Shimano Überschuhe Winter Test: Alles, was Sie über Winterradschuhe und Überschuhe wissen müssen

Wer im Winter "durchfährt", wird das Gefühl von kalten und tauben Füßen kennen. Schlimm, wenn die Extremitäten erst wieder unter der Dusche zum Leben erweckt werden. Mit den richtigen Überziehschuhen kannst du effektiv dagegen steuern, und der Zeitpunkt, an dem das Gefühl aus Fingern und Zehen schwindet, lässt sich deutlich hinauszögern.

Im Radsport gibt es zwei goldene Regeln: Auf dem Weg nach Paris wird das Gelbe Trikot nicht mehr angegriffen. Und es führt kein Weg an Shimano vorbei! Spaß beiseite, das ist jetzt etwas überspitzt … Der weltgrößte Hersteller für Komponenten und Fahrradzubehör ist allerdings auch auf dem Feld der Radbekleidung breit aufgestellt.

Wichtig zu wissen: Das individuelle Temperaturempfinden ist unterschiedlich ausgeprägt, die Überschuhe in diesem Test tragen diesem Umstand Rechnung.

Die Bandbreite unseres Tests reicht von Modellen für Hardcore-Einsätze bei Minustemperaturen bis hin zu etwas dünneren Modellen, die ihre Stärke eher in der Übergangszeit ausspielen, wenn das Thermometer zu Werten im zweistelligen Bereich tendiert. Wer genau weiß, für welche Bedingungen die Überschuhe benötigt werden, kann also gezielter auswählen. Neben den Spezialisten gibt es noch die typischen Allrounder, die mit den meisten Situationen gut klarkommen.

Winterschuhe vs. Überschuhe: Was ist die bessere Wahl?

Schon beim Blick auf die Preise wird klar: Winterschuhe sind ein teures Vergnügen, das günstigste Modell im Test kostet mehr, als viele für ihre normalen Radschuhe auszugeben bereit sind. Überschuhe hingegen sind bereits ab rund 50 Euro zu haben. Da bleibt unter Umständen sogar noch finanzieller Spielraum, sich mit zwei unterschiedlichen Modellen optimal auf die verschiedenen Witterungsverhältnisse einzustellen. Beispielsweise mit einem Paar dünner Überschuhe für die Übergangszeit und einem gut isolierten, dicken Paar für frostige Tage.

Insgesamt spricht die Flexibilität klar für die Lösung mit Überschuhen: Ist es beim Losfahren noch frisch, können sie später, sollte es wärmer werden, ausgezogen und eingesteckt werden. Nicht zu vernachlässigen ist der Aspekt, dass es Überschuhe erlauben, auch im Winter mit den vertrauten, in der Regel perfekt passenden Rennradschuhen zu fahren. Dafür spart man sich beim Anziehen von Winterschuhen das mitunter mühsame und oftmals fummelige Drüberziehen der Überschuhe - speziell wenn sie stramm und flatterfrei am Fuß sitzen sollen.

Vor- und Nachteile von Winterschuhen

  • Vorteile: Bessere Isolation, Rundum-Windschutz, Atmungsaktivität, angenehmeres Fußklima.
  • Nachteile: Teuer, weniger flexibel als Überschuhe.

Vor- und Nachteile von Überschuhen

  • Vorteile: Günstiger, flexibler, Verwendung der gewohnten Radschuhe möglich.
  • Nachteile: Weniger Isolation, fummeliges Anziehen.

Doch was hält die Füße am Ende wirklich besser warm: Winter- oder Überschuhe? Eine allgemeingültige Aussage ist schwierig, das zeigen die Ergebnisse der getesteten Modelle im aktuellen Vergleich. Bei Temperaturen um 5° C - das waren die Bedingungen beim Testen - konnten die wärmeren Überschuh-Modelle eine Zeitlang mit den Winterschuhen mithalten. Doch je länger und kälter die Touren werden, desto stärker profitieren Winterschuhe davon, dass sie gute Isolation, Rundum-Windschutz und Atmungsaktivität besser kombinieren - und ein angenehmeres Fußklima schaffen. Wer also häufiger oder länger bei frostigen Temperaturen unterwegs ist, sollte auf Winterschuhe setzen. Wunderdinge darf man dennoch nicht erwarten. Bei Temperaturen um und unter dem Gefrierpunkt bleiben die Füße - mangels Bewegung im Schuh - auch mit Top-Material nicht ewig warm.

