Die Shimano Ultegra Gruppe ist bekannt für ihre Vielseitigkeit und ihre Fähigkeit, die Anforderungen verschiedener Rennrad-Kategorien zu erfüllen. Neben der mechanischen Schaltung gibt es auch eine elektronische Di2-Version, beide sowohl für Felgen- als auch für hydraulische Scheibenbremsen.
Technische Details und Verarbeitung
Die Ultegra orientiert sich technisch und optisch stark an der Dura-Ace, übernimmt wesentliche Merkmale wie das Schaltwerks-Design, die Gestaltung der Kurbel und den kompakten Umwerfer. Optische Unterschiede beschränken sich auf einfachere Oberflächen, wobei die graphitgraue Ultegra matt schimmert, während die tiefschwarze Dura-Ace mit polierten Flächen glänzt. Verarbeitet sind die Komponenten indes auf höchstem Niveau, wie man es von Shimano gewohnt ist.
Neuerungen und Verbesserungen
Beim ersten Griff an die Schaltbremshebel fällt deren leicht geänderte Form auf. Die Griffkörper sind schlanker, die Oberseite ist etwas flacher, sodass die Hände bequem aufliegen. Die Bremshebel sind weiter nach außen geschwungen und der kleine Schalthebel ist leicht vergrößert, wodurch alle Hebel leichter zu erreichen sind. Geblieben ist, dass man den Abstand des Bremshebels zum Lenker mit einer Schraube unter dem Griffgummi einstellen kann.
Der neue vordere Umwerfer ist kompakter und einfacher einzustellen, was besonders an Adventure- und Gravelbikes von Vorteil ist. Auch die Kurbel wurde an das aktuelle Design angepasst und hält das hohe Niveau der Vorgängerin. Shimano bleibt bei der bewährten Aluminium-Bauweise und dem Hollowtech-II-Standard mit Stahlwelle für das Tretlager.
Die Hydraulische Scheibenbremse im Detail
Die Bremsleistung der Ultegra-Bremse ist vergleichbar mit der bisherigen Hydraulikbremse BR-RS805. Um die hitzeempfindlichen Sandwich-Scheiben nicht an ihre Grenzen zu bringen, sind nun großflächige Kühlbleche aus Aluminium integriert, die möglichst viel Hitze an den Fahrtwind abgeben sollen. Die Hebelform orientiert sich an jener der Felgenbremsen, die Griffkörper sind durch die integrierte Hydraulik aber etwas dicker und höher und nicht ganz so handfreundlich.
Erster Härtetest und Erfahrungen
Für ein Systemgewicht um die oder leicht über 100 Kilogramm können zumindest die Scheiben mit 160 Millimetern Durchmesser auch auf steilen Abfahrten als betriebssicher gelten. Die Scheiben können sich bei starker Hitze auch verziehen und schleifen dann an den Belägen. Bei hoher Belastung zeigt das System dennoch Schwächen: Ab einer Temperatur von zirka 200 Grad Celsius setzt ein ausgeprägtes Fading ein, die Bremse verliert etwa 30 Prozent an Leistung. Dies ist ein bekanntes Phänomen, das nur ein Mal auftritt; es ließe sich vermeiden, wenn die Bremsen bzw. die Beläge bereits vom Hersteller eingebremst oder auf andere Weise hitzebehandelt würden.
Alternativen und Vergleiche
Wenn man sich etwas mit dem Thema beschäftigt, kommt man am Ende meist bei drei Bremsen raus: Die Avid BB7, die TRP Spyre und die TRP Spyke. Alle genannten sind für den anspruchsvollen Einsatz am Reise- oder Bikepacking-Rad geeignet. Ich bin sowohl die BB7 Road (am Salsa Marrakesh) als auch die TRP Spyre gefahren. Beide Bremsen sind natürlich gut und bremsen auch bei Nässe prima. Die Montage ist bei beiden sehr einfach und die Beläge sind beidseitig mit einem Inbus, bzw. Rädchen auf der einen Seite bei der BB7, nachstellbar.
