Shimano Ultegra Bowdenzug wechseln: Eine detaillierte Anleitung

Die Gänge lassen sich nicht mehr schnell einlegen, die Kette rattert nach dem Schaltvorgang oder der Schalthebel hat Spiel? Dann wird's nicht nur Zeit, die Schaltung mal zu warten, da dürfen auch neue Schaltzüge eingezogen werden, um die optimale Funktion wieder herzustellen. Schalt- und Bremszüge werden in der Technik nach ihrem Erfinder Ernest Monnington Bowden auch Bowdenzüge genannt.

Werkzeug und Material

Für einen erfolgreichen Wechsel der Schaltzüge benötigst du folgendes Werkzeug und Material:

  • Zughüllenschneider (Cable Cutter)
  • Inbusschlüssel-Satz
  • Klebeband
  • Teflonspray
  • Schaltzugset
  • Liner
  • Zugendhülsen
  • Endkappen

Vorbereitung

Bevor du beginnst, solltest du einige Vorbereitungen treffen:

  1. Schalte, bis der Umwerfer oder das Schaltwerk auf dem kleinsten Kettenblatt, respektive Ritzel ist.
  2. Entlaste die Bowdenzüge, indem du vorne auf das kleinste Kettenblatt und hinten auf das kleinste Ritzel schaltest.
  3. Positioniere die Einstellschrauben so, dass sie nicht komplett heraus- oder hineingeschraubt sind. Drehe sie ganz rein und dann zwei- bis drei Umdrehungen wieder heraus.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Demontage des alten Schaltzuges

Wenn das Kabel ab ist, dann stell das Rad auf den Kopf. So fällt der Knopf, also das Ende des Seilzugs leichter raus. Allenfals musst du noch ein wenig dran rumfummeln. Mit einem kleinen Schraubenzieher sollte das dann recht zügig gehen.

Zum Herausziehen des alten Schaltseils die Zugwechsel-Öffnung am Schalthebel öffnen:

  • Shimano: Kreuzschlitzschraube seitlich.
  • Sram: Gehäusedeckel oben.

Anschließend das Schaltseil durch den Hebel herausziehen. Die Außenhülle verbleibt vorerst im Rahmenrohr!

Löse den entspannten Schaltzug an der Klemmschraube (Schaltwerk).

Damit sich das Seil aus der Hülle ziehen lässt, musst du das Ende mitsamt der Quetschhülse abschneiden.

2. Vorbereitung der Zughüllen

Achte darauf, die Hülle in harmonischen Bögen und weder zu knapp noch zu lang zu verlegen (Lenker muss sich in beide Richtungen voll einschlagen lassen).

Tipp: Bevor du den neuen Seilzug einführst, weite die Enden der Außenhüllen mit einem Nagel etwas auf. Denn selbst mit dem Bowdenzugschneider wird der Liner meist etwas gequetscht. Und nicht vergessen, die PVC-Endhülsen aufzustecken!

Wenn die Zughüllen bei deinem Rahmen nicht durchgehend im Unterrohr verlaufen, sondern an den Ein- und Auslässen andocken, unterscheiden sich die Arbeitsschritte teilweise.

Nun kannst du die Außenhülle am Schalthebel einige Zentimeter wegziehen und damit das Stahlseil freilegen. Dort musst du es abschneiden!

Jetzt kannst du das zwischen Lenker und Rahmenrohr sitzende Segment der Außenhülle abziehen, so dass das blanke Schaltseil noch aus dem Rahmen hängt. Ebenso unten am Tretlager die Außenhülle wegziehen.

3. Montage des neuen Schaltzuges

Nun kommt das Anfangs erwähnte Liner-Röhrchen zum Einsatz: Schiebe den Liner über den alten Seilzug bis er unten wieder aus dem Rohr kommt.

Erst jetzt den alten Zug nach unten aus dem Liner ziehen.

Aufpassen, dass der Liner im Rohr an Ort und Stelle bleibt! Er dient gleich als Führung für das neue Schaltseil.

Inzwischen kannst du die neuen Außenhüllen-Segmente auf die richtigen Längen schneiden.

Übrigens eine gute Gelegenheit, die Verlegung zu optimieren, falls die alten Hüllen vielleicht zu lang oder kurz waren.

Vor dem Aufstecken der PVC-Endhülsen hilft der Trick mit dem Nagel, um die Einlässe zu Weiten (siehe oben).

Um das neue Schaltseil einfädeln zu können, musst du am Hebel die Zugwechsel-Öffnung aufschrauben (Shimano: Kreuzschlitzschraube seitlich. Sram: Gehäusedeckel oben).

Der alte, abgeschnittene Seilrest lässt sich leicht heraus schieben.

Jetzt das neue Seil durch den Hebel und das erste Segment der Außenhülle fädeln.

Anschließend mit Gefühl durch den Liner im Rahmenrohr.

Sobald das Seil unten auftaucht kannst du den „Hilfs-Liner“ mit dem Seil zusammen durch bzw. aus dem Rahmen ziehen.

Der Rest ist reine Formsache: Schaltzug und weitere Außenhüllensegmente bis zum Schaltwerk fädeln.

System straff ziehen, Seil klemmen und die Schaltung gegebenenfalls einstellen.

4. Innen verlegte Züge

Das Verlegen der Schaltzüge im Rahmen bei integrierter Zugverlegung ist meist etwas tricky und erfordert Geduld.

Bevor du loslegst, überlege die Schritte genau.

Bevor du die alten Züge herausziehst, schiebe passend abgelängte Innenhüllen, sog. Liner, auf jeden Zug, der durch den Rahmen geführt wird.