Tipps vom Experten für warme Füße im Winter

Montiert die Cleats an euren "Winterschuhen" möglichst etwas weiter Richtung Kurbelseite, denn Überschuhe tragen auf, deshalb besteht die Gefahr, dass ihr euch auf Dauer die Kurbel zerkratzt. Eventuell vorhandene Belüftungsöffnungen an den Sohlen könnt ihr mit Isolierband abkleben, um Zugluft draußen zu halten. Und bei Regen hat es sich als hilfreich erwiesen, die Beinlinge über den Überschuhen zu tragen, damit der Regen (länger) außen abläuft.

Christian Brunker, Roadbike-Redakteur

Egal ob Winterschuhe oder Überschuhe, die erste Lage auf dem Fuß, also die Socken spielen eine entscheidende Rolle fürs Fußklima. Nicht nur Ex-Profi Mario Kummer schwört auf Socken aus Merino-Wolle, um die Füße auch auf längeren Winter-Ausfahrten warmzuhalten. Wenn es der Schuh zulässt, kann ein zweites Paar Socken Wunder wirken. Ebenfalls wichtig: Die Füße sollen laut Kummer nicht schwitzen, "denn dann werden sie irgendwann richtig kalt".

Testübersicht: Ausgewählte Überschuhe und Winterschuhe im Detail

Im Folgenden werden einige ausgewählte Überschuhe und Winterschuhe im Detail vorgestellt, basierend auf den Ergebnissen verschiedener Tests. Die Kriterien Kälteschutz, Nässeschutz, Ein-/Ausstieg, Verarbeitung und Ausstattung wurden bewertet, um eine umfassende Einschätzung zu ermöglichen.

Überschuhe im Test

Hier eine Auswahl von getesteten Überschuhen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen:

  • Sportful Fiandre Bootie: Sehr hoher Tragekomfort, top Regenschutz, tragen kaum auf. Nicht die wärmsten.
  • Shimano Road Thermal Shoe Cover: Herausragender Nässeschutz, angenehm warm, niedriger Preis. Passform nicht perfekt.
  • GripGrab Ride Winter Shoe Covers: Leicht anzuziehen, sehr günstig. Dichtet nicht gut gegen Fahrtwind, anfällig gegen Regen und Spritzwasser.
  • Gore Wear C5 WS Thermo Overshoe: In Neongelb erhältlich, eng anliegender, elastischer oberer Abschluss, leichtes Anziehen. Nähte innen nicht gedichtet.
  • Endura Freezing Point II: Top Schutz vor Regen, guter Tragekomfort, langer Reißverschluss für leichten Einstieg. Reflektor könnte größer sein.
  • Craft Bike Subz Bootie: Große Reflektoren, gute Isolation, verstärkter Zehenbereich. Oberer Bund eng und unelastisch.
  • Castelli Espresso Shoe Cover: Sehr gute Allrounder, eher dünnes und recht elastisches Material, leichtes Anziehen dank Lasche und Reißverschluss. Teurer, wenig Reflektoren.

Winterschuhe im Test

Auch Winterschuhe wurden getestet, um ihre Leistung in Bezug auf Kälteschutz, Kraftübertragung, Nässeschutz, Verschluss, Gewicht und Einlegesohle zu bewerten. Hier eine Auswahl:

  • 45 NRTH Ragnarök Tall: Sehr warm, bester Spritzschutz dank sehr hohem Schaft, leicht an- und auszuziehen, Weitenanpassung in Fahrt gut, viel Reflexmaterial. Fällt klein aus, Nummer größer probieren.
  • Fizik Terra Artica GTX: Tolle Passform, Material schützt sehr gut vor Wasser, flauschiges Futter wärmt gut. Über den niedrigen Schaft kann leicht Spritzwasser eindringen, Boa-Verschluss rastet lediglich in eine Richtung.
  • Gaerne G.ICE-Storm MTB 1.0: Leicht in der Weite justierbar, in halben Größen erhältlich. Hinter der Zunge kann Spritzwasser eindringen, für Temperaturen über null Grad und starke Schwitzer. Fällt klein aus, Nummer größer probieren.
  • Northwave Celsius XC Arctic GTX: Beim An- und Ausziehen hilft ein Schuh­löffel, Drehverschluss benötigt etwas Übung und lässt sich mit Handschuhen nicht immer sicher greifen. Fällt insgesamt groß aus, Nummer kleiner probieren.

