Shimano Tretlager Vierkant wechseln: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Macht das Fahrrad-Tretlager Geräusche wie Knacken oder Quietschen oder ist es schwergängig, sollte es getauscht werden. Das kann man problemlos selbst erledigen. Wie, erklärt die Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Wie jedes bewegliche Teil, ist auch ein Fahrrad-Tretlager, im Handel wird oft der Begriff "Innentretlager" verwendet, dem Verschleiß unterworfen. Ist es defekt, kommt man um einen Austausch nicht herum. Dafür braucht es aber keinen teuren Werkstatt-Besuch: Ohne großen Aufwand lässt sich das Tretlager selbst wechseln. Hier kommt die Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Willst du mit deinem Rad vorwärts kommen, ist das Innenlager nicht wegzudenken. Es ist bei jeder Pedalumdrehung im Einsatz und fristet doch oft ein unbeachtetes Leben unten im Rahmen, gut versteckt zwischen den Kurbelarmen. Eigentlich fällt dieses Lager erst so richtig auf, wenn es nicht mehr einwandfrei funktioniert: Dann können einem quietschende und knarzende Geräusche, spürbares Spiel oder schwergängiges Treten schnell die Lust am Radfahren nehmen.

Wenn dein Tretlager reif für einen Austausch ist, solltest du wissen, welcher Lagertyp verbaut ist, welches Werkzeug du benötigst und wie du es am einfachsten ein- und ausbauen kannst. All diese Informationen haben wir für dich in diesem Beitrag zusammengestellt.

Wann benötige ich ein neues Tretlager?

Bei einem Hagelschauer oder bei vereisten Straßen zum Beispiel macht Radfahren nicht immer Spaß. Ganz vorne bei den Spaßverderbern mischt sicherlich auch das defekte Tretlager mit. Wenn du bei jeder Kurbelumdrehung ein nerviges Geräusch aus dem Tretlagerbereich hörst, du spürbares Spiel in der Kurbel oder das Gefühl hast, dass du schwerer Treten musst um die Kurbel zu bewegen, dann ist es an der Zeit, sich mit einem neuen Tretlager den Spaß am Radfahren zurückzuholen.

Dabei verschleißen Tretlager je nach Kilometerleistung, Beanspruchung und den äußeren Bedingungen unterschiedlich schnell. Auch unsachgemäße Handhabung, z.B. eindringendes Wasser durch Reinigung mit dem Dampfstrahler oder ausbleibende Wartung lassen Lager vorzeitig verschleißen. Gerade Ganzjahres- und Allwetterfahrer sollten ihrem Tretlager besondere Pflege zukommen lassen, da das Tretlager im Spritzbereich von beiden Rädern liegt.

Wie finde ich heraus, welches Tretlager ich benötige?

Die einfachste Art festzustellen, welches Lager du benötigst, ist, das alte Lager auszubauen. Meist ist auf dem Lager eine Lagergröße oder ein Code vermerkt, sodass du mithilfe der Informationen einfach ein neues Lager bestellen kannst. Zudem lässt es sich im ausgebauten Zustand leicht ausmessen, sollten keine Angaben mehr lesbar sein.

Grundsätzlich gibt es drei verschiedene Arten von Tretlagern:

  • Lager mit geschraubten Lagerschalen
  • Lager mit eingepressten Lagerschalen
  • Direkt eingepresste Lager

Diese drei Arten unterscheiden sich hinsichtlich der Montage und dem benötigten Werkzeug. In Abhängigkeit von der Gehäusebreite können zudem auf beiden Kurbelseiten Spacer notwendig sein.

Geschraubte Lager sitzen häufig in einem BSA Tretlagergehäuse, also in einem Gehäuse mit Gewinde auf beiden Seiten. Der BSA Standard ist bei Fahrrädern bis Baujahr 2010 am meisten verbreitet, wobei Rennräder eine Gehäusebreite von 68mm aufweisen und Mountainbikes eine Breite von 73mm; die weiteren BSA Breiten von 83mm und 100mm sind eher selten. Der seit 2006 häufig verwendete BB30 Standard wurde von dem BB86 - BB90 Standard abgelöst, der bei heutigen Rennrädern und Mountainbikes aktueller Stand der Technik ist.

Welches Tretlager-Werkzeug wird benötigt?

Um besser an und mit deinem Bike arbeiten zu können, empfehlen wir dir je nach geplanter Arbeit, dein Fahrrad auf dem Fahrradständer oder dem Hinterbauständer abzustellen oder einen Montageständer zu benutzen. Außerdem solltest du immer mit den passenden Minitools und dem richtigen Fahrrad Werkzeug zur Montage arbeiten.