Diese Montagehilfen, die das Verlegen neuer Züge spürbar erleichtern, sind im Fachhandel erhältlich.

Fädel jeweils vom Ende des Zuges, also ab Schaltwerk/Umwerfer, eine Hülle ein, bis sie unter dem Tretlager wieder aus dem Rahmen kommt.

Von dort ziehst du einen weiteren Liner bis zu den oberen Zuganschlägen am Steuer-/Oberrohr ein.

Fixiere die Liner mit Klebeband und ziehen nun die alten Züge heraus.

Exkurs: Ziehe niemals einen Schaltzug einfach so aus einem Liner, wenn dieser nicht an den jeweiligen Rahmenaufnahmen herausschaut!

Dann kann es passieren, dass der Liner sich irgendwo im Rahmen versteckt, du aber das Ende niemals wieder zum Einfädeln erreichst.

Bist du dir unsicher, pack am besten alles ein und geh zur Werkstatt, bevor du den Zug herausziehst.

Zuganschläge im Rahmen sind häufig ein Grund für schlechte Funktion der Schaltung.

Kontrolliere regelmäßig, ob jede Zugendhülse satt in der Rahmenaufnahme sitzt und ob die Zughülle darin festen Halt findet.

Die Zugaußenhülle weist einen Innendurchmesser von 4 mm auf, dementsprechend ist der Innendurchmesser der Zughülse ein klein wenig größer, etwa 4,2 mm.

5. Abschließende Arbeiten

Zu guter Letzt schützt du die Enden der Bowdenzüge durch Zugendkappen vor dem Aufspleißen.

Die kleinen Kappen für Schaltzüge haben einen Innendurchmesser von 1,2 mm und sind im Fachhandel erhältlich.

Die ziehst du über das Ende des Schaltzuges und drückst diese mittig mit einer Flach- spitz oder speziellen Bowdenzugzange fest zusammen, sodass die Endkappe nicht mehr runterrutscht.

Tipps und Tricks

  • Bowdenzüge kreuzen, oder nicht? Ob die beiden Schaltzüge am Unterrohr kreuzen oder nicht, ist eine "Glaubensfrage". Wenn die Zughüllen vom Lenker bis zum Zuganschlag auf der jeweils gegenüberliegenden Seite am Rahmen führen, kannst du die Züge kreuzen, damit der Bogen sanfter läuft. So sind sie auch besser am Unterrohr geführt und man bleibt weniger schnell daran hängen.
  • Zugführung unter dem Tretlager: Die Zugführung unter dem Tretlager sollte immer sauber sein - vergiss dieses versteckte Teil nicht, wenn du deinen Renner reinigst. Kontrolliere es auch auf Kanten oder Beschädigungen, und gebe nach jeder Reinigung etwas Teflon-Spray auf die Führung, damit die Züge hier möglichst leicht laufen.
  • Donuts verwenden: Sogenannte Donuts, kleine gelochte Gummistücke zum Auffädeln auf die Züge, verhindern nerviges Klappern am Rahmen und schützen diesen gleichzeitig ein wenig vor Scheuerstellen.
  • Gedichtete Zugendhülsen: Gedichtete Zugendhülse schützen die Zughüllen gut vor eindringendem Wasser und Schmutz, sie sind daher ein heißer Tipp für Vielfahrer, die bei jedem Wetter unterwegs sind. Allerdings erhöhen sie die Zugreibung etwas und sind deutlich teurer als die ungedichteten. Wer meist bei Trockenheit fährt, kann also bedenkenlos ungedichtete Endkappen verwenden.

Wartung und Pflege

In welchem Turnus ein Schaltzug erneuert werden muss, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Vor allem aber von der Nutzungsintensität. Denn die Gleitfähigkeit des Stahlseils in der Außenhülle nimmt mit der Zeit ab.

Hinzu kommt der Störfaktor Schmutz, der trotz winziger Dichtungen an den Ein- und Ausgängen der Außenhüllen ins Innere eindringen kann.

Weitere mechanische Einflüsse können das Schaltverhalten verschlechtern, zum Beispiel abknickende oder ungünstig verlegte Züge.

Untrüglicher Hinweis auf einen notwendigen Zugwechsel sind permanente, unpräzise Schaltschritte.

An modernen Schaltungen mit 10, 11 und mehr Ritzeln auf engstem Raum muss das Schaltwerk extrem kleine und präzise Schritte ausführen.

Wenn die Schaltrollen am Ende des Schaltvorgangs nicht exakt senkrecht unter dem gewählten Ritzel stehen bleiben, erzeugt die Kette Laufgeräusche oder springt zum benachbarten Zahnkranz über.

Man kann sich also vorstellen, dass jede Behinderung des Schaltseils auf seinem langen und kurvenreichen Weg vom Lenker zum Schaltwerk Probleme verursacht.

Sind Sie oft im Regen gefahren oder haben aus Zeitmangel die Wartung des Rades vernachlässigt, dann sind vielleicht die Bowdenzüge der Schaltung nicht mehr richtig gangbar.

Der Bowdenzug harkt in der verschmutzten Zughülle oder ist nicht mehr richtig geschmiert, vielleicht ist auch die Teflonbeschichtung des Stahlzuges verschlissen oder es sind gar einzelne Litzen gerissen und klemmen innen in der Ummantelung.

Hinweise

  • Teflonbeschichtete Züge überhaupt nicht schmieren, grundsätzlich ist keine Schmierung von Nöten.
  • Teflon, ob als Beschichtung oder Seele in der Zugummantelung wird durch Schmiermittel angelöst und würde aufquellen, was den Zug einklemmen könnte.
  • Es ist auch davon abzuraten, gerissene Litzen sauber abzutrennen.

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