Shimano MW7 im Detail

Shimano richtet sich mit seinem neuen MW7 an sportlich orientierte Winter-Biker. Die Sohle der Winterschuhe besteht zwar aus griffigem Ultread-Gummi. Das Profil ist allerdings sehr schmal gehalten und dürfte auf winterlichem Untergrund nicht gerade ultimative Sicherheit bieten. Aufgebaut ist der MW7 ähnlich wie der Giro Blaze: Auch der Shimano besteht im Prinzip aus einem klassischen Halbschuh, was eine feste und schlanke Passform verspricht. Für Wetterschutz sorgt eine integrierte und leicht gefütterte Gore-Tex-Membran. Oben auf den Halbschuh setzen die Japaner eine großzügige Klettabdeckung und einen Neopren-Schaft.

Im Gegensatz zu 45NRTH und Gaerne bekommt man bei Shimano lediglich den einfachen L6-Boa-Verschluss, der sich nur in eine Richtung feinjustieren lässt. Für den Preis wäre das hochwertigere LI2-Rädchen schön gewesen.

Handling & Passform des Shimano MW7

Dank des leicht laufenden Boa-Verschlusses und der breiten Klett-Lasche öffnen die Shimano MW7 Winterschuhe ihr „Maul“ weit wie ein gähnendes Flusspferd. Selbst ohne Anziehlasche verschwindet der Fuß so problemlos im Schuh. Die Passform ist weder breit noch schmal und auch größentechnisch fällt der MW7 normal aus. Biker/innen mit breiten Füßen können alternativ auch zur Wide-Variante des Schuhs greifen, die in den Größen 38 bis 48 verfügbar ist.

Mit dem Boa-Rädchen bringt man ausreichend Zug über dem gesamten vorderen Fuß auf. Die Klettlasche lässt sich ebenfalls ordentlich an den Knöcheln anpassen. Sie reicht zudem weit genug unter die lange Hose, um keine Lücke entstehen zu lassen. Eine nachträgliche Anpassung des Schuhs während der Fahrt wird durch die Konstruktion allerdings erschwert.

Wetterschutz & Isolation

Unsere Vermutung, die Shimano Winterschuhe könnten am Schaft nicht dicht halten, hat sich im Test nicht bewahrheitet. Unserer simulierten Regenfahrt hält der Schuh trotzig stand. Erst bei wirklich sehr starkem Schauer dringt etwas Wasser an der Nahtkreuzung auf Höhe des Schaftes ein.

Auch in Sachen Kälteschutz leistet sich der Shimano MW7 keine echte Schwäche. Sein Futter isoliert gut und sollte auch bei Temperaturen um den Gefrierpunkt zuverlässig die Füße warm halten.

So fahren sich die Shimano MW7 Winterschuhe

Erstaunlich, wie bequem sich doch ein Winterschuh tragen kann - fast wie ein normaler Race-Schuh und das genaue Gegenteil zu den teils wuchtigen, störrischen Winterschuhen. Der Neopren-Schaft ist angenehm flexibel, sodass sich der MW7 geschmeidig treten lässt. Die Kraftübertragung geht absolut in Ordnung, sodass man mit flottem Tritt durch die Winterlandschaft steuert.

Kleines Manko allerdings ist der einzelne Boa-Verschluss, der schon recht weit vorne am Spann endet. Hier wird der Fuß nicht ideal im Schuh fixiert. Das merkt man auch auf Schiebepassagen, wo die Ferse schon mal leicht nach oben lupft. Auch beim Profil hätte sich Shimano besser an seinen Trail-Schuhen bedient, als die sehr schmale Race-Sohle zu verbauen. Die Stollen enden recht weit innen, sodass der Stand etwas kippelig ist - unangenehm, wenn man nasse Wurzeln oder blanken Fels überqueren muss.

Shimano MW7 - Infos und Preis

Preis: 249,95 Euro

Größen: 38 bis 48; auch in Wide erhältlich

Gewicht pro Paar: 955 Gramm (Größe 46)

Ausstattung: Boa L6C-Verschluss; Klettabdeckung; Gore-Tex; Flies-Einlegesohle; Ultread-Gummi; Reflex

Tabelle: Shimano MW7 - Bewertung im Überblick

Kriterium Bewertung
Ausstattung (20 %) Boa L6C-Verschluss; Klettabdeckung; Gore-Tex; Flies-Einlegesohle; Ultread-Gummi; Reflex

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