Shimano hat die Rennradkomponenten aus der Ultegra-Gruppe komplett überarbeitet, dabei noch einige Gramm an Gewicht eingespart und auch an der Optik kräftig Hand angelegt. Eine große Bandbreite an Ausstattungsvarianten soll allen Ansprüchen von Rennradfahrern gerecht werden.
Überblick über die Shimano Ultegra Gruppe
Bereits vor einigen Wochen konnten Fachjournalisten einen ersten Blick auf die neue Ultegra-Gruppe blicken. Verfügbar ist die neue Gruppe ab Juli 2009 in der Zweifach-Version, ab September 2009 in der Dreifach-Version.
Gewichtsersparnis und Technologien
Im Vergleich zur Vorgängerserie 6600 fällt die Gewichtsreduktion mit 151 Gramm deutlich aus, im Vergleich zur Ultegra SL sind es immerhin noch 44 Gramm. Deutlich Gewicht eingespart wurde durch die Hollowglide-Technologie bei der neuen Kurbelgarnitur, die in einer Zweifach-, Kompakt- und Dreifach-Version in verschiedenen Kurbellängen erhältlich ist.
Ein hohlgeschmiedetes äußeres Kettenblatt sorgt dabei nicht nur für niedrigeres Gewicht, sondern erhöhe zugleich auch die Steifigkeit und garantiere so laut Shimano eine optimale Kraftübertragung und eine weiter verbesserte Schaltcharakteristik.
Das Gewicht beträgt 785 Gramm (bei 53-39Z und 1700 mm Kurbellänge inkl. 445 Gramm pro Paar wiegt die Dual-Control Schalt-Bremshebeleinheit, die sich durch Hebel aus Verbundwerkstoff und innen verlegte Schaltzüge auszeichnet. Zur Ausstattung gehört eine einfach zu bedienende Griffweitenverstellung.
Schaltwerk und Umwerfer
Das Schaltwerk wird in zwei Versionen erhältlich sein: einmal als „SS“ (mit kurzem Käfig) und einmal als „GS“ (mit einem mittellangen Käfig). Die Version mit kurzem Käfig bietet ein breites Übersetzungsverhältnis mit einer maximalen Kettenblatt-Differenz von 16 Zähnen und einer Gesamtkapazität von 33 Zähnen. Dieses Schaltwerk wird mit einer Shimano Kompakt-Kurbelgarnitur und einer Kassette mit 28 Zähnen kompatibel sein. Die „GS“-Version wird für den Einsatz einer Dreifach-Kurbel benötigt.
Auch für den Umwerfer wird es zwei unterschiedliche Versionen für Zweifach und Kompakt-Kurbeln bzw.
Weitere Komponenten
Bei der Seitenzugbremse weist Shimano insbesondere auf einen neuen Bremsschuh mit neuer Belagmischung hin. In einer Vielzahl von Abstufungen wird die neue Zehnfachkassette erhältlich sein. Das Gewicht beträgt in der 11-23-Zähne-Version 208 Gramm. Die neue Kette ist für eine vorgegebene Laufrichtung ausgelegt und lasse sich durch die Verwendung des Quicklink-Kettenschlosses SM-CN79 problemlos ohne Werkzeug montieren und demontieren.
Mit dem WH-6700 präsentiert Shimano einen Laufradsatz, dessen Naben dieselbe Farbgebung wie die übrigen Komponenten aufweisen. Dieser Laufradsatz ist sowohl für Tubeless-Straßenreifen als auch für Drahtreifen geeignet. Der Freilauf-Körper aus Stahl ist mit Acht-, Neun- und Zehnfach-Kassetten kompatibel.
Grundlagen von Fahrradkurbelsätzen
Der Kurbelsatz zählt zu den wichtigsten Bauteilen einer Fahrradschaltung. Dabei ist das Marktangebot recht leicht klassifizierbar. Im Grunde gibt es nur drei verschiedene Typen: Dreifach-, Kompakt- oder Standardkurbeln. Alle Varianten haben dabei Vor- wie Nachteile und eignen sich jeweils für eine bestimmte Zielgruppe.
Aufbau und Konstruktion
Eine Fahrradkurbel besteht aus den Tretkurbeln und den Kettenblättern. Alle Komponenten sind im Fachhandel einzeln erhältlich, die meisten Biker entscheiden sich zwecks Zeitersparnis allerdings oft für einen vormontierten Kurbelsatz. Orientieren kann man sich beim Kauf an zwei Details. Erstens stellt sich die Frage, wie viele Kettenblätter verbaut sind? Und zweitens kommt es auf die Zähnezahl der einzelnen Blätter an.