Mechanische Scheibenbremsen hingegen sind preislich günstiger (meistens), kommen mit ihrer Bremsleistung - wenn richtig eingestellt - durchaus schon an hydraulische Bremsen heran, sind oft leichter als diese und lassen sich einfacher montieren und warten. Und man kann diese Bremsen mit nahezu jedem Bremshebel bedienen, der mechanische Bremsen steuert. Das ist vor allem für all diejenigen interessant, die von einer felgenzerstörenden V-Brake (Achtung, Wertung! 🙂 ) auf eine Scheibenbremse wechseln möchten und dabei nicht gleich die komplette Schalt-/Bremseinheit tauschen wollen.
Montage und Kompatibilität
Es ist gar nicht so einfach, einen Rahmen zu finden, der sowohl auf der Straße wie auch im Gelände eine gute Figur abgibt und die Montage einer elektronischen Schaltgruppe samt Scheibenbremsen zulässt. Neben der aktuellen Ultegra 6870 Di2 mit Sattelstützakku, an der Kurbel sind Blätter mit 46 und 36 Zähnen montiert, haben wir zudem die neuen Ultegra-Bremssättel und Centerlock-Scheiben der XTR-Serie verbaut. Diese haben wir mit einer 160er Scheibe vorn und einer 140er Scheibe hinten kombiniert.
Die Kabel der Ultegra 6870 Di2 werden im Rahmen geführt und lassen sich gewohnt leicht miteinander in Verbindung bringen. Auch das Verlegen der Bremsleitung erfolgt weitgehend problemlos. Während ein Ende der Leitungen mit den Sätteln für die Vorder- beziehungsweise Hinterradbremse verbunden ist, besitzen auch die Schalthebel bereits eine integrierte Leitung.
Fahrgefühl und Performance
Im Einsatz fällt zunächst die Form der Griffe auf. Verglichen mit herkömmlichen Ultegra-Hebeln zeichnen sie sich durch ein wesentlich höheres Horn aus, welches jedoch etwas niedriger ist, als das der US-amerikanischen Konkurrenz. Zwar ist die Ultegra 6870 Di2 nicht ganz so knackig wie das wesentlich teurere Pendant Dura-Ace 9070 Di2. Ein Unterschied ist jedoch kaum bemerkbar - einzig das Gesamtgewicht des Systems ist etwas höher. Positiv ist, dass die Ultegra 6870 auch unter Last vorzüglich schaltet.
Auch die Bremsen zeigen sich ausgereift. Weder auf kurzen Abfahrten mit bis zu 12 Prozent Gefälle im Schnitt, noch während des Einsatzes unter wirklich widrigen Bedingungen lassen sie sich etwas anmerken. Ein Fading konnten wir nicht feststellen. Im Gegenteil, stets packen sie kraftvoll und zuverlässig zu. Dank der niedrigen Handkräfte, die man zum Bremsen benötigt, eignen sie sich damit vor allem für Radmarathonliebhaber, aber auch für Fahrer mit kleinen Händen, insbesondere Frauen und Kinder.
Scheibenbremsen vs. Felgenbremsen: Ein Vergleich
Kaum ein Thema wird derzeit unter Rennradfahrern heißer diskutiert. Die Meinungen reichen von „überflüssig“ bis „innovativ“. Aber eigentlich war es nur eine Frage der Zeit, bis die Scheibenbremse ihren Weg ans Rennrad finden würde. Denn ganz nüchtern betrachtet ist ein Scheibenbremsensystem einer herkömmlichen Felgenbremse in fast allen Disziplinen überlegen.
Vorteile von Scheibenbremsen
- Optimale Bremswirkung bei jeder Witterung
- Kein Felgenverschleiß
- Keine Gefahr von Überhitzung der Felge auf langen Abfahrten
- Geringe Handkräfte (bei hydraulischen Systemen)
- Kein Zugverschleiß (bei hydraulischen Systemen)
Nachteile von Scheibenbremsen
- Höheres Gewicht
- Kompliziertere Montage und Wartung
- Empfindlichkeit gegenüber äußeren Einflüssen (Quietschen)
Testergebnisse im Überblick
ROADBIKE hat die wichtigsten Modelle von Shimano, Sram und Campagnolo getestet: Ultegra, Force und Chorus. Alle Bremsanlagen wurden nacheinander auf dem Scheibenbremsenprüfstand des Schweizer Bremsenspezialisten Swiss Stop im Beisein von ROADBIKE getestet.