Wir empfehlen dir das Rad vor der Reparatur gründlich zu reinigen, um sich mit dem neuen Tretlager nicht gleich wieder alten Schmutz mit einzubauen. Zudem sind demontierte Kurbelarme eine gute Gelegenheit, das Rad im Tretlagerbereich mal wieder richtig sauber zu bekommen. Die Kurbelinnenseiten und die Kettenblätter lassen sich ebenfalls im demontierten Zustand bestens reinigen.

Tretlager-Wechsel: Welches Werkzeug?

Vor dem Wechsel ist es sinnvoll, sich das benötigte Werkzeug zurechtzulegen. Dazu gehören idealerweise:

  • ein hilfreicher Fahrrad-Montageständer
  • ein Inbusschlüssel (meist 5 oder 8 mm)
  • ein Tretlagerwerkzeug (abhängig vom Tretlagertyp, z. B. Hollowtech II oder Vierkant) und ein Kurbelabzieher (bei Vierkant-Kurbeln)

Die beiden letzteren Werkzeuge hat man üblicherweise nicht im Haus. Es gibt sie zusammen oft für unter 15 Euro als Set im Fachhandel. Fett oder Montagepaste und ein alter Lappen runden das Set für den Wechsel des Tretlagers ab.

Wichtig ist natürlich das neue, passende Tretlager. Oft ist auf dem alten Lager eine Modellnummer eingeprägt. Handelt es sich um ein selbst zusammengestelltes Rad, informiert der Rahmenhersteller, welches Tretlager passt. Im Zweifelsfall gibt es im Fachhandel eine schnelle und günstige Beratung.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Tretlagerwechsel

Mit folgenden 5 Schritten lässt sich das Tretlager wechseln:

  1. Kurbeln entfernen

    Zuerst müssen die Kurbeln abgebaut werden, also die Teile, an denen die Pedale befestigt sind. Dafür schraubt man die Pedale ab. Achtung: Eine Seite verfügt über ein Linksgewinde. Danach werden die Schrauben an den Kurbelarmen gelöst. Mit dem Kurbelabzieher zieht man nun die Kurbeln vorsichtig von der Achse.

  2. Altes Tretlager ausbauen

    Jetzt geht es an das eigentliche Innentretlager, das sich im Rahmen befindet. Je nach Fahrradtyp setzt man das Tretlagerwerkzeug an, um die Lagerschalen herauszudrehen. Auch hier gilt: Eine Seite hat oft ein Linksgewinde - also nicht wundern, wenn sich etwas „falsch herum“ dreht.

  3. Gewinde reinigen

    Jetzt ist eine gute Gelegenheit, vor dem Einbau des neuen Lagers das Tretlagergehäuse gründlich zu reinigen. Ein Lappen und etwas Entfetter helfen, alten Schmutz und Fett zu entfernen. Das Gewinde im Rahmen sollte sauber und unbeschädigt sein.

  4. Neues Tretlager einsetzen

    Nun kann man das neue Tretlager einsetzen. Etwas Fett auf die Gewinde auftragen, damit später nichts knarzt oder festrostet. Dann die neuen Lagerschalen einschrauben - wieder auf die richtige Seite achten - und mit dem passenden Werkzeug festziehen. Zuerst die rechte Seite einschrauben (meist mit Linksgewinde, also nach links drehen), dann die linke Seite (normal, also nach rechts drehen). Beide Seiten sollten mit 35 bis 50 Nm angezogen werden.

  5. Kurbeln wieder montieren

    Zum Schluss werden die Kurbeln wieder montiert. Sie werden auf die Achse gesetzt und die Schrauben gleichmäßig festgezogen. Jetzt sollte sich alles leicht und ohne Spiel drehen - fertig!

Wer sich unsicher ist, macht vor jedem Schritt ein Foto, das zeigt, wie ursprünglich alles zusammengesetzt war.