Dreifachkurbeln: Vielseitigkeit für anspruchsvolles Gelände
Dreifachkurbeln haben drei Kettenblätter. Daraus ergibt sich eine hohe Gangvielfalt, die vor allem auf hügeliger Strecke sinnvoll ist. Sprich: Wer bevorzugt mit dem Mountainbike in den Bergen unterwegs ist, wird eine Dreifachkurbel zu schätzen wissen.
Im Gegenzug sind die Systeme recht schwer, zudem ist nicht jeder Umwerfer in der Lage, die Kette zuverlässig und präzise auf drei Blätter umzulegen. Im Zweifel benötigt man folglich ein Spezial-Exemplar. Ebenfalls wichtig: Manchmal ist sogar ein breiteres Innenlager nötig. Der Umstieg auf eine Dreifachkurbel kann also Zusatzkosten verursachen.
Standard- und Kompaktkurbeln: Alternativen für unterschiedliche Ansprüche
Zweifachkurbeln mit zwei Blättern wiederum gibt es als Standard- und oder als Kompaktkurbeln. Erstere haben meist 53 bzw. 39 Zähne, was hohe Übersetzungen sowie flotte Geschwindigkeiten ermöglicht. Sie sind damit prädestiniert für den Rennradbereich - für Normalsterbliche jedoch ungeeignet. Denn meist ist bereits der kleinste Gang „zu groß“, um halbwegs vernünftig eine Steigung zu bewältigen.
Freizeitbiker greifen deshalb besser zur Kompaktkurbel.
Einfach-, Zweifach- oder Dreifach-Kurbel?
Traditionell wird bei Rennrädern auf die Zweifach- oder Dreifach-Kurbel gesetzt. Die Kurbel besteht dabei aus zwei Kurbelarmen die auf einer Tretlagerwelle liegen und ist in der Regel zwischen 160mm und 175mm lang. Die Zweifach-Kurbel hält zwei, die Dreifach-Kurbel drei Kettenblätter.
Aus dem MTB-Sport kann in den letzten Jahren auch die Einfach-Kurbel in den Rennrad-Bereich und wird hauptsächlich bei Cyclocross-Rädern eingesetzt. Eine Einfach-Kurbel minimiert natürlich die Fehleranfälligkeit der Kurbel, da kein Umwerfer nötig ist. Die meisten Rennräder nutzen allerdings eine Zweifach-Kurbel, die Dreifach-Kurbel findet man hauptsächlich bei Einsteiger- und Freizeit-Rädern.
Zweifach-Kurbeln lassen sich in Compact-Kurbeln, Mid-Compact (oder Pro-Compact)-Kurbeln und Standard-Kurbeln einteilen. Letztere hat beim großen Kettenblatt 53 Zähne und beim kleinen 39 Zähne und wird häufig von den Profis eingesetzt. Die Compact-Variante setzt auf 50 Zähne beim großen Kettenblatt und 34 beim kleinen, was für angenehmere Übersetzungen vor allem bei Anstiegen sorgt. Die neueste Option Mid-Compact liegt dazwischen mit 52 Zähnen / 36 Zähnen.
Für Freizeiträder, Fitnessbikes und Cyclocrosser wird häufig eine Zweifach-Kurbel mit 46/36 Zähnen verwendet. Eine Dreifach-Kurbel hat meistens ein großes Kettenblatt mit 50, dann eines mit 39 und das kleinste mit 30 Zähnen.
Die Kettenblätter vorne sind die Grundlage für die Übersetzungsbandbreite, die dann von der Kassette hinten komplettiert wird. Die Kassette besteht aus mehreren Ritzeln, aktuell meist 11, was bei einer Zweifach-Kurbel 22 Gänge ergibt. Einsteiger-Gruppen nutzen auch 8-10-fach Kassetten.
Vor- und Nachteile der Dreifachkurbel
Shimano brachte einst mit der Dreifachkurbel für Rennradgruppen diese Möglichkeit auch ohne Anleihe aus dem MTB-Bereich in greifbare Nähe - mit Shimanos größtem erhältlichem 27er-Ritzel ergibt sich eine Übersetzung von nur 1:1,1. So lassen sich steile Anstiege erträglich meistern - ein Grund, warum passionierte und clevere Alpinisten vorn dreifach fahren.