Bremskrafttest
Der Test ermittelt, wie viel Bremskraft die getesteten Bremsen bei identischer Handkraft entwickeln. Getestet wird sowohl bei trockenen wie auch bei nassen Bedingungen. Nach dem Einbremsen folgen sechs "trockene" Durchläufe, wobei die Handkraft jeweils gesteigert wird (20, 40, 60 Newton). Für die Bewertung herangezogen werden die Durchläufe vier, fünf und sechs. Anschließend folgen drei Messungen, bei denen die Bremsanlage kontinuierlich mit Wasser benetzt wird.
Belastungstest
Der Test ermittelt, wie die verschiedenen Bremssysteme und ihre einzelnen Komponenten auf große Bremshitze reagieren. In drei Durchläufen wird jeweils viermal von 60 km/h bis zum Stillstand heruntergebremst. Die Handkraft beträgt dabei nacheinander 20, 40, 60 und 80 Newton. Gemessen wird die Strecke in Metern, die bis zum Stillstand benötigt werden. Anschließend werden die einzelnen Komponenten untersucht, insbesondere die Bremsscheiben und die Beläge.
Belagverschleiss
Durch Wiegen der Bremsbeläge wird erfasst, wie stark die einzelnen Tests die Beläge verschleißen. Dafür werden für die Bremskraft- und Belastungstests jeweils fabrikneue Beläge verwendet, die vorher und nachher gewogen werden. Der Masseverlust, der bei den Messungen festgestellt und in Prozent umgerechnet wird, beziffert ausschließlich den Belagverschleiß, da die Trägerplatten natürlich keine Veränderung erfahren.
Ergebnisse der ROADBIKE-Tests
- Bremskraft im Trockenen: Sowohl Shimanos Ultegra- als auch Srams Force- und Campagnolos Chorus-Scheibenbremsanlagen überzeugen im Trockenen.
- Bremskraft bei Nässe: Bei Nässe bietet Shimano bei geringen Handkräften deutlich die höchste Bremsleistung.
- Bremsweg von 60 km/h auf 0: Campagnolo und Sram liegen quasi gleichauf und bremsen auch bei zunehmender Hitze im System verlässlich.
- Belastbarkeit der Bremsscheiben: Eindeutige Antwort: die von Sram.
- Haltbarkeit der Beläge: Shimanos organische Resin-Beläge L03A verschleißen im Vergleich zur Konkurrenz schneller.
Tabelle: Vergleich der Scheibenbremsen von Shimano, Sram und Campagnolo
| Merkmal | Shimano Ultegra | Sram Force | Campagnolo Chorus |
|---|---|---|---|
| Bremskraft im Trockenen | Sehr gut | Sehr gut | Sehr gut |
| Bremskraft bei Nässe | Hervorragend | Gut | Befriedigend |
| Bremsweg | Gut | Sehr gut | Sehr gut |
| Belastbarkeit Bremsscheibe | Befriedigend | Hervorragend | Gut |
| Haltbarkeit Beläge | Befriedigend | Gut | Gut |
Insgesamt setzt sich Srams Force in diesem Vergleich an die Spitze: Sie überzeugt mit beeindruckender Bremskraft, zeigt wenig Verschleiß, hat kurze Bremswege und trotzt selbst größter Bremshitze souverän. Bei Campagnolos Chorus-Gruppe, die als einzige nur mechanisch schaltet, erweisen sich die Bremsen ebenfalls als sehr hitzeresistent, schwächeln aber etwas bei Nässe. Shimanos neue Ultegra bremst vor allem mit geringer Handkraft beeindruckend stark, die Beläge verschleißen aber schneller, und unter ungünstigen Bedingungen und nicht optimaler Bedienung drohen schneller als bei der Konkurrenz hitzebedingte Schäden.
Verwandte Beiträge:
- Shimano GRX Schaltwerk 11-fach: Test & Kaufberatung
- Shimano Dura Ace Kassette 11-fach: Test, Vergleich & Kaufberatung
- Shimano XT Übersetzung: Die optimale Übersetzung finden
- Shimano EP8 App Einstellungen: Optimale Einstellungen für Deine E-Bike Tour
- Smartrike Dreirad grün: Test & Kaufberatung für Kinder
- Fahrrad für Kinder ab 3 Jahre kaufen: Der ultimative Ratgeber für sichere und spaßige Fahrten!
Kommentar schreiben