Zusätzliche Hinweise

  • Sorge für einen sicheren Stand des Rades - Am besten in einem Montageständer
  • Hebe die Kette vorsichtig vom Kettenblatt ab. Du kannst sie am einfachsten mit einem Kabelbinder am Umwerfer hochbinden, damit sie den Rahmen nicht verkratzt
  • Löse an der linken Kurbel die Inbusschrauben - Nur lösen, die Schrauben brauchen nicht entfernt zu werden
  • Entferne mit dem Kurbelkappenwerkzeug die Kurbelkappe
  • Hebe mit dem Schraubendreher das Sicherungsplättchen an - Das Plättchen sichert die linke Kurbel auf der Achse
  • Ziehe die Kurbel von der Kurbelachse ab
  • Treibe mit dem Gummihammer vorsichtig die rechte Kurbel aus

Spezifische Anweisungen für Schraub- und Presslager:

Schraublager: Drehe mit dem Tretlagerwerkzeug die Lagerschalen aus dem Rahmen linke Seite=Rechtsgewinde, rechte Seite=Linksgewinde, Tipp: Beide Lagerschalen lösen sich „nach vorne“

Presslager: Treibe mit einem passenden Dorn die Lagerschalen aus - Führe dazu den Dorn auf der jeweils gegenüberliegenden Seite in das Tretlager ein und treibe es leichten Schlägen auf dem gesamten Umfang aus

  • Reinige das Tretlagergehäuse gründlich von außen und innen
  • Begutachte nun das gereinigte Tretlagergehäuse. Unschöne Stellen und Korrosion kannst du leicht mit feinem Schmirgelpapier oder etwas Stahlwolle entfernen.
  • Überprüfe auch das Gewinde auf eventuelle Gratbildung oder Beschädigungen. Falls das Gewinde nachgearbeitet werden muss, empfiehlt sich für diesen Arbeitsschritt der Gang zur örtlichen Fahrradwerkstatt. Die Anschaffung eines Gewindeschneiders lohnt sich bei einem Kaufpreis von mindestens 60 € für den einmaligen Einsatz eher nicht.

Befindet sich das Tretlagergehäuse (wieder) in einem guten Zustand, kannst du mit der Montage des neuen Tretlagers beginnen.

Tretlager einbauen - Montage

Ist das Tretlagergehäuse nun in einem einwandfreiem Zustand und hast du das neue Lager mit allen Spacern vorliegen, kannst du mit der Montage beginnen. Für den Einbau empfehlen wir folgende Vorgehensweise:

  • Bestreiche beide Gewinde bzw. die Gehäusefläche von innen reichlich mit Montagefett - Das Fett schützt die Oberfläche vor Korrosion und verhindert das Eindringen von Feuchtigkeit

Spezifische Anweisungen für Schraub- und Presslager:

Schraublager: Schraube beide Lagerschalen in den Rahmen ein linke Seite=Rechtsgewinde, rechte Seite=Linksgewinde, Tipp: Beide Lagerschalen schließen „nach hinten“, Achte dabei auf die richtige Anzahl der Spacer (siehe Tabelle) und ein Anzugsmoment von 40 - 45 Nm

Presslager: Beide Lagerschalen in das Tretlagergehäuse einpressen - Beide Lagerschalen mit dem Einpresswerkzeug bündig in das Gehäuse einpressen, dazu die Lagerschalen gerade an das Gehäuse anlegen und gleichmäßig und ohne zu verkanten anziehen. Beim Einpressen können unangenehme Geräusche entstehen. Diese sind jedoch nicht schlimm

  • Die rechte Kurbel bis zum Anliegen in das Tretlagergehäuse einschieben
  • Die linke Kurbel in der richtigen Position auf die Kurbelachse aufschieben
  • Die Kurbelkappe mit dem Kurbelkappenwerkzeug handfest anziehen (0,7 - 1,5 Nm)
  • Kurbel sichern und festziehen - Sicherungsplättchen wieder eindrücken und beide Inbusschrauben im Wechsel mit 12 - 14 Nm anziehen

Die Kurbel sollte sich nun leicht und spielfrei im Tretlagergehäuse drehen lassen. Überflüssiges Montagefett entfernen und Kette wieder auflegen - FERTIG!

Demontage der Vierkantkurbeln

Seit Jahrzehnten ist der konisch zulaufende Vierkant ungeschlagen die Nummer 1 , wie man die Tretkurbeln mit dem Tretlager verbindet.

Die Tretkurbeln demontieren oder abziehen ist also nötig, wenn Sie diese durch neue ersetzen wollen. Aber auch wenn das Innenlanger quietscht und daher überprüft werden muss, müssen Sie die Tretkurbeln demontieren.

Die Arbeit ist nicht unbedingt schwierig, jedoch erfordert es viel Kraft und Anstrengung, um die Vierkantkurbeln von der Achse zu montieren und wieder darauf zu bringen.

