
- Damit kein Dreck in das System gelangen kann, empfiehlt es sich, Bremsgriffe und Bremssattel vorher zu reinigen. Ein sauberes Arbeitsumfeld sorgt von Anfang an für ein besseres Gelingen.
- Es kann vorkommen, dass beim Entlüften etwas Mineralöl austritt. Wir empfehlen, unter die Anschlussstücke ein Tuch oder einen geeigneten Behälter zu legen.
- Sollte Mineralöl auf Teile Ihres Rads laufen, reinigen Sie diese bitte unbedingt mit Isopropyl-Alkohol oder Spiritus. Bei anderen Reinigungsmitteln wie z.B. Bremsenreiniger kann es zu Schäden an lackierten Teilen kommen.
- Nach dem Entlüften empfehlen wir Ihnen, die Spritzen und die Schläuche zu reinigen. Die Entlüftungs-Kits sind wiederverwendbar.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Entlüften
Der hier beschriebene Entlüftungsvorgang zeigt die mit Entlüftungsschraube am geschlossenen Ausgleichsbehälter.
- Entfernen Sie bei einer der Spritzen den Kolben und verbinden Sie diese mit einem Schlauch, der Klemme und einem Stutzen.
- Befüllen Sie die Spritze mit dem Schlauch ohne Stutzen mit ca. 20 ml Mineralöl.
- Spannen Sie das Rad in einen Montageständer oder sorgen Sie für einen sicheren Stand z. B. mit Kisten oder Stühlen. Falls Ihre Shimano-Bremse über eine Griffweitenverstellung verfügt, muss diese komplett nach außen (im Uhrzeigersinn/der Hebel muss so weit wie möglich weg vom Lenker) geschraubt werden.
- Entfernen Sie die Bremsbeläge, um Verschmutzungen mit Öl zu vermeiden. Die Bremsbeläge werden entweder mit einer Belaghalteschraube oder einem Splint im Bremssattel gesichert. Bei dem Splint sollten Sie mit einer Spitzzange die Enden zusammenbiegen, um den Splint aus dem Sattel herausziehen zu können. Der Splint kann wiederverwendet werden, wenn dieser nicht beschädigt ist. Die Belaghalteschraube wird einfach herausgedreht, diese wird in manchen Fällen noch mit einem Clip auf der gegenüberliegenden Seite des Schraubenkopfes gesichert.
- Installieren Sie nun den mitgelieferten schwarzen ‚bleed block‘ oder eine Transportsicherung in dem Bremssattel, der die Kolben in der Endposition hält und sichern Sie diesen mit der Belaghalteschraube oder einem Gummiband. Mit der Installation des ‚bleed blocks‘ drücken Sie automatisch die Kolben in die Endposition, daher ist ggf. etwas Kraft notwendig. Sollte das nicht gelingen, können Sie vorher mit einem passenden Gegenstand wie z.B. einem Reifenheber die Bremskolben in die Endposition zurück drücken. Wichtig zum guten Gelingen ist, dass die Kolben komplett in der Endposition sind.
- Der Nippel ist bei den meisten Modellen mit einer Gummi-Schutzkappe verschlossen, die einfach abgeschoben werden kann. Es kann durchaus sein, dass das Aufstecken des Schlauches etwas Druck benötigt. Schlauch und Nippel müssen dicht miteinander verbunden sein.
- Achtung: Die Schraube ist mit einem Dichtring (O-Ring) versehen! Falls dieser nicht an der Schraube ist, müssen Sie diesen evtl. aus der Bohrung entfernen.
- Mit dem mitgelieferten 7er Maulschlüssel müssen Sie nun am Bremssattel die Außensechskantschraube am Entlüftungsnippel mit einer viertel Umdrehung öffnen. Entlüftungsnippel nicht durch einen Außensechskant, sondern durch einen 3er Innensechskant öffnen. Sie sehen, wie sich die leere Spritze am Bremshebel mit Öl füllt. Falls Luft im System war, können Sie nun auch aufsteigende Luftbläschen in der Spritze oben sehen.
- Sollte das Öl oben in der Spritze keine rosa Farbe mehr haben oder sich Fremdkörper in dem alten Öl befinden, sollten Sie die Spritze mit der Klemme verschließen, abschrauben und das alte Öl ordnungsgemäß entsorgen. Die nun leere Spritze wieder aufschrauben, Klemme öffnen und mit ca. 15 ml frischem Öl aus der Flasche auffüllen.
- Anschließend den Kolben der Spritze am Bremssattel behutsam ziehen, das Öl fließt nun von der Spritze oben in die Spritze unten. Diesen Vorgang des Öl-„Pumpens“ von unten nach oben und von oben nach unten mehrmals wiederholen. Zwischendurch können Sie auch mal den Bremshebel ziehen und schnell loslassen, um kleinere Luftblasen zu lösen.