Stilisten allerdings verwehren sich gegen dreifach, und auch technische Argumente sprechen gegen die Option auf drei Kettenblätter. Etwa das höhere Gewicht von rund 150 Gramm oder die um 1,5 Millimeter nach außen versetzte Kettenlinie. Zudem treten sich Dreifachkurbeln breiter, haben also einen höheren Q-Faktor (Abstand zwischen den beiden Außenkanten der Pedalgewinde).
Nicht unproblematisch ist auch die richtige Justage des speziellen dreifachtauglichen Umwerfers - Shimano weist im technischen Handbuch darauf hin, dass es bei gewissen Rahmenformen zu Schaltproblemen kommen kann -, bei Kurbeln mit zwei Blättern kaum ein Thema. Schließlich erfordert das dritte Kettenblatt selbst bei perfekt justierter Schaltung mehr Aufmerksamkeit beim Schalten, um einen Kettenschräglauf zu vermeiden. Einsteiger sind da oft überfordert.
Empfehlungen für verschiedene Fahrertypen
Folgerichtig erleben Kompaktkurbeln derzeit enormen Zulauf als sinnvoller Kompromiss. Sie funktionieren problemlos mit herkömmlichen Umwerfern, obwohl manche Hersteller auch spezielle Kompakt-Umwerfer anbieten. Außerdem erfordert "kompakt" kein großes Mitdenken beim Schalten und erlaubt mit einem möglichst großen letzten Ritzel ordentliche Berg-Übersetzungen.
Darum empfiehlt RoadBIKE nicht nur Einsteigern, sondern jedem Freizeitsportler diese Lösung. Nur wer rennorientiert in die Pedale tritt, braucht Standardkurbeln. Der Umstieg von Standard auf Kompakt ist technisch problemlos, allein die Kettenlänge muss angepasst, zudem der Umwerfer etwas tiefer montiert werden, damit er sauber über den etwas kleineren Blättern der Kompaktkurbel steht.
Shimano Ultegra: Eine Klasse für sich
Shimanos Ultegra steht unter den Rennrad-Gruppen wie kaum ein anderes Produkt für die anspruchsvolle Mittelklasse. Funktional, hochwertig und zuverlässig, aber auch nicht großspurig teuer - und deshalb massenhaft gekauft. Dass auch die neue Ultegra mit Ziffernfolge 6800 ein Bestseller wird, lässt sich schon jetzt mit Sicherheit sagen.
Die neue Formensprache der Dura-Ace wurde in ein weniger exaltiertes Finish verpackt; statt auf Spiegelglanz polierte silberne und schwarze Flächen changieren hier rauchgrauer Glanz und rauchgrau matte Flächen. Alles wirkt modern, wertig und zusammengehörig wie aus einem Guss - aber auch irgendwie erwartbar.
Erfahrungen im Praxistest
Auf dem Rad offenbaren sich die wahren Stärken der neuen Ultegra - etwa 500 Kilometer sind wir mit der Gruppe durch die Südtiroler Berge gefahren, zusätzlich zum üblichen Labortest. Die neuen STI-Hebel sind schlanker und handlicher geworden, ein ergonomischer Fortschritt zu den vielfach kritisierten, dicken Griffkörpern der 6700. Auch der Bremshebel ist organischer geformt und liegt besser in der Hand. Das Schaltverhalten bestätigt die Detailarbeit, die Shimano in die neue Generation investiert hat. Kurze Hebelwege, geringe Bedienkräfte, und dennoch ein wohldefinierter Klick bei jedem Gangwechsel.
Montage und Kompatibilität
Bei Montage und Einstellung der neuen Gruppe zeigt sich, dass die Technik immer ausgefeilter und damit auch komplizierter wird - was aber nicht nur für Shimano gilt. Augenfälliges Beispiel ist der neue Ultegra-Umwerfer. Er ist deutlich komplizierter zu montieren und einzustellen als bisher. Zudem verzichtet Shimano darauf, ausführliche Montageanleitungen beizulegen - was man als dezenten Hinweis deuten könnte, das doch lieber den Händler machen zu lassen.
Vergleich verschiedener Kurbelmodelle
Der Umstieg auf Kompakt bringt neben einem leichteren Tritt zudem einen Nebeneffekt, der jeden freut: Das Rad wird leichter, bei Kurbeln des gleichen Modells um rund 50 Gramm. So ist der Umstieg auf eine neue Kurbel nicht nur funktionales und optisches Tuning, sondern speckt den Renner auch ab - wie ein Blick auf die von RoadBIKE gewogenen Kurbeln zeigt.
