Das Innenlager gehört zu den Verschleißteilen am Mountainbike und muss im Rahmen einer regelmäßigen Wartung oder eines Neuaufbaus gewechselt respektive montiert werden. Wie ihr ein Innenlager montieren müsst, erfahrt ihr in dieser Anleitung. Gerade bei den geschraubten Varianten gibt es kleine Details zu beachten, damit das Ganze am Ende perfekt sitzt und fehlerfrei funktioniert.
BSA vs. Pressfit: Welcher Tretlagertyp ist der richtige?
Bevor ihr das Innenlager montieren oder austauschen könnt, muss im Vorfeld geklärt werden, welche Variante in das Gehäuse passt. Dabei geben die Rahmenhersteller meist in den technischen Daten vor, ob es sich um ein BSA- oder Pressfit-Lager handelt. Das könnt ihr allerdings auch ganz einfach selbst herausfinden, denn wenn ein Gewinde vorhanden ist, kann nichts eingepresst werden. Die geschraubten BSA-Modelle sind hingegen für Rahmen mit Gewinden gedacht. Pressfit-Lager kommen also bei Bikes mit glatter Innenwand des Tretlagergehäuses zum Einsatz.
Vor- und Nachteile haben beide Varianten, wobei die geschraubten Lager unserer Ansicht nach einfacher zu handhaben sind. Zusätzliches Werkzeug zum Einpressen und ein Ausschlag-Tool entfallen bei der BSA-Variante. Dem gegenüber steht die womöglich geringere Steifigkeit der geschraubten Lösung.
Werkzeug für die Tretlagermontage
Welches Werkzeug ihr benötigt, hängt von der Art des Innenlagers ab. Die Pressfit-Montage setzt spezielle Tools voraus, die ihr an anderer Stelle am Bike nicht wieder einsetzen könnt. Einfacher und auch günstiger ist dagegen die Installation eines BSA-Lagers.
Für den Ausbau von Pressfit-Innenlagern benötigen Sie spezielles Werkzeug: einen Austreiber und das Einpresswerkzeug. Beides bekommt man inzwischen zu akzeptablen Preisen. Von Bastellösungen aus dem Baumarkt raten wir eher ab.
Werkzeugliste für die Tretlagermontage:
- Innensechskante oder Torx-Schlüssel
- Shimano-Kurbelwerkzeug
- Einpresswerkzeug
- Ausschlagwerkzeug
- Nuss für geschraubte Tretlager
- Hammer und Schonhammer
Anleitung: Montage eines BSA-Innenlagers
Die folgenden Schritte zeigen die Montage eines BSA-Innelagers.
Schritt 1: Vorbereitung
Um das Innenlager montieren zu können, sollte der Rahmen oder das Bike in einem stabilen Montageständer eingespannt werden.
Schritt 2: Lagerschalen sortieren und Spacer aufstecken
Als Vorbereitung für die schnelle Montage, sollten die beiden Innenlagerschalen sortiert werden, denn die Eindrehrichtung ist auf beiden Seiten vorgegeben und muss eingehalten werden, damit sich während der Fahrt mit dem Bike nichts lösen kann. Dafür sind die Lagerschalen vom Hersteller beschriftet. Entweder wird „Right Side“ und „Left Side“ oder „Non-Drive Side“ und „Drive Side“ vorgegeben. Abschließend können auch gleich die Spacer aufgesteckt werden. Hierzu ist je nach Hersteller und Innenlagerbreite die korrekte Anzahl zu beachten, damit die Kettenlinie am Ende auch passt. In Falle des Alutech Fanes 5.0 ist das Gehäuse 73 Millimeter breit. Shimano gibt hierfür einen 2,5-Millimeter-Spacer auf der Antriebsseite vor.
Schritt 3: Gewinde reinigen
Nun muss noch sichergestellt werden, dass sich kein Schmutz und keine Produktionsrückstände in den Gewindegängen des Rahmens befinden.
Schritt 4: Gewinde fetten
Obwohl das Shimano-Innenlager bereits ab Werk gefettet ist, empfehlen wir, die Gewinde im Rahmen zusätzlich mit Fett einzuschmieren. So ist sichergestellt, dass alles flächendeckend überzogen ist.