- Wenn Sie keine Luftbläschen mehr in den Spritzen aufsteigen sehen, können Sie die Entlüftungsschraube mit dem 7er Maulschlüssel zudrehen. Das System ist jetzt am Bremssattel verschlossen. Die Spritze mit Schlauch am Bremssattel kann nun entfernt werden.
- Jetzt können Sie den Bremshebel ziehen und sollten nach 1-2 mal Pumpen wieder einen sauberen Druckpunkt haben. Wenn das der Fall ist, können Sie die Spritze am Ausgleichsbehälter mit der Klemme verschließen und abschrauben. Achtung: Es muss Öl bis oben an der Bohrung anstehen, bevor Sie die Schraube wieder einschrauben.
- Das alte Öl aus den Spritzen ggf. ordnungsgemäß entsorgen.
- Wenn Sie nun wieder einen sauberen Druckpunkt am Bremshebel haben, können Sie den Bleedblock bzw. die Transportsicherung wieder entfernen und die Bremsbeläge einsetzen.
Wenn die Bremse jetzt wieder ordentlich zieht, kann es wieder auf die Trails gehen!
Laufräder ausbauen und Bremsscheiben prüfen
Um an der Bremsanlage arbeiten zu können, müssen natürlich die Laufräder vom Rad abmontiert werden. Vorher aber kannst Du noch prüfen, ob die Bremsscheiben gerade oder eventuell verzogen sind. Eine verzogene Scheibe erkennst Du daran, dass sie bei Rotation im Bremssattel seitlich “taumelt“. Ein leichter Verzug ist zu verschmerzen und kann mit einem Richtwerkzeug begradigt werden. Dieser Verzug kann im Fahrbetrieb teils auffallen - Du spürst während des Bremsens ein leichtes, frequentes Pulsieren. Wenn Dich das nicht sonderlich stört, kann die Scheibe ruhig so weitergefahren werden. Ist die Scheibe stark verzogen, so dass der Bremssattel nicht mehr schleiffrei einstellbar ist, kann es sein, dass sie nicht mehr zu begradigen ist und ausgetauscht werden muss.
Nun wird noch die Reibfläche der Scheiben geprüft. Diese unterliegt natürlich, genau wie die Beläge, einem gewissen Verschleiß, auch wenn dieser aufgrund der Härte des Stahls deutlich langsamer fortschreitet als bei den Bremsbelägen. Nimmst Du Dir die Scheibe vor, kannst Du mit dem Fingernagel am Übergang zwischen Reibfläche und Trägerarmen oft eine „Stufe“ spüren. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Reibfläche bereits dünner geworden ist. Mit dem Messschieber kannst Du die genaue Dicke messen. Ist sie nahe der Verschleißgrenze oder gar darunter, muss sie getauscht werden. Diese Verschleißgrenze ist auf der Scheibe aufgedruckt.
Wenn die Scheibe rot- bis bläuliche Verfärbungen aufweist, ist dies ein Indiz dafür, dass sie mindestens einmal auf einer Abfahrt sehr heiß geworden ist. Das darf aber durchaus sein und ist kein Grund zum Austausch - es sei denn, die Scheibe sieht komplett „verglüht“ aus. Schau Dir auch die Reibfläche genauer an: Siehst Du dort eingebrannte Fragmente der Beläge, hat sich Material dieser gelöst und mit der Scheibe unter Hitzeeinwirkung „verbunden“. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Bremsbeläge an ihre Belastungsgrenze gekommen sind. Falls Du organische Beläge nutzt, wäre der Umstieg auf Sintermetall-Beläge ratsam, da diese mehr Hitze vertragen.
Um nichts auszulassen, empfiehlt es sich, noch die Verschraubung der Scheiben an den Naben zu prüfen, idealerweise mit dem Drehmomentschlüssel. Die Drehmomentwerte sind jeweils auf der Scheibe bzw. auf dem Center Lock-Verschlussring aufgedruckt. Findest Du keine Angabe auf der 6-Loch-Scheibe, sind 6-7Nm ein guter Anhaltspunkt. Bei Center Lock ist ein Wert von 40Nm vorgesehen.
Sind die Bremsscheiben verölt oder stark verdreckt, müssen sie gereinigt werden. Hierzu nimmst Du einen herkömmlichen Bremsenreiniger , der auf einen Öl- und fettfreien Lappen gesprüht wird. Damit werden beide Seiten der Bremsfläche gründlich abgewischt. Anschließend empfehlen wir, noch einmal mit einem in Wasser getränkten Lappen nachzuwischen, denn Bremsenreiniger hinterlässt Rückstände auf der Scheibe, die den Reibwert verringern und somit temporär die Bremsleistung verschlechtern.
Bremsbeläge prüfen und ggf. wechseln
Ziehen Sie den Sicherungssplint heraus, um die Shimano Bremsbeläge auszubauen. Manchmal kann es sein, dass diese ein Gewinde haben, dann nehmen Sie einen passenden Innensechskantschlüssel dazu.
Hinweise zum "Fading"-Effekt
Vielen sportlich ambitionierten Bikern ist der Begriff „Fading“ bekannt: „Fading“ bedeutet so viel wie „Bremsschwund“. Manchmal liegt es lediglich an verunreinigten Shimano Bremsscheiben, dann ist eine gründliche Reinigung von Scheiben und Bremsbelägen ausreichend. Tatsächlich entsteht das eigentliche „Fading“ jedoch bei heißen Bremsen, sprich unter andauernder höherer Belastung. Bei Hitze werden Gase der Bremsbeläge freigesetzt, wodurch dann die Bremswirkung quasi „verpufft“ und der Druckpunkt sich verschiebt. Wer diesen Effekt minimieren möchte, sollte beim Kauf auf thermisch vorbehandelte, temperaturbeständigere Bremsbeläge achten. Vom Hersteller Shimano gibt es auch Bremsscheiben mit einem besonders guten Belüftungssystem, welche den „Fading-Effekt“ im geringeren Bereich halten, genauso wie Scheiben aus Keramik oder auch Carbon.
Entlüften bei älteren Shimano Bremsen mit Ausgleichsbehälter
Bei älteren Shimano Bremsen kann es sein, dass sich am Bremsgriff ein Ausgleichsbehälter befindet. Dieser muss über die Schrauben geöffnet werden. In diesem Falle lesen Sie bitte die entsprechende Anleitung weiter unten.
- Die Sicherungsklammer aus dem Sicherungsbolzen herausziehen.
- Die Schrauben am Sicherungsbolzen werden ganz einfach mit einem passenden Schraubendreher gelöst.
- Nun wird der Bremshebel in eine waagerechte Position gebracht. Die Entlüftungsschraube sollte sich am Ausgleichsbehälter in der höchsten Position befinden.
- Jetzt öffnen Sie das Entlüftungsventil am Bremssattel mit dem passenden Maulschlüssel.
- Jetzt können Sie vorsichtig damit starten das Öl langsam mit Hilfe der Spritze durch das System in den oben befindlichen Trichter zu drücken. Auf diese Art können Sie die im Bremssystem befindliche Luft nach außen bringen. Nun so lange drücken bis keine Luft mehr im Trichter zu sein scheint.
Entlüften des Bremssattels
- Um den Bremssattel zu entlüften wird der Shimano Auffangbehälter gebraucht. Diesen hängen Sie mit der Drahtschlaufe direkt an den Bremssattel; der Schlauch muss am Entlüftungsventil angeschlossen werden.
- Das Ventil wird anschließend geöffnet, damit Sie vorsichtig die Bremsleitung abklopfen können und so weitere Luftblasen lösen. Achten Sie darauf, dass beständig Öl im Trichter am Bremshebel ist. Sonst kann es passieren, dass wieder Luft in das System gelangt. Daher ist es sehr wichtig, hier immer einen prüfenden Blick zu haben und ggf.
- Wenn Sie keine Luftblasen mehr am Bremssattel sehen, kann das Ventil erst einmal verschlossen werden.
- Jetzt müssen die oberen, festsitzenden Luftblasen gelöst werden: Dies ist möglich, indem Sie einige Male am Bremshebel ziehen und gleichzeitig für einen kleinen Moment wieder das Ventil öffnen. Dies wird nun ein paar Mal wiederholt.
- Der gelbe Trichter wird mit dem beiliegenden Trichterstopfen verschlossen und aus dem Hebel gedreht.
- Abschließend jetzt noch einen Tropfen Öl in den Verschluss geben und eben diesen wieder mit der Schraube verriegeln.
- Den gelben Spreizblock können Sie entfernen und dann mit der gründlichen Reinigung beginnen. Wenn jegliches Öl komplett entfernt ist, können Sie die Bremsbeläge wieder einsetzen.
- Jetzt wird das Laufrad wieder montiert und einer Probefahrt steht nichts im Wege.
Weitere Hinweise
Sollte sich der Druckpunkt trotz mehrerer Entlüftungsvorgänge nicht bessern, dann ist es durchaus möglich, dass einige Dichtungen nicht mehr in Ordnung sind. Achten Sie darauf, dass die Probefahrt lang genug ist… die alten Bremsbeläge - besonders aber die neuen - müssen erst einmal eingefahren werden.
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