  1. Als erstes hebeln Sie mit einem spitzen Gegenstand wie einen Schlitzschraubenzieher die Kappe ab, die auf beiden Enden der Tretachse aufgesteckt ist.
  2. Drehen Sie nächstes die Kurbelschraube mit einem passenden Steckschlüssel entgegen dem Uhrzeigersinn heraus. Am besten verwenden Sie dazu deine Ratsche mit einem langen Griff, damit Sie eine bessere Hebelwirkung haben. Sollten Sie jedoch keine Ratsche zur Hand haben, können Sie auch den Steckschlüssel am hinteren Ende des Kurbelabziehers auf die Kurbelschraube stecken und mit einem Schraubenschlüssel gegen den Uhrzeigersinn herausdrehen.

Nun kommt auch schon der Kurbelabzieher zum Einsatz. In der Innenseite der Kurbel finden Sie ein Gewinde. Genau in dieses Innengewinde passt das Außengewinde am Ende des Kurbelabziehers.

Überprüfen Sie, ob dieses Gewinde in einem sauberen und unbeschädigten Zustand ist, falls nötig, müssen Sie den Dreck und Schmutz vom Innengewinde beseitigen.

Bevor Sie den Kurbelabzieher gebrauchen, müssen Sie den inneren Teil, also die Spitze, soweit es geht zurück drehen, dass es fast bündig ist mit dem Außengewinde.

Es ist ratsam, diese Spitze mit etwas Fett (z.B. Shimano Lagerfett) einzuschmieren, um später beim Herausziehen der Kurbel die Reibung auf die minimieren. Die besseren und daher auch teureren Modelle verfügen über eine mit drehender Spitze, wodurch quasi keine Reibung beim Drehen entsteht.

Schrauben Sie anschließend das Außengewinde des Kurbelabziehers vorsichtig im Uhrzeigersinn in das Innengewinde der Kurbel. Passen Sie besonders auf, dass die Gewinde sauber ineinander laufen und sich nicht verkanten.

Mit einem Schraubenschlüssel können Sie noch etwas den Kurbelabzieher weiter hinein drehen. Aber drehen Sie diesen mit viel Gefühl hinein, damit Sie das Gewinde nicht überdrehen. Ihre Kräfte brauchen Sie für den nächsten Arbeitsschritt.

Setzen Sie mit der einen Hand halten Sie die Kurbel fest, während Sie mit der anderen Hand das Innenteil des Kurbelabziehers mit einem passenden Schraubenschlüssel hineindrehen. Dadurch, dass das Innenteil immer weiter hinein gedreht wird, jedoch an der Achse ansteht, wird die Kurbel, die ebenfalls fest mit dem Kurbelabzieher fest verschraubt ist, richtig von der Vierkantachse gezogen.

Dafür brauchen Sie vor allem am Anfang richtig viel Kraft, da die Kurbel in der Regel sehr fest auf dem Vierkant sitzt.

Montage der Vierkantkurbeln

Damit Sie leichter die Vierkantkurbeln montieren können, fetten Sie zu Anfang etwas den Vierkant an den Enden der Achse ein. Vermeiden Sie zu viel Fett, sonst können Sie die Kurbeln nicht in die endgültige, feste Position bringen. Das führt dazu, dass die Kurbeln nicht ordentlich sitzen und schneller locker werden.

Drücken Sie die Kurbel so weit wie möglich auf die Vierkantachse, ohne dass sie sich jedoch dabei verkantet.

Fetten Sie als nächstes das Gewinde der Kurbelbefestigungsschraube und deren Unterlegscheibe ein, um später ein lästiges Schleifgeräusch zu vermeiden.

Mit dieser Kurbelschraube pressen Sie die Kurbel richtig fest auf den Konus der Achse und befestigen die Kurbel darauf.

Genauso, wie wir Ihnen bei der Demontage von der Vierkantkurbel, eine Ratsche mit einem langen Griff empfohlen haben, wäre eine solche Ratsche auch jetzt wieder sinnvoll, da sie mit dieser die Kurbelschraube richtig fest anziehen können, um der Kurbel auch einen festen Sitz zu verschaffen.

Der vorgeschlagene Anzugsdrehmoment liegt bei Kurbelschrauben bei 35 N/mm², kann sich aber je nach Hersteller auch unterscheiden.

Bevor Sie zum Abschluss der Arbeiten die Staubkappe darauf setzen, machen Sie eine Probefahrt mit ihrem Fahrrad und treten dabei immer wieder fest in die Pedalen. Hören Sie damit sofort auf, wenn Sie merken, dass die Kurbel locker sitzt.

Wenn Sie ihre Probefahrt beendet haben, versuchen Sie nochmal, die Kurbelschraube weiter hinein zu drehen. Setzen Sie hinterher die Staubkappe wieder auf die Kurbel.

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