Schritt 5: Lagerschale montieren (Nicht-Antriebsseite)
Jetzt kann eine Innenlagerschale montiert werden. Wir starten exemplarisch mit der linken Seite, da hier keine Hülse und kein Spacer verbaut sind. Ganz wichtig: Auf der Nicht-Antriebsseite wird die Lagerschale im Uhrzeigersinn eingeschraubt. Das sollte in der Regel bis zu zwei Dritteln auch einfach mit der Hand funktionieren.
Schritt 6: Drehmomentschlüssel vorbereiten
Um die Installation der Lagerschale abzuschließen, ist der Drehmomentschlüssel auf den korrekten Wert einzustellen (unsere Empfehlung: 40 Newtonmeter) und dann mit dem Adapter TL-FC-37 oder TL-FC-33 zu bestücken. Wer die letztgenannte Version einsetzt, muss vorher noch den Kunststoffring TL-FC25 hinzufügen.
Schritt 7: Lagerschale anziehen (Nicht-Antriebsseite)
Bei diesem Schritt ist die Lagerschale lediglich mit dem korrekten Drehmoment anzuziehen. Hierfür gibt Shimano 35 bis 50 Newtonmeter vor.
Schritt 8: Lagerschale montieren (Antriebsseite)
Die Installation auf der Antriebsseite erfolgt in ähnlicher Form. Dabei muss beachtet werden, dass die Hülse und der Distanzring auf bereits mit der Lagerschale verbunden sind. Anschließend gehört das Ganze so in das Innenlager eingeführt, dass die Hülse sauber in die linke Lagerschale gleitet ohne zu verkanten. Die Einschraubrichtung ist allerdings diesmal gegen den Uhrzeigersinn.
Geschafft! Ihr habt nun das Innenlager sauber eingebaut.
Montagetypen: Pressfit-Innenlager ausbauen
Für den Ausbau von Pressfit-Innenlagern benötigen Sie spezielles Werkzeug: einen Austreiber und das Einpresswerkzeug.
Anleitung: Pressfit-Lager installieren
Wer stattdessen ein Pressfit-Lager installieren muss, kann sich in der Basis an der Anleitung zum Einpressen eines Steuersatzes orientieren, denn der Vorgang ist ganz ähnlich.
Drei Sonderlösungen bei Pressfit-Lagern
Immer wieder bringen Fahrradhersteller den Markt mit eigenen Standards in Aufruhr. So wie Trek 2007. Beim BB95-Standard wurde das Tretlagergehäuse auf 95 Millimeter Breite aufgeblasen. Die Lagersitze wurden in den Rahmen laminiert und die Lager dort direkt eingepresst. Bei aktuellen Modellen setzt Trek wieder auf den PF92-Standard. Auch für Fatbikes gibt es spezielle Innenlager-Lösungen. Truvativs BB121-Lager hat zum Beispiel eine Einbaubreite von 121 Millimeter.
So finde ich das richtige Innenlager für mein Bike
Um das passende Innenlager für Ihren Rahmen zu finden, benötigen Sie folgende Messwerte: die Breite und den Durchmesser des Tretlagergehäuses sowie den Durchmesser der Kurbelachse (24 oder 30 Millimeter).
Verschleiß am Tretlager erkennen
Weil Tretlager viel Last aufnehmen müssen und bei Regenfahrten Schmutz und Wasser ausgesetzt sind, sind Defekte nicht selten. Der Verschleiß kündigt sich oft mit unregelmäßigen Knackgeräuschen an. Hat die Kurbel bereits Spiel, dreht sich schwergängig, ruckelig oder erzeugt mahlende Geräusche, ist es höchste Zeit für einen Lagertausch.
Werkstatt-Tipps: Gewinde von geschraubten Lagern müssen gut gefettet werden
Wichtig bei allen Lagertypen: Säubern Sie das Lagergehäuse gründlich! Schmutz kann die empfindlichen Gewindegänge beschädigen, bei gepressten Modellen können die Lager verkanten oder fluchten nicht perfekt. Geben Sie auf Gewinde oder Lagersitze etwas Fett, das erleichtert die Montage. Eine dünne Fettschicht auf dem äußeren Dichtring verhindert, dass Feuchtigkeit eindringt.
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