Bei den Top-Modellen liegen zwischen Campagnolos samt Lagerschalen nur 695 Gramm schwerer Record und Truvativs Noir satte 93 Gramm. Auch Shimanos Klassiker Dura-Ace rangiert 72 Gramm hinter Camapagnolos Leichtbauwunder. In der Mittelklasse liegt Shimanos neue Ultegra SL mit 802 Gramm Set-Gewicht vorn, hier haben sich die Japaner richtig ins Zeug gelegt und am Gewicht der Lager und Kettenblätter gefeilt.
Aber auch Sram markiert mit der neuen Rival OCT, die dank spezieller Alu-Legierung leichter wurde, einen sehr guten Wert. Erfreulich bei allen genannten Modellen: Trotz des niedrigen Gewichts erreichen sie durchweg Steifigkeitswerte, die auch schweren Fahrern problemlos standhalten.
Steifigkeitswerte im Test
RoadBIKE vermisst im Testlabor beide Kurbelarme separat, da die Antriebsseite konstruktionsbedingt bei jedem Modell steifer ist. Aber auch die schwächeren linken Arme liegen bei fast allen Kurbeln im Testfeld über 80 N/mm. Analog zu den Tretlagersteifigkeiten von Rahmen ist dies der Wert, der für jedes Fahrergewicht uneingeschränkt zu empfehlen ist.
Signifikant unter dieser Grenze liegen die Modelle SL-K von FSA, Force von Sram und Fast Foot von Tune. Deren Steifigkeiten unter 70 N/mm bedeuten zwar für einen Fahrer um 75 Kilo noch keinen deutlichen Nachteil - eine vergleichsweise im selben Rahmen montierte, richtig steife Kurbel fühlt sich beim harten Antritt aber direkter an und trägt so ihren Teil zum Gefühl von sattem Vortrieb bei.
Überblick über Shimano Rennrad Schaltgruppen
Der Marktführer im Bereich der Rennrad-Gruppen ist Shimano. Die japanische Komponentenschmiede hat das größte Sortiment und wird auch von den meisten Profi-Teams der WorldTour eingesetzt.
Die Shimano Produktpalette
- Claris: Die Shimano Claris ist die Einsteiger-Gruppe des Herstellers und eignet sich vor allem für Rennrad-Einsteiger und Freizeitfahrer.
- Sora: Die Sora ist in Sachen Funktion und Qualität vergleichbar mit der Claris, kann aber mit seiner 9-fach Kassette einen Extra-Gang verbuchen.
- Tiagra: Mit der Shimano Tiagra sind wir im echten Rennrad-Geschäft unterwegs. Die Schaltung mit 10-fach Kassette ist dank seiner verbesserten Performance und Widerstandsfähigkeit an vielen Rennrädern und sogenannten All-Road-Bikes zu finden.
- 105: Die Shimano 105 ist für viele die erste wirklich brauchbare Rennrad-Schaltung, wenn es an die Wettbewerbsfähigkeit geht.
- Ultegra: Die Ultegra ist für ambitionierte Hobbysportler und in der Funktionalität identisch mit dem Top-Model Dura-Ace.
- Dura-Ace: Die Dura-Ace Schaltung ist die Referenzklasse von Shimano.
Tabellarische Zusammenfassung der getesteten Kurbelmodelle
| Modell | Hersteller | Preis | Gewicht (g) | Steifigkeit li/re (N/mm) | Testurteil |
|---|---|---|---|---|---|
| Record | Campagnolo | 525 € | 603 + 92 | 88,3/108,3 | Überragend |
| Veloce | Campagnolo | 139 € | 759 + 92 | 81,3/107,7 | Sehr gut |
| Ultegra SL | Shimano | 219,95 € | 713 + 89 | 90,6/114,6 | Sehr gut |
| Rival OCT | Sram | 219 + 35 € | 703 + 119 | 91,3/136,4 | Sehr gut |
| Centaur | Campagnolo | 179,00 € | 757 + 92 | 80,4/108,4 | Sehr gut |
| Chorus | Campagnolo | 339,00 € | 643 + 92 | 94,9/102,5 | Überragend |
| SL-K | FSA | 467,00 € | 707 + 136 | 69,3/70,6 | Gut |
| K-Force light | FSA | 680,00 € | 659 + 96 | 74,8/99,6 | Sehr Gut |
| Racing Torq R | Fulcrum | 282,90 € | 680 + 92 | 83/96,1 | Sehr gut |
| Racing RS | Fulcrum | 444,90 € | 606 + 92 | 86/96,3 | Sehr gut |
| Cadence | Race Face | 199,00 € | 759 + 107 | 76,2/102,5 | Etwas weiche